Außergewöhnliche Motorradreisen sind nicht nur etwas für junge Leute. Frauen im fortgeschrittenen Alter beweisen, dass Abenteuerlust keine Altersgrenze kennt. Lisa Berg und Katharina Kipp aus Göppingen, beide Mitte 30, haben beispielsweise eine außergewöhnliche Motorradtour durch Vorderasien gemacht. Ihre Reise führte sie durch politisch instabile Länder wie Iran, Irak, Kirgisistan und Tadschikistan. Dazu kamen extreme Wetterbedingungen wie Eis und Schnee.
Ihr Abenteuer ist nicht nur eine persönliche Reise, sondern auch eine Geschichte von Durchhaltevermögen, kulturellen Begegnungen und der Herausforderung, in touristisch kaum erschlossene Regionen vorzudringen. Doch auch ältere Damen wagen sich auf zwei Rädern in die Ferne.
Margot Flügel-Anhalt: Mit 64 Jahren auf dem Motorrad durch Zentralasien
Margot Flügel-Anhalt fuhr nach ihrer Pensionierung als Sozial- und Theaterpädagogin mit 64 Jahren auf einer kleinen Reise-Enduro von Nordhessen bis nach Zentralasien. Die Filmdoku zu ihrem Reiseabenteuer "ÜBER GRENZEN" erreichte Platz 7 der Kino-Arthouse-Charts und wurde ein Quotenhit im TV und in der ARD-Mediathek. Ihr erstes Buch "ÜBER GRENZEN" erreichte die TOP 10 der SPIEGEL-Bestsellerliste.
Mit 65 Jahren reiste Margot Flügel-Anhalt allein mit ihrem alten Benz 18.000 Kilometer durch 15 Länder. Von Deutschland bis nach Laos. Die rüstige Rentnerin erlebt in "EINFACH ABGEFAHREN" nicht nur berührende Begegnungen mit Fremden und atemberaubenden Landschaften, sondern auch bedrohliche Momente in Kriegs- und Krisengebieten.
Mit fast 70 Jahren bricht Margot in "HOCH. HINAUS." zu ihrem Sehnsuchtsziel auf, dem legendären Himalaya-Bergriesen Nanga Parbat. Auf ihrem Weg wird sie Zeugin der verheerenden Flutkatastrophe in Pakistan, erlebt Unterdrückung und Freiheit, Gewalt und Schönheit der Natur. Es sind besonders die Gegensätze, die ihre Reise am Ende so einzigartig machen.
Der Beginn einer ungewöhnlichen Reise
Schon als Kind und Jugendliche wollte sie vor allem eines: unterwegs sein. Als Rentnerin nutzte sie die neugewonnene Freiheit, um diesen Traum umzusetzen: Mit 64 setzte sie sich zum ersten Mal in Ihrem Leben aufs Motorrad und fuhr los Richtung Hindukusch - voller Abenteuerlust und Ideen. Und das ohne Motorradführerschein. Damit nicht genug: Ihre nächste Weltreise unternahm sie in ihrem 24 Jahre alten Benz. Mit dem brach sie von ihrem 44-Seelendorf Thurnhosbach in Nordhessen zu ihrem Traumziel gen Laos auf - und kam nach über 18.000 Kilometern und vielen Umwegen tatsächlich am Mekong an.
Die Motivation hinter den Reisen
Nach einer früheren Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn war das erklärte Ziel, noch einmal gen Osten zu reisen - also eine sehr lange, sehr weite Strecke. Philip, mein Sohn, drängte mich dazu, Motorrad fahren zu lernen, damit er auf mich als Begleiterin zurückgreifen kann - große Ehre! Und für die kleine 125er Reiseenduro habe ich mich kurzerhand entschieden, weil die Zeit, einen richtigen Motorradführerschein zu machen, vor meiner Abreise nicht gereicht hat.
Bei meinen Recherchen zur Tour gen Osten fiel mir der Pamir Highway ins Auge. Ich war von den Reisebeschreibungen schließlich so begeistert, dass ich die wundervolle Bergwelt Zentralasiens mit eigenen Augen sehen wollte.
Herausforderungen und unvergessliche Momente
Die schwierigen Pistenverhältnisse bei Regen, Schlamm und Schneematsch in der dünnen Luft auf mehr als 3800 Meter Höhe über den Kyzyl-Art-Pass von Kirgistan nach Tadschikistan - das waren die größten Herausforderungen für mich und meine gebeutelte kleine Honda mit Benzin-Luftgemisch im Vergaser. Aber noch heftiger wird es, wenn unterwegs plötzlich unerwartet der erste Gedanke an eine mögliche Rückkehr aufkeimt.
Und auch die vielen anderen Menschen, die mir Wasser, Unterkunft, Essen, technische Hilfe und Einblick in ihre besonderen Leben geschenkt haben. Jeden Augenblick prägen die unfassbaren Wunder der zentralasiatischen Bergwelt mein Bewusstsein: Imposante, erhabene Gebirgszüge auf der einen und auf der anderen Seite Wüsten, die ich durchquert habe: ein wildes, unwegsames, undurchdringliches Nichts.
Nach einem schmerzhaften Sturz, bei dem mir eine Eisenkante des Motorrads den Fußknöchel beinahe gespalten hat, war es unglaublich schwer, wieder auf das Motorrad zu steigen. Nur mit Hilfe des Mitgefühls und der mentalen Unterstützung meiner Biker-Mentoren konnte ich die Angst vor einem erneuten Sturz überwinden und wieder aufsteigen. Der furchtbare Terroranschlag, bei dem im Süden Tadschikistans vier Menschen ihr Leben verloren und drei andere teilweise schwer verletzt worden sind, hat tiefe Ängste in uns Fernreisenden ausgelöst. Ich wollte erfahren, wie die Menschen dort im Osten leben und überleben. Daher war weiterfahren oder nicht weiterfahren nie die Frage. Ich hatte mich entschieden, aufzubrechen.
Reisen in politisch schwierigen Regionen
Die schwierigen sozialen Verhältnisse z.B. in Tadschikistan und insbesondere in der autonomen Region Gorno-Badachschan sind deutlich erkennbar: kein fließendes Wasser, nur stundenweise Strom über Generatoren, keine ärztliche Infrastruktur für Notfälle. Und Arbeitsplätze, Schulen, Krankenhäuser gibt es nur in den größeren Orten. Die politische Unterdrückung im Iran ist überall fühlbar und ständiger Begleiter. Wer sich nicht den schiitischen Regierungsparteien zuordnet, oder beispielsweise vom Islam zum Christentum konvertiert, ist so gut wie tot.
Filmdrehs während der Reise
Die Dreharbeiten waren schnell nebensächlich. Die Herausforderungen der Piste nahmen alle Konzentration in Anspruch. Die beiden Jungs vom Filmteam sind gute Freunde, das Arbeiten mit ihnen ist mir geläufig vom Theaterspielen.
Das ähnelte der Zeit vor dem Aufbruch zur Reise: Die Gedanken vor der Filmpremiere waren schwierig, der Abend der Premiere war wundervoll. Da ich wusste, dass es einige sehr persönliche Szenen im Dokumentarfilm gibt, war es mir peinlich, mir vorzustellen, dass jeder nun mein Gesicht so groß und in Nahaufnahme zu sehen bekommen würde.
Michaela: Tourheldin auf zwei Rädern
Michaela, 56 Jahre alt, Mutter zweier Kinder und stolze Oma auf dem Motorrad, arbeitet als Tourguide für ihre eigene Firma und als Friseurin. Seit ihrem 21. Lebensjahr fährt sie Motorrad und hat sich damit eine Lebenseinstellung geschaffen. Sie fährt jährlich zwischen 25.000 und 40.000 Kilometer und kann sich ein Leben ohne Motorradfahren nicht mehr vorstellen.
Tourheldin: Motorradtouren für Frauen
"Tourheldin" ist schon seit längerem in meinem Kopf und die Idee kam mir auf einer Tour. Mitten im Nirgendwo, den Blick in die Ferne gerichtet, Dankbar all das erleben zu dürfen, war ausschlaggebend. Ich bin immer wieder fasziniert von der unglaublichen Schönheit der Natur. Diese Momente, Eindrücke und Erlebnisse möchte ich gerne mit anderen Frauen teilen, ohne Druck beim Motorradfahren, in angenehmer Atmosphäre und neue Freundschaften knüpfen.
Erfahrungen und Herausforderungen
Mit jedem gefahrenen Kilometer lerne ich auch heute immer wieder etwas dazu. Es ist unheimlich wichtig und hilft mir, eventuelle Gefahren früh zu erkennen und zu reagieren. Auf privaten Touren gibt es schon mal die ein oder andere Herausforderung, aber dann heißt es einfach Augen zu und durch, ich schaffe das! Es kam aber auch schon vor, dass ich den direkten Weg gefahren bin, um eben gut ans Ziel zu kommen und mich nicht der Gefahr eines Sturzes ausgesetzt habe.
Ich gehe nahe an meine Grenzen, aber nie darüber! Ja klar, aber dann ist es umso wichtiger wirklich gut zu reagieren, Fahrsicherheitstrainings helfen da viel. Wichtig ist es, immer auf die anderen Verkehrsteilnehmer zu achten, viele sind oft abgelenkt.
Norwegens Landschaft war für mich das schönste Erlebnis, it’s amazing! Mich persönlich würde Kanada und die Mongolei interessieren. Einfach die Landschaft, Land und Leute, Fauna und Flora zu erkunden.
Frauen sind gute Motorradfahrerinnen.
Die älteste Verkehrssünderin Italiens?
In Italien hat die Polizei eine 103 Jahre alte Dame gestoppt, die ohne Führerschein und Versicherung unterwegs war. Die Rentnerin, geboren im Jahr 1920, war nachts mit ihrem Auto in der Nähe von Bologna unterwegs, als sie auffiel, weil sie zügig immer wieder orientierungslos durch dieselben Straßen fuhr. Ihre Fahrerlaubnis und Versicherung waren seit zwei Jahren abgelaufen.
Im italienischen Fernsehen zeigte sich die Dame nur teilweise geläutert. Zwar bedauerte sie ihr Vergehen, kündigte aber gleichzeitig an, nun auf ein Mopped umsteigen zu wollen, denn schließlich wollte sie ihre Unabhängigkeit nicht verlieren.
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