Oma fährt Motorrad: Eine ungewöhnliche Reise

In einem langen Gespräch erklärte mir eine Freundin ein kolumbianisches Sprichwort: Wir erzählen Geschichten so, wie die Hühner nach Maiskörnern picken: Hier ein Korn, da ein Korn, dort das nächste Korn. Da ein übersehenes Korn. Wo war nochmal das Nächste?

Es ist der Wunsch, alles Gedankenfutter im Blick zu behalten, während man augenblicklich auf das eine Körnchen fokussiert ist und assoziationsübermütig schon das nächste picken oder zu einem vorher anvisierten zurückkehren möchte. Wer genau hinschaut, sieht die Hühner und den Mais.

Es ist ein bisschen so wie mit der Geschichte von dem Mann, der die Hälfte seines Lebens als armer Bauer lebt und die andere Hälfte schlafend und träumend als König verbringt. Jeden Tag bestellt er in Lumpen das Feld, jede Nacht sitzt er mit goldener Krone auf seinem gepolsterten Thron, gewährt Audienzen, gibt Bälle, genießt Gänse- und Fasanenbraten und schenkt sich reinen Wein ein. 50/50, 24/7, 12 Stunden das eine, 12 Stunden das andere. Luftschloss oder wahrgewordener Traum am Stiel?

Das passiert auch meiner Oma, wenn sie wieder ihren leeren Blick bekommt, sich nicht mehr an unseren Gesprächen beteiligt, nur noch wenig Platz einnimmt, uns entwischt. Sie entwischt tendenziell immer mehr, wenn auch nicht linear ansteigend, sondern je nach Tagesform mit Ausreißern nach oben oder unten oder in das kleine nahegelegene Städtchen zum Einkaufen oder in die 40er-, 50er- und 60er-Jahre.

Das könnte eine ihrer Türen sein. Sie kennt die Täter, sie hat sie gehört, mit ihnen gesprochen, Zwiesprache gehalten, Spuren gesichert. Sie sind Wölfe in Schafspelzen, sie - das sind wir, während Oma abwesend guckt und nicht mehr blinzelt, sich ihre Haltung und Mimik verändern und versteifen, so wie wir uns versteifen, aus Angst, gleich aufzufliegen für nichts.

Für Schokolade, die wir nicht gegessen haben, für Schlüssel, die wir nicht angerührt oder abgezogen haben, für Geld, das wir nicht genommen und Hosenanzüge, die wir nie im Leben gekauft haben können und wollen. Das ist eine Wahrheit, das ist eine Realität, es ist gefühlt und empfunden wie auch der König ein Bauer sein kann und umgekehrt und wie auch ich Situationen und Gespräche fingiere und sie deshalb auch da sind, sobald ich über sie nachdenke oder schreibe.

Alles, was nicht narrativ strukturiert ist, geht dem Gedächtnis verloren. Oma will die Körner ihres Lebens picken, mal gibt es zu viele, mal zu wenige, mal liegen alle verheißungsvoll vor ihr und sie pickt doppelt und dreifach drauflos, und dann pickt sie doppelt und dreifach drauflos, ja, so fühlt sich das an, immer wenn sie doppelt und dreifach drauflos pickt. Wir nennen es liebevoll „Looping-Geschichten“.

Das passiert immer dann, wenn sie doppelt und dreifach drauflos pickt, eh man sich’s versieht, und im Hühnerstall Motorrad fährt, nur um das noch einmal kurz demonstriert zu haben, wie schnell das geht und man schon wieder im nächsten Looping steckt, wo doppelt und dreifach gepickt wird. Und ein andermal füllt sie eben Leerstellen, indem sie im Sand schabt und Staub aufwirbelt und Körner sieht, wo keine sind. Und da kommt der Wolf ins Spiel. Die existentielle Bedrohung. Wir. Mit unserer Realität, die eine andere ist.

Nichts ist stabil, jeder Tag mit Oma ist aufregend und neu und jede Wolke sieht so aus wie du oder wie ich oder wie du.

"Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad": Eine musikalische Reise in die Kindheit

Kinder lieben Musik. Sie hören sie gern, sie muszieren gerne selbst und sie singen mit Begeisterung. Es gibt Lieder zu bestimmten Jahreszeiten, Lieder die Geschichten erzählen und es gibt Quatschlieder. Stücke mit schrägen Texten und albernem Inhalt. Gerade bei Kinderpartys - Fasching oder Geburtstag - sind solche Lieder immer willkommen.

Im Jumbo Verlag erschien nun eine Musiksammlung mit schrägen Hits und lustigen Liedern: "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad". Das wohl bekannteste Quatschlied, das schon wir in unserer Kindheit lautstark sangen, handelt von der famosen Oma auf dem Motorrad.

Daher ist sie sowohl Titelgeberin dieser Musiksammlung, als sie auch die CD beginnt und beendet. Während sich das erste Lied noch in der gesungenen Fassung präsentiert, ist das letzte eine Karaoke-Version zum Mitsingen. Dazwischen gibt es zahlreiche schräge und lustige Kinderlieder.

Zweifellos zu den bekanntesten zählen "Die Affen rasen durch den Wald" hier gesungen von den "Fabelhaften 3", ebenso wie "Mein kleiner grüner Kaktus". Auch "Manamana" fand Einzug auf die CD und fügt sich gut in das Ensemble ein. Ohne Gesang, aber dafür mit einer sehr bekannten Melodie ist das "Mäuse-Blockflöten-Thema".

Die Texte der auf dieser enthaltenen CD sind definitiv lustig, verrückt und manchmal albern. Wenn es mit einer Telefonzelle auf Bärenjagd geht, ein Besserwisser überrascht werden soll oder erklärt wird, warum eine Kuh nicht fliegen kann.

Für diese Produktion standen Größen der Kinderlieder-Szene vor dem Mikrofon. Gerhard Schöne kennen viele noch aus ihrer Kindheit, als er seine "Kinderlieder aus aller Welt" sang. Ulrich Maske und Bettina Göschl begegnet man ebenfalls auf den verschiedensten Musikproduktionen für kleine Leute.

"Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" ist eine Sammlung humorvoller Kinderlieder. Die Texte sind witzig und albern, manche sogar richtig schräg.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0