Die Zeiten, in denen Rennradreifen nur fingerdick und knallhart aufgepumpt wurden, sind vorbei. Heute sind Rennradreifen breiter, voluminöser und benötigen deutlich weniger Druck. Auf breiten Felgen sind weniger als vier Bar möglich. Trotzdem rollen sie schneller, komfortabler und haften besser auf der Straße.
Faktoren, die den Reifendruck beeinflussen
Der individuell richtige Reifendruck hängt von deutlich mehr Faktoren ab, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Zu beachten ist jeweils die Größe der Reifen, das Gewicht des Radfahrenden und die Beschaffenheit des Untergrunds.
- Fahrergewicht: Je schwerer der Fahrer, desto mehr Druck gehört in den Pneu. Natürlich gilt, je schwerer die Person, die auf dem Rad sitzt, desto mehr Luftdruck muss befüllt werden. Als hilfreicher Annäherungswert gelten 10 Prozent des Körpergewichts in bar.
- Reifenbreite: Je breiter der Reifen, desto weniger Luftdruck benötigt er. Je BREITER der Reifen ist, desto WENIGER Luftdruck benötigt er. Breite Reifen federn mehr als schmale, weil sie mit weniger Druck noch sicher zu fahren sind.
- Felgenbreite: Breitere Felgen gestatten noch niedrigeren Druck. Breitere Felgen wirken dieser Tendenz entgegen, weil sie die Reifen auch unter wenig Druck formstabil halten.
- Untergrund: Auf einem idealen, glatten Untergrund rollen härter aufgepumpte Reifen leichter. Auf echten Straßen nicht. Auf glattem Untergrund rollt zwar jeder Reifen etwas leichter, wenn er stärker aufgepumpt wird. Auf unebenen Straßen und Kopfsteinpflaster ist es darum besser, den Reifendruck zu reduzieren.
- Wetterbedingungen: Unabhängig von der Reifenbreite brauch der Reifen bei Nässe und hier besonders in Kurvenlage mehr Grip und Haftung, damit wir nicht wegrutschen. Bei Nässe ca. 0,5 bis 1 Bar verringern.
Die Bedeutung des richtigen Reifendrucks
Der richtige Reifendruck ist entscheidend für die Leistung, den Komfort und die Sicherheit eines Rennrads. Zwischen zu hart und richtig eingestellt liegen Welten; aber auch ein halbes Bar mehr oder weniger ist schon deutlich zu spüren.
- Komfort: Die Reifen sind wesentlicher Teil des Rennradfahrwerks, sie steuern mindestens die Hälfte des Federwegs bei. Ziel ist mehr Komfort durch den passenden Reifendruck am Rennrad. Auf Rüttelpassagen rollt es sich mit weniger Reifendruck leichter.
- Grip: Weniger Druck bedeutet mehr Aufstandsfläche, auf der sich der Gummi mit dem Asphalt verzahnen kann - dadurch haftet er sicherer. Ziel ist mehr Grip durch passenden Reifendruck.
- Speed: Auf einem idealen, glatten Untergrund rollen härter aufgepumpte Reifen leichter. Ziel ist mehr Speed mit dem Rennrad.
Reifendruck Tabelle für Rennräder
Über ihr Körpergewicht sowie ihre Reifen-Felgen-Kombination können Sie unsere Empfehlung ablesen. Die Werte sind als Empfehlung zu sehen, als Ausgangspunkt fürs eigene Ausprobieren - passend zu Strecke und Fahrstil, oder auch Beladung mit Gepäck. Die Reifen sollen federn, aber nicht springen oder sich schwammig anfühlen.
Tabelle: Reifendruckempfehlungen basierend auf Fahrergewicht
| Fahrergewicht (kg) | Vorderreifen (bar) | Hinterreifen (bar) |
|---|---|---|
| 50-60 | 5,9-6,2 | 6,2-6,6 |
| 61-70 | 6,2-6,6 | 6,6-7,0 |
| 71-80 | 6,6-7,0 | 7,0-7,4 |
| 81-90 | 7,0-7,4 | 7,4-7,8 |
| 91-100 | 7,4-7,8 | 7,8-8,2 |
Der Vorderreifen kann ein paar Zehntel Bar weniger aufgepumpt sein als der hintere. Das obere Limit diktieren die Grenzen von Reifen oder Felge - die niedrigere Angabe ist im Zweifel ausschlaggebend.
Tubeless-Reifen
Ohne Schlauch kann man den Druck um 0,5 bis 0,7 Bar senken. Tubeless Reifen, die ohne Schlauch gefahren werden, haben einen schnelleren Luftverlust als Clincher. Breite Reifen federn mehr als schmale, weil sie mit weniger Druck noch sicher zu fahren sind.
Vor allem, weil wir mit weniger Druck fahren können und der reale Gesamtwiderstand dadurch sinkt. Einen 32-Millimeter-Tubeless-Reifen können die Profis mit deutlich weniger als 4 Bar fahren, der Mindestdruck für Schlauchreifen liegt hingegen bei 4,5 bis 5 Bar.
Reifendruck richtig messen
Der Druck im Rennradreifen ist der Überdruck gegenüber dem Umgebungsdruck, meist in der Einheit Bar angegeben, manchmal auch in PSI (pounds per square inch). Die Umrechnung: 1 bar = 14,5 psi. Den Luftdruck im Reifen zu schätzen, ist schwierig. Manometer sind die bessere Lösung. Für unterwegs gibt’s kleine elektronische Druckmesser (wie z.B. Schwalbe Airmax Pro*) für die Trikottasche.
Häufige Fragen zum Rennrad Reifendruck
- Macht viel Luftdruck jeden Rennrad-Reifen schnell? Nein. Aber Konstruktion und Gummimischung haben starken Einfluss aufs Rollen.
- Muss man bei Flugreisen mit dem Rennrad Luft aus den Reifen lassen? Nein. Es wird oft gefordert, ist technisch aber unsinnig, da der Druck während des Fluges nur marginal zunimmt.
- Schützt mehr Reifendruck vor Pannen? Ja. Zumindest ist ein Mindestdruck erforderlich, damit der Reifen den Schlauch nicht einzwickt, wenn ein Hindernis überfahren wird.
- Kann man Rennrad-Reifen zu hart aufpumpen? Ja. Sowohl Reifen als auch Felgen unterliegen Beschränkungen. Bei höherem Druck besteht die Gefahr, dass der Reifen abspringt.
- Woran merke ich, dass zu wenig Luft im Reifen ist? Wenn das Rad sich schwammig fährt und unpräzise lenkt, ist der Druck zu niedrig.
- Wie oft muss ich nachpumpen? Von täglich bis wöchentlich - das hängt vom verwendeten Reifensystem ab.
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