Dieses Jahr erfüllte ich mir einen lang gehegten Reisetraum: Auf den Spuren der Seidenstraße durch das Pamir-Gebirge in Tadschikistan. Durch das einsame Bartang-Tal bis an die chinesische Grenze im Osten und dann nach Kirgistan zum Basislager des Pik Lenin. Kurz entschlossen gebucht, obwohl ich ja individuelles Reisen bevorzuge, sollte diese MTB-Tour durch den Pamir meine Erwartungen erfüllen, denn zu zweit ist eine derartige Radl-Reise auf dieser Route wegen des notwendigen, schweren Gepäcks wohl nicht durchführbar.
Am frühen Morgen des 31.07. lese ich geschockt vom IS-Terror-Anschlag auf eine Mountainbike-Gruppe mit 4 Toten südlich von Duschanbe. Soll ich die Reise stornieren? Ist das Risiko zu groß, denn genau in dieser Gegend beginnt unsere Tour? Ich halte das Risiko auf der Strecke im einsamen, abgelegenen Bartang-Tal für eher gering und bleibe dabei. Von den 12 Teilnehmern tritt nur einer zurück.
Anreise und erste Herausforderungen
Am Sonntag, den 26. August fliege ich mit Turkish Airlines über Istanbul nach Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans. Nach der Visa- und Passkontrolle zum Gepäckband: Mein Fahrrad ist da, aber nicht meine Reisetasche, auch nach längerem Warten nichts! Stefan, unser Guide auf dieser Tour, beruhigt uns und wir fahren erst einmal zum Hotel Atlas B&B - Schlaf nachholen, es ist 04:00 morgens. Nach einem späten Frühstück am Mittag als Erstes zum Turkish Airlines Büro: Das Gepäck der drei Anderen kommt 3 Tage später und Stefan organisiert, daß ein Fahrzeug es zum ersten Übernachtungsplatz im Bartang-Tal bringt - aber mein Gepäck bleibt verschwunden - nicht auffindbar!
Mit den 150 USD Entschädigung kaufe ich Sandalen, kurze Hose, Unterwäsche und Handtuch - Zahnpasta, Seife und Zahnbürste gibt’s von Hotel, gepolsterte Radl-Hose leiht mir Klaus, und Stefan organisiert T-Shirts und Schlafsack - das sollte erst einmal reichen und so starte ich als Minimalist mit Plastiktüte die Tour. Ein älterer Tischnachbar steht auf und bittet uns um Entschuldigung für das schreckliche Terror-Attentat mit den vier toten Mountainbikern. Wir sind betroffen von dieser einfühlsamen Geste und sitzen dann noch gemeinsam mit ihm und seiner Familie zusammen.
Aufbruch ins Pamir-Gebirge
Dienstag, 28. August, es geht los: Die Toyota Landcruiser werden mit Gepäck, Fahrrädern sowie Zeltausrüstung beladen und wir fahren über Vadhat Richtung Süden nach Ak Mazar an der afghanischen Grenze, unterwegs der große Speichersee mit dem Nurek Damm und dann bei Dangara ein kurzer Halt und Gedenken am Mahnmal für die vier durch den IS getöteten Mountainbiker.
Später am Pyanj-Fluss geht es im engen Tal auf schmaler ungepflasterter Serpentinenpiste entlang der afghanischen Grenze nach Osten bis zu unserem Homestay B&B in Kala-i-Khum. Ich schlafe unterm Sternenhimmel auf dem Tabshan mit Blick auf die gegenüberliegenden afghanischen Berge - eine stille, friedliche Welt um mich herum. Die Piste ist Teil des Pamir-Highways mit vielen LKW’s, es ist eng, staubig und oft geht es rechts steil bergab, wo der Pyanj mit gewaltigen Wassermassen wild durch das Tal fließt. Am nächsten Tag dann die zweite Autoetappe bis nach Rushan, dem Ausgangspunkt für unsere Mountainbike-Tour.
Wir begegnen einigen Radlern mit schwerem Gepäck sowie einer tschechisch/polnischen Mountainbike-Gruppe beim Mittagsstopp in Baravin-Tar, wo wir landestypisches Laghman essen (Suppe mit Nudeln, Gemüse und Fleisch). Rushan erreichen wir gegen 16:00 - ein ländliches Homestay mit sehr netter Familie und vielen Tieren (Hund, Katzen, Schafe, Rinder) erwartet uns: Auspacken und montieren der Fahrräder, eine kurze Probefahrt ins Dorf, wo uns die Kinder mit freundlichem „Hello“ begrüßen.
Die Mountainbike-Tour durch das Bartang-Tal
Donnerstag, 30. August, Aufbruch zu unserer MTB Pamir-Tour in 8 Etappen. Unsere Gastfamilie verwöhnt uns zusätzlich zu dem leckeren Frühstück mit einer großen „Welcome to Tadschikistan“-Torte, extra für uns gebacken! Wir radeln nur kurz auf dem geteerten Pamir-Highway und biegen dann links ins Bartang-Tal ab, in der Ferne sehen wir schon gegen den tiefblauen Himmel die teilweise schneebedeckten bis zu 5000m hohen Berge des Pamir.
Am Bartang-Fluss grüne Oasen mit Gärten und Landwirtschaft, ab und zu kleine Dörfer, die Piste schlängelt sich durch das weite Tal. Unsere Begleitfahrzeuge mit Gepäck, Zelten, Verpflegung usw. sind schon vorausgefahren und die tadschikischen Fahrer haben auf einer schattigen Wiese an einem klaren, kühlen Bach das Mittagessen für uns vorbereitet: Tomaten, Gurke, Käse, Wurst, Brot und Tee. Auf der Weiterfahrt kurz vor Siponj halten wir, der Lehrer der Dorfschule zeigt uns stolz die deutsche Voith-Turbine eines kleinen Wasserkraftwerkes sowie alte Petroglyphen (prähistorische Felsmalereien) und beschenkt uns zum Abschied noch mit Früchten aus seinem Garten.
Bei Razuj erreichen wir schließlich nach 65km und 570Hm unseren ersten Zeltplatz. Als wir mit dem Abendessen fertig sind, gesellen sich noch der örtliche Schuldirektor sowie der Dorfbaumeister zum Vodka zu uns. Ich schlafe mit den Eindrücken und Erlebnissen des ersten Radl-Tages in meinem Zelt ein. Am Morgen nach dem Frühstück Zeltabbau und verstauen des Gepäcks in den Begleitfahrzeugen.
Begegnungen und Herausforderungen im Bartang-Tal
Bevor wir zur zweiten Etappe aufbrechen, noch ein Dorfrundgang: Der Direktor führt uns durch seine Schule und der Dorfbaumeister zeigt uns voller Stolz einen Hausneubau. In den kleinen Dörfern des Bartang-Tals mit durchschnittlich 100 bis 200 Einwohnern gibt es überall eine Schule und eine Medizinstation, aber die Lebensverhältnisse sind einfach und geprägt durch die Abgeschiedenheit und die extremen klimatischen Bedingungen, was u.a. zur Landflucht der jungen Generation führt - ein großes Problem, das auch der bis auf wenige Radler begrenzte Tourismus längerfristig nicht aufhalten wird.
Das Tal wird enger (tang) mit tiefen Schluchten, die Berge heben sich in vielen Farbtönen rot-braun gegen den tiefblauen Himmel ab. Wir sind jetzt schon auf über 2‘500m, die Sonne brennt, bei Temperaturen um 30°. Die Piste wird zunehmend ruppiger, steinig, schottrig und ist teilweise mit weichem Fluss-Sediment bedeckt, immer wieder müssen Flüsse durchquert werden, aber alles ist soweit mit etwas Technik fahrbar. Bei Bandara kommen wir zu unserem nächsten Zeltplatz, wegen der Flussnähe leider mit Mückenplage.
Wir haben heute weitere 70km mit 750Hm und einen ersten, steileren Pass geschafft. Stefan verwöhnt uns zum Frühstück mit frisch gebackenen Omeletts, Haferbrei, Aprikosenmarmelade, Kaffee und Tee. Außerdem gibt es jeden Morgen zur Tagesverpflegung auf der Tour Nüsse, Trockenfrüchte und Riegel. Unsere Route zieht sich eng am Berg entlang und nach einer Kurve die erste große Herausforderung: Die Piste ist weggespült, ein tiefer, wilder Fluss muss durchquert werden.
Wir behalten im hüfttiefen Wasser Schuhe und Strümpfe an, der Untergrund ist felsig und wir müssen gegen die starke Strömung ankämpfen, unsere Fahrräder werden fast weggerissen, es ist besser, sie über Wasser zu tragen. Selbst für unsere Toyota Landcruiser ist die Flussdurchquerung nicht einfach. Auf der anderen Seite des Flusses angelangt, beginnt eine lange, kräftezehrende Passauffahrt mit 600Hm auf trailmässiger Piste. Der Blick auf die Pamir-Berge vor uns ist einmalig und wir genießen anschließend die lange Abfahrt über einen weiten Bergrücken in das Dorf Savnob, wo wir diesmal in einem traditionellen Pamir-Haus übernachten (Fahrstrecke 40km/700Hm).
Gastfreundschaft und unerwartete Wiedersehen
Das Dorf liegt oberhalb einer tiefen Schlucht, wir sind umgeben von schneebedeckten Bergen. Avaz, unser netter tadschikischer Guide, ist hier zu Hause und führt uns durch den Ort. Es ist grade die Zeit der Getreideund Obst-Ernte, es wird per Hand gedroschen und auf den Dächern liegen die Aprikosen zum Trocknen. Ich schließe Freundschaft mit der kleinen Tochter unseres Gastgebers und ihrer Freundin - sie sind beide trotz Sprachbarriere stolz, links und rechts an meiner Hand durch das Dorf zu gehen.
Und noch eine Überraschung: Mein Gepäck wurde gefunden! Avaz organisiert telefonisch den Transport mit Shared Taxis über Khorog, Murgab nach Karakul, wo ich es dann hoffentlich 5 Tage vor dem Rückflug erhalte. Die Nacht schlafe ich wieder im Freien auf dem Tabshan unter dem klaren, unendlich weiten tadschikischen Sternenhimmel - keine Geräusche, absolute Stille - die Welt kann so schön und friedlich sein. Heute, am Sonntag, erwartet uns eine anstrengende Etappe mit über 1‘000Hm - wir erreichen nach ca. 55km bereits eine Höhe von 3‘200m.
Die letzten kleinen Dörfer des Bartang-Tals bleiben hinter uns, wir begegnen nur noch einigen wenigen Hirten mit ihren Kuh- und Schafherden und tauchen ein in die Einsamkeit des Hochtals, es ist der Beginn des Berg-Badachschan-Nationalparks. Die Piste wird zunehmend schlechter mit losem Geröll, Sanddünen und immer wieder müssen wir Flüsse durchqueren. Auf einer weiten Wiese des Tanimass-Flusses schlagen wir die Zelte auf - die umliegenden mit Schnee und Gletschern bedeckten Berge überragen hier schon 6‘000m. Wir sammeln Treibholz für ein nächtliches Lagerfeuer, einer unserer Fahrer (Baron) hat Geburtstag, und wir feiern ihn mit tadschikischer Musik, Tanz und Vodka, bis das Feuer um Mittenacht erlischt. Die Nacht ist auf dieser Höhe kalt und ich verkrauche mich schnell in den warmen Schlafsack.
Überquerung des Pamir-Hochlands
Am heutigen Tag steht uns eine weitere Passauffahrt bis auf 3‘900m bevor, wir queren hinüber ins Kokuybel-Tal im Ost-Pamir. Die steile Auffahrt auf extrem schlechter Piste erzwingt auch für uns routinierte Mountainbiker eine etwas längere Schiebestrecke. Auf der Passhöhe werden wir mit traumhaften Blicken auf die schnee- und eisbedeckten Berge entschädigt. In einer einfachen Alm ist schon das Mittagessen für uns vorbereitet.
Ich freunde mich mit den kuschligen, anhänglichen Hirtenhunden an, die nachts die Herde vor den in dieser Gegend zahlreichen Wölfen schützen. Wir bleiben in etwa auf der Höhe von 4‘000m, die heutige Strecke mit 70km auf diesem Niveau ist anstrengend, die letzten Kilometer zum Zelt-Camp am Flussufer erfordern von mir etwas Leidensfähigkeit und ich erreiche es dieses Mal als Schlusslicht. So schlafe ich vor dem Abendessen erst einmal erschöpft im Zelt ein. Von Stefan bekomme ich später zum Glück eine Daunenjacke, denn es wird abends auf dieser Höhe wieder schnell extrem kalt, wir messen nachts -8°!
Ankunft am Karakol-See und Wiedersehen mit dem Gepäck
Eine etwas leichtere Etappe steht uns heute am Dienstag (04.09.) bevor: Mit 56km und nur 400Hm durch das weite Kokuybel-Tal bis zum Karakol-See auf 4‘100m. Trotzdem ist die Fahrt im ersten Teil recht anstrengend wegen der Waschbrett-Piste, zum Glück werden die Schläge durch die Federung (Fully sei Dank) etwas gedämpft. Nach einer weiteren Flussdurchquerung erreichen wir wieder den Pamir-Highway - hier soll es Mountainbiker gegeben haben, die vor Freude den Asphalt küssen.
Wir sind jetzt unmittelbaram Grenzzaun zu China im Ost-Pamir angelangt. Die letzten 20km rollen wir mit Rückenwind auf dem Highway zu unserem Homestay in Karakol, immer mit Blick auf den grossen, vielfarbigen türkis/blau/schwarzen Karakol-See, umrahmt vom Panorama der bis zu 7‘000m hohen Gletscherberge. Bei der Einfahrt in den Innenhof sehe ich schon mein verlorenes Gepäck - die Freude ist groß - endlich wieder die eigenen Sachen!
Bei einem Rundgang durch das recht armselige Dorf kann ich nun einen Teil meiner Gastgeschenke verteilen und damit einigen Kindern eine Freude bereiten. Vor dem Abendessen ist Entspannung in der Banya angesagt: Ein mit getrocknetem Dung befeuerter Ofen erhitzt einen kleinen Raum und man begießt sich mit warmem Wasser aus einem Bottich. Nach dem köstlichen traditionellen Pamir-Abendessen schlafe ich glücklich in meinem eigenen Schlafsack ein und bin froh, dass ich die Höhe und die Anstrengung der Tour bisher ohne Mühe und Probleme verkrafte, denn andere aus unserer Gruppe hat es teilweise mit Magenproblemen und Kopfschmerzen erwischt.
Grenzüberquerung nach Kirgistan
Laut Stefan wird es heute die „Königsetappe“: 100km Fahrtstrecke/800Hm, 2 Pässe auf je 4‘300m, Grenzüberquerung nach Kirgistan und schließlich lange Abfahrt auf schwerer Schotterpiste hinab auf 3‘100m, dazu Kälte und Wind. Wir stehen bereits um 05:30 auf, stärken uns mit Haferbrei, Spiegelei, heißem Tee und Marmeladenbrot. Es ist noch extrem kalt, als wir um 07:00 starten, der Fluss neben der Straße ist teilweise gefroren, die Sonne wärmt nicht und wird zunehmend durch Wolken bedeckt.
Die erste Auffahrt zum Uy Buloq Pass hat nur eine mäßige, langgezogene Steigung auf Asphalt, die Anstrengung hält sich in Grenzen. Dieser Teil des Pamir-Highways ist kaum befahren, keine LKW’s, nur einige Landcruiser (shared taxis), voll beladen, und - erstaunlich - relativ viel Individual-Radfahrtouristen mit gepäckbeladenen Tourenrädern - das fordert einiges ab! Am Ende der folgenden langen Hochebene essen wir im Windschatten einer brüchigen Mauer (Eingang zum Nationalpark) unser Mittagessen, die warme Tüten-Suppe tut gut. Der eiskalte Wind und dunkle Wolken veranlassen uns jedoch zum baldigen Aufbruch Richtung Grenze und auf den 4‘336m hohen Kizil Art Pass.
Die Höhe macht sich jetzt doch etwas bemerkbar und der Anstieg lässt mich kräftig schnaufen. Dann kurz vor der Passhöhe der tadschikische Grenzkontrollposten: Umständliches Eintragen aller Pass- und Visadaten in Bücher und Listen, die wahrscheinlich nie jemand liest. Das Gepäck wird von unseren tadschikischen Fahrzeugen in einen kirgisischen Kleinbus umgeladen, etwas wehmütiger Abschied von Avaz und unseren netten tadschikischen Fahrern, dann öffnet sich für uns der Schlagbaum für die letzten Meter auf den Pass.
Es ist saukalt, windig und wolkenverhangen - ich verweile nicht wie der Rest der Gruppe auf der Passhöhe sondern starte in die 45km lange Abfahrt mit 1‘100m Höhendifferenz auf sehr schottriger Serpentinen-Piste hinab zum kirgisischen Grenzposten bei Bordobo, dort wird es wieder angenehm wärmer und sonniger. Der kirgisische Beamte erklärt mir beim Blick in meinen Pass, sein größter Wunsch ist es, mal nach Deutschland zu reisen. Mit Rückenwind und auf Asphalt (allerdings mit sehr vielen Schlaglöchern) die restlichen 25km zu unserem Homestay in Sary-Tash.
Wir entspannen auf der Wiese vor dem Haus mit Blick auf ein weites Panorama von Gletscherbergen von der chinesischen bis zur usbekischen Grenze und auf unser morgiges, letztes Etappenziel, das Base Camp des 7‘134m hohen Pik Lenin, der sich leider in Wolken versteckt.
Abschluss der Radtour am Pik Lenin
Trotz des Kohle-Bergbaus in Sary Mogol ist zum Glück nicht viel LKW-Verkehr auf der 30km Straßen-Strecke - links und rechts große Viehherden (Kühe, Pferde, Schafe) auf der Steppen- Hochebene (3‘100m) des Kyzyl-Suu-Flusses. Wir haben Glück: Immer donnerstags findet in Sary Mogol der Bazar statt: Viehmarkt, Obst&Gemüse der ansässigen Bauern, Haushaltswaren - wir parken unsere Radl an ein…
Ich fahre für morgens wie immer los. Das Wetter ist schlecht, ich habe kurz überlegt, noch zu bleiben, aber weder Sary -Tash noch meine Unterkunft gefallen mir wirklich. Also los, es regnet und es geht bergauf. Der Regen wird stärker. Ich kämpfe mich bis fast auf den ersten Pass hinauf, denke dabei an meine Erkältung und daran, dass das doch nun eigentlich nicht sein muss.
Also hebe ich einmal wieder zögerlich eine Hand, als mehrere Transporter vorbeikommen. Einer davon hält sofort an. Der Transporter wirkt von außen leer. Entsprechend überrascht bin ich, als die Ladefläche geöffnet wird und dort schon ein Pferd liegt. Na, wunderbar, mein Fahrrad wird zu dem Pferd geladen, festgebunden und ich quetsche mich neben die beiden Männer, die bereits im Auto sitzen.
Ich bekomme hier zusätzlich zum ersten Mal Kymyz zu probieren, vergorene Stutenmilch. Nach etwa 45 km müssen die beiden abbiegen, ich steige aus, schwinge mich wieder aufs Fahrrad, das Wetter ist mittlerweile etwas besser und einen weiteren Pass habe ich mir auch gespart. Der letzte Tag und der letzte Pass dieser Reise.
Letzte Etappe nach Osch
Die zahlreichen Höhenmeter kommen geballt gleich am Anfang. Langsam fahre ich Meter für Meter nach oben. Es ist anstrengend, geht aber doch viel besser als in den ersten Tagen. Ungefähr fünf Kilometer vor dem Gipfel überholt mich der Franzose, den ich schon zwei Tage zuvor getroffen habe. Dann bin ich oben. Hier scheint ein echtes ausflugsziel zu sein: teehäuser, viele Stände mit lokalen Spezialitäten: käsebällchen und Kymyz, vergorene Pferdemilch.
Ich kaufe pflichtbewußt einen halben Liter Kymyz, dann geht es wieder bergab, durchs Alay -Tal, das voll ist, mit Restaurants und Ausflüglern. Irgendwann bin ich dann da, in Osh, wieder Großstadt, wieder nur ungefähr auf 1000 m Höhe. Osh ist die zweitgrößte Stadt Kirgisistans und so gibt es hier auch fast alles: einen großen (vor allem langen) Markt mit Obst und Gemüse, Kleidung, Hufeisen und Pferdehalftern, kleinen Restaurants und Souvenirs, Parks mit kunstvoll gepflanzten Blumen, einen Vergnügungspark mit altersschwachen Karussels, Museen, einen internationalen Flughafen.
Außerdem steht mitten in der Stadt der Sulaiman-Too, ein geschichtsträchtiger Berg, der fast von überall zu sehen ist. Tatsächlich hat Osh als Siedlung eine mehr als 3000 jährige Geschichte, wie Ausgrabungen rund um den Sulaiman-Too zeigen. Außerhalb der Museen - ein Museum befindet sich in einer Höhle im Fels, das andere in der Nähe darunter - ist davon allerdings nicht viel zu erkennen. Und die Museen selbst sind zwar schön hergerichtet, aber sehr informativ sind sie nicht - im Höhlenmuseum am Berg gibt es so gut wie keine Informationen, die irgendeinen Hintergrund zu den Exponaten darstellen, im Regionalmuseum endlose Texte auf Kirgisisch und Russisch.
Neben den Museen und dem Markt lohnt sich auch eine Stadtführung, buchen kann man die unter bestofosh.com, sofern 3 Leute dafür zusammenkommen (oder man mehr bezahlt). Dann geht es an den Heimflug. Ich habe da Ticket einer türkischen Billigfluggesellschaft und ein in viel Plastikfolie gewickeltes Rad (Fahrradkartons sind in Osh nicht zu bekommen).
Besondere Tipps und Erkenntnisse für zukünftige Pamir-Reisende
- Vorbereitung ist alles: Informiere dich gründlich über die Route, Wasserquellen, Einkaufsmöglichkeiten und benötigte Ausrüstung.
- Flexibilität bewahren: In Zentralasien kommt es oft anders als geplant. Plane genügend Zeit ein und sei offen für spontane Einladungen und unvorhergesehene Ereignisse.
- Höhenanpassung: Steige langsam auf und achte auf deinen Körper. Übernachte nicht mehr als 300 Höhenmeter höher als am Vortag.
- Gastfreundschaft genießen: Die Einheimischen sind extrem gastfreundlich. Nimm dir Zeit, um mit ihnen in Kontakt zu treten und ihre Kultur kennenzulernen.
- Die gesamte Strecke fahren: Die Schönheit des Pamir Highways variiert entlang der Strecke. Nimm dir Zeit, alles zu entdecken.
Zusätzliche Informationen und Reisetipps
Der Pamir Highway, ein Teilstück der Fernstraße M41, verbindet die kirgisische Stadt Osch mit Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan. Die Strecke folgt einem Teil der alten Seidenstraße und führt durch das Herz des Pamir-Gebirges, vorbei an atemberaubenden Landschaften und Hochgebirgspässen.
Wichtige Hinweise zur Sicherheit
In den Grenzgebieten zwischen Tadschikistan und Afghanistan sowie Pakistan ist in manchen Gebieten mit terroristisch motivierten Anschlägen zu rechnen. Reisende sollten sich vorab über die aktuelle Sicherheitslage informieren und die Anweisungen der lokalen Behörden befolgen.
Visabestimmungen und Registrierung
Für die Einreise nach Tadschikistan wird ein Visum benötigt. Zusätzlich ist für die Befahrung des Pamir Highways ein sogenanntes GBAO-Permit erforderlich. Bei einem Aufenthalt von mehr als 30 Tagen ist eine polizeiliche Registrierung notwendig. Es empfiehlt sich, die für die Registrierung notwendigen Kopien von Pass, Visum und GBAO-Permit bereits in Duschanbe anfertigen zu lassen.
Die beste Reisezeit
Bedingt durch die Höhenlage ist das Zeitfenster für eine Befahrung des Pamir Highways sehr klein und beschränkt sich auf die Monate Juni bis September. Vor dem Start in die Berge sollte man sich über die aktuelle Situation auf dem Pamir Highway erkundigen.
Ausrüstung und Höhenanpassung
Ab einer Höhe von 2000 m ist eine kontrollierte Höhenanpassung notwendig. Die Tagesstrecken sowie insbesondere die Übernachtungsplätze sollten im Einklang mit diesen Regeln abgestimmt werden. Für die Reise empfiehlt sich die Mitnahme eines Wasserfilters, da nicht immer schnell fließendes, klares Wasser verfügbar ist.
Die Route
Die Südroute führt über Kulob und das Panj-Tal und ist asphaltiert. Die Nordroute führt über den Saghirdasht-Pass und besteht hauptsächlich aus schwer befahrbarem Schotter. Ab Khorog verlässt man die Flusstäler und es geht hoch in die Berge. Die Steigung ist moderat und der Asphalt ist gut. Man durchfährt ein langes, weites Tal zwischen zwei Gebirgszügen mit Bergen im Bereich um die 5000 m Höhe. Der gesamte Weg von Khorog über Alichur, Murghab und Karakul nahe der Grenze zu Kirgistan enthält nur selten anstrengende Anstiege. Allerdings bewegt man sich fast ausschließlich auf 3700 - 4200 m Höhe.
Höhepunkte der Reise
- Das Wakhan Tal: Ein Ort, der für jeden Pamir Interessierten ganz oben auf der Liste stehen sollte.
- Der Karakul-See: Ein azurblauer See, umrahmt von einer atemberaubenden Berglandschaft.
- Die Begegnungen mit den Einheimischen: Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen machen die Reise unvergesslich.
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