In Paris sind elektrische Leih-Tretroller aus dem Stadtbild verschwunden. Seit Freitag gilt ein entsprechendes Verbot. Angesichts hunderter Unfälle und tausender achtlos hingeworfener E-Roller zog Paris als erste europäische Hauptstadt die Reißleine und verbannte die Leihfahrzeuge von ihren Straßen. Bis zum 1. September mussten die Betreiber alle 15.000 Roller von den Bürgersteigen und Plätzen der französischen Metropole einsammeln.
Die Stadtverwaltung stützt sich dabei auf eine Befragung der Pariser Anfang April, bei der sich fast 90 Prozent der Teilnehmer für ein Verbot der Leih-E-Roller ausgesprochen hatten. Allerdings hatten sich nur wenige Hauptstadtbewohner überhaupt an der Abstimmung beteiligt.
"Die Bürger haben sich klar gegen die E-Scooter ausgesprochen", sagte Bürgermeisterin Anne Hidalgo im Rathaus. "Ab dem 1. September gibt es keine Leihroller mehr in Paris. Dies ist ein Sieg der lokalen Demokratie.“ Der Verkauf und Betrieb von E-Rollern soll in Paris weiterhin erlaubt sein - verboten wird lediglich das Leihgeschäft.
Gründe für das Verbot
Die Gründe sind auch aus deutschen Großstädten bekannt: Die Elektroroller blockieren häufig Wege und Straßen, werden in Gräben und Flüsse geworfen und haben eine schlechte Öko-Bilanz. Das größte Problem ist nach Ansicht der Pariserinnen und Pariser aber die oftmals rücksichtslose und unsichere Fahrweise der Nutzerinnen und Nutzer. Auf den Pariser Straßen gab es 2022 mehr als 400 Unfälle mit Beteiligung von E-Scootern, drei Menschen kamen dabei ums Leben.
Auch dass die Roller einfach stehen gelassen werden, auf Gehwegen liegen oder in Flüsse geworfen werden, bringt Menschen gegen die Fahrzeuge auf.
Auswirkungen und Reaktionen
Das Aus für die E-Scooter in der Metropole Paris dürften die Anbieter nicht widerstandslos hinnehmen.
In der französischen Hauptstadt gehen die Meinungen über das Verbot auseinander. Nur sieben Prozent der Pariser hätten sich an der Abstimmung über das Verbot beteiligt, sagt die deutsche Studentin Rojin Urbahn. Eine derart kleine Anzahl von Menschen dürfe nicht darüber entscheiden, ob die E-Roller bleiben oder verboten werden.
Für Anne de Bortoli, Forscherin am in Montréal ansässigen Nachhaltigkeitszentrum Ciraig, ist diese Käuferzahl auch ein Ergebnis von Leihrollern in den Städten. Diese ermöglichten den Menschen den Zugang zu dem neuen Verkehrsmittel, „sie konnten es ausprobieren und sehen, ob es ihren Bedürfnissen entspricht. Das führte oft dazu, dass die Leute wechseln wollten“, sagt sie.
Alternative Verkehrsmittel in Paris
Das trifft auch viele Tausend Touristinnen und Touristen, die mit den Elektroflitzern für vergleichsweise wenig Geld die Sehenswürdigkeiten in der schönen Metropole abklappern konnten. Zum Glück gibt es für das unkomplizierte Mobilitäts-Angebot aber viele gute Alternativen.
1. Metro und Bus
Eine Fahrt mit der berühmten Metro sollte bei einem Städtetrip nach Paris auf jedem Reiseprogramm stehen. Die ersten Züge rollten bereits um 1900 durch die Stadt. Tickets gibt es an den Automaten in allen Stationen. Ein Must-have für alle Öffi-Nutzer ist die Handy-App „RATP“ mit allen Abfahrtszeiten und einem praktischen Routenplaner.
Mit einer Einzelfahrt („Ticket T+“; 2,10 Euro) lassen sich alle Metrostationen erreichen. Es ist zwei Stunden gültig und beinhaltet beliebig viele Umstiege in alle Fahrtrichtungen. Für eine Fahrt in die Vororte braucht man ein individuelles Ticket. Es gilt für die Metro, den Réseau Express Régional (RER) und Nahverkehrszüge. Eine Fahrt zum Flughafen Charles de Gaulle kostet beispielsweise 11,44 Euro, eine Fahrt zum Schloss Versailles 4,05 Euro.
Mit dem 350 öffentlichen Buslinien (Réseau de bus, RATP) kommt man in Paris ebenfalls gut und günstig voran und kann dabei viel von der Stadt sehen. Die Fahrscheine und Tarife gelten auch für die Metro - man kann mit den Tickets also beliebig zwischen Bus und Metro umsteigen.
2. E-Bikes
In das derzeit rund 700 Kilometer lange Radwegnetz in Paris wird schon seit einigen Jahren viel Geld investiert. Neue Radwege sowie höhere Parkgebühren und Tempolimits sollen mehr Autofahrerinnen und Autofahrer zum Umstieg auf den Drahtesel bewegen und zugleich die CO₂-Bilanz verbessern.
Auch das Angebot an Miet-Fahrrädern wird immer weiter ausgebaut. Denn es ist nicht nur eine ökologischere, sondern oft auch schnellere Möglichkeit, um von A nach B zu kommen.
Touristinnen und Touristen finden die Räder überall in Paris, es gibt insgesamt 1400 Stationen, an denen die Räder ausgeliehen und zurückgegeben werden müssen. Wer sich vorher die Handy-App herunterlädt, kann sich die nächstgelegene Station auf einer Stadtkarte anzeigen lassen.
3. Bike Sharing
Alternativ zum öffentlichen Leihsystem gibt es in Paris auch die bekannten Bike-Sharing-Anbieter wie etwa „Lime“, „Jump“ „Dott“, „Zoov“ und „Pony“. Fahrten werden mit den entsprechenden Handy-Apps freigeschaltet und abgerechnet. Die Räder stehen an festgelegten Orten im öffentlichen Raum oder eben dort, wo sie die letzte Nutzerin oder der letzte Nutzer abgestellt haben. Die Preise und Reichweiten-Begrenzungen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter.
4. Rad-Touren
Auf dem Fahrrad kann der Pariser Großstadttrubel schon mal verunsichernd wirken. Wer sich die Mühen von Navigation und Orientierung ersparen möchte, sollte eine geführte Radtour in Betracht ziehen. Mit einem Guide lässt sich Paris stressfreier erkunden und dabei noch vieles über die Besonderheiten erfahren.
5. Wassertaxi
Wie auf den Straßen in Paris herrscht auch auf der Seine reger Verkehr. Auf dem Fluss sind täglich Ausflugsboote von vier verschiedenen Reedereien unterwegs.
6. 2CV
Französischer kann man Frankreichs Hauptstadt nicht erkunden: Der kultige Citroën 2CV, in Deutschland liebevoll und leicht verächtlich als Ente bezeichnet, ist das wohl kultigste Fortbewegungsmittel in Paris.
7. Les Canards de Paris
Wer sich zwischen Bus, Ente und Boot nicht entscheiden kann, findet in einem neuen Pariser Mobilitätsangebot einen spannenden Kompromiss. Denn die Fahrzeuge von „Les Canards de Paris“ (übersetzt: „Enten von Paris“) fahren von den Großstadtstraßen über eine Rampe direkt in die Seine.
8. Elektro-Roller
Der kleine Bruder wird ab September 2023 aus Paris verbannt. Doch die „echten“ E-Scooter, also bis zu 45 km/h schnelle Elektro-Roller für zwei Personen, dürfen bleiben.
E-Scooter-Regeln in Deutschland und Europa
Im Alltag gibt es aber viele Probleme: oft rücksichtsloses und verkehrswidriges Verhalten, ungeordnetes Abstellen und zum Teil schwere Unfälle mit Fußgängern."Die Probleme sind überall ähnlich", sagt ADAC Jurist Peter Jaklin, "nur die Lösungen in Europa sind sehr unterschiedlich." Und sie unterscheiden sich zum Teil deutlich von den E-Scooter-Regeln in Deutschland.
In Deutschland sind E-Scooter auf Radwegen und in Fahrradstraßen erlaubt. Nur wenn diese fehlen, dürfen sie auf die Fahrbahn ausweichen. Verboten ist das E-Rollern auf Gehwegen und in Fußgängerzonen, außer es gibt das Zeichen "E-Scooter frei". Fahren dürfen die Roller Jugendliche ab 14 Jahren - der Fahrer benötigt weder eine Mofa-Prüfbescheinigung noch einen Führerschein. E-Scooter dürfen nur alleine benutzt werden, auch Kinder dürfen nicht mitgenommen werden. Ein Helm wird in Deutschland empfohlen, ist aber keine Pflicht. Vorgeschrieben ist dagegen eine Haftpflichtversicherung. Das entsprechende kleine Kennzeichen kostet etwa 30 Euro pro Jahr.
Beim Alkohol gelten die Grenzen wie für Autofahrer: 0,5 Promille, bei Ausfallerscheinungen ab 0,3 Promille und 0,0 für Fahranfänger.
Weitestgehend einig ist sich Europa bei der Promillegrenze von 0,5. Ausnahme ist Österreich: Hier gelten für E-Scooter-Fahrende 0,8 Promille.
Fast in ganz Europa sind E-Scooter gestattet. Aber es gibt Ausnahmen, zum Beispiel die Niederlande. Hier sind E-Scooter in der Regel bis auf wenige Ausnahmen nicht erlaubt.
In Großbritannien sind E-Scooter in öffentlichen Verkehrsraum grundsätzlich verboten. Ausnahmen gibt es nur im Rahmen einer 12-monatigen Testphase für ausgewählte Anbieter von Miet-Scootern in von der Regierung festgelegten Bereiche*. Dort darf mit den Rollern der zugelassenen Anbieter auf Straßen und Radwegen gefahren werden, das Befahren von Gehwegen ist verboten.
In Italien dürfen E-Scooter nur auf Straßen mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von maximal 50 km/h fahren: Die Nutzung auf Fahrradwegen, Gehwegen und in Fußgängerzonen ist seit einer Gesetzesänderung verboten.
In Kroatien gilt für Fahrer von E-Scootern eine Helmpflicht. Zudem muss mit E-Scootern der Radweg oder Radfahrstreifen in Fahrtrichtung benutzt werden. Nur wenn ein solcher nicht vorhanden ist, darf man auf Fußwege ausweichen, hierbei muss eine Gefährdung von Fußgängern ausgeschlossen sein.
In Schweden darf man mit E-Scootern nicht auf Fußwegen fahren. Das Abstellen auf Geh- und Radwegen ist nicht erlaubt. Zudem gilt für E-Scooter in Schweden eine Versicherungspflicht.
Wegen der steigenden Zahl von teils schweren Unfällen mit E-Scootern, überwiegend durch betrunkene Fahrer, dürfen in Oslo (Norwegen) zwischen 23 und 5 Uhr keine E-Scooter mehr vermietet werden. Das bedeutet faktisch ein nächtliches Fahrverbot für die Miet-E-Scooter. Private E-Scooter sind davon nicht betroffen.
Aus den gleichen Gründen wurde im finnischen Helsinki die zulässige Höchstgeschwindigkeit für E-Scooter tagsüber auf 20 km/h und an Werktagen in der Zeit zwischen Mitternacht und 5 Uhr auf 15 km/h reduziert. An Wochenenden, also Freitag bis Sonntag, können zwischen Mitternacht und 5 Uhr keine E-Scooter angemietet werden.
Regelungen für E-Scooter in verschiedenen Ländern
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Regelungen für E-Scooter in verschiedenen europäischen Ländern:
| Land | Helmpflicht | Versicherungspflicht | Promillegrenze | Nutzung |
|---|---|---|---|---|
| Deutschland | Nein (empfohlen) | Ja | 0,5 Promille | Radwege, Fahrradstraßen, Fahrbahn (wenn Radwege fehlen) |
| Österreich | Nein | Nein | 0,8 Promille | Radwege, Fahrbahn (wenn Radwege fehlen) |
| Niederlande | Nein | Nein | 0,5 Promille | In der Regel nicht erlaubt |
| Großbritannien | Nein | Ja (für Miet-Scooter in Testgebieten) | 0,5 Promille | Straßen und Radwege (nur in Testgebieten für Miet-Scooter) |
| Italien | Ja | Ja | 0,5 Promille | Straßen (max. 50 km/h) |
| Kroatien | Ja | Nein | 0,5 Promille | Radwege, Radfahrstreifen, Fußwege (wenn Radwege fehlen, ohne Gefährdung von Fußgängern), Straßen (max. 50 km/h, wenn Beschilderung dies zulässt) |
| Schweden | Nein | Ja | 0,5 Promille | Nicht auf Fußwegen, Abstellen auf Geh- und Radwegen nicht erlaubt |
| Norwegen | Ja (für Kinder unter 15 Jahren) | Nein | 0,5 Promille | Eingeschränkte Vermietung in Oslo (keine Vermietung zwischen 23 und 5 Uhr) |
| Finnland | Nein | Nein | 0,5 Promille | Höchstgeschwindigkeit in Helsinki reduziert (20 km/h tagsüber, 15 km/h nachts), eingeschränkte Vermietung am Wochenende |
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