Die Wurzeln des modernen Radsports reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Am 31. Mai 1868 wurde im Parc de Saint-Cloud in Paris das erste Bahnrennen der Geschichte veranstaltet. Viele Quellen bezeichnen es als das erste offizielle Radrennen überhaupt.
Der Sieger legte die 1.200 m Renndistanz 1868 in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 18,75 km/h zurück. Der Trend breitete sich langsam in den Nachbarländern aus. In Deutschland veranstaltete der Münchener-Velociped-Klub im Herbst 1873 das erste "Wettfahren" in Deutschland.
Die Vereinschronik berichtet, unter welch schwierigen Umständen dies stattfand: "Dreizehn Teilnehmer, also fast der ganze Klub, hatten zum Rennen genannt. Die Strecke betrug 9 Kilometer. Haf hätte es wohl zum Endkampf mit Enter bringen können, wenn er nicht durch eine unfreiwillige wichtige Besprechung mit einem Gensdarm (sic!) daran gehindert worden wäre".
Die erste Rennbahn Deutschlands (im Winter als Eisbahn genutzt) wurde in München errichtet. Am 26. Juni 1880 fand dort das erste Bahnrennen statt.
Die Entstehung der Tour de France
Die Tour de France ist das Highlight im Radsport-Jahr. Wer das Gelbe Trikot und damit die Gesamtwertung gewinnt, gilt als der kompletteste Straßenrennfahrer. Aber auch Etappensiege, das Bergtrikot oder das Grüne Trikot für die Punktewertung sind begehrt und prestigeträchtig. Doch seit wann gibt es die Tour de France überhaupt? Wie verläuft die Strecke? Wann und wo startet sie?
Die Idee, ein Radrennen in mehreren Etappen quer durch Frankreich zu gestalten und die jeweiligen Zeiten zu addieren, wurde von dem französischen Journalisten Géo Lefèvre kreiert. Die Tour de France und die Bedeutung des Radrennens in Frankreich haben durchaus einen patriotischen Hintergrund, da Anfang des 20. Jahrhunderts auch ein Jahrhundert der Wettkämpfe war.
Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit hatten schon 1896 stattgefunden und wurden alle vier Jahre gefeiert. Die erste Tour de France fand 1903 statt - mit dem Ziel, mehr Zeitungen zu verkaufen. Die erste Tour de France startete am 1. Juli 1903 mit 60 Fahrern an der ehemaligen „Auberge Reveil-Matin“ in Montgeron bei Paris.
Die Fahrer legten 2428 km in sechs Etappen zurück. Der Franzose Maurice Garin gewann diese erste Tour de France. In Frankreich besitzt die Tour de France den Status eines nationalen Kulturdenkmals, da kann es nicht überraschen, dass ihre Organisatoren die Geschichte dieses Radrennens auf besondere Weise pflegen.
Tour-Direktor Christian Prudhomme liegt sehr daran, während bestimmter Etappen an besondere Orte und Champions aus der Historie seines Rennens zu erinnern. Christian Prudhomme betont stets mit großem Pathos, wie wichtig es ist, das Erbe seines Rennens zu pflegen. Entstanden ist eine Tour der Reminiszenzen und der Besuche von Erinnerungsorten des Rennens in Form eines großen Open-Air-Geschichtsunterrichts.
Die Tour de France findet jedes Jahr im Juli statt. Die Strecke bei der Tour de France verläuft immer unterschiedlich. Die ersten Etappen führen in der Regel durch das Flachland, dann geht es in die Alpen und die Pyrenäen. Sie führt durch ganz Frankreich, teilweise auch durch das Ausland. Die letzte Etappe findet immer in und um Paris statt.
Sie endet traditionell mit mehreren Schlussrunden auf den Champs-Élisées. Insgesamt umfasst die Tour de France in der Regel 21 Etappen. Die längste Tour de France wurde 1926 ausgetragen. Insgesamt 5745 Kilometer umfasste die Strecke damals.
Die Tour de France startet immer an unterschiedlichen Orten mit dem sogenannten "Grand Départ", französisch für "Große Abfahrt". Der Grand Départ findet häufig im Ausland statt. 2022 war er in Kopenhagen, 2023 startet die Tour in Bilbao und 2024 in Florenz.
Die Trikots der Tour de France
- Gelbes Trikot: Der Führende der Gesamtwertung.
- Gepunktetes Trikot: Der Führende der Bergwertung.
- Grünes Trikot: Der Sieger der Punktewertung, oft auch Sprintwertung genannt.
- Weißes Trikot: Der Sieger der Nachwuchswertung.
Der Führende der Bergwertung trägt das Gepunktete Trikot. Für die Bergwertung werden die Anstiege in Kategorien eingeteilt. Die Kategorie 4 umfasst leichte Anstiege, die Kategorie 1 schwere Anstiege. Daneben gibt es noch außerordentlich schwere Anstiege. Sie werden als Anstiege Hors Catégorie, also jenseits der Kategorien, bezeichnet. Rekordsieger der Bergwertung ist der Franzose Richard Virenque. Er gewann das Gepunktete Trikot zwischen 1994 und 2004 insgesamt siebenmal.
Das Grüne Trikot erhält der Sieger der Punktewertung, im allgemeinen Sprachgebrauch oft auch Sprintwertung genannt. Punkte für diese Wertung gibt es bei Etappenankünften und Zwischensprints an vorher festgelegten Stellen entlang der Strecke. Peter Sagan ist Rekordsieger der Punktewertung. Er hat das Grüne Trikot insgesamt siebenmal gewonnen. Auf Platz zwei liegt mit sechs Siegen in dieser Wertung der Deutsche Erik Zabel. Erik Zabel hat zwar inzwischen zugegeben, zu dieser Zeit gedopt zu haben, was aber bereits verjährt ist.
Das Weiße Trikot erhält der Sieger der Nachwuchswertung. Bislang konnten drei Radsportler das Weiße Trikot bei der Tour de France dreimal gewinnen.
Rekorde und Anekdoten
Die meisten Gesamtsiege bei der Tour de France haben Jacques Anquetil (Frankreich), Eddy Merckx (Belgien), Bernard Hinault (Frankreich) und Miguel Indurain (Spanien) vorzuweisen. Sie haben das Gelbe Trikot je fünfmal gewonnen.
Seit dem 3. Juli 2024 ist der Brite Mark Cavendish (Vereinigtes Königreich) Rekord-Etappensieger der Tour de France. Mit 39 Jahren und nachdem er seine Karriere eigentlich schon beenden wollte, holte er seinen 35. Tagessieg und liegt damit vor Eddy Merckx (Belgien), der im Laufe seiner Karriere 34 Etappen gewann.
Im laufe der Tour de France starben bislang vier Fahrer während der Tour. Traurige Berühmtheit erlangte vor allem der Brite Tom Simpson.
Allerdings entstand der Name gar nicht, weil das Rennen für die Fahrer die Hölle ist, sondern bei einer Besichtigung der Strecke nach dem Ersten Weltkrieg. Die Zerstörung der von der Textilindustrie geprägten Region war erschreckend, Millionen von Menschen waren gestorben und ein Reporter schrieb von der “Hölle des Nordens”.
Auch Stars des deutschen Team Telekom, später T-Mobile, waren gedopt, darunter Jan Ullrich und Erik Zabel. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Tote bei Profi-Radrennen.
Die Tour de France Femmes
2022 wurde erstmals eine Frauen-Ausgabe des Radrennens ausgetragen, die Tour de France Femmes. Sie begann am Tag der Schlussetappe der Männer-Tour und umfasste acht Etappen. Bereits zuvor hatte es Frauenrennen im Rahmen der Tour de France gegeben. Von 1984 bis 2009 gab es mit Unterbrechungen die Grand Boucle Féminine, die weibliche Große Schleife. Grand Boucle oder Große Schleife ist ein Beiname der Tour de France.
Doping-Skandale
Die Tour de France wurde immer wieder von Doping-Skandalen erschüttert. Zur Hochphase des Dopings war wohl kaum ein Top-Fahrer ungedopt. Einer der spektakulärsten Fälle ist der von Lance Armstrong, dem alle seine sieben Gesamtsiege aberkannt wurden. Die Titel wurden vom internationalen Verband UCI gar nicht erst neu vergeben.
Hier eine Übersicht über die Entwicklung der Prämien für den Gesamtsieger der Tour de France:
| Jahr | Sieger | Prämie (ungefähr) |
|---|---|---|
| 1964 | Jacques Anquetil | 26.700 € (Basis 2004) |
| 1990 | Greg LeMond | 382.000 € |
| 1995 | Miguel Indurain | 380.000 € (Basis 2004) |
| 1999 | Lance Armstrong | Unbekannt |
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