Knieschmerzen beim Laufen oder Fahrradfahren können auf eine Entzündung der Patellasehne hindeuten. Es ist wichtig, die Diagnose von einer Sportärztin, einem Orthopäden oder einer Physiotherapeutin stellen zu lassen, da Verletzungen des Kniegelenks vielfältig und die Symptome und Schmerzen nicht immer eindeutig sind.
Was ist die Patellasehne?
Die fünf bis sechs Millimeter dicke Patellasehne zieht als Fortsetzung des vorderen Oberschenkelmuskels (Musculus Quadrizeps Femoris) vom unteren Ende der Kniescheibe (Patella) zu einer kleinen Vorwölbung am Schienbein, die man Tuberositas Tibiae nennt. Ihre Aufgabe ist die Übertragung der Kraft und Bewegung vom Oberschenkel auf den Unterschenkel. Besonders bei schnell wechselnden Start- und Stoppbewegungen, Landungen nach Sprüngen und plötzlichen Richtungswechseln muss die Patellasehne starken Belastungen standhalten. Du kannst die Patellasehne unter der Kniescheibe sehr gut selbst ertasten, da sie direkt unter der Haut liegt.
Wenn die Patellasehne durch eine Verletzung komplett gerissen ist, kannst du das Knie nicht mehr ohne Hilfe strecken. Zum Glück kommt ein Patellasehnenriss im Lauftraining als Verletzung selten vor und ist somit keine typische Läuferverletzung. Und die gute Nachricht ist: Mit regelmäßigen Dehnübungen, einem guten und ökonomischen Laufstil und ergänzenden Kräftigungsübungen kannst du Verletzungen der Patellasehne erfolgreich vorbeugen!
Ursachen einer Patellasehnenentzündung
Durch dauerhafte Überlastung des Kniegelenks kommt es zu degenerativen Prozessen an der Patellasehne. Die kontinuierliche Belastung des Streckapparates des Beines (Muskulatur vorn am Oberschenkel und Unterschenkel) führt zu einer Reizung der Patellasehne und nachfolgend zu einer Patellasehnenentzündung.
Die Ursache für die Entzündung können einseitige Belastungen sein. Eine einseitige Entzündung der Patellasehne entsteht häufig durch einseitig geschwächte Gesäß-, Bauch- oder Wadenmuskulatur oder eine Einschränkung der Mobilität im Sprunggelenk oder Hüftgelenk.
Fahrradfahren zählt zwar prinzipiell zu den Sportarten, die eher als Knie schonend anzusehen sind, da die Knie in diesem Fall nicht mit dem gesamten Körpergewicht belastet sind, es kommt jedoch mit jedem Tritt in die Pedale zu einer Belastung der Patellasehne. Ähnlich wie beim Treppensteigen wird diese auch beim Radfahren bei jeder Bewegung beansprucht. Vor allem an bereits vorgeschädigten Sehnen mit bestehenden Verkalkungen (Tendinosis calcarea) kann die monotone Bewegung mit ständiger Reibung der Sehne zu Überlastungen, Entzündungen und Beschwerden führen. Bei einer Patellasehnenentzündung durch Fahradfahren ist meist auch der Hoffa-Fettkörper mit in die Entzündung eingebunden.
Symptome einer Patellasehnenentzündung
Das typische Symptom einer entzündeten Patellasehne sind Schmerzen am unteren Ende der Kniescheibe. Meist betreffen die Schmerzen nur eine Seite, in 20 Prozent der Fälle tut die Patellasehne jedoch auf beiden Seiten weh. Schmerzen durch eine entzündete Patellasehne können je nach Erkrankungsstadium lediglich nach sportlicher Belastung, z. B. direkt nach dem Lauftraining oder mit etwas Verzögerung, vor und nach dem Laufen oder während der gesamten Trainingseinheit sowie im Alltagsleben auftreten.
Bei einer Patellasehnenentzündung kommt es vor allem zu Schmerzen im vorderen Bereich des Knies sowie Berührungs- und Druckempfindlichkeit im Bereich der Kniescheibe und den direkt darunter liegenden Strukturen. Zu Beginn der Entzündung kommt es meist unter Belastung, wie beispielsweise während des Sports oder beim Treppensteigen zu Beschwerden. Je weiter die Entzündung fortschreitet, desto länger halten die Schmerzen am.
Wenn die Patellasehnenentzündung lange Zeit unbehandelt bleibt, besteht die Gefahr einer Chronifizierung der Beschwerden. Diese geht oftmals mit Verkalkungen (Tendinosis calcarea) und somit tastbaren Verhärtungen und Knoten in der Sehne einher, die wiederum aufgrund der erhöhten Reibung innerhalb der Sehne zur Verstärkung der Schmerzsymptomatik führen. Das Auftreten knirschender Geräusche durch die Kalkablagerungen bei Bewegung ist möglich.
Diagnose einer Patellasehnenentzündung
Wenn du zum Arzt gehst, weil du Schmerzen an der Kniescheibe hast, wird dieser dich auf einen Druckschmerz an der Patellaspitze (unteres Ende der Kniescheibe) untersuchen und testen, ob das Strecken des Kniegelenks gegen den Widerstand seiner Hand schmerzhaft ist. Durch Untersuchungen wie Ultraschall oder MRT (Kernspintomographie) kann die Diagnose gesichert werden. Das ist für die Behandlung und den Therapieerfolg sowie die Prognose des Heilungsverlaufs wichtig.
Sollten die Beschwerden langfristig bestehen, nicht auf die durchgeführte Behandlung ansprechen, oder die Diagnose unklar sein, kann es notwendig sein eine MRT (Magnetresonanztomographie) Untersuchung des Knies durchzuführen. In dieser nebenwirkungsarmen Untersuchung entstehen hochauflösende Schnittbilder mit starkem Weichteilkontrast, die die genaue Beurteilung von Sehnen, Bändern und Bindegewebe ermöglichen. Entzündungen der Patellasehne können mittels MRT in aller Regel eindeutig diagnostiziert werden.
Behandlung einer Patellasehnenentzündung
Die Behandlung einer Patellasehnenentzündung erfolgt in aller Regel konservativ. Zur medikamentösen Schmerztherapie kommen bevorzugt NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie Ibuprofen oder Diclofenac zur Anwendung, da sie zusätzlich zur schmerzlindernden Wirkung einen entzündungshemmenden Effekt ausüben.
Eine Schonung der Sehne und Pause der sportlichen Aktivitäten sollte dringend eingehalten werden. Es gibt verschiedene Bandagen und Orthesen unterschiedlicher Hersteller, die die Entlastung und somit die Schonung der entzündeten Patellasehne unterstützen sollen.
Weitere Behandlungsmethoden
- Elektrostoßwellentherapie (ESWT): Besonders fortgeschrittene, länger bestehende Entzündungen der Patellasehne und solche, deren Schmerzen besonders stark ausgeprägt sind, können von der Durchführung einer Elektrostoßwellentherapie (ESWT) profitieren.
- Einlagen: Kommt es aufgrund von Fehlhaltungen der Füße oder der Beinachse zu Fehlbelastungen der Patellasehne sollten diese mittels individuell angepasster Einlagen ausgeglichen werden.
- Salben: Das Auftragen verschiedener Salben auf das Knie wird oftmals als lindernd empfunden und kann unterstützend zu weiteren Maßnahmen jederzeit nach Belieben zur Anwendung kommen.
- Kinesiotapes: Bei Kinesiotapes handelt es sich um selbstklebende, bunte, hochelastische Baumwolltapes, die in Abhängigkeit von der Zielsetzung nach einem bestimmten Muster auf die Haut aufgeklebt werden.
Wenn alles konservativen Maßnahmen langfristig keine Besserung zu erzielen ist, oder die Beschwerden so stark sind, dass sie konservativ nicht behandelbar sind kann eine operative Versorgung in Betracht gezogen werden. Mittels einer Kniegelenksspiegelung (Arthroskopie) oder klassisch offenen Verfahren werden im Schlüsselloch-Prinzip die entzündeten Anteile der Sehne entfernt.
Hausmittel
- Ruhe und Schonung: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Patellasehne zusätzlich belasten, wie Laufen, Springen oder Kniebeugen.
- Kompression: Verwenden Sie eine Bandage oder einen Kompressionsverband, um Schwellungen zu reduzieren und die Sehne zu unterstützen.
- Dehnungsübungen: Sanfte Dehnübungen für die Oberschenkelmuskulatur (Quadrizeps und Hamstrings) können helfen, den Druck auf die Patellasehne zu verringern.
- Entzündungshemmende Mittel: Ingwer, Kurkuma, Apfelessig oder Quarkwickel können helfen, die Entzündung zu lindern.
Übungen
- Im Sitzen mit dem Fuß den "Boden wischen": Sie sitzen auf einem Hocker. Beginnen Sie durch Ausstrecken und Anziehen des Beines im Kniegelenk den Boden mit dem Fuß zu „wischen“.
- Dehnung des Oberschenkelmuskels (Quadrizeps) im Liegen: Bauchlage auf Matte. Das zu dehnende Bein wird am Sprunggelenk gegriffen.
- Das Herunterrollen an der Wand mit dem Gymnastikball: Stand vor einer Wand. Der Ball ist zwischen Wand und Rücken eingeklemmt.
Wie lange dauert die Heilung?
Die Entzündung deiner Patellasehne ist erst überstanden, wenn du das Kniegelenk wieder schmerzfrei strecken und beugen kannst - auch unter Belastung. Dies dauert meist sechs bis zwölf Wochen, sofern du die sportliche Belastung rechtzeitig reduziert hast.
Wie kann man einer Patellasehnenentzündung vorbeugen?
Eine Entzündung bzw. Überlastung der Patellasehne kannst du am besten vermeiden, indem du deinen Trainingsplan abwechslungsreich gestaltest und strukturiert durchführst. Wechsle zwischen Laufen, Kräftigungsübungen und alternativen Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen. So bleibt die Belastung für die Patellasehne abwechslungsreich und du vermeidest eine einseitige Belastung oder die Überlastung einzelner Strukturen.
Wärme dich vor dem Laufen mindestens zehn Minuten auf, indem du dynamische Dehnungen durchführst, einzelne Gelenke mobilisierst oder dreidimensionale Mobilisationsübungen machst. So bereitest du deinen Körper auf die bevorstehende sportliche Belastung vor.
Radfahren trotz Patellaspitzensyndrom?
Mit einem Patellaspitzensyndrom sollten Sie den Trainingsumfang und die -intensität reduzieren, müssen aber nicht vollständig auf Sport verzichten. Stattdessen eignen sich gelenkschonende Aktivitäten wie Radfahren oder Gymnastik.
Was tun am Bike?
- Sattelhöhe anpassen (höhere Positionen sind oft besser).
- Cleat-Stellung (Ausrichtung der Pedalplatten) sollte einen X-Beintritt verhindern.
- Spezielle Einlegesohlen können das Fußgewölbe stabilisieren.
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