Fahrraddiebstahl ist ein wachsendes Problem, insbesondere bei hochwertigen E-Bikes und Sporträdern. Seit E-Bikes und Sporträder schnell mal mehrere Tausend Euro kosten, ist Fahrraddiebstahl immer öfter das Werk organisierter Krimineller, die mit Lieferwagen losziehen, um die Beute abzutransportieren. GPS-Tracker fürs Fahrrad, die dem Besitzer zeigen, wo das gestohlene Rad ist, können die polizeiliche Aufklärungsquote deutlich steigern.
Wie funktioniert ein GPS-Tracker fürs Fahrrad?
Fast alle GPS-Tracker fürs Fahrrad funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Am oder im Bike ist ein GPS-Chip montiert. Dieser Chip errechnet anhand von über ihm schwebenden Satelliten seine Position - genau wie bei jedem Auto-Navi oder Fahrrad-GPS. Doch weil der Fahrradbesitzer beim gestohlenen Rad eben nicht im Sattel sitzt, muss ihm das Rad von selbst mitteilen, wo es sich gerade befindet.
An dieser Stelle kommt zusätzlich zum GPS die Mobilfunktechnik ins Spiel, denn nun muss das gestohlene Rad dem Besitzer seine Position mitteilen. Dafür ist in Trackern eine SIM-Karte eingebaut, wie sie prinzipiell auch im Handy steckt. Wird das Rad mit scharfgeschaltetem GPS-Tracker bewegt, wacht der eingebaute Sender auf und schickt dem Besitzer eine Nachricht ans Mobiltelefon. Dort empfängt eine App des Geräteanbieters die Meldung und die Position des gestohlenen Rades - die Suche kann losgehen.
Kompromisse bei GPS-Trackern
Doch der Teufel steckt im Detail. Eines dieser Details ist die nötige Stromversorgung. Obwohl es sich bei den Positionsdaten um extrem kleine Datenpakete handelt, müssen die Geräte maximal sparsam mit dem Strom umgehen. Das begrenzt die Häufigkeit der Positionsangaben. Ein weiterer unschöner Nebeneffekt des stromfressenden Datenverkehrs: Um das Funknetz zu nutzen, wird eine Art Handy-Gebühr zwischen drei und sechs Euro monatlich fällig.
Einige Hersteller funken auch aus Kostengründen im Narrowband IOT (Internet of Things), einem Schmalbandnetz, das für die Kommunikation zwischen Maschinen verwendet wird. Eine folgenreiche Grundsatzentscheidung: Denn während man im normalen Handy-Netz in Echtzeit die Position des Rades verfolgen kann, aktualisieren die meisten Geräte im IoT höchstens einmal pro Minute ihren Standort. Bei einem getrackten Schiffscontainer ist das okay, bei einem gestohlenen Fahrrad verhindert es zumindest eine direkte Verfolgungsjagd.
Generell sind die jeweils genutzten Funknetze und ihre Abdeckung ein Thema: In Ländern wie der Schweiz wird schon jetzt das alte 2G-Handynetz abgeschaltet. Dann funktionieren die entsprechenden Tracker nicht mehr. In anderen Ländern ist wiederum das IoT-Datennetz noch sehr dünn - es ist also keine schlechte Idee, vor dem Kauf die Netzabdeckung in den persönlich relevanten Ländern zu checken.
Alternative: Apple AirTags
Apple macht alles ganz anders. Die „AirTags“ der iPhone-Marke sind eigentlich dafür gedacht, verlorene Schlüssel und Ähnliches im Nahbereich wiederzufinden. Doch der günstige Preis von 35 Euro und das geringe Gewicht sind verlockend, um sie auch für die Fahrradfahndung zu verwenden. Diese münzgroßen Dinger haben keinen GPS-Chip und funken nur über die für den Nahbereich entwickelte Bluetooth-Verbindung.
Der Trick (den prinzipiell auch die Marken Samsung oder Tile nutzen) ist eine Art Netzwerk. Wenn das Rad mit montiertem AirTag per App als gestohlen gemeldet wird, ist die weltweite Jagd eröffnet: Jedes iPhone, das sich mit eingeschalteten Ortungsdiensten in Bluetooth-Nähe zum gesuchten Objekt befindet, wird sozusagen von Apple gekapert und als Router verwendet - ohne dass die Besitzer etwas davon mitbekommen. Der gesuchte Chip und das Telefon sagen sich kurz Hallo, dann funkt das Telefon den Standort des Rendezvous automatisch zum iCloud-Server, von wo er zum Suchenden gelangt.
Die Voraussetzungen für diese Suche sind jedoch umfangreich: Neben reichlich Passanten mit iPhones in wenigen Metern Entfernung sollte weder Autoblech noch Beton oder ein Fahrradrahmen die Funkstrecke abschirmen.
Weitere GPS-Tracker-Hersteller
Sehr unauffällig sind auch die Tracker von PowUnity und It’s my bike untergebracht. Sie lassen sich vom Händler innerhalb der Motorabdeckung verschiedener Mittelmotoren verstecken. Nach Angaben der Hersteller hat das keine Auswirkung auf die Garantie des Bike-Antriebs. Ein entscheidender Vorteil ist dabei auch, dass sie ihren Strom bei regelmäßig benutzten Bikes aus der Antriebsbatterie beziehen. Daher können sie auch nach Monaten noch eine Position senden.
Bei Trackern ohne Motoranschluss ist die Energieversorgung, aber auch die versteckte Montage, trickreicher als bei den beiden Chips für Mittelmotoren. Das 140-Gramm-Kästchen von PAJ reist relativ diskret in einer Werkzeugtasche, bis der Dieb sie durchwühlt. In fast jeder Art von Fahrradlenker versteckt sich der nur als Lenkerstopfen herausschauende Bikefinder eher unauffällig. Seine clevere Befestigung ist nur mit Spezialwerkzeug zu lösen.
Praktisch alle Tracker benachrichtigen ihren Besitzer, wenn der eingebaute Sensor Erschütterungen bemerkt - und dann geht es los...
GPS-Tracker im Praxistest
Für den Praxistest wurden die vier GPS-Tracker fürs Fahrrad in geeignete Räder montiert, um etwaige Abschirmungen der Signale durch Rahmen/Lenker zu berücksichtigen. Die präparierten Räder wurden in verschiedenen, nicht einsehbaren Innenräumen versteckt (was dem Vorgehen professioneller Diebe entspricht) und mithilfe der jeweiligen Hersteller-App gesucht. Auch die Findbarkeit während des Transports in einem geschlossenen Lieferwagen war Teil des Praxistests. Eine zweite Testrunde aller Geräte fand am fahrenden und abgestellten Rad im städtischen Umfeld statt. Bewertet haben wir die Präzision der Ortung und die Handhabung der App.
Die getesteten GPS-Tracker im Überblick
| Produkt | Preis / Laufende Kosten | Gewicht / Montage | Funktechnik / Abdeckung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Alterlock | 135 Euro / bis 3,99 Euro mtl. | 48 Gramm / unter Flaschenhalter | Bluetooth, GPS über Sigfox / West- und Nordeuropa | Alarmanlage, Fahrradpass in App |
| Apple AirTag | 35 Euro (Adapter: 20 Euro) / - | 26 Gramm / Steuerlager-Adapter | Bluetooth / weltweit | Preiswert, lange Laufzeit, für iPhone-Nutzer |
| Bikefinder Tracker | 169 Euro / bis 5,49 Euro mtl. | 52 Gramm / Lenkerende | GPS, GSM (2G), Bluetooth / europäische Länder | Unauffällige Montage im Lenker |
| It’s my bike | 199 Euro / 3 Jahre gratis, dann 3,99 Euro mtl. | 25 Gramm / im Motorgehäuse (E-Bike) | GPS, Bluetooth, NB-IoT / Mittel-, Nord- und Osteuropa | Für E-Bikes, unsichtbar im Motorgehäuse |
| PAJ Allround Finder | 49,99 Euro / bis 6,99 Euro mtl. | 141 Gramm / z. B. in Werkzeugtasche | GPS, 2G / 40+ Länder | Preiswert, sehr gute Positionsangaben |
Was tun, wenn das Fahrrad mit GPS-Tracker gefunden wurde?
Angenommen, ich stehe vor einem Mehrparteienhaus und mein GPS-Tracker verortet das Fahrrad irgendwo dort drinnen: Wird mir die Polizei helfen, oder muss ich einfach klingeln und selbst weitersuchen? Wir raten aus verschiedenen Gründen davon ab, selbst durchzuklingeln. Einer davon ist natürlich die Gefahr, der Sie sich aussetzen, ein anderer ist die Störung unserer Arbeit: Sie wollen nur Ihr Rad zurückhaben, aber wir wollen zudem noch den Dieb ermitteln.
Mit einem so allgemeinen Verdacht bekommen wir nie einen Durchsuchungsbeschluss. Das würde ja alle Bewohner zu Verdächtigen machen, und eine Durchsuchung der Wohnungen wäre ziemlich unverhältnismäßig. Wenn Sie uns aber präzise Angaben machen können, und die Hausverwaltung uns den Zugang zu allgemeinen Räumlichkeiten wie Fahrradkeller oder Hof ermöglicht, können die Kollegen sich das natürlich ansehen. Oder Sie orten das Fahrrad beispielsweise in einer freistehenden Scheune. Da sollte eine Durchsuchung problemlos sein.
Glossar: Technikbegriffe rund um GPS-Tracker
- Bluetooth: Standard für die kabellose Datenübertragung zwischen Geräten im Nahbereich (etwa 5-10 Meter).
- GPS: Global Positioning System. Satelliten senden Signale zur Erde, um die Position zu bestimmen.
- GPS-Tracker: Sendet die Positionsdaten an einen Empfänger.
- GSM: Veralteter Mobiltelefonie-Standard (2G) mit guter weltweiter Abdeckung.
- LPWAN: Low Power Wide Area Network, Funkstandards für geringen Energieverbrauch.
- LTE-M: Funkstandard für Datenkommunikation mit geringem Stromverbrauch.
- NB-IoT: Narrowband-Internet of Things, Funkstandard für geringen Energieverbrauch und gute Gebäudedurchdringung.
Verwandte Beiträge:
- Triumph Mountainbike Test & Kaufberatung: Modelle, Preise & Erfahrungen
- Decathlon Mountainbike 26 Zoll: Test & Kaufberatung
- Ist Fahrradfahren Sport? Kalorienverbrauch & gesundheitliche Aspekte
- Unverzichtbare Fahrrad-Checkliste für Grundschüler: So bleibt Ihr Kind sicher unterwegs!
- Motorradfahren mit Hund: Die besten Tipps für sichere und tierfreundliche Touren
Kommentar schreiben