Der Sommer lädt bei traumhaften Temperaturen zu großen Radtouren ein. Doch oft macht ein wunder Hintern einen Strich durch die Rechnung. Ursachen können ein falscher Sattel, die falsche Kleidung oder eine falsche Haltung sein.
Ursachen für Hautprobleme beim Radfahren
Beim Radeln bilden sich Druckstellen durch die Hose oder Unterwäsche, die nach mehreren Kilometern immer deutlicher drücken und pieken. Im schlimmsten Fall ist das Gesäß anschließend richtig schön wund und man schleppt noch lange ein Andenken an die Radtour herum. Es gibt verschiedene Beschwerden im Sitzbereich wie Scheuerstellen, kleine Wunden oder auch Furunkel. In einer Umfrage unter Profi-Radsportlerinnen aus dem Jahr 2021 wurden Furunkel sogar als Beschwerde Nummer eins genannt, wenn es um den Körperbereich mit Sattelkontakt geht.
Hier sind einige Hauptursachen für Hautprobleme beim Radfahren:
- Falsche Kleidung: Nicht atmungsaktive oder schlecht sitzende Hosen können zu Reibung und Druckstellen führen.
- Ungeeigneter Sattel: Ein Sattel, der nicht richtig passt, kann Druckstellen und Reibung verursachen.
- Mangelnde Hygiene: Verschwitzte Kleidung und mangelnde Reinigung können zu Infektionen führen.
- Falsche Sitzhaltung: Eine ungünstige Sitzposition kann das Gewicht ungleichmäßig verteilen und Druckstellen verursachen.
Der falsche Sattel
So wie die richtige Pfanne für den Koch, ist der richtige Sattel ein wichtiges Werkzeug für Radfahrende. Das beste Rad taugt nichts, wenn der falsche Sattel drauf ist. Und dabei kann viel schief laufen: zu weich, zu hart, zu breit, zu dünn, zu groß, zu klein. Viele kommen zu dem Trugschluss, ein weicher Sattel führt automatisch zu mehr Komfort. Doch hier liegt die Krux: Je weicher, desto größer die Chance, dass der Sattel Falten wirft.
Diese erzeugen Druckstellen und Reibung und damit eben auch Verletzungen an der Haut und schließlich einen wunden Po. Außerdem besteht bei einem weichen Sattel das Risiko, dass das Schambein direkt durch das weiche Material auf die harte Sitzschale drückt. Ein zu harter Sattel ist aber auch nichts. Was also tun? Probieren geht über Studieren.
Tatsächlich sollte man mehrere Sitze ausprobieren, bis der optimale Sitz gefunden ist. Alternativ kann man sich den Sitz aber auch anpassen lassen. Eine gute Beratung ist dabei Gold wert. Die Faustregel ist: Je aufrechter die Fahrposition, desto breiter sollte der Sattel sein. Es gibt auch die Möglichkeit die idealen Sattel „auszumessen“. Auch dadurch lässt sich ein wunder Po beim Fahrrad fahren verhindern. Wichtig ist nämlich der Abstand zwischen den Sitzbeinhöckern. Dieser ist je nach Person und Geschlecht individuell. Ihr könnt ihn beispielsweise im Fachhandel bestimmen lassen oder selbst ausmessen. PS: Es soll gute 3-4 Wochen dauern, bis sich der Po an den neuen Sattel gewöhnt. Also habt etwas Geduld, aber lasst die Spucke weg.
Vorbeugende Maßnahmen
Es gibt viele Möglichkeiten, um Hautproblemen beim Radfahren vorzubeugen. Hier sind einige Tipps:
- Sitz langsam angewöhnen: In erster Linie solltet ihr euren Hintern langsam an größere Touren gewöhnen. Auch Profi-Sportler und Sportlerinnen machen immer wieder den Fehler, dass sie nach einer längeren Pause gleich Vollgas geben möchten - und anschließend Schmerzen beklagen. Also ruhig Blut und einfach mehrere kürzere Strecken fahren, das wird langfristig helfen, Probleme zu vermeiden.
- Die richtige Kleidung wählen: Beim Hosenkauf solltet ihr auf einen guten Sitz und atmungsaktiven Stoff achten. Sitzt die Hose schlecht, wirft sie Falten und diese können durch Reibung wunde Stellen verursachen. Kaputte Hosen sollten einfach weggeworfen werden. Mit anatomisch geformten Radlerhosen aus elastischem Material macht ihr eigentlich nichts falsch. Sie sollten eng anliegen, damit vor allem die Haut im Schritt nicht aneinander reibt. Weibliche Fahrer sollten zudem darauf achten, dass die Hosen keine Mittelnaht im Polster haben, sonst wird es unangenehm.
- Sitzcreme verwenden: Wer möchte, kann Radlerhosen mit Sitzpolstern kaufen. Diese sollten allerdings hochwertig sein, da die Polster sonst das Gegenteil bewirken und die Fahrt schnell unangenehm wird. Manche Radfahrende verzichten auch komplett auf Sitzpolster und schwören drauf. Noch mehr Tipps gegen einen wunden Po beim Fahrrad fahren? Hier kommt noch einer - wer sich Hosen auf Vorrat kaufen möchte, fährt gut damit, wenn er verschiedene Marken kauft. Dadurch ändert sich automatisch die Hosenform und die Position der Druckstellen. Natürlich sollten die Hosen auch immer frisch gewaschen und trocken sein. Zieht bitte nicht die verschwitzte Radlerhose vom Vortag an - eine Zweithose ist durchaus sinnvoll. Verschwitzte Radlerhosen können zu Infektionen führen, da sich Bakterien dort sehr heimisch fühlen. Wer noch immer Probleme hat, kann sich auch mit Sitzcreme behelfen. Diese wird auf die vermeintlichen Druckstellen und Sitzpolster aufgetragen. Natürlich könnt ihr auch zum guten alten Melkfett oder Vaseline greifen. Jetzt noch schnell die Unterwäsche ausziehen und rein in die Radlerhose.
- Sitzposition anpassen: Der beste Sattel hilft leider nichts, wenn der Fahrer mit falscher Sitzhaltung fährt. Generell solltet ihr es vermeiden, das gesamte Gewicht in den Sattel beziehungsweise auf den Po zu legen. Wer auf Trekkingrädern, Mountainbikes, Reise- oder Rennrädern unterwegs ist, sollte sich für eine geneigte Sitzposition entscheiden - das empfiehlt auch der ADFC. Eure Arme sollten stets leicht angewinkelt sein, da gestreckte Arme zu Krämpfen in Handgelenken und Schultern führen könnten. Wer lieber aufrecht sitzt, sollte zum Hollandrad greifen. Dabei sollte der Lenker nicht zu hoch eingestellt werden, weil ihr sonst einen Katzenbuckel (Rundrücken) macht.
Hautpflege für Radfahrer
Ist Deine Haut im Sitzbereich fit und gut in Schuss, sinkt das Risiko, dass Du Dir Entzündungen einhandelst. Ein zentraler Faktor, den wir vor allem von unseren Langstrecklern kennen, ist, dass die Haut stabiler ist, wenn sie verhältnismäßig „trocken“ und „kühl“ ist. Schließlich ist die Haut im Sitzbereich meist gut „isoliert“ - durch die Radhose und das Sitzen auf dem Sattel - und wird durch die Schweißbildung nie wirklich „trocken“ sein.
Um die Haut „trockener“ und auch „kühler“ zu halten, hilft vor allem ein atmungsaktiver Sitzbereich. Wenn Du also Radhosen und deren Polster prüfst, dann mache auch gleich noch den „Pustetest“ mit dem Polster. Je leichter und mehr Luft durchgeht, desto besser ist das für den Abtransport von Feuchtigkeit. Fährst Du dann und wann im Stehen, hast Du eine gute Chance, dass der Fahrtwind den Sitzbereich „abtrocknet“ und kühlt.
Manche Langstreckler verwenden während der Fahrt sogar Puder, um die Feuchtigkeit zu reduzieren. Sitzcremes, die eher der Hautpflege und der Herabsetzung des Reibungskoeffizienten dienen, auch sehr gute Ergebnisse sehen, sofern der Sitzbereich gut atmungsaktiv ist und die Creme nicht zu „fett“ ist und ausreichend einzieht. Bei zu „fetten“ Cremes besteht die Gefahr, dass die Haut „luftdicht“ eingepackt wird und der Feuchtigkeitsgrad steigt, also Vorsicht hier!
Was tun bei Beschwerden?
Wer bereits unter einem schmerzenden Gesäß leidet, sucht nach Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen. Erlaubt ist, was hilft. Wenn ihr weiter trainieren möchtet, empfiehlt es sich einen Schutzbalsam auf die gefährdeten Stellen aufzutragen. So bildet sich ein Schutzfilm über der Haut, der die Reibung zwischen Haut und Kleidung verhindern kann.
Gegen die Schmerzen hilft auch Sixtus - Sport Gesäßcreme, Akileine Sports Nok Schutzcreme, Pferdesalbe, oder EMLA Salbe. Wer Kinder hat, kann auch auf die gute alte Wundschutzcreme aus der Baby-Apotheke zurückgreifen - kleiner Tipp aus Mamas Nähkiste. Auch Zinksalbe oder schwarzer Tee haben sich bei wundem Po schon bewährt. Bei bereits offenen, nässenden Wunden solltet ihr allerdings nochmal Vorsicht walten lassen und erstmal auf das Radfahren verzichten.
Wascht die Wunde aus und besorgt euch entzündungshemmende Cremes aus der Apotheke.
Furunkel durch Radfahren
Ein Furunkel ist eine eitrige Hautentzündung, die durch Bakterien hervorgerufen wird. Im Gegensatz zu einem Pickel liegt ein Furunkel in den tieferen Hautschichten und ist viel schmerzhafter. Während bei einem Pickel die Talgdrüsen verstopft sind, entzünden sich bei einem Furunkel der Haarbalg und das umgebende Bindegewebe.
“Kommt an Stellen mit starker Behaarung wie dem Intimbereich oder auch dem Gesäß noch die Reibung der Radhose am Sattel bei der Tretbewegung hinzu, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Furunkel entsteht. Im Prinzip kann das jeden treffen”, erklärt die Sportärztin. “Das hat nicht immer mit mangelnder Hygiene zu tun.” Weil diese Annahme aber noch immer weit verbreitet ist, schämen sich viele, damit zum Arzt zu gehen. Genau das wäre aber wichtig.
Was ist zu tun bei Furunkel?
Manchmal heilt ein Furunkel von selbst problemlos ab. Oft ist aber eine ärztliche Behandlung sinnvoll. Sie kann die Heilung beschleunigen, Schmerzen lindern und vor Komplikationen schützen. Wer also eine solche kirschkerngroße, gerötete und schmerzhafte Schwellung an seinem Allerwertesten feststellt sollte spätestens dann in der Praxis vorstellig werden, wenn das Furunkel nach drei Tagen nicht von allein verschwunden.“Man kommt nicht sehr gut selbst hin an die typischen Furunkelstellen. Daran herumdrücken sollte man sowieso nicht”, warnt die Sportärztin. Tut man es doch oder ignoriert das Problem, besteht die Gefahr, dass sich die Erreger ausbreiten - und mit ihnen die Entzündung.
Ursula Manunzio erinnert sich noch heute an eine handtellergroße Eiteransammlung aufgrund eines zu lange ignorierten Furunkels, die sie zu Beginn ihrer Karriere als Sportärztin am Po eines Radsportlers aufschneiden musste. “So eine Folge eines Furunkels ist nicht so trivial, so weit sollte man es nicht kommen lassen”, warnt sie.
Besser: Den Eiterabszess beim Arzt mit einem kleinen Schnitt öffnen und die Wunde desinfizieren lassen. Antibiotika sind nur nötig, wenn Komplikationen wahrscheinlich oder schon aufgetreten sind - zum Beispiel, wenn sich aus mehreren Furunkeln ein Karbunkel entwickelt hat.
Eine wasserdichte Methode, um Furunkel gar nicht erst entstehen zu lassen, gibt es nicht, weiß Ursula Manunzio. Wohl aber ein paar Kleinigkeiten, die seine Entstehung wahrscheinlicher machen, wie “zu enge, reibende Radkleidung”, sagt die Sportärztin.
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