Drei Helme, ein Kopf, verschiedene Räder und jede Menge Touren und Kilometer. Unser Autor und Bike-Experte Andreas Lindebner hat die drei POC Fahrradhelme Omne Air MIPS, Ventral Air MIPS und den Octal MIPS miteinander verglichen.
Warum ein Fahrradhelm wichtig ist
Seitdem ich im sportlichen Bereich Rad fahre - und das sind nun schon viele Jahre - begleitet mich ein Satz, den mir ein guter Freund zum Einstieg mitgegeben hat: „Ohne Helm ist ohne Hirn.“ Auch wenn das etwas platt formuliert ist, bringt es die ganze Sache auf den Punkt. Ein Helm gehört auf den Kopf. Punkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Radunfall der Kopf in Mitleidenschaft gezogen wird, ist hoch. Studien zeigen, dass Kopfverletzungen einen signifikanten Anteil der Verletzungen bei Fahrradunfällen ausmachen.Ein besonderes Augenmerk auf diesen Ausrüstungsgegenstand zu legen, ist daher entsprechend wichtig. Aber nicht nur die Ausstattung des Helmes, sondern auch die richtige Größe, Passform und der Sitz sind dabei elementar. Sicherheitsfeatures sind dabei natürlich ebenfalls enorm wichtig.
POC: Sicherheit und Innovation aus Schweden
Dass wir einen Helm beim Radfahren tragen, ist nun also schon einmal klar. Im folgenden Bericht will ich Dir meine Erfahrungen mit drei unterschiedlichen Helmen von POC vorstellen. POC ist ein schwedisches Unternehmen, das sich seit seiner Gründung im Jahr 2004 der Sicherheit und dem Schutz von Athleten verschrieben hat. Dies erreichen sie durch innovative Produkte, die auf intensiver Forschung und wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Die Entwicklung von Helmen bei POC basiert auf einem integrativen Forschungsansatz, der technologische Innovation und wissenschaftliche Erkenntnisse kombiniert. Das POC LAB spielt hierbei eine zentrale Rolle. Hier werden neue Materialien und Designs getestet und kontinuierlich weiterentwickelt, um optimale Sicherheit und Leistung zu gewährleisten.
Die drei Testkandidaten: Drei Radhelme - drei Einsatzgebiete
Die POC Helme Omne Air MIPS, Ventral Air MIPS und Octal MIPS haben neben vielen Gemeinsamkeiten unterschiedliche Stärken und Einsatzbereiche. Alle drei Helme haben unterschiedliche Stärken und EInsatzbereiche, die sie im Test auf vielfältige Weise ausspielen konnten.
1. POC Omne Air MIPS: Für Rennradfahrer
Der Omne Air MIPS ist speziell für Rennradfahrer konzipiert, die auf Geschwindigkeit und Effizienz setzen. Der Helm zeichnet sich durch eine aerodynamische Form aus, die den Luftwiderstand minimiert. Das Design des Omne Air MIPS ist minimalistisch und modern. Die Passform ist durch das 360°-Einstellsystem leicht anpassbar, was den Komfort erhöht und sicherstellt, dass der Helm auch bei langen Fahrten sicher sitzt.
In der Praxis überzeugt mich der Omne Air MIPS vor allem durch sein geringes Gewicht und die hervorragende Belüftung. Bei schnellen Fahrten auf der Straße ist der Helm kaum spürbar und die aerodynamische Form trägt dazu bei, dass der Luftwiderstand minimal ist. Besonders beeindruckend ist die Passform, die auch nach mehreren Stunden Fahrt noch komfortabel bleibt. Durch die effektive Belüftung bleibt mein Kopf auch bei intensiven Anstrengungen kühl. Das MIPS-System vermittelt ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit, vor allem bei hohen Geschwindigkeiten. Die auffällige Farbgestaltung am Hinterkopf sorgt für eine bessere Wahrnehmung im Straßenverkehr - ein weiterer Pluspunkt.
Bei meinem diesjährigen Trainingscamp auf Mallorca konnte sich der Omne Air MIPS unter Beweis stellen. Bei knapp 1.000 Kilometer und einer ganzen Menge an Höhenmetern hat der Helm mich schnell überzeugt. Mit seiner hervorragenden Passform hat er mir immer ein sicheres und gleichzeitig komfortables Gefühl gegeben. Mit einem Kopfumfang von 57 cm habe ich mich für die “kleinere” Größe M entschieden. Mit dem Omne AIR MIPS habe ich mich auf meinen Rennradtouren von Anfang an wohlgefühlt.
2. POC Ventral Air MIPS: Für Gravel-Biker
Der Ventral Air MIPS wurde für Gravel-Biker entwickelt, die oft auf gemischten Untergründen fahren. Der Helm bietet eine herausragende Belüftung und ist für lange Fahrten optimiert. Mit einem Gewicht von etwa 250 Gramm ist er leicht und dennoch robust genug, um den Anforderungen des Geländes gerecht zu werden. Der Ventral Air MIPS kombiniert ästhetisches Design mit hoher Funktionalität. Die großflächigen Belüftungsöffnungen sorgen für eine ausgezeichnete Kühlung, selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten. Das 360°-Einstellsystem ermöglicht eine präzise Anpassung an die Kopfform, was den Tragekomfort erheblich verbessert. Wie der Omne Air MIPS ist auch dieser Helm mit dem MIPS-System ausgestattet, das zusätzlichen Schutz bei Stürzen bietet.
Beim Fahren auf gemischten Untergründen mit dem Gravel-Bike hat sich der Ventral Air MIPS als hervorragender Begleiter erwiesen. Die überlegene Belüftung ist sofort spürbar und hält den Kopf auch bei anspruchsvollen Fahrten kühl. Die robuste Bauweise gibt ein sicheres Gefühl, auch wenn der Weg holpriger wird. Der Helm sitzt fest und wackelt nicht, was besonders auf unebenem Gelände wichtig ist. Meine Gravelfahrten finden großteils im Alpenvorland statt und zeichnen sich daher durch abwechslungsreiches Terrain und meistens einigen Höhenmetern aus. Der Ventral Air MIPS Helm hat sich dabei hervorragend geschlagen. Auch muss der POC-Helm bei schnelleren Fahrten keineswegs zurückstecken und bietet dafür eine sehr gute Aerodynamik. Mit dem Ventral AIR MIPS ist POC ein Helm gelungen, der die Anforderungen des Gravelbikens hervorragend erfüllt. Die ausgezeichnete Belüftung sorgt für gutes Klima - egal, ob es eher gemütlich ist oder auch mal schnell in der Ebene entlang geht. Das geringe Gewicht des Helms sorgt für stabilen Sitz im ruppigen Gelände. Aufgrund seiner Eigenschaften ist er auch ein idealer Begleiter auf Rennrad Touren.
3. POC Octal MIPS: Für lange Touren
Der Octal MIPS spielt seine Stärken vor allem bei langen Touren aus, da er hohen Schutz und Komfort hervorragend vereint. Der Helm bietet eine umfangreiche Abdeckung des Kopfes, besonders im Bereich der Schläfen und des Hinterkopfes. Das Design des Octal MIPS zielt auf maximale Sicherheit und Komfort ab. Große Belüftungsöffnungen sorgen für eine hervorragende Luftzirkulation und verhindern, dass der Kopf überhitzt. Die Passform lässt sich durch das einstellbare System individuell anpassen, was den Tragekomfort erheblich steigert.
Der Octal MIPS zeichnet sich auf langen Touren durch seinen hervorragenden Komfort aus. Die erweiterte Kopfabdeckung vermittelt ein hohes Sicherheitsgefühl und die effektive Belüftung lässt beinahe vergessen, dass man einen Helm trägt. Auch bei längeren Fahrten bleibt der Helm angenehm leicht und belastet den Kopf nicht.…vereint hohen Schutz und Komfort für Dein Bikepacking Abenteuer. Ein “richtiger” Bikepackingtrip hat zeitlich im Testzeitraum bei mir leider nicht funktioniert, daher habe ich den Helm ausgiebig bei Gravelfahrten, aber auch im Radfahralltag getragen. Das geringe Gewicht, das hervorragende Einstellsystem und die offene Konstruktion haben ihn dabei zu einem perfekten Begleiter gemacht. Und wer sich in das nächste lange Abenteuer beim Bikepacking stürzen will, der findet mit dem Octal MIPS den idealen Begleiter.
Sicherheit geht vor: Schwedische Innovationen
Sicherheit spielt in Schweden nicht nur im Straßenverkehr eine große Rolle. Volvo und Scania investieren stark in innovative Fahrzeugtechnik. Auch im Sport spielt dieses Sicherheitsdenken eine wesentliche Rolle. Das zeigt schon ein Blick auf die Ausstattungsliste des POC Kortal Race MIPS. Umfangreiche SchutzausrüstungZusammen mit dem ebenfalls schwedischen Unternehmen mit dem knallgelben Punkt als Logo hat Poc sein ganz eigenes Schutzsystem für Rotationskräfte entwickelt. Bei MIPS Integra ist eine Art Gel in die Helmpolster eingearbeitet, welches die Drehbewegungen beim Sturz abfangen soll.
Doch damit nicht genug: Der Poc Kortal Race ist zudem noch mit einem Recco-System sowie einem NFC Medical ID Sensor ausgestattet, unter dem sich personenbezogene Gesundheitsdaten hinterlegen lassen. Als wäre das nicht genug, bedeckt auch noch die Helmschale einen größeren Bereich des Nackens als viele andere Helme im Test. Außerdem verfügt das Visier über ein gut funktionierendes Break-Away-System.
POC Kortal Race MIPS im Detail
Abgesehen von den zahlreichen Sicherheits-Features setzt man bei POC aber auf Bewährtes: eine einfache Schnalle als Verschluss, dreifache Höhenverstellung sowie fixe Ohrteiler, die aber genügend Platz um die Lauscher lassen.
Passform und Komfort
Auffällig ist auch die spezielle Passform des POC Kortal Race. Er ist im Vergleich der am schmälsten geschnittene Helm, was sich vor allem am etwas beengten Platz an den Schläfen niederschlägt. Runde Köpfe werden eher nicht im Kortal Platz finden.
Zwar setzt POC beim Verstellsystem eher auf Standard Komponenten, was aber nicht schlecht sein muss. Das umlaufende Kopfband fixiert den doch recht schweren Helm sicher am Kopf und lässt sich leicht in der Höhe verstellen. Weniger gelungen ist das tief unter der Helmschale sitzende Drehrädchen, das in der obersten Position kaum zu bedienen ist. Die Y-Gurte an den Ohren sind zwar fix, lassen aber ausreichend Spielraum. Die Gurtbänder laufen leichtgängig.
Auch wenn sich das Visier kaum mit einer Hand verstellen lässt, hat uns doch die Break-Away-Funktion gefallen. Sie schützt den Kopf und verhindert, dass das Visier im Fall eines Sturzes bricht.
Laborergebnisse des POC Kortal Race MIPS
Wie schon im letzten Test 2023 sichert sich der POC Kortal Race bei unseren Labormessungen Bestwerte. Das in enger Zusammenarbeit mit MIPS entwickelte Integra-System scheint Rotationskräfte sauber aufzunehmen. In Sachen Stoßdämpfung schneidet der Schweden-Helm sogar noch minimal besser ab.
Auch die zahlreich verbauten Lüftungskanäle scheinen hier sehr gut zu funktionieren. Der Luftzug ist von vorne nach hinten gut spürbar und sorgt für angenehme Kühlung während der Fahrt.
Daten zum POC Kortal Race MIPS
| Feature | Wert |
|---|---|
| Preis | 270 Euro |
| Gewicht | 405 Gramm (Größe M) |
| Größen | S (51-54 cm), M (55-58 cm), L (59-62 cm) |
| Rotationssystem | MIPS Integra |
| Ausstattung | MIPS, Break-Away-Visier, Recco, NFC medical Chip |
| Restkraft bei linearem Aufprall | 87,2 g |
| Risiko einer Gehirnerschütterung | 18 % |
Weitere POC Fahrradhelm Modelle im Überblick
Hier eine Übersicht weiterer POC Fahrradhelm Modelle und ihre jeweiligen Eigenschaften:
- POC Omne Air Spin: Bevorzugte Wahl unter Mountainbikern, hervorragende Belüftung, individuelle Visier-Einstellung.
- POC Ventral MIPS: Außergewöhnlich leichte Bauweise, innovatives SPIN-Schutzkonzept, beispiellose Kühlung.
- POC Octal X MIPS: Für Gravelbike- und Cyclocross-Fahrer, luftdurchlässige Konstruktion, erweiterte Schale.
- POC Tectal: Speziell für Mountainbiking entwickelt, sehr gute Belüftung, Brillenhalterung, verstellbares Visier, 360-Grad-Höhenverstellung.
Die Bedeutung eines Fahrradhelms
Die Fahrradbranche boomt und speziell E-Bikes tragen zur enormen Popularität der Zweiräder bei. Durch das höhere Tempo der elektrifizierten Räder steigt allerdings auch die Unfallgefahr. Bei knapp 27.400 Radunfällen ohne weitere Beteiligte verletzten sich im Jahr 2023 rund 6.400 Menschen schwer und 147 tödlich. Dabei sind nicht nur Gehirnerschütterungen, sondern schwere Kopfverletzungen bei Stürzen die häufigste Unfallfolge. Laut Deutscher Gesellschaft für Unfallchirurgie könnten 60 bis 70 Prozent der tödlichen Hirnverletzungen mit Kopfschutz vermieden werden.
Worauf man beim Kauf eines Fahrradhelms achten sollte
Idealerweise sollten Sie einen Fahrradhelm vor dem Kauf immer anprobieren. Nur so können Sie feststellen, ob er optimal zu Ihrer Kopfform passt. Er sollte stramm sitzen, aber nicht drücken. Als Faustformel gilt: Wenn Sie den Helm vor- und zurückbewegen, sollte die Stirn ein wenig Falten schlagen. Dann sitzt der Fahrradhelm fest genug. Ist der Kinnriemen geschlossen, darf sich der Helm nicht nach hinten abstreifen lassen. Grundsätzlich ermöglicht es so gut wie jeder Fahrradhelm, die Größe über ein Drehrädchen anzupassen. Dennoch ist es wichtig, einen Fahrradhelm zu kaufen, der von seiner Dimension her zu Ihrem Kopf passt.
Achten Sie beim Kauf auf zusätzliche Reflektoren oder eine für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbare Farbe. Dunkle Fahrradhelme erwärmen sich bei Sonne stärker als helle. Auf der Verpackung und dem Helm sollte das Produktionsdatum abgedruckt sein. Fahrradhelme, die in der EU verkauft werden, müssen den Anforderungen der DIN EN Norm 1078 entsprechen. Wer noch mehr Wert auf Sicherheit legt, kann beim Kauf nach der Norm NTA 8776 Ausschau halten. Nach einem Sturz sollten Sie Ihren Fahrradhelm durch ein neues Modell ersetzen.
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