Die frühen Jahre und der Einfluss des Krieges
Schon die allererste BMW, die R 32, wurde im September 1923 in Berlin präsentiert. Nach den Kriegswirren gelang BMW 1948 ein Neubeginn mit der Motorrad-Herstellung. Der Zweite Weltkrieg prägte die 40er-Jahre und forderte die meisten Opfer in der Geschichte der Menschheit. In NS-Deutschland hatte sich ihm alles unterzuordnen, was auch für BMW galt.
BMW verschrieb sich als Lieferant von Flugmotoren für Kampfflugzeuge der deutschen Kriegswirtschaft. Dem musste sich die Produktion von Motorrädern unterordnen: Der Bau der sportlichen R 51 wurde bereits im Jahr 1940, die Fertigung aller übrigen Typen 1941 eingestellt. Im Prinzip waren das alles zivile Serienmodelle, die mit geringen Modifikationen - wie Lackierung, anderen Schutzblechen oder größeren Halterungen für Gepäck - "kriegstauglich" angepasst wurden.
Als leichte Kurier- und Ausbildungsmaschinen waren die Modelle R2, R4 und R 35 im Einsatz. Die R 12 wurde mit Beiwagen an die Wehrmacht geliefert. Die deutsche Expansions- und Kriegspolitik erforderte ein Motorrad-Gespann, das auf verschiedensten Untergründen vorankommen konnte, von Schotter über Schlamm, Eis und Schnee bis hin zu Wüstensand. Es musste also unter extremen Bedingungen sowie Temperaturen funktionieren und dazu möglichst wartungsfreundlich aufgebaut sein.
Zündapp und BMW erhielten 1938 einen entsprechenden Entwicklungsauftrag und arbeiteten eng zusammen. BMW nutzte zunächst die R 71 als Basis, entwickelte aber einen komplett neuen Motor als Antwort auf thermische Probleme. So entstand die R 75, besser bekannt als "Wehrmachtsgespann". Das Getriebe hielt vier Gänge für Straßenbetrieb und drei für den Einsatz im Gelände parat. Zudem gab es für beide Übersetzungen je einen Rückwärtsgang.
Zum technischen Aushängeschild wurde das permanent angetriebene Beiwagenrad. Die Produktion der R 75 lief 1941 in München an, wurde jedoch im Oktober 1942 komplett ins Werk nach Eisenach verlegt. Nach rund 18.000 Exemplaren wurde die R 75 im Jahr 1944 eingestellt.
Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland. Die Münchner Werksanlagen wurden bei alliierten Luftangriffen fast vollständig zerstört. Als die Alliierten den Bau eines Motorrads bis 250 cm³ erlaubten, wurde eine Maschine von 1939 in ihre Einzelteile zerlegt und bis zur letzten Schraube vermessen. So entstanden durch das hohe persönliche Engagement der Belegschaft neue Blaupausen. Damit kam es zur R 24, die im Frühjahr 1948 auf der Hannover Messe und dem Genfer Auto-Salon präsentiert wurde.
1949 fiel die von den Alliierten verlangte Hubraum-Beschränkung weg. Noch Ende 1949 stellte BMW die R 51/2 als ersten (500er-)Nachkriegsboxer vor.
Die 1950er und 1960er Jahre: Erfolge und Innovationen
Die 1950er Jahre sind von sportlichen Erfolgen geprägt. In den sechziger Jahren vertraute BMW auf die bewährten Fahrwerke der 1955 eingeführten Vollschwingenmodelle, die mit ihrer Fahrstabilität neue Maßstäbe im Solo- und Gespannbetrieb setzten. 1960 ergänzen zwei Sportmodelle, die R 50 S und die R 69 S die Modellpalette. Letztere ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h das schnellste deutsche Serienmotorrad, mit dem sich BMW in der internationalen Spitze behaupten kann.
Das sportliche Spitzenmodell R 69 S wird der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit 42 PS und 175 km/h Höchstgeschwindigkeit sorgt sie nicht nur in Deutschland für Aufsehen. BMW Motorräder gleiten nicht mehr nur über europäische Landstraßen, sondern erobern auch die US-Highways. Die Kurbelwelle des R 69 S-Motors war mit einem Schwingungsdämpfer versehen.
Speziell für den nordamerikanischen Markt bietet BMW seine Boxermodelle ab 1967 auch in einer Version mit Teleskopgabel an.
Die 1970er Jahre: Neue Wege und die /5-Baureihe
1969 zog die komplette Motorrad-Produktion von der Isar an die Spree, nach Spandau. Seit dem Modelljahr 1970 tragen alle BMWs Berliner Luft in ihren Reifen. Als Zeichen einer neuen Zeit waren die "Strich-Fünfer" auch in knallig bunten Farben erhältlich. Wobei Forschung und Entwicklung ja stets in München verblieben: in Bayern erdacht, von Preußen gemacht.
Die R 50/5, R 60/5 und R 75/5 hatten ein völlig neues Fahrwerk mit langhubigen Telegabeln. Ihr leichter und kompakter Doppelschleifen-Rahmen mit angeschraubtem, dünnwandigen Heckrahmen sparte fast fünf Kilogramm an Gewicht ein. Das neue, bullige 750er-Topmodell R 75/5 stemmte volle 50 PS - satte acht PS mehr als zuvor die 42 PS starke R 69 S eine 600er. Komplett neu konstruiert präsentierte sich die Motorengeneration der /5: Das glattflächige, mächtige Kurbelgehäuse mit integriertem Luftfiltergehäuse beherbergte endlich einen elektrischen Anlasser.
Die Zylinder bestanden erstmals bei BMW-Motorrädern aus einer Aluminiumlegierung. Neuland markierte die sich in Gleitlagern drehende Kurbelwelle. Sie war aus einem Teil geschmiedet und dadurch wesentlich steifer. Dies versprach bessere Laufruhe und höhere Standfestigkeit. MOTORRAD lobte "bestes Fahrwerk".
Spürbare Kardan-Reaktionen brachten der R 75/5 den liebevollen bis despektierlichen Spitznamen "Gummikuh" ein. Trotz Verdreifachung der Produktion von 1969 auf 1970 kam das Berliner Werk der Nachfrage speziell nach der 750er kaum nach. Große Lieferengpässe waren die Folge.
Zum Modelljahr 1973 brachte BMW ein Getriebe mit fünf statt vier Gängen und eine steifere, fünf Zentimeter längere Schwinge. Solche "Langschwingen-Modelle" laufen wesentlich stabiler geradeaus. Sein 50-jähriges Jubiläum krönte BMW Motorrad mit der 500.000sten Maschine und dem neuen Flaggschiff R 90 S als Krönung der neuen /6-Baureihe.
Auch technisch machte die R 90 S von sich reden: 90er-Kolben, 67 PS und fast 200 km/h Spitze! Unkonventionell war die Betätigung dieser Schwenksattelbremse von ATE: Ein Bowdenzug betätigte den Hauptbremszylinder unterm Tank. Von dort führten Hydraulikleitungen zu den Bremssätteln.
Alle Modelle hatten einen "verhalten-kraftvoll laufenden Zweizylinder-Boxermotor". Einst so erfolgreiche Einzylinder waren längst Geschichte, Vierzylinder noch Zukunftsmusik. Dies blieb auch mit der nächsten Evolutionsstufe, der "Strich Sieben" ab 1976, so: Nun brachte BMW erstmals eine echte Tausender, die R 100-Familie mit 980 Kubik und eckigen Ventildeckeln. Innovativ war die R 100 RS mit ihrer im Windkanal optimierten Vollverkleidung.
Im Zeichen der Ölkrise nannte BMW bereits in den 70er-Jahren Verbrauchswerte auf freiwilliger Basis: von fünf Liter je 100 Kilometern bei der R 80/7 bis zu 5,75 Liter der R 100 RS nach DIN 70 030. Dies war ganz klar seiner Zeit voraus.
Die 1980er und 1990er Jahre: Komfort und neue Konzepte
Eine neue Ära wird eingeleitet: Cockpit- und Vollverkleidungen machen das Fahren auf dem Motorrad komfortabler. Es entstehen sportliche Reisemotorräder. Nach der RS-Reihe, die man eher mit "Reise & Sport" als mit Rennsport erklären sollte, brachte BMW in Gestalt der R 100 RT den nächsten Archetyp einer bis heute besonders auch als Behördenfahrzeug beliebten Baureihe.
Der Motorradbauer überrascht mit wegweisenden Innovationen und dem neuen Segment der Reise-Enduros. Der neue Vierventil-Boxer mit elektronischem Motormanagement und das BMW erste Einzylinder-Motorrad seit 1966 kommen in den 1990er Jahren auf den Markt.
Die 2000er und 2010er Jahre: Wachstum und Innovation
Etliche neue Modelle und technische Innovationen sorgen bei BMW Motorrad für Wachstum: die neue K-Baureihe geht jetzt mit einem quer eingebauten Motor an den Start; und die neu entwickelte F-Modellreihe befeuert das Segment der Mittelklasse-Maschinen.
Die 2010er sind eine Dekade voller Innovationen und Erfolge. Die Einführung der S 1000 RR setzt neue Maßstäbe im Superbike-Segment. Hinzu kommt ein völlig neues Segment - die Heritage Motorräder. Sie bringen jede Menge Retro-Charme in die Modellpalette, während die GS-Modelle weiterhin Abenteuerlustige begeistern.
BMW Motorrad im Behördengeschäft
BMW Motorrad stattet weltweit Behörden mit modernsten Fahrzeugen für die verschiedensten Einsatzbereiche wie beispielsweise Polizei, Feuerwehr, Zoll, Eskorten und Katastrophenschutz aus. Seit 10 Jahren ist BMW Motorrad unangefochtener weltweiter Marktführer im Behördengeschäft.
Wie die Serienfahrzeuge werden auch die Behördenfahrzeuge im BMW Motorradwerk in Berlin gebaut und sind produktionstechnisch in den Serienablauf integriert. Dabei ist BMW Motorrad der einzige Hersteller, der neben der Produktion auch die Entwicklung der Behördenkomponenten sowie die Homologation der Fahrzeuge und der Behördenausstattung selbst vornimmt. Im Jahr 2022 zählten Behörden aus 40 Ländern zu den Kunden. Mehr als 4.900 ausgelieferten Fahrzeugen weltweit, davon 217 allein in Deutschland, machte 2022 zum zweitbesten Jahr in der Geschichte von BMW Motorrad Behördenverkauf.
Die Berliner Polizei baut ihre Motorradstaffel mit weiteren BMW Motorrad Modellen aus. BMW möchte den perfekten Arbeitsplatz - für unterschiedliche Behördeneinsätze - auf zwei Rädern entwickeln. Besonders stolz macht BMW, dass mit der Übergabe des vollelektrischen BMW CE 04 auch einen Beitrag zur Elektrifizierung des Fuhrparks der Berliner Polizei für den urbanen Einsatz geleistet werden kann.
Historische Polizeimotorräder
Nach den Kriegswirren 1945 wurde bereits bei der französischen Garnison in Berlin eine Gendarmerie-Truppe stationiert. Um das Spektrum der militärpolizeilichen Aufgaben in der Stadt zu erfüllen, wurde frühzeitig erkannt, dass die Ausstattung der Gendarmerie auch mit den neusten Motorrädern der Firma BMW zu erfolgen hat. Nach der Aussonderung wurden fünf Maschinen der Polizeihistorischen Sammlung Berlin übergeben.
Motorräder für die Polizei wurden anfänglich der normalen Regelproduktion entnommen und lediglich mit eigener Lackierung („Tannengrün“) versehen. Im Arbeitskreis II der Konferenz der Innenminister einigte man sich auf eine neue, für das gesamte Bundesgebiet einschl. West-Berlins einheitliche Farbgebung. war die Grundfarbe nunmehr Cremeweiß (RAL 9001), Reinweiß (RAL 9010) oder ein entsprechendes "Herstellerweiß", die beweglichen Teile (Türen, Motor- und Kofferraumhaube) waren Minzgrün (RAL 6029) zu lackieren.
Die R 80 RT war 1982 das erste Modell, das der Hersteller bereits komplett und fertig konfiguriert als Behörden-Fahrzeug anbot. Die RT hat ab Werk ein vollintegrales ABS, bei dem immer beide Räder gebremst werden, unabhängig davon, ob Hand- oder Fußbremse betätigt werden.
Die BMW R 850 R wurde als Schwestermodell der R 1100 R gemeinsam im Frühjahr 1994 vorgestellt. Diese BMW R 850 R der Stuttgarter Polizei ist im Originalzustand, die wie lange üblich keine Vollverkleidung für den Großstadtbereich vorsah und sich mit einer Windschutzscheibe begnügte.
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