Wenn du dir einen Powermeter zulegen willst, kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen: Es ist eine richtig sinnvolle Investition - aber eben auch keine günstige. Genau deshalb habe ich viele Modelle ausgiebig getestet, verglichen und mir angesehen, wie sie sich im Trainingsalltag schlagen.
Warum ein Powermeter dein Training verändern kann
Als ich angefangen habe, ernsthaft zu trainieren, war ich oft frustriert - mal lief es super, mal gar nicht. Erst als ich meinen ersten Powermeter ausprobiert habe, wurde mir klar, wie wenig ich bisher eigentlich über meine tatsächliche Leistung wusste. Geschwindigkeit? Kann vom Wind abhängen. Puls? Schwankt mit dem Stresslevel. Mit einem Powermeter konnte ich mein Training endlich strukturiert angehen und messbar Fortschritte erzielen.
Wenn du ernsthaft trainieren willst - und damit meine ich nicht einfach nur „ein bisschen mehr fahren“ -, dann führt kein Weg am Powermeter vorbei. Mein Tipp: Investiere lieber einmal in ein gutes Modell, statt dich mit einem günstigen Kompromiss herumzuärgern.
Welcher Powermeter passt zu welchem Rad?
Je nachdem, ob du ein Rennrad, MTB oder Stadtrad fährst, solltest du einen passenden Powermeter wählen.
- Pedalbasierte Powermeter: Für mich die flexibelste Lösung. Schnell montiert, übertragbar auf andere Räder und oft günstiger.
- Kurbelbasierte Modelle: Super leicht und ziemlich exakt.
- Spider-basierte Powermeter: Extrem genau und mein Favorit für das Training mit klarer Leistungsanalyse.
Diese Marken haben mich überzeugt
In meinen Tests habe ich viele Hersteller unter die Lupe genommen - vom günstigen Einsteigergerät bis zum High-End-Modell.
Garmin
Ich bin ehrlich: Garmin ist bei mir Dauergast, wenn es um hochwertige Technik fürs Radfahren geht. Auch die Powermeter dieser Marke sind durchdacht, sauber verarbeitet und bieten mit der Garmin-App tolle Auswertungsmöglichkeiten.
Stages
Stages hat sich im Profisport einen Namen gemacht - und das merkt man. Ich hatte das Glück, ein Modell über mehrere Wochen im Alltag zu testen. Die Genauigkeit und die einfache Montage sprechen für sich.
Pioneer
Zugegeben - Pioneer hatte ich vor dem Test eher bei Autoradios auf dem Schirm. Doch auch bei den Powermetern leisten sie saubere Arbeit.
Wichtige Testkriterien in meinem Vergleich
Ich habe alle Powermeter nach denselben Punkten bewertet.
1. Optik & erster Eindruck
Natürlich geht’s in erster Linie um Funktion - aber ganz ehrlich: Ich will kein klobiges Teil am Rad haben. Ein schlankes, sportliches Design bringt Pluspunkte. Manche Geräte sehen auf Bildern top aus, enttäuschen aber beim Auspacken.
2. Montage & Anleitung
Ich bin technisch nicht ungeschickt, aber manche Produkte haben mich echt überrascht - im positiven wie im negativen Sinne. Eine klare, bebilderte Anleitung ist Gold wert.
3. Messgenauigkeit
Hier liegt der Fokus meines gesamten Tests. Einseitige Systeme (Messung nur an einem Pedal) sind okay, aber nicht so exakt wie doppelseitige Varianten.
4. App-Integration
Ich liebe gute Apps - und Powermeter, die ihre Daten übersichtlich und verständlich präsentieren. Am liebsten nutze ich Modelle, bei denen ich per Bluetooth direkt alles aufs Handy bekomme.
Powermeter im Detail: Modelle und ihre Eigenschaften
Die Leistungs-Wattmessung nimmt auf dem Rad einen immer höheren Stellenwert im Training und Wettkampf ein. Hier gibt es unterschiedliche Systeme, die die geleisteten Wattwerte von der Kurbel, Kurbelachse oder direkt vom Pedal abnehmen.
SRM X-Power Road
Die zweite Generation der SRM-Straßenpedale passt zu Shimanos SPD-SL-Cleats. Die Elektronik und der fest verbaute Akku liegen im Inneren der Achse. Geladen wird per Magnetstecker, die Akkulaufzeit liegt bei 30 Stunden. Trotz Metallbauweise ist das Pedal sehr leicht, die Auslösehärte lässt sich praxisgerecht einstellen, die Platten rasten definiert ein.
- Bauart: Pedal-Powermeter, beidseitig (Option: einseitige Messung)
- Preis: 999/1.699 Euro (ein-/beidseitig)
- Gewicht: 277 Gramm ohne Cleats
- Vorteile: leicht, knackiges Einrasten
- Nachteile: Installation, Konnektivität, Akkulaufzeit, Preis
Favero Assioma Pro MX
Deutlichster Unterschied von Faveros Offroad-Pedal zum bewährten Straßenmodell: Der charakteristische Pod, der Knubbel mit der Elektronik, entfällt, diese ist komplett in die Achse gewandert. Das Pedal ist kompatibel mit Shimanos SPD-Cleats. Geladen wird per Magnetstecker, der integrierte Akku hat rund 60 Stunden Laufzeit. Im Vergleich zum Straßenpedal zeigt die Offroad-Version zusätzlich den PCO-Wert an, die Lage des Druckpunkts auf dem Pedal.
- Bauart: Pedal-Powermeter, beidseitig (Option: einseitige Messung)
- Preis: 438/730 Euro (ein-/beidseitig)
- Gewicht: 382 Gramm (ohne Cleats)
- Vorteile: genau, robust, preiswert
Weitere Pedal-Powermeter
- Favero Assioma: Trendsetter mit vergossener Elektronik und sportlichem Preis (695/445 Euro beid-/einseitig).
- Look Kéo Power: Leichtathlet mit unsichtbarer Powermessung und knackigem Ein- und Ausstieg (999/659 Euro beid-/einseitig).
- Garmin Rally: Datenmeister mit Strauß von Cycling-Dynamics-Kennzahlen (1100/650 Euro, beid-/einseitig).
- Wahoo Powrlink: Freigeist, der den Geist der Speedplay-Lollies aufrecht erhält (999/650 Euro, beid-/einseitig).
SRM Origin
Die neunte Generation von Powermeter-Pionier SRM ist modular aufgebaut: Der Mess-Spider kann mit Tretlagerwellen in 29 mm (SRAM DUB) oder 30 mm kombiniert werden. Verschiedene Blätter stehen auch zur Wahl. Erstmals verzichtet SRM auf den Magneten zur Erfassung der Trittfrequenz. Geladen wird der interne Akku per Magnetstecker.
- Bauart: Kurbel-Spider-Powermeter
- Preis: 2299 Euro (mit Kurbeln)
- Gewicht: 652 Gramm
- Kurbellänge: 170 mm
- Kettenblatt: 52/36
- Vorteile: leicht, genau, modular
- Nachteile: Konnektivität
Sram Red AXS
577 Gramm für die Leistungsmesskurbel der Red-Gruppe sind konkurrenzlos leicht. Der Preis für die Grammfuchserei: Die Messtechnik ist fest im Doppelkettenblatt verbaut. Wer sich daran stört, findet in der Force-AXS-Kurbel eine Alternative, da lassen sich Spider und Kettenblätter trennen. Der Strom stammt aus einer Knopfzelle.
- Bauart: Kurbel-Spider-Powermeter
- Preis: 1375 Euro (mit Kurbeln)
- Gewicht: 577 Gramm
- Kurbellänge: 172,5 mm
- Kettenblatt: 48/35
- Vorteile: extrem leicht
- Nachteile: Genauigkeit außerhalb der Spezifikation, einteiliges “Wegwerf“-Powermeter
Shimano Dura-Ace 9200
Shimano bietet seine Top-Gruppe Dura-Ace wahlweise mit Kurbelpowermeter an. Shimano betreibt zwar viel Aufwand, um die Verformung der Kurbeln mittels 24 nachträglich applizierter Dehnmessstreifen zu ermitteln, trotzdem ist das rohe Messsignal fehlerhaft, besonders das kleine Blatt zeigt zu hohe Werte.
- Bauart: Kurbel-Powermeter, beidseitig
- Preis: 1449 Euro
- Gewicht: 738 Gramm
- Kurbellänge: 172,5 mm
- Kettenblatt: 52/36
- Vorteile: unsichtbare Integration, sehr gute Schaltfunktion
- Nachteile: nur mit Software-Tricks brauchbare Werte
Sram Rival DUB Wide
Eine der günstigsten Möglichkeiten, ein Powermeter nachzurüsten, ist die Messung nur auf einer Seite. Sram bietet dazu linke Kurbeln mit Welle an, die Leistungsmessung steckt unsichtbar in der Aluminium-Welle. Die Stromversorgung übernimmt eine AAA-Lithium-Batterie, die 400 Stunden halten soll und vom Nutzer zu tauschen ist.
- Bauart: Kurbel-Powermeter, einseitig
- Preis: 274 Euro
- Gewicht: 359 Gramm, linker Kurbelarm mit Welle
- Vorteile: misst linkes Bein präzise, lange Batterielaufzeit
- Nachteile: einseitige Messung
Garmin Rally Pedal-Powermeter im Test
Garmin bringt die 4. Generation seiner Powermeter Pedale auf den Markt - Rally heißt das extrem vielseitige System. Die neuen Powermeter Pedale Rally von Garmin glänzen aber vor allem mit einem erstaunlichen Variantenreichtum - da wird fast jeder glücklich.
Erster Eindruck, Montage und Einstellung
Die Pedale wirken Garmin-typisch hochwertig und gut verarbeitet. Die Lager sind optimal eingestellt. Zur Montage braucht man einen 15er-Maulschlüssel. Schon beim Einrichten machen die Garmin-Pedale Spaß: Es bedarf keinerlei Ausrichtung. Montieren, verbinden, kalibrieren und los geht’s. Die Rally sind mit Bluetooth und ANT+ ausgestattet - entsprechend einfach war auch das Pairing mit dem Garmin-Computer. Selbst mit meinem Leomo-Radcomputer und meinem Laptop war die Verbindung problemlos.
Beobachtungen beim Fahren
Das Ein- und Ausklicken ins Pedal war völlig unauffällig. Mir war es anfangs etwas zu leichtgängig, aber die Federhärte lässt sich jederzeit ganz simpel justieren. Durch die etwas straffen Lager dreht das Pedal nicht weg, was das Einklicken erleichtert. Das Fahren war im besten Sinne ohne Vorkommnisse: Die Pedale funktionieren solide, genau wie man es von der vierten Generation Powermeter-Pedale von Garmin erwartet.
Großer Vorteil: Batteriewechsel
Für die Rally benötigt man zwei CR1/3N- oder vier LR44/SR44-Zellen. Die Batterielaufzeit gibt Garmin mit bis zu 120 Stunden an. Hier trumpfen die Rally mit einem Metalldeckel mit Metallgewinde auf, der sich gleich ganz anders anfühlt und auch deutlich länger halten dürfte. Im Lieferumfang finden sich übrigens direkt zwei Sätze Wechseldichtungen - ein guter Zug!
Der Vergleich der Leistungsmessung von Rally-Pedal, SRM-Kurbel und Kickr V5 zeigt: Die Werte wichen recht konstant um maximal 3 Watt voneinander ab.
Der Clou: Kompatibilitäten/Umbau
Garmin hat seine neuen Pedale modular aufgebaut und ermöglicht so verschiedene Nutzungsrealitäten, die vorher nicht denkbar waren. Zunächst muss man nicht zwei Messpedale kaufen, Garmin bietet nämlich Pärchen an, bei denen nur eine Seite misst. Als nächstes lässt sich der Pedalkörper austauschen - Garmin bietet erstmals neben der Variante „Rally RK“ für das Klicksystem Look Keo, auch mit Shimano-Klicksystemen kompatible Versionen an, und zwar „Rally RS“ für SPD-SL (Rennrad) und „Rally SPD“ für Mountainbike-Schuhe!
Günstige Alternativen zur Leistungsmessung
Um in das effizienteste Radtraining einzusteigen ist ein Powermeter- bzw. Wattmesser-Kauf unausweichlich. Alleine nach Herzfrequenz zu trainieren ist weniger zielführend und weniger individuell angepasst an die eigene Leistung.
Kostenlose Leistungsmessung mit der Rolle
Man muss nicht zwangsläufig einen teuren Sensor am Rad verbauen, der die genaue Leistung misst. Es gibt statistische Modelle, die mit einfacheren Sensoren und Konstanten gefüttert werden, um daraus eure Leistung ziemlich genau zu bewerten. Die Rede ist von der Rolle. Genauer gesagt geht es um Rollentraining und Zwift, die Software um online in einer Community virtuell Runden zu drehen.
Der Einstieg ist leicht: ein Zwift Account, eine einfache Rolle (die einfachsten Rollen reichen schon aus) und ein Kadenz- und Geschwindigkeitssensor. Ihr bekommt eine Leistungsmessung damit geschenkt. Diese wird anhand eines statischen (also unveränderten) Widerstands, der Umdrehung der Kurbeln und des Laufrads (Geschwindigkeitsmesser) berechnet.
SRAM Rival AXS
Der Powermeter von Quarq (eine Tochter von SRAM) kann in der Kurbel einfach nachgerüstet werden. Und kostet Stand 2021 zur Ankündigung der Rival AXS ziemlich genau 250€. Damit ist die Rival Gruppe die günstigste komplett elektrische Schaltgruppe im Mittelsegment (Vergleichbar mit Shimano 105). Praktisch am Quarq AXS Powermeter ist, dass er optional ist und im Handumdrehen installiert und nachgerüstet wird.
Powermeter Nachrüsten - Stages und 4iiii Precision
Die einseitige Messung der Leistung ist meist die günstigste Option. Zwei Anbieter haben speziell dafür sehr gute Angebote zum Nachrüsten geschaffen. Deren Sensor wird in der linken Kurbel nachträglich verbaut. Die Preise für die Powermeter beider Hersteller beginnen etwa bei 250-300€ (Stand Anfang 2021). Je nach Kurbel selbstverständlich, denn eine Dura Ace wird deutlich mehr kosten als eine Shimano 105 Kurbel.
Welcher Powermeter ist der richtige für mich?
Kurbelbasiert, Messung im Kurbelarm oder ein Pedalsystem? Einseitig oder zweiseitig? Powermeter waren lange Zeit dem Hochleistungssport vorbehalten.
Durch die Kraft, die wir auf das Pedal ausüben, verformt sich das gesamte System. In kurbelbasierten Systemen ist dagegen die Elektronik deutlich geschützter unterzubringen. Mehrere redundante Messeinheiten im Spider finden Platz, die Mehrfachwerte liefern und gegeneinander abgeglichen werden können.
Als Referenz standen kalibrierte SRM bzw. kurbelbasierte Systeme, die die besten Genauigkeiten zeigten.
Kalibrieren vs. Eichen
Die Begriffe kalibrieren und eichen werden umgangssprachlich fälschlicherweise oft synonym verwendet. Bei allen Messsystemen kann es aufgrund äußerer Einflüsse (Verschleiß, Temperatur, Feuchtigkeit, Stoßbelastungen, Abrasion uvm.) mit der Zeit zu Abweichungen kommen.
Bei Powermetern ist das durch den Radcomputer durchgeführte Kalibrieren wohl im wesentlichen eine Anpassung auf den Einfluß von Temperaturschwankungen. Diese sind stark temperaturabhängig: Je wärmer es ist, desto stärker verformen sich Kurbelarm, Pedalachse oder Kurbelstege unter Belastung. Nach meinen Informationen ist SRM der einzige Hersteller, der eine verlässliche Überprüfung und Justierung als Serviceleistung im Werk anbietet.
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