Powermeter Test und Vergleich für Rennräder

Wenn du dir einen Powermeter zulegen willst, kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen: Es ist eine richtig sinnvolle Investition - aber eben auch keine günstige. Genau deshalb habe ich viele Modelle ausgiebig getestet, verglichen und mir angesehen, wie sie sich im Trainingsalltag schlagen.

Warum ein Powermeter dein Training verändern kann

Als ich angefangen habe, ernsthaft zu trainieren, war ich oft frustriert - mal lief es super, mal gar nicht. Erst als ich meinen ersten Powermeter ausprobiert habe, wurde mir klar, wie wenig ich bisher eigentlich über meine tatsächliche Leistung wusste. Geschwindigkeit? Kann vom Wind abhängen. Puls? Schwankt mit dem Stresslevel. Mit einem Powermeter konnte ich mein Training endlich strukturiert angehen und messbar Fortschritte erzielen.

Wenn du ernsthaft trainieren willst - und damit meine ich nicht einfach nur „ein bisschen mehr fahren“ -, dann führt kein Weg am Powermeter vorbei. Mein Tipp: Investiere lieber einmal in ein gutes Modell, statt dich mit einem günstigen Kompromiss herumzuärgern.

Welcher Powermeter passt zu welchem Rad?

Je nachdem, ob du ein Rennrad, MTB oder Stadtrad fährst, solltest du einen passenden Powermeter wählen.

  • Pedalbasierte Powermeter: Für mich die flexibelste Lösung. Schnell montiert, übertragbar auf andere Räder und oft günstiger.
  • Kurbelbasierte Modelle: Super leicht und ziemlich exakt.
  • Spider-basierte Powermeter: Extrem genau und mein Favorit für das Training mit klarer Leistungsanalyse.

Ein- oder beidseitige Leistungsmessung?

Beidseitig messende Powermeter erfassen die Kraft beider Beine, einseitig messende Powermeter erfassen die Kraft eines Beins, meist auf der Nicht-Antriebsseite, also links. Bei einseitigen Systemen wird die gemessene Kraft verdoppelt und darüber die Gesamtleistung angenommen. Da unsere Beine in der Regel nicht gleich stark sind, ist hier ein gewisser Fehler enthalten.

Im Gegensatz zu den meisten einseitigen Kurbel- und Pedal-Powermetern kannst Du bei einem Pedal-Powermeter von Favero wählen, ob Du die rechte oder die linke Seite mit der Messtechnik ausstatten möchtest.

Ein beidseitig messender Powermeter liefert genauere Daten, ist aber auch teurer.

Bei beidseitigen Systemen wird noch einmal zwischen der „gemeinsam" beidseitigen und der individuell beidseitigen Messung unterschieden. Werden beide Beine individuell erfasst, benötigt der Powermeter zwei unabhängig voneinander messende Sensoren plus die dazugehörigen Sendeeinheiten. Aktuell können das nur die Pedal-Powermeter, der Shimano-Powermeter mit Dehnmessstreifen in beiden Kurbelarmen und die Rotor-2INPower-Systeme mit Sensoren in der Kurbelachse und im rechten Kurbelarm.

Sie erfassen die gesamte Kurbelumdrehung, also die Druck- und die Zugphase für jedes Bein. Bei einem gemeinsam beidseitig messenden System wird dagegen eine Hälfte einer Kurbelumdrehung dem einen Bein und die andere Hälfte dem anderen Bein zugeordnet und so die Gesamtleistung berechnet. Das ist das Funktionsprinzip der SRAM- und Quarq-Powermeter, deren Messsensoren entweder im Spider oder im Kettenblatt sitzen.

Suchst Du einen Powermeter für eine leistungsbasierte Trainingssteuerung, als Kontrollinstanz zum Pacing oder zum Einstieg in die Powermeter-Welt, ist eine einseitige Messung ausreichend. Beidseitig messende Systeme sind vor allem dann für Dich interessant, wenn Du weißt, dass Du eine nennenswerte Dysbalance zwischen beiden Beinen hast. Zum Beispiel, wenn Du von einer Verletzung zum Training zurückkehrst, durch die ein Bein stärker geschwächt wurde. Möchtest Du Dich mit dem Bewegungsablauf beim Pedalieren und der Effizienz Deines Tritts genauer auseinandersetzen, ist ein getrennt beidseitig messendes System empfehlenswert.

Diese Marken haben mich überzeugt

In meinen Tests habe ich viele Hersteller unter die Lupe genommen - vom günstigen Einsteigergerät bis zum High-End-Modell.

Garmin

Ich bin ehrlich: Garmin ist bei mir Dauergast, wenn es um hochwertige Technik fürs Radfahren geht. Auch die Powermeter dieser Marke sind durchdacht, sauber verarbeitet und bieten mit der Garmin-App tolle Auswertungsmöglichkeiten.

Stages

Stages hat sich im Profisport einen Namen gemacht - und das merkt man. Ich hatte das Glück, ein Modell über mehrere Wochen im Alltag zu testen. Die Genauigkeit und die einfache Montage sprechen für sich.

Pioneer

Zugegeben - Pioneer hatte ich vor dem Test eher bei Autoradios auf dem Schirm. Doch auch bei den Powermetern leisten sie saubere Arbeit.

Wichtige Testkriterien in meinem Vergleich

Ich habe alle Powermeter nach denselben Punkten bewertet.

1. Optik & erster Eindruck

Natürlich geht’s in erster Linie um Funktion - aber ganz ehrlich: Ich will kein klobiges Teil am Rad haben. Ein schlankes, sportliches Design bringt Pluspunkte. Manche Geräte sehen auf Bildern top aus, enttäuschen aber beim Auspacken.

2. Montage & Anleitung

Ich bin technisch nicht ungeschickt, aber manche Produkte haben mich echt überrascht - im positiven wie im negativen Sinne. Eine klare, bebilderte Anleitung ist Gold wert.

3. Messgenauigkeit

Hier liegt der Fokus meines gesamten Tests. Einseitige Systeme (Messung nur an einem Pedal) sind okay, aber nicht so exakt wie doppelseitige Varianten.

4. App-Integration

Ich liebe gute Apps - und Powermeter, die ihre Daten übersichtlich und verständlich präsentieren. Am liebsten nutze ich Modelle, bei denen ich per Bluetooth direkt alles aufs Handy bekomme.

Powermeter im Detail

SRM X-Power Road

Bauart: Pedal-Powermeter, beidseitig
Option: einseitige Messung

Die zweite Generation der SRM-Straßenpedale passt zu Shimanos SPD-SL-Cleats. Der geringe Sohlenabstand von 9,75 Millimetern zur Peda­­l­achse und der Q-Faktor (53 Millimeter) entsprechen einem Standardpedal. Die Elektronik und der fest verbaute Akku liegen im Inneren der Achse. Geladen wird per Magnetstecker, die Akkulaufzeit liegt bei 30 Stunden. Trotz Metallbauweise ist das Pedal sehr leicht, die Auslösehärte lässt sich praxisgerecht einstellen, die Platten rasten definiert ein. SRM gibt +/-2 Prozent Genauigkeit an - das passt zu den Messungen. Die Pedale eilen der Referenzkurbel bei hoher Leistung leicht voraus (+2 Prozent). Die Erstmontage erfordert die SRM-App und ist deutlich holperiger als bei der Konkurrenz. Als Anzeigegerät akzeptierten die Pedale nur den SRM-Computer PC8 - auf Wahoos Bolt und einem Garmin-­Gerät war keine Darstellung möglich. Sie sollen laut Hersteller aber mit allen ANT+ und BT-Computern kompatibel sein. Auch als Offroad-Variante erhältlich.

Preis: 999/1.699 Euro (ein-/beidseitig)
Gewicht: 277 Gramm ohne Cleats
Vorteile: leicht, knackiges Einrasten
Nachteile: Installation, Konnektivität, Akkulaufzeit, Preis

Favero Assioma Pro MX

Bauart: Pedal-Powermeter, beidseitig
Option: einseitige Messung

Deutlichster Unterschied von Faveros Offroad-Pedal zum bewährten Straßenmodell: Der charakteristische Pod, der Knubbel mit der Elektronik, entfällt, diese ist komplett in die Achse gewandert. Dadurch ist der Fußabstand der gewohnte. Das Pedal ist kompatibel mit Shimanos SPD-Cleats. Geladen wird per Magnetstecker, der integrierte Akku hat rund 60 Stunden Laufzeit. Im Vergleich zum Straßenpedal zeigt die Offroad-Version zusätzlich den PCO-Wert an, die Lage des Druckpunkts auf dem Pedal. Wir konnten das Pedal rund 1500 Kilometer unter rauesten Bedingungen nutzen, es zeigte keinerlei Aussetzer und eine sehr hohe Genauigkeit. Die Stahlspangen, die die Pedalplatte umgreifen, sind hart und korrosionsfest.

Preis: 438/730 Euro (ein-/beidseitig)
Gewicht: 382 Gramm (ohne Cleats)
Vorteile: genau, robust, preiswert

Favero Assioma

Die Italiener machen den sportlichsten Preis und überzeugen bei jahrelanger Nutzung mit Dauerpräzision. Die vergossene Elektronik hat sich bewährt. Zu beachten ist der etwas weitere Fußabstand durch die Elektronik-Pods - was kein Nachteil sein muss, je nach individuellem ­Körperbau. Cleats: Look Kéo (Kit zur Umrüstung von ­Shimanos Ultegra-Pedal optional), interner Akku, 304 Gramm, 695/445 Euro beid-/einseitig.

Look Kéo Power

Unsichtbare Powermessung, geringstes Gewicht, knackiger Ein- und Ausstieg über Carbonfederplatte (Auslösehärte: 16 Nm, Carbonfeder austauschbar), sehr gute Genauigkeit. Interner Akku. 268 Gramm, 999/659 Euro beid-/einseitig

Garmin Rally

Garmins Power-Pedal der vierten Generation arbeitet genau und bietet mit seinem Strauß von Cycling-Dynamics-Kennzahlen einen Mehrwert. Die Stromversorgung erfolgt über CR1/3N-Knopfzellen (rund 120 Stunden). Montage mit 15er-Schlüssel. 322 Gramm, 1100/650 Euro, beid-/einseitig.

Wahoo Powrlink

Wahoo hält den Geist der Speedplay-Lollies aufrecht. Das Power-Pedal baut zwei Millimeter breiter und 1,5 mm höher als das Standard-Speedplay. Geringe Höhe, einstellbare Drehfreiheit, präzise Führung und geringer Verschleiß sind die bekannten Vorteile des Systems. Die Schuhplatte mit Federmechanismus ist schmutzempfindlich. Interner Akku. 277 Gramm (427 Gramm mit Platte und 3-Loch-Adapter), 999/650 Euro, beid-/einseitig.

SRM Origin

Bauart: Kurbel-Spider-Powermeter

Die neunte Generation von Powermeter-Pionier SRM ist modular aufgebaut: Der Mess-Spider kann mit Tretlagerwellen in 29 mm (SRAM DUB) oder 30 mm kombiniert werden. Verschiedene Blätter stehen auch zur Wahl. So lassen sich (mit Innenlagertausch für Shimano) alle gängigen Schaltgruppen abdecken - auch SRAM-AXS-kompatible Blätter sind erhältlich. Unser Testmuster hat sehr leichte Cybrei-­Carbonkurbeln (160-175 mm) und Alu-Blätter. Damit liegt das Systemgewicht bei sehr guten 652 Gramm. Im Kreuzvergleich mit Favero-Pedalen zeigt das SRM-Powermeter aufs Watt identische Werte vom lockeren Tritt bis zum Fahren am Anschlag. Erstmals verzichtet SRM auf den Ma­gne­ten zur Erfassung der Trittfrequenz. Damit sind nun auch Eierblätter mit SRM korrekt auswertbar, zudem ist die Montage einfacher geworden. Geladen wird der interne Akku per Magnetstecker. In Sachen Konnektivität ist das Powermeter wählerisch, es mochte sich unter unseren Testgeräten ausschließlich mit dem SRM-Computer PC8 verbinden, soll laut Hersteller aber mit allen ANT+ und BT-Computern kompatibel sein.

Preis: 2299 Euro (mit Kurbeln)
Gewicht: 652 Gramm
Kurbellänge: 170 mm
Kettenblatt: 52/36
Vorteile: leicht, genau, modular
Nachteile: Konnektivität

Sram Red AXS

Bauart: Kurbel-Spider-Powermeter

577 Gramm für die Leistungsmesskurbel der Red-Gruppe sind konkurrenzlos leicht. Der Preis für die Grammfuchserei: Die Mess­technik ist fest im Doppelkettenblatt verbaut. So spart Sram Schrauben und Schnittstellen. Der konsequente Leichtbau kann aber teuer werden. Ist eines der Blätter verschlissen, kommt die ganze Einheit in die Tonne. Wer sich daran stört, findet in der Force-AXS-Kurbel eine ­Alternative, da lassen sich Spider und Kettenblätter trennen. Der Strom stammt aus einer Knopfzelle. Im Test zeigt das Powermeter rund 4 bis 5 Prozent höhere Werte als zwei zum Abgleich eingesetzte Favero-Pedal-Paare. Wir können daher mit guter Sicherheit sagen, dass das Red-Powermeter dezent übertreibt. Sram gibt +/-1,5 Prozent Genauigkeit an. Davon abgesehen ist die Datenqualität gut.

Preis: 1375 Euro (mit Kurbeln)
Gewicht: 577 Gramm
Kurbellänge: 172,5 mm
Kettenblatt: 48/35
Vorteile: extrem leicht
Nachteile: Genauigkeit außerhalb der Spezifikation, einteiliges “Wegwerf“-Powermeter

Shimano Dura-Ace 9200

Bauart: Kurbel-Powermeter, beidseitig

Shi­mano bietet seine Top-Gruppe Dura-Ace wahlweise mit Kurbelpowermeter an. Im Prinzip gut: Die Kurbeln sind wichtiger Teil der Designsprache und sichern mit den zugehörigen Blättern herausragenden Schaltkomfort. Jedoch: Shimano betreibt zwar viel Aufwand, um die Verformung der Kurbeln mittels 24 nachträglich applizierter Dehnmessstreifen zu ermitteln, trotzdem ist das rohe Messsignal fehlerhaft, besonders das kleine Blatt zeigt zu hohe Werte - um die 13 Watt Offset in unseren Fahrten. Erst durch Paaren mit der Schaltung, wodurch das Powermeter weiß, wann das kleine Blatt im Einsatz ist, lassen sich die Werte hinbiegen. Nach der Korrektur halbiert sich die Abweichung auf beiden Blättern, die Dura-Ace zeigt nun weniger Leistung als das Referenzgerät. Auch die Signalfilterung ist ausbaufähig. Es kommt vereinzelt zu Aussetzern. Der Ma­gnet zur Erfassung der Trittfrequenz ist auch nicht mehr zeitgemäß, damit lässt sich der Tritt nicht sehr fein auflösen. Temperaturstabil ist die Messung hingegen.

Preis: 1449 Euro
Gewicht: 738 Gramm
Kurbellänge: 172,5 mm
Kettenblatt: 52/36
Vorteile: unsichtbare Integration, sehr gute Schaltfunktion
Nachteile: nur mit Software-Tricks brauchbare Werte

Sram Rival DUB Wide

Bauart: Kurbel-Powermeter, einseitig

Eine der günstigsten Möglichkeiten, ein Powermeter nachzurüsten, ist die Messung nur auf einer Seite. Sram bietet dazu linke Kurbeln mit Welle an, die Leistungsmessung steckt unsichtbar in der Aluminium-Welle. Die Stromversorgung übernimmt eine AAA-Lithium-­Batterie, die 400 Stunden halten soll und vom Nutzer zu tauschen ist. Im Test zeigt sich das Rival-Powermeter tadellos. Dass es zu Messabweichungen von im Schnitt 13 Watt kommt, liegt an der einseitigen Messung. Im Prinzip misst die Kurbel präzise, was wir mit einbeinigem Treten bestätigen konnten. Die linke Rival-Kurbel zum Nachrüsten ist in Längen von 160 bis 175 Millimeter erhältlich, Marktpreise liegen bei 220 Euro. Für den kompletten Kurbelsatz verlangt Sram 380 Euro. Das einbeinige Upgrade ist auch für die Force-­Gruppe erhältlich (für Einblatt- und Zweifach-Antriebe kompatibel, 367 Euro).

Preis: 274 Euro
Gewicht: 359 Gramm, linker Kurbelarm mit Welle
Vorteile: misst linkes Bein präzise, lange Batterielaufzeit
Nachteile: einseitige Messung

So haben wir getestet

Wir haben bei diesem Test ganz auf zahlreiche Vergleichsfahrten vertraut - drinnen wie draußen, mit zwei bis drei Geräten, die parallel liefen. Ein Wahoo-Kickr-Smarttrainer diente zum ­Abgleich, um unter kontrollierten Bedingungen vergleichen zu können. Neben der Leistung im Ausdauer­bereich bis 400 Watt haben wir auch Antritte und Sprints bis 1.000 Watt geprüft. Im kreuzweisen Abgleich kristallisiert sich eine „Mehrheitsmeinung“ heraus: Das Spider-Powermeter von SRM und mehrere Pedale von Favero zeigen auf ein bis drei Watt identische Werte an. Diese sind nahezu deckungsgleich mit einem Power2max-Gerät, das seit ­Längerem als ­Referenz dient. Von Favero hatten wir vier Pedale zum Vergleich, die innerhalb von ein bis drei Watt Varianz liegen (im Bereich 150-400 Watt) - das ist erstaunlich genau. Pedale, die seit Jahren im Einsatz sind, zeigen die gleichen Werte wie neue Geräte.

Garmin Rally Pedal-Powermeter im Test

Garmin bringt die 4. Generation seiner Powermeter Pedale auf den Markt - Rally heißt das extrem vielseitige System. Jonas konnte sie vorab für Dich testen. Leistungsmessgeräte (auch Powermeter genannt) sind die bevorzugte Trainingstechnik bei den Profis - und werden auch für Hobbysportler immer erschwinglicher. Powermeter Pedale sind im Vergleich zu Kurbeln und Hinterradnaben mit integrierter Leistungsmessung besonders attraktiv für Einsteiger und Vielnutzer. Zum einen sind sie verhältnismäßig günstig für den Einstieg ins Thema bzw. zur Ergänzung - denn sie lassen sich ganz einfach an mehreren Rädern verwenden. Die neuen Powermeter Pedale Rally von Garmin glänzen aber vor allem mit einem erstaunlichen Variantenreichtum - da wird fast jeder glücklich. Zum anderen machen Messpedale die exakte Leistungsermittlung beider Beine und so ein sehr gezieltes Training möglich, nicht nur für Reha-Zwecke und Athleten anderer Sportarten.

Mein Test-Setting

Ich konnte die neuen Garmin-Rally-Pedale zwei Wochen lang testen - was etwa 20 Stunden Fahren entsprach. Da genau in dieser Zeit der harte Wintereinbruch kam, fuhr ich sie vorwiegend an meiner Standert „Kreissäge“ auf der Rolle und nur für eine Fahrt draußen. Gefahren bin ich die Wahoo-Strecken Watopia, Innsbruck, Richmond, Paris und Yorkshire. Der Vorteil des Indoortrainings war, dass ich die Daten der Garmin-Pedale direkt mit denen meiner SRM Origin-Kurbeln und meines Wahoo Kickr V5 vergleichen konnte. Die Genauigkeit war erstaunlich: Im Ergebnis wichen die Werte recht konstant um rund 3 Watt ab - was völlig plausibel ist, da der Kettenblatt-Spider, an dem SRM misst, sich noch eine Kurbellänge weiter weg vom Fuß befindet. Ich persönlich bevorzuge die Messung am Spider - für mich wären Pedale mit Powermeter auf Dauer zu exponiert. Und die beidseitige Messung ist für mich nicht so relevant. Aber ich verstehe sehr gut, dass Faktoren wie die schnelle Montage am Rad, der einfache Wechsel der Pedale und der preisgünstige Einstieg viele Radsportler überzeugen. Ich hatte außerdem die Variante für das Klicksystem Look Keo zum Testen und muss sagen, dass ich ganz klar Fan von Shimano SPD-SL bleibe. Die Platten sind haltbarer, die Aufstandsfläche ist größer und ich mag etwas Bewegungsfreiheit (Float) im Pedal. Aber darum hat Garmin sich hier auch gekümmert - dazu später mehr.

Erster Eindruck, Montage und Einstellung

Die Verpackung der Rally-Pedale ist sicher, schlicht und stabil. Die Pedale wirken Garmin-typisch hochwertig und gut verarbeitet. Die Lager sind optimal eingestellt: Ein bisschen schwergängig, wodurch sie sich nicht verdrehen und den Eindruck solider Dichtungen vermittelt. Die Messtechnik ist von außen nicht erkennbar und trägt auch in der Bauhöhe nicht merklich auf. Man kann sie optisch kaum von Pedalen ohne Powermeter unterscheiden. Zur Montage braucht man einen 15er-Maulschlüssel; der übliche 8er-Inbus geht hier nicht, weil die Messtechnik in der Achse sitzt. Schon beim Einrichten machen die Garmin-Pedale Spaß: Es bedarf keinerlei Ausrichtung. Montieren, verbinden, kalibrieren und los geht’s. Die Rally sind mit Bluetooth und ANT+ ausgestattet - entsprechend einfach war auch das Pairing mit dem Garmin-Computer. Selbst mit meinem Leomo-Radcomputer und meinem Laptop war die Verbindung problemlos.

Beobachtungen beim Fahren

Das Ein- und Ausklicken ins Pedal war völlig unauffällig. Mir war es anfangs etwas zu leichtgängig, aber die Federhärte lässt sich jederzeit ganz simpel justieren. Durch die etwas straffen Lager dreht das Pedal nicht weg, was das Einklicken erleichtert. Das Fahren war im besten Sinne ohne Vorkommnisse: Die Pedale funktionieren solide, genau wie man es von der vierten Generation Powermeter-Pedale von Garmin erwartet. Kontinuierliche Verbesserung wirkt!

Großer Vorteil: Batteriewechsel

Bei der Wahl eines Powermeters stellt sich immer als erstes die Gretchenfrage: Akku oder Batterie? Akkus haben den Vorteil, dass sie fest verbaut oder gar eingegossen und darum komplett unerreichbar für Wasser und Dreck sind. Ihr Nachteil: Unterwegs laden oder wechseln ist schwierig bis unmöglich und ein Defekt bedeutet meist einen Totalschaden, also Kompletttausch. Batterien sind da nutzerfreundlicher - die kann man unterwegs einfach kaufen und wechseln. Für die Rally benötigt man zwei CR1/3N- oder vier LR44/SR44-Zellen. Die Batterielaufzeit gibt Garmin mit bis zu 120 Stunden an. Bei Konkurrenzprodukten und auch den Garmin-Vorgängern der Vector-Serie machte früher oder später aber der Batteriedeckel Probleme. Grund waren meist die Plastikgewinde, die verschlissen und undicht wurden. Hier trumpfen die Rally mit einem Metalldeckel mit Metallgewinde auf, der sich gleich ganz anders anfühlt und auch deutlich länger halten dürfte. Im Lieferumfang finden sich übrigens direkt zwei Sätze Wechseldichtungen - ein guter Zug! Eine wesentliche Verbesserung zum Vorgänger Vector 3: Der Batteriefachdenkel kommt mit einem Metallgewinde und verspricht dadurch eine deutlich verbesserte Haltbarkeit.

Der Vergleich der Leistungsmessung von Rally-Pedal, SRM-Kurbel und Kickr V5 zeigt: Die Werte wichen recht konstant um maximal 3 Watt voneinander ab. Ein Blick auf die Datenaufzeichnung macht dies noch deutlicher.

Der Clou: Kompatibilitäten/Umbau

Garmin hat seine neuen Pedale modular aufgebaut und ermöglicht so verschiedene Nutzungsrealitäten, die vorher nicht denkbar waren. Zunächst muss man nicht zwei Messpedale kaufen, Garmin bietet nämlich Pärchen an, bei denen nur eine Seite misst. Diese Sets sind erkennbar an der „100“ im Namen; beidseitig messende Pärchen heißen „200“. So kann man günstig einsteigen und später auf die zweite Seite upgraden. Als nächstes lässt sich der Pedalkörper austauschen - Garmin bietet erstmals neben der Variante „Rally RK“ für das Klicksystem Look Keo, auch mit Shimano-Klicksystemen kompatible Versionen an, und zwar „Rally RS“ für SPD-SL (Rennrad) und „Rally SPD“ für Mountainbike-Schuhe! Letzteres ist besonders für Gravelfahrer und Cross-Country-Biker interessant - die beidseitig einklickenden Rally SPD sind die ersten Powermeter-Pedale mit dem Klicksystem für die breite Masse.

Fazit

Getreu dem Motto „Vier gewinnt“ ist das Rally ein absoluter Top-Powermeter, der die Stärken der Messung am Pedal weiterführt und die Schwächen reduziert. Damit ist die Rally-Plattform für mich eine überzeugende Lösung für den Einstieg in das Thema Leistungsmessung und für alle, die auf der Suche nach einem sehr universellen und langlebigen System sind.

Überblick über getestete Powermeter

Powermeter Bauart Messung Preis (ca.) Gewicht Besonderheiten
SRM X-Power Road Pedal Beidseitig (optional einseitig) 999/1.699 Euro 277g (ohne Cleats) SPD-SL kompatibel, Magnetstecker
Favero Assioma Pro MX Pedal Beidseitig (optional einseitig) 438/730 Euro 382g (ohne Cleats) SPD kompatibel, PCO-Wert
Favero Assioma Pedal Beidseitig (optional einseitig) 695/445 Euro 304g Look Kéo, roboterversiegelte Elektronik
Look Kéo Power Pedal Beidseitig (optional einseitig) 999/659 Euro 268g Carbonfederplatte
Garmin Rally Pedal Beidseitig (optional einseitig) 1100/650 Euro 322g Cycling Dynamics, Knopfzellen
Wahoo Powrlink Pedal Beidseitig (optional einseitig) 999/650 Euro 277g (427g mit Platte) Speedplay, einstellbare Drehfreiheit
SRM Origin Kurbel-Spider Beidseitig 2299 Euro 652g Modular, Magnetstecker
Sram Red AXS Kurbel-Spider Beidseitig 1375 Euro 577g Leichtbau, Mess­technik fest im Kettenblatt
Shimano Dura-Ace 9200 Kurbel Beidseitig 1449 Euro 738g Dehnmessstreifen, Software-Tricks
Sram Rival DUB Wide Kurbel Einseitig 274 Euro 359g AAA-Lithium-­Batterie

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