Wieviel Leistung bringe ich auf die Pedale? Um diese Frage zu beantworten, brauchst du Messtechnik. In diesem Review werfe ich mal einen Blick auf den beidseitigen Wattmesser Stages Power LR. Dabei handelt es sich um die dritte Generation der Stages Powermeter.
In einem ersten Test aus dem März 2019 stammen Daten vom Shimano Ultegra R8000 Antrieb. Im Rahmen eines großen Vergleichstests für die BIKE-Bild konnte ich im Herbst 2023 auch die Shimano Ultegra R8100 12-fach Gruppe testen. Update: Der Praxistest wurde im Januar 2024 komplett überarbeitet.
Was macht die dritte Generation der Stages Cycling Leistungsmesser so besonders? Leicht (15g bzw. Vor Montage und Fahrt steht erst mal die Bestellung. Im Prinzip bestellst du bei Stages noch mal genau das selbe, was du bereits hast. In meinem Fall eine Shimano Ultegra R8100 Kurbelgarnitur. Du gibst die gewünschten Kettenblätter und Kurbellänge an.
Montage und Installation
Im Karton liegen dann eine fertig montierte rechte Kurbel und ein linker Kurbelarm. Bis auf die Beschriftung und die Batteriefächer gibt es keine Unterschiede zur Standard Shimano Kurbel. Zur Montage entfernst du die bisherige Kurbel, setzt die Stages Kurbel ein und schraubst alles fest. Das war es auch schon. Insgesamt für geübte Schrauber in kurzer Zeit durchaus machbar.
Unkomplizierter Umbau Der Wechsel von der Standard-Kurbel ohne Powermeter auf den Stages Ultegra LR Powermeter geht supersimpel und maximal unkompliziert von der Hand. Kurbelarm auf der Nicht-Antriebsseite runter, Kurbel mit Kettenblättern und Welle auf der Antriebsseite rausziehen, die Stages/Shimano-Kombi reinschieben, gegenüberliegenden Kurbelarm festschrauben, kalibrieren, fertig!
Geht fast genauso schnell, wie es sich liest. Darüber war ich zugegebenermaßen recht froh, denn ein Umbau vom Rotor InPower, wie ich ihn am alten Rad gefahren bin, wäre nur nach einem Innenlagerwechsel möglich gewesen. Das ist auch kein Beinbruch, klar, aber so geht es schlicht einfacher.
Kompatibel ist der Powermeter mit sämtlichen 11-fach Antrieben aus dem Hause Shimano. Dabei stehen drei Kurbellängen (170 mm, 172,5 mm und 175 mm) sowie drei Kettenblatt-Kombinationen (34-50, 36-52 und 39-53) zur Auswahl. Die Stromversorgung der Messeinheiten übernehmen handelsübliche Knopfzellen. Die halten zwar nur rund 100 Stunden lang, allerdings sind sie extrem schnell ausgetauscht. Und fast überall unterwegs erhältlich, beispielsweise an der Tankstelle oder im Supermarkt.
Wartung und Konfiguration
Für Wartung und Updates stellt Stages seine kostenlose Stages Cycling App für Android und iPhone zur Verfügung. Die Verbindung zwischen Smartphone und Leistungsmesser erfolgt per Bluetooth. Dazu musst du beide Kurbelarme mit der App verbinden. In der App kannst du die beiden unabhängig arbeitenden Seiten zu einer Einheit zusammenfassen oder wieder trennen. Das ist wichtig, um bei den ANT+ Sensoren nur noch einen Leistungsmesser zu sehen. Über die App kannst du auch Firmware Updates einspielen.
Im Testzeitraum gab es aber keines. Somit konnte ich das nicht testen. Eine weitere Wartungsarbeit ist der Austausch der Batterien. Laut Hersteller reicht eine Batterie für bis zu 175 Stunden. Ansonsten ist der Tausch der CR2032 Batterie* aber kein großes Problem. Hat immer problemlos geklappt.
Nachdem der Sensor montiert und gekoppelt ist, musst du ihn kalibrieren. Das ist ganz einfach. Wichtig ist nur, dass der linke Kurbelarm senkrecht nach unten steht. Mehr dazu im Stages Powermeter Handbuch. So eine Kalibrierung solltest du ab und zu wiederholen. Sicher ist es aber nicht vor jeder Fahrt notwendig.
Präzision und Leistung
Die Radcomputer zeigen dann je nach deren Möglichkeiten die Leistungsdaten sowie Zusatzinformationen wie Rechts/Links Verteilung an. Letzteres ist die Information, warum man schließlich zu einem beidseitigen Messsystem gegriffen hat. Mir wurde dabei wieder mal vor Augen geführt, dass mein linkes Bein das Stärkere ist.
In einem Video stelle ich den Stages Power LR Powermeter auf Shimano 12-fach Antrieb dem Original Shimano Dura-Ace Powermeter in der 12-fach Variante gegenüber. Welcher Powermeter für Shimano ist besser? Shimano 12-fach Powermeter oder Stages Leistungsmesser?
Um die Präzision zu testen war ich unter anderem mit dem Stages Leistungsmesser auch in Verbindung mit den Garmin Vector 3 Pedalen unterwegs. Aufgezeichnet wurde immer über eine ANT+ Verbindung. Vector 3 mit dem Edge 1030 und Stages mit dem Wahoo ELEMNT. Hier mal eine Aufzeichnung der Daten zum Vergleich.
Insgesamt sahen die Ergebnisse sehr gut aus. Ohne Kalibrierte Profi Messtechnik kann ich ja nur zwischen verschiedenen Systemen vergleichen. Aufwecken der Leistungsmesser hat mit wenigen Kurbelumdrehungen sicher funktioniert. Auch das anschließende automatische wiederverbinden mit dem Radcomputer lief zuverlässig.
Wenn du möchtest, kannst du das Set trennen und den linken Kurbelarm einfach abbauen und beispielsweise im Trainingslager auf ein anderes Rad montieren. Das ist einfacher als das Komplettset mitzunehmen und so hast du wenigstens eine einseitige Leistungsmessung.
Alternativen auf dem Markt
Mit dem Stages Wattmesser der 3. Generation bekommst du ein präzises und zuverlässiges System für die beidseitige Leistungsmessung. Dabei ist die Präzision besser als bei den Original Shimano Powermeter. Mit dem LR Power System hat sich Stages fest im Bereich der beidseitigen Leistungsmessung etabliert. Präzision, Stabilität der Verbindung und Preis ergeben ein stimmiges Gesamtpaket in der Praxis auf dem Rennrad.
Die flexible Stages Alternative kommt von ROTOR. Sehr viele Möglichkeiten der Konfiguration. Extrem genaue Messung. Beim Preis teurer als Stages. Die Alternative für SRAM Fahrer kommt direkt von SRAM. Gemeinsame Messung im Spider. Erstmalig günstiger. Auf Dauer teuer, da Powermeter zum Verschleißartikel wird.
Mit dem 4iiii Precision 3+ Pro bekommst du einen Leistungsmesser für präzise Leistungsmessung. Er hat eine Genauigkeit von +/- 1%. Das hilft dir, dein Training präzise zu optimieren. Seine lange Batterielaufzeit von über 550 Stunden ist bemerkenswert. Das macht ihn ideal für Ausdauersportler, die lange Strecken zurücklegen. Die leichte und kompakte Bauweise des 4iiii Precision 3+ Pro ist ein weiterer Vorteil. Er belastet die Kurbelgarnitur nicht stark.
Vergleich verschiedener Powermeter
Wir haben 4 Powermeter getestet:
- SRM Origin: Die neunte Generation von Powermeter-Pionier SRM ist modular aufgebaut. Im Kreuzvergleich mit Favero-Pedalen zeigt das SRM-Powermeter aufs Watt identische Werte vom lockeren Tritt bis zum Fahren am Anschlag.
- Sram Red AXS: 577 Gramm für die Leistungsmesskurbel der Red-Gruppe sind konkurrenzlos leicht. Im Test zeigt das Powermeter rund 4 bis 5 Prozent höhere Werte als zwei zum Abgleich eingesetzte Favero-Pedal-Paare.
- Shimano Dura-Ace 9200: Shimano bietet seine Top-Gruppe Dura-Ace wahlweise mit Kurbelpowermeter an. Erst durch Paaren mit der Schaltung, wodurch das Powermeter weiß, wann das kleine Blatt im Einsatz ist, lassen sich die Werte hinbiegen.
- Sram Rival DUB Wide: Eine der günstigsten Möglichkeiten, ein Powermeter nachzurüsten, ist die Messung nur auf einer Seite. Im Test zeigt sich das Rival-Powermeter tadellos.
Hier ist eine Tabelle, die die Hauptmerkmale der getesteten Powermeter zusammenfasst:
| Powermeter | Bauart | Gewicht | Genauigkeit | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| SRM Origin | Kurbel-Spider | 652 Gramm | Sehr genau | Modular aufgebaut, leichte Carbonkurbeln |
| Sram Red AXS | Kurbel-Spider | 577 Gramm | Übertreibt leicht | Extrem leicht, Messtechnik fest im Doppelkettenblatt verbaut |
| Shimano Dura-Ace 9200 | Kurbel | 738 Gramm | Brauchbare Werte nur mit Software-Tricks | Unsichtbare Integration, sehr gute Schaltfunktion |
| Sram Rival DUB Wide | Kurbel | 359 Gramm | Misst linkes Bein präzise | Günstige Nachrüstoption, einseitige Messung |
Leistungsmessung für Hobbyfahrer
Stages Powermeter Kurbelarme - die Leistungsmessung für Jedermann. Doch macht es für Hobbyfahrer überhaupt Sinn? Leistungsmessung ist im Profibereich seit einigen Jahren allgegenwärtig und auch schon lange bekannt.
Was vor einigen Jahren noch der Pulsmesser war, ist in diesem Bereich jetzt der Powermeter, egal ob SRM Stages, Quarq oder Garmin. Einer der Hauptgründe dafür ist die Vergleichbarkeit der Werte, die der Leistungsmesser anzeigt. Ein Watt ist ein Watt und bleibt ein Watt. Wohingegen die Herzfrequenz zum einen deutlich länger braucht, um Veränderungen der Belastung anzuzeigen, und auch von äußeren Umständen beeinflussbar ist. Fahrt mal die gleiche Runde, vor und nach einem doppelten Espresso. Euer Herzfrequenzmesser wird euch sicher unterschiedliche Werte liefern.
Einer der Hauptgründe dafür ist die Vergleichbarkeit der Werte, die der Leistungsmesser anzeigt. Ein Watt ist ein Watt und bleibt ein Watt. Wohingegen die Herzfrequenz zum einen deutlich länger braucht, um Veränderungen der Belastung anzuzeigen, und auch von äußeren Umständen beeinflussbar ist. Fahrt mal die gleiche Runde, vor und nach einem doppelten Espresso. Euer Herzfrequenzmesser wird euch sicher unterschiedliche Werte liefern.
Findet eure Trainingszonen
Der nächste Punkt auf der Agenda eines jeden Powermeter-Besitzers ist wahrlich kein angenehmer, aber ein wirklich notwendiger. Wenn Ihr nicht gerade beim Leistungsdiagnostiker eures Vertrauens einen Termin zur Spiroergometrie habt (was auch brutal schmerzhaft ist), dann wird es jetzt Zeit für einen FTP Test. Dieser Test gibt näherungsweise an, welche Leistung Ihr für 60 min halten könnt. Davon kann man die eigenen Trainingsbereiche/-zonen sehr gut ableiten. Allerdings ist er wirklich schmerzhaft, denn er beinhaltet nach einem guten Warm Up, während dem Ihr am besten schon ein paar Mal ordentlich aufs Pedal tretet, ein 20-minütiges Maximal-Intervall.
Also, 20 Minuten Vollgas. Am besten sucht Ihr euch dafür eine leicht ansteigende Straße, auf der Ihr möglichst ungestört Euer Intervall durchziehen könnt, ohne an einer Ampel oder in Kurven aufhören müsst zu treten. (Hier im Aachener Umfeld bietet sich die Jägerhausstraße ab Vicht dafür an). Ihr könnt diesen Test aber auch auf der Rolle fahren, was die Motivation allerdings nicht leichter macht.
Die Durchschnittsleistung eures 20min Intervalls müsst Ihr dann *0,95 rechnen und Ihr erhaltet euren FTP Wert. Mit diesem Wert könnt Ihr Euer Training von nun an steuern und eure Trainingszonen einrichten.
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