Viele Motorradfahrer kennen das Problem: Man ist Anfänger und das Budget ist begrenzt. Dennoch wird immer geraten, niemals ohne Schutzkleidung zu fahren. Selbst auf kurzen Strecken soll man sich schützen, um bei Stürzen die maximale Sicherheit zu gewährleisten. Doch wie kann man hohe Sicherheit mit wenig Geld erreichen?
Das Probiker PRX-4 ist eine exklusiv von Louis vertriebene Marke. Diese zweiteilige Motorradkombi aus Leder ist besonders interessant, da sie in einer niedrigen Preisklasse angesiedelt ist. Doch ist sie auch gut? Dieser Testbericht soll diese Frage beantworten.
Preis und Anschaffung
Der Preis der Lederkombi liegt bei unschlagbaren 199,95€. Die Bestelllage der PRX-4 ist derzeit extrem hoch, weshalb es zu Lieferengpässen kommen kann, da nicht alle Größen voll lieferbar sind. Die Bezahlung erfolgt auf Rechnung mit einem Zahlungsziel von 2 Wochen.
Aussehen, Haptik und Größe
Die Kombi wird zusammengesetzt in einem großen Karton geliefert. Das Gewicht von 4,1 Kilogramm vermittelt einen ersten positiven Eindruck. Das Design ist schlicht, aber ansprechend. Mit tiefem Schwarz und hellem Weiß passt die Kombi gut zu schwarzen Motorrädern, wobei das Weiß einen Kontrast bietet. Die Sturzelemente an Schulter und Ellenbogen sind im Carbonlook gehalten und beherbergen die Protektoren.
Beim ersten Anziehen kann es etwas mühsam sein, besonders ohne lange Kleidung. Mit Funktionswäsche oder einem Pyjama geht es leichter. Nachdem die Hose angezogen ist, kann es an der Oberschenkel-Gegend etwas drücken, was jedoch an der Passform liegen kann. Das Anziehen der Jacke gestaltet sich einfacher, wenn die Kombi bereits verbunden ist. Am Oberkörper kann es beim Anwinkeln der Arme etwas drücken, was sich aber nach kurzem Tragen bessert. Die Armlänge könnte etwas zu lang sein, was beim Tragen von Handschuhen stören kann.
Die Oberfläche ist an den Schweißstellen mit elastischem Stoff versehen, wie unter den Achselhöhlen, an der Arminnenseite und Oberschenkelinnenseite. Das Innenfutter besteht aus 100% Polyester und ist angenehm zu tragen. Die CE-Protektoren können an Ellenbogen, Schultern, Rücken, Hüfte und Knie gewechselt werden. Mitgeliefert werden die Ellenbogen-, Schulter- und Knieprotektoren. Die Klettverschlüsse unter dem Knie sind für Knieschleifer gedacht. Zwei Innentaschen an der Jacke sind praktisch angebracht.
Qualität
Die Lederkombi ist mit 1,2 mm dickem Rindleder ausgestattet. Die Sicherheitsnähte an den Sturzpositionen sind ein Pluspunkt. Die Protektoren sind dick und vermitteln ein sicheres Gefühl. Allerdings gibt es an einigen Nähten Qualitätsmängel, wie z.B. herausschauende Fäden oder nicht perfekt abgeschnittene Lederränder. Dies betrifft jedoch nicht die äußeren Sicherheitsstellen.
Ein kleiner Mangel wurde an der Hose festgestellt, wo beim Hochziehen eine Schleife auf der Innenseite riss.
Tragekomfort
Das Tragen der Lederkombi bei Sonnenschein und Windstille kann unangenehm sein, da Leder eine Qual ist. Nach längerem Tragen im Sitzen wird es jedoch gemütlicher. Einzig an der unteren "Weichteilgegend" kann es etwas drücken, was durch die richtige Anziehtechnik minimiert werden kann.
Die restliche Ausstattung des Testers umfasst: Probiker Traveller Leder-Stiefel, FLM H42 Touring-Lederhandschuhe, Louis Nierengurt 70 und Nitro N311-V Integralhelm.
Fazit
Die Qualitätsanmutung ist nicht die Stärke dieser Lederkombi, aber für den Preis wird viel geboten. Echtes Leder ist ein gutes Material für Schürfvermeidung und Reißfestigkeit. Die Farbvielfalt ist auf Schwarz-Weiß beschränkt, was jedoch gut aussieht. Die Einlagen für viele Protektoren sind ein Plus, ebenso wie die Möglichkeit, die Lederjacke abzutrennen und einzeln zu tragen. Es wird empfohlen, vor der Bestellung Größen in einem Geschäft auszutesten, da Lederkleidung am Anfang etwas enger sein sollte.
Die Kombi ist für Einsteiger mit geringer Motorleistung gut geeignet und könnte die kommenden Saisons überstehen.
Günstige zweiteilige Lederkombis im Test
Auf der Landstraße sind zweiteilige Lederkombis recht beliebt. Deshalb werden drei günstige Exemplare von 260 bis knapp 400 Euro unter die Lupe genommen, um herauszufinden, was "billig" taugt. Für richtig sportlichen Einsatz mit dem gewissen Risiko für Ausrutscher sind diese Billigheimer nicht zu empfehlen. Auf der Rennstrecke haben Zweiteiler - egal welcher Qualität - aufgrund ihrer Bauartbedingten Schwächen sowieso nichts verloren. Aber was taugen günstige Zweiteiler dann überhaupt?
Der erste Eindruck der drei Kandidaten ist gar nicht so schlecht. Louis setzt auf Büffelleder, Hein Gericke und Büse auf Rinderhaut. Der Unterschied ist kaum zu spüren, jedoch trägt sich das Leder der PSX-Trophy von Hein Gericke subjektiv am angenehmsten. Doppeltes Leder an gefährdeten Stellen wie Gesäß und Ellenbogen sorgt bei allen Kombis für mehr Sicherheit während einer Rutschphase auf Asphalt. Je kleiner der Textilanteil, desto besser, hier hat Büse die Nase vorn. Bei den Stretch-Elementen unterscheiden sich die Kandidaten nur gering, alle bieten durchschnittliches Material. Irgendwo muss dieser Preis auf dem Niveau einer Markenjeans und Sommerjacke ja herkommen. Sicherer als die sind unsere Kandidaten allemal.
Verarbeitung
Ordentliches Material nützt nichts, wenn es schlecht vernäht ist. Zwar bieten die Kombis an sturzgefährdeten Stellen Sicherheitsnähte, also Nähte, bei denen der Faden von einer weiteren Lederschicht abgedeckt ist. Die Verarbeitung lässt jedoch bei unseren Zweiteilern zu wünschen übrig. Schon beim ersten Anziehen verabschiedet sich von der Büse Jerez der Hosenverschluss - die Niete ist zu kurz, um hinter den zwei Lederschichten noch ausreichend zu halten. Am Innenfutter der Louis Probiker hängen einige Fäden lose herum, neben dem Verbindungsreißverschluss sieht die Naht auf zwei Zentimeter Länge merkwürdig offen aus und würde vermutlich weiter aufgehen.
Bei der Qualitätskontrolle hat auch Hein Gericke geschlafen, denn am rechten Bein der PSX-Trophy fehlt auf einer Länge von knapp fünf Zentimetern komplett der Faden, wir können bequem zwei Finger durchstecken. Anscheinend ist der Näherin an dieser Stelle das Garn ausgegangen. Das sind hoffentlich Einzelfälle, dennoch sollte man sich vor dem Kauf die Kombi genauestens ansehen.
Ausstattung
Wenig Überraschendes bei der Ausstattung: Der günstigste Kandidat hat am wenigsten zu bieten. An der Probiker PRX-9 von Louis dienen die winzigen Lüftungseinlässe auf der Schulter mehr der Show, Caps an Schulter und Ellenbogen fehlen, die Plastikreißverschlüsse sind guter Durchschnitt.
Hein Gericke macht es besser: Herausnehmbares 3D-Futter, Caps an Ellenbogen und Schulter, gute Reißverschlüsse und vor allem ein Rückenprotektor lassen die PSX-Trophy recht gut dastehen. Den insgesamt ausgewogensten Eindruck macht bis hierhin die Büse Jerez, die sich bis auf den Hosenverschluss kaum Patzer leistet.
Protektoren
Bei Verkaufspreisen von 260 Euro für eine komplette Kombi kann man den Herstellern kaum anlasten, dass sie an der Protektoren-Ausstattung sparen. Der Kunde muss also selbst entscheiden, wie viel ihm seine Sicherheit wert ist.
Zwar sind genormte Schulter-, Ellenbogen- und Knieprotektoren in unseren drei Kombis Standard, einen Rückenprotektor hat aber lediglich die PSX-Trophy-Jacke von Hein Gericke zu bieten. Immerhin weisen alle Exemplare Taschen auf, in die sich die Rücken- und Hüftschützer nachrüsten lassen. Louis verbaut in der Probiker an der Schulter Protektoren der Größe A, hier sollte es Größe B sein.
Passform
Auch die Passform überzeugt nur teilweise. Während die Hosen relativ gut sitzen, bieten die Jacken Potenzial für Verbesserungen. In Sporthaltung drücken alle Kragen stark am Hals, da nützt selbst das weiche Neopren nichts. Der Schnitt kommt eher Naked Bike-Fahrern entgegen, die aufrechter sitzen.
Viel zu weit sind die Arme der PSX-Trophy, die Ärmel lassen sich leicht verdrehen, der Protektor sitzt bei einem Sturz nicht dort, wo er gebraucht wird. Etwas besser, aber überdem Ellenbogen ebenfalls zu weit sind die Ärmel der Büse Jerez und der Louis Probiker.
Weitere Testberichte und Meinungen
Es gibt viele unterschiedliche Meinungen über günstige Lederkombis. Einige Nutzer betonen, dass eine günstige Lederkombi besser ist als keine Schutzkleidung. Andere empfehlen, auf Aktionen zu warten und eine teurere Markenkombi zu kaufen. Wichtig ist, dass die Kombi gut sitzt und die Nähte zertifiziert sind. Abstand sollte man von Chinaware nehmen, da die Verarbeitung furchtbar sein kann. Und Leder nutzt nichts, wenn die entscheidenden Nähte aufgehen und doch wieder Haut und Fleisch direkt auf dem Asphalt scheuern.
Überblick über verschiedene Lederkombis
Hier ist eine Übersichtstabelle verschiedener Lederkombis mit ihren Eigenschaften und Preisen:| Modell | Typ | Material | Besondere Eigenschaften | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| Probiker PRX-4 | Zweiteilig | Rindleder | Günstig, für Einsteiger geeignet | 199,95 € |
| Vanucci ART XX | Einteilig | Rindleder (1,2-1,4 mm) | Sportlicher Schnitt, Stretchzonen, Protektoren | 599 € |
| Probiker PRX-17 | Einteilig | Rindleder (1,1-1,2 mm) | Preisbewusst, Stretcheinsätze, Protektoren | 450 € |
| Hein Gericke PSX-Trophy | Zweiteilig | Rindleder | Herausnehmbares 3D-Futter, Rückenprotektor | 350-400 € |
| Büse Jerez | Zweiteilig | Rindleder | Weniger Textilanteil | 300-400 € |
| Dainese Laguna Seca 4 | Einteilig | Leder | Hervorragende Alltagskombi, Verschleißarm | ab 934,00 € |
| Alpinestars GP Plus V3 Graphite | Zweiteilig | Leder | Strapazierfähig, ergonomisch, Komfortabel | 1099,95 € |
Diese Tabelle bietet eine Übersicht über verschiedene Optionen und hilft bei der Entscheidung für die passende Lederkombi.
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