Prostatabeschwerden durch Radfahren: Ursachen und Prävention

Die Prostata spielt eine zentrale Rolle für Fruchtbarkeit und Wohlbefinden. Mit dem Alter können sich Symptome wie häufiger Harndrang oder ein schwächerer Harnstrahl zeigen - erste Hinweise auf eine gutartige Prostatavergrößerung. Männer sollten nicht warten, bis sie Beschwerden einer Prostatavergrößerung spüren, sondern sich aktiv mit ihrer Prostatagesundheit auseinandersetzen. Früherkennung und Vorbeugung sind daher essenziell.

Ursachen von Prostatabeschwerden

Die gutartige Prostatavergrößerung ist eine häufige Alterserscheinung bei Männern. Sie entsteht vermutlich durch hormonelle Veränderungen, die mit dem Alter zunehmen. Entscheidend könnten dabei vor allem ein Ungleichgewicht zwischen Testosteron und Dihydrotestosteron (biologisch aktive Form von Testosteron) und Entzündungsvorgänge sein. In vielen Fällen bleibt die Vergrößerung zunächst unbemerkt.

Prostatitis: Eine Entzündung der Prostata

Prostatitis ist eine Entzündung der Prostata, die viele Männer betrifft. Die Symptome reichen von Schmerzen beim Wasserlassen bis hin zu allgemeinen Beschwerden, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können. Die Erkrankung kann Männern erheblich zusetzen.

Medizinisch heißt die Prostataentzündung auch Prostatitis oder neuerdings: Prostatitis-Syndrom. Darunter werden mehrere Krankheitsbilder zusammengefasst.

Das National Institute of Health (NIH) hat die Erkrankungen in vier Kategorien eingeteilt - entscheidend sind bei dieser Einstufung die Ursachen, Symptome und Dauer der Prostataentzündung:

  • Akute bakterielle Prostataentzündung (NIH I) - mit der Beteiligung von Bakterien
  • Chronische bakterielle Prostataentzündung - sie hält mehr als drei Monate an (NIH II)
  • Chronische abakterielle Prostatitis/Chronisches Beckenschmerzsyndrom - entzündlich und nicht-entzündlich (NIH IIIA und NIH IIIB)
  • Asymptomatische Prostataentzündung - ohne Symptome (NIH IV)

Bei einer Prostataentzündung sind oft Bakterien am Werk, allen voran Darmbakterien. Über die Harnwege oder seltener über das Blut gelangen die Keime in die Prostata und rufen dort Entzündungen hervor.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann einmal im Lauf seines Lebens an einer Prostataentzündung erkrankt, ist gar nicht so gering: Sie liege bei etwa 15 Prozent, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Im Mittel sind Männer ungefähr 40 bis 50 Jahre alt, wenn sie an einer Prostatitis erkranken.

Es gibt verschiedene Formen der Prostataentzündung, die jeweils verschiedene Ursachen haben. Manchmal sind Bakterien beteiligt, manchmal lassen sich keine bakteriellen Erreger nachweisen.

Die Keime breiten sich meist über die Harnwege (Blase, Harnröhre) und seltener über das Blut bis zur Vorsteherdrüse aus. Dort rufen die Krankheitserreger eine Entzündung des Gewebes hervor.

Meist stecken Darmbakterien hinter der Prostataentzündung - am häufigsten Escherichia coli (E. coli) und Enterococcus faecalis. Daneben kommen noch weitere bakterielle “Übeltäter” als Ursache in Frage:

  • andere Darmbakterien
  • Enterokokken
  • Klebsiellen
  • manchmal Pseudomonas aeruginosa

Auch Bakterien, die sexuell-übertragbare Krankheiten (STD) verursachen, können eine Rolle spielen, etwa Chlamydien, Trichomonaden oder Neisseria gonorrhoeae (Erreger des Trippers).

Die akute Prostatitis kann schließlich in eine chronische, bakterielle Prostataentzündung übergehen. Dies ist der Fall, wenn die Entzündung auch nach drei Monaten noch nicht abgeklungen ist. Die chronische Form verursacht jedoch weniger ausgeprägte Beschwerden, zum Beispiel geringere Schmerzen beim Wasserlassen.

Beim chronischen Beckenschmerzsyndrom lassen sich keine Bakterien im Urin oder Ejakulat finden. Ärzte und Ärztinnen finden jedoch oft eine erhöhte Anzahl an weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Sie zeigen, dass im Körper eine Entzündung vorliegt. Sind weder Bakterien noch erhöhte Leukozyten nachweisbar, heißt die Krankheit nicht-entzündliches, chronisches Beckenschmerzsyndrom.

Risikofaktoren für Prostatitis

Daneben sind einige Faktoren bekannt. die das Risko für eine Prostataentzündung erhöhen. Dazu gehören unter anderem:

  • Bestehende Grunderkrankungen, etwa die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus.
  • Frühere Prostataentzündung
  • Blasen- oder Harnröhrenentzündung
  • Beckenverletzungen, etwa durch Radfahren oder Reiten
  • Blasenkatheter
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Eine frühere Prostatabiopsie

Symptome einer Prostataentzündung

Die Symptome bei einer Prostataentzündung hängen davon ab, ob sie akut oder chronisch ist. Bei der chronischen Variante der Prostatitis sind die Symptome meist milder ausgeprägt.

Eine akute Prostataentzündung setzt oft schnell und ohne große Vorwarnung ein. Bemerkbar macht sie sich in der Regel durch Schmerzen. Außerdem fühlen sich Männer mit einer Prostatitis insgesamt sehr krank. Die wichtigsten Symptome sind:

  • Schmerzen beim Wasserlassen: Brennen, Stechen
  • Probleme beim Wasserlassen: Tröpfeln, verzögerter Beginn
  • Schwacher, dünner Harnstrahl
  • Ständiger Harndrang
  • Häufige Toilettengänge, besonders nachts
  • Schmerzen im Bereich der Blase, des Damms, Afters, Rückens und der Leiste
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Blut im Urin oder Sperma
  • Schmerzen am Penis oder an den Hoden
  • Schmerzen vor und nach einem Samenerguss
  • Allgemeines, schweres Krankheitsgefühl
  • Grippeähnliche Beschwerden wie Fieber oder Schüttelfrost

Nicht jeder Mann mit akuter Prostataentzündung entwickelt alle dieser genannten Symptome und auch nicht in der gleichen Stärke.

Die chronische Prostatitis verursacht insgesamt weniger starke Symptome (meist kein Fieber und Schüttelfrost). Die wichtigsten sind:

  • Druckgefühl im Bereich des Damms, Unterbauch und Rücken
  • Braunes Sperma und bräunlich gefärbter Urin aufgrund von beigemengtem Blut
  • Milder Harndrang
  • Häufigeres Wasserlassen als sonst üblich
  • Erschwerte Blasenentleerung
  • Wiederkehrende Harnwegsinfektionen
  • Lustverlust und Erektionsstörungen aufgrund der Schmerzen vor oder nach dem Samenerguss

Das chronischen Beckenschmerzsyndrom ruft sehr ähnliche Symptome wie die chronische Prostatitis hervor. Bei der asymptomatischen Prostataentzündung verspüren Männer - wie der Name schon sagt - keine Beschwerden.

Diagnose von Prostatitis

Zunächst befragt Ihr Arzt oder die Ärztin Sie ausführlich zu Ihrer Krankengeschichte (Anamnese). Ihre Antworten liefern dem Arzt oder der Ärztin schon erste Anhaltspunkte , ob es sich um eine Prostataentzündung handeln könnte. Dann geht es darum, die verschiedenen Formen der Prostatitis voneinander abzugrenzen - denn davon hängt die Behandlung ab. So spielt es für die Therapie der Prostataentzündung eine wesentliche Rolle, ob Bakterien beteiligt sind oder nicht.

Alle Untersuchungen zur Diagnose einer Prostatitis im Überblick:

  • Tastuntersuchung
  • Urinuntersuchung
  • Weitere Untersuchungen

Bei einer Tastuntersuchung (digital rektale Untersuchung = DRU) tastet der Arzt oder die Ärztin die Prostata mit dem Finger über den Enddarm ab. So lässt sich die Größe der Prostata bestimmen. Bei einer Prostataentzündung ist die Vorsteherdrüse angeschwollen und somit größer als normalerweise. Außerdem ist eine entzündete Prostata sehr schmerzempfindlich, wenn man vorsichtig Druck auf sie ausübt. Auch andere Auffälligkeiten der Prostata lassen sich mit dem Finger erspüren.

Ärzte und Ärztinnen setzen die sogenannte „Viergläserprobe“ ein, um Bakterien (meist E.coli) als Auslöser der Prostataentzündung sowie erhöhten Leukozytenwerten als Entzündungszeichen nachzuweisen. Dieser Test zeigt, in welchen Abschnitte der Harnwege welche Krankheitserreger auftreten. Der betroffene Mann gibt also vier verschiedene Urinproben ab.

Auch das Ejakulat und eine Blutuntersuchung können Hinweise auf mögliche Erreger und Entzündungen liefern. Ärztinnen und Ärzte müssen deshalb zunächst herausfinden, ob Bakterien mitbeteiligt sind. Denn nur in diesem Fall helfen Antibiotika.

Bei einem chronischen Beckenschmerzsyndrom behandeln Ärzte nur die Symptome und versuchen diese zu lindern. Die asymptomatische Prostataentzündung wird nicht behandelt.

Behandlung von Prostatitis

Alle Therapien bei Prostatitis im Überblick:

  • Antibiotika
  • Alpha-Rezeptorblocker („Alphablocker“)
  • Anticholinergika

Antibiotika sind Medikamente, die nur gegen Bakterien wirksam sind (nicht z.B. gegen Viren). Es gibt verschiedene Arten von Antibiotika, die gegen unterschiedlichste Bakterien wirksam sind und sie abtöten. Welches Antibiotikum zum Einsatz kommt, hängt von der Art der auslösenden Bakterien ab. Gut wirksam bei einer Prostatitis sind Fluorchinolone. Antibiotika gibt es als Tabletten, die Sie meist über einige Wochen (zwei bis vier) einnehmen müssen. Bei schweren bakteriellen Infektionen verabreichen Ärzte die Antibiotika auch als Infusion.

Auch bei chronischer bakterieller Prostataentzündung helfen Fluorchinolone (etwa vier Wochen lang). Eine Alternative bei einer Antibiotikaresistenz (wenn Fluorchinolone nicht wirken) ist Cotrimoxazol über drei Monate.

Diese Medikamente entspannen die Harnblase und die Blasenmuskulatur. Alphablocker lindern die Symptome wie die Schmerzen beim Wasserlassen und helfen gut bei chronischem Beckenschmerzsyndrom. Häufig eingesetzte Medikamente sind Arzneien aus der Gruppe der Nichtsteroidealen Antirheumatika (NSAR, auch NSAID). Sie wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend zugleich. Beispiele für Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Diclofenac.

Bei starkem Harndrang und Störungen beim Wasserlassen sind Anticholinergika hilfreich.

Diskutiert wird außerdem, ob die Prostataentzündung womöglich ein Risikofaktor für die gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) oder sogar Prostatakrebs (Prostatakarzinom) sein könnten. Wissenschaftlich nachgewiesen sind diese Zusammenhänge jedoch nicht.

Radfahren und Prostatabeschwerden

Die E-Bike-Nutzung ist ebenso wie das Fahrradfahren im allgemeinen kaum im positiven förderlich bei Prostata-Beschwerden. Das E-Bike ist laut verschiedener Studien (ähnlich wie das normale Rad) eine potenzielle Ursache für frühere oder verstärkte Prostata-Probleme.

Eine britische Studie besagt sogar, dass Männer, die neun Stunden in der Woche Rad fahren, ein sechsmal höheres Risiko besitzen, an Prostata-Krebs zu erkranken wie Männer, die vier Stunden pro Woche radeln. Dieses Risiko kann durch den Kauf eines speziellen Sattels grundsätzlich reduziert werden.

Langes und häufiges Sitzen auf einem E-Bike-Sattel führt gerade bei älteren Männern potenziell zu Prostata-Problemen.

Radfahren: Vor dem PSA-Test nicht aufs Rad steigen

Vor einem PSA-Test sollten Männer jedoch nicht aufs Rad steigen. Denn beim Fahrradfahren sitzt der Mann quasi auf seiner Prostata, wodurch der Sattel auf das Organ drückt.

Prävention von Prostatabeschwerden

Regelmäßige körperliche Aktivität trägt zur Durchblutung des Beckens bei, stärkt das Immunsystem und hilft, Übergewicht zu vermeiden. Übergewicht ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für Prostatabeschwerden. Dabei müssen es nicht gleich intensive Sporteinheiten sein. Besonders hilfreich ist gezieltes Beckenbodentraining. Diese Übungen stärken die tiefliegenden Muskeln im Becken, die eine wichtige Stützfunktion für Blase und Prostata übernehmen.

Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung hat einen weitreichenden Einfluss auf die generelle Gesundheit. Auch die Gesundheit der Prostata kann durch eine entsprechende Ernährung gefördert werden. Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, dass bestimmte Lebensmittel entzündungshemmend wirken und die Zellgesundheit fördern. Die Prostata-Ernährung sollte reich an Obst und Gemüse sein, vor allem an Sorten mit antioxidativen Eigenschaften wie Tomaten. Tomaten enthalten Lycopin, das als besonders wirksam gilt, wenn es um den Schutz der Prostata geht. Darüber hinaus ist es ratsam, tierische Fette und stark verarbeitete Lebensmittel zu reduzieren, da sie entzündungsfördernde Prozesse im Körper begünstigen können.

Wer seiner Prostata langfristig etwas Gutes tun möchte, muss nicht unbedingt radikale Veränderungen vornehmen. Bewusste Erholungsphasen sind aber durchaus genauso wichtig. Stress gilt als ein möglicher Verstärker von Entzündungsprozessen, auch im Bereich der Prostata.

Auch der Gang zum Urologen sollte zur Selbstfürsorge dazugehören und das nicht erst bei akuten Problemen. Wichtig ist außerdem die Vermeidung von langem Sitzen, besonders bei Bürotätigkeiten. Wer viele Stunden am Schreibtisch verbringt, sollte regelmäßig Pausen einlegen, aufstehen und sich bewegen.

Tipps zur Vorbeugung von Prostatakrebs

Ein gesunder Lebensstil kann jedoch das Krebsrisiko mindern. Sie liegen alle in einem gesunden Lebensstil. Einen 100-prozentigen Schutz vor dieser Krebsart gibt es aber selbst dann nicht, wenn Sie alle Tipps beherzigen.

Folgende Empfehlungen zur Krebsprävention veröffentlicht:

  • Gesundes Gewicht halten
  • Mit Bewegung und Sport Prostatakrebs vorbeugen
  • Gesunde Ernährung
  • Alkoholkonsum reduzieren

Kalorien sparen Sie ein, wenn Sie auf zu viel Zucker, gesättigte Fettsäuren, Transfette und Alkohol verzichten. Lebensmittel mit diesen Bausteinen sind sehr energiereich, haben also viele Kalorien. Außerdem mangelt es diesen Nahrungsmitteln meist an gesunden Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen.

Seien Sie so oft und lange wie möglich körperlich aktiv und treiben Sie Sport! Bewegung gilt nicht nur als guter Krebsschutz, sondern hilft auch, wenn Sie schon an Prostatakrebs erkrankt sind. Empfehlenswert sind mindestens 30 Minuten mäßige bis starke körperliche Aktivität pro Tag.

Legen Sie den Schwerpunkt Ihrer Ernährung auf pflanzliche Produkte und seien Sie sparsam mit Lebensmitteln tierischen Ursprungs.

Essen Sie täglich verschiedene Obst-und Gemüsesorten (Richtlinie: „fünf am Tag!“). Verzehren Sie mehr Gemüse als Obst, weil einige Früchte viel Zucker und damit Kalorien enthalten. Gemüse wie Gurken, Tomaten, Karotten oder Paprika besitzen nur wenige Kalorien.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat rotes Fleisch und bestimmte Wurstsorten als krebserregend eingestuft. Essen Sie deshalb nur wenig Fleischprodukte und rotes Fleisch (Schwein, Rind, Lamm, Ziege, Wild). Besser ist weißes Fleisch wie Pute oder Hähnchen. Essen Sie auch wenig geräucherte und gepökelte Wurstwaren, zum Beispiel Schinken oder Salami.

Sie fördern verschiedenen Krebsarten, etwa Brust‑, Darm- oder Speiseröhrenkrebs. Reduzieren Sie deshalb besser Ihren Alkoholkonsum und achten Sie auf regelmäßige Alkoholpausen.

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