MTB Protektorenjacken im Test: Vergleich und Empfehlungen

Im Bikepark sind Torso-Protektoren seit jeher unverzichtbar, da sie die Körpermitte und das Rückenmark schützen. Nachdem bereits Newschool-Protektoren und leichte Schoner für den Trail-Einsatz getestet wurden, stehen nun die schweren Bikepark-Klassiker im Fokus.

Schwere Park-Schoner vs. Leichte Rückenprotektoren

Während leichte Rückenprotektoren lediglich nach Level 1 zertifiziert sind (maximal 18 kN Restkraft), sind die wuchtigen Park-Protektoren von Fox und Leatt nach dem hohen Schutzlevel 2 freigegeben (maximal 9 kN Restkraft). Dies wird durch dickere, schwerere und unflexiblere Protektor-Pads erreicht.

Fox und Leatt gehören zur Kategorie der schweren Park-Schoner und sind für Trail-Einsätze nicht zu empfehlen, bieten aber im Bikepark ein hohes Maß an Sicherheit.

Fox und Leatt im Detail

Bei den Rückenprotektoren von Fox wie von Leatt dient eine Weste aus dünnem Mesh als Träger für die Pads. So angenehm luftig wie die Torso-Protektoren von Evoc und Poc tragen sich die beiden Kandidaten aber nicht. Neben den Pads an Rücken und Brust verfügen beide Westen über zusätzliche EVA-Pads im Bereich der Nieren, die auch hier für etwas Schutz sorgen sollen.

Hier handelt es sich aber nicht um nach der Norm zertifizierte Einsätze, womit die Schutzwirkung eher gering ausfällt.

Fox Baseframe Pro Vest

Die Fox Baseframe Pro Vest ist das Heavy-Duty-Modell der US-Amerikaner. Die Rückenplatte fällt etwas kurz aus:

  • Preis: 200 Euro
  • Gewicht: 986 g (Größe S-2XL)
  • Schutz-Level: Rücken Level 2 / Front Level 1
  • Restkraft: Rücken 7,16 kN / Front 10,66 kN
  • Ausstattung: EVA-Nierenschutz; seitlicher RV; Stretchbänder seitlich; leichte Meshweste

Fox schafft es mit seiner Baseframe, ein hohes Maß an Schutz bei gutem Tragekomfort zu bieten. Damit eignet sich die Weste vor allem für Enduro- und Parkbiker, die ihren Schutz gerne etwas weniger offensichtlich unter dem Jersey tragen. Die leichte Meshweste sitzt angenehm und passgenau, fällt dabei nicht zu lang oder zu labbrig aus und hält die Protektoren perfekt in Position. Auch die seitlichen EVA-Pads sind gut platziert.

Weniger gut gelöst sind dagegen die Enden der Klett-Straps, die sich kaum durch ihre Laschen fädeln lassen. Das nervt bei jedem An- und Ausziehen. Ein weiteres Manko ist die kurz geratene Rückenplatte. Sie könnte in der Länge etwas weiter über die Brustwirbelsäule hinausreichen. Die Belüftung ist spürbar schlechter als bei den Modellen, die über dem Jersey getragen werden.

Leatt Body Vest 3DF AirFit Evo

Die Leatt Body Vest 3DF AirFit Evo ist mit ziemlich massiven Schonerplatten ausgerüstet, das merkt man am Gewicht:

  • Preis: 239 Euro
  • Gewicht: 1206 g (Größe S-M / L-XL / XXL)
  • Schutz-Level: Rücken Level 2 / Front Level 2
  • Restkraft: Rücken 6,27 kN / Front 10,20 kN
  • Ausstattung: Meshweste; durchgehender RV; Nierenschutz; Klettstraps

Wem Schutzwirkung über alles geht, der kommt bei der wuchtigen Leatt auf seine Kosten. Im Schnitt liefern die Südafrikaner die besten Werte im Labor, lediglich das etwas kurze Pad am Rücken gibt Abzüge. Nachteil: Die massiven Pads drücken aufs Gewicht und sind bei jeder Bewegung spürbar. In passender Größe fällt die Weste sehr lang aus, das Material und die seitlichen Nierenpolster schoppen sich am Hosenbund. Auch das Brustpad sitzt erstaunlich tief und drückt stellenweise auf das Zwerchfell, der seitliche Reißverschluss kneift am Hals. Über zwei seitliche Klettbänder lässt sich die 3DF gut an den Träger anpassen. Zum An- und Ausziehen lässt sich der linke Strap über ein Clip-System aushängen. Das ist komfortabler gelöst als bei der ähnlich konstruierten Fox-Weste.

Laborwerte im Vergleich

Neben den beiden schweren Westen von Fox und Leatt wurden noch weitere Rückenprotektoren von Ion, Scott, Evoc und Poc getestet. Erstaunlicherweise erfüllt der schwere Poc nur Level 1 der Norm. Der leichte Scott überzeugt dagegen mit hervorragenden Schlagwerten bei minimalem Gewicht.

Hersteller Modell Schutzlevel Restkraft (kN)
Fox Baseframe Pro Vest Level 2 (Rücken) / Level 1 (Front) 7,16 (Rücken) / 10,66 (Front)
Leatt Body Vest 3DF AirFit Evo Level 2 6,27 (Rücken) / 10,20 (Front)
Poc [Modellname] Level 1 [Wert]
Scott [Modellname] [Level] [Wert]
Ion [Modellname] [Level] [Wert]
Evoc [Modellname] [Level] [Wert]

Warum fallen die Rückenprotektoren so kurz aus?

Keiner der getesteten Rückenprotektoren bedeckt die gesamte Wirbelsäule. Meist bleibt zumindest ein Teil der Lendenwirbel unbedeckt, obwohl hier die wichtigen Nerven der unteren Extremitäten austreten. Umso wichtiger ist bei den Torso-Protektoren die Wahl der passenden Größe.

Die Mindestgröße der Rückenprotektoren wird von der Norm vorgegeben. Zu lange Rückenprotektoren bergen auf der anderen Seite die Gefahr, während des Bikens hochzurutschen und dann unergonomisch in den Nacken zu drücken.

Einzelprotektoren vs. Protektorjacken

Grundsätzlich gibt es beim Fachhändler für jeden Körperteil einen gewissen Protektor. Es wird unterschieden zwischen Einzelprotektoren (z.B. für Knie) und Protektorsystemen (Protektorjacken). Protektorjacken schützen den Körper großflächig und bieten eine einfache Handhabung. Ein Hauptvorteil der Jacken gegenüber Einzelprotektoren ist die extrem einfache Handhabung. Im Prinzip läuft es so ab: Jacke anziehen und fertig! Darüber hinaus können Sie auch nichts vergessen, da Sie alles am eigenen Körper tragen und - bei richtiger Passform - verrutscht bei einem Sturz auch nichts.

Worauf sollte man bei Fahrrad Protektoren achten?

Bei allen Fahrrad Protektoren sollte man auf drei wichtige Punkte achten: Schutz, Passform und Komfort sowie das Material. Die Schutzteile können nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn sie richtig am Körper anliegen. Dabei sollte die Jacke bzw. die einzelnen Schutzteile durchaus eng am Körper anliegen, aber nicht so eng, dass Sie den Körper regelrecht einschnüren.

Es wird zwischen Hartschalen-Modellen und Softjacken unterschieden. Softjacken zeichnen sich durch eine ausgezeichnete Belüftung bei sehr geringem Gewicht aus. Viele Hersteller setzen bei Protektorjacken auf eine Mischung aus Hartschalen- und Softjacke. Sehr gute Brustpanzerung: Hier kommt es vor allem auf den Schutz des untersten Rippenbogens an. Alle diese Schutzteile sollten Sie bei gefährlichen Routen am Körper tragen.

Bluegrass Armour Lite und Armour B&S D3O im Test

Bluegrass hat kürzlich zwei neue Rückenprotektoren veröffentlicht, die ein gewisses Maß an Schutz bei gleichzeitig hoher Bewegungsfreiheit bieten sollen.

  • Armour Lite: 130 €, 410 g (Größe Small), Level 1-Rückenprotektor aus EVA-Schaum.
  • Armour B&S D3O: 190 €, 710 g (Größe Small), Level 1-D3O-Rückenprotektor, herausnehmbare D3O-Schulterpolster, weiche Polster am Brustkorb.

Der Armour Lite erwies sich als atmungsaktiv und komfortabel genug selbst für ganztägige Bike-Abenteuer und bietet genug Schutz, um auch einem Abflug über den Lenker den Schrecken zu nehmen. Der Armour B&S D3O bietet eine sehr gute Balance zwischen Komfort und Schutz. Das Fehlen eines Hüftgurts erhöht zudem den Komfort beim Pedalieren, was für schlanke Fahrer gut ist.

Fazit

Jeder Fahrer muss für sich selbst einschätzen, welches Maß an Schutz er tragen will. Die Wahl des richtigen Protektors ist ein Kompromiss zwischen Schutz und Bewegungsfreiheit. Zu viel Schutz kann unbequem sein und ironischerweise dazu führen, dass man mit größerer Wahrscheinlichkeit stürzt, da man sich weniger bewegen und so langsamer reagieren kann.

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