Puch Mopeds Modelle Übersicht: Legendäre Zweiräder aus Graz

Puch ist zweifellos einer der renommiertesten Hersteller Österreichs mit einer außergewöhnlich langen Unternehmensgeschichte. Gegründet im Jahr 1899 in Graz, entwickelte und baute Puch nicht nur Busse, Velos oder Traktoren, sondern vor allem legendäre Mofas, die bis heute unvergessen sind.

Die Anfänge des „Einser-Werks“

In der steirischen Landeshauptstadt Graz erfüllte sich Johann Puch einen Traum und gründete seine eigene Velo-Werkstatt, die Keimzelle des legendären „Einser-Werks“. Beginnend mit Velos, wagten sich Johann Puch und seine Konstrukteure in den Folgejahren auch an die Entwicklung von Krafträdern. Die ersten seriengefertigten Motorräder verließen die Werkshallen in Graz bereits im Jahr 1903.

Das Feld für den Aufstieg zu einem der führenden Kfz- und Zweiradhersteller Österreichs war eigentlich bestellt, als Johann Puch beim Besuch eines Pferderennens in Agram am 19. Juli 1914 verstarb. Doch der Erste Weltkrieg und die anschließende „Great Depression“ stellten das Unternehmen vor große wirtschaftliche Herausforderungen. Es folgten eine Reihe von Unternehmensfusionen. Zunächst schlossen sich im Jahr 1928 Austro-Daimler, die Oesterreichische Flugzeugfabrik (Oeffag) und die Puch-Werke AG zu den Austro-Daimler-Puchwerken zusammen. Das neu entstandene Unternehmen fusionierte im Jahr 1934 erneut mit den Steyr-Werken.

Zweitakter als Grundlage für die Motorisierung der Massen

Nach dieser Phase der Marktbereinigung folgte eine Phase, die geprägt war von Aufstieg und Wachstum. Großen Anteil am Erfolg dieser Zeit hatte ein Zweirad mit 2-Takt-Motor: das Modell Puch500. Dieses Motorrad entwickelte sich zu einem echten Verkaufsschlager, galt es doch als robust und sparsam, außerdem überzeugte der Zweitakt-Doppelkolben-Motor und seine 14 PS auf steilen Strecken, von denen es in Österreich natürlich einige gibt. Auch das Modell Puch Styriette, das gerne als Ur-Mofa bezeichnet wird, obwohl das Einkolben-Zweitakt-Gefährt optisch mehr an ein Velo mit Hilfsmotor erinnert, entstand in dieser Zeit.

Leider unterbrach der schreckliche Zweite Weltkrieg diese erfolgreichen und erfreulichen Entwicklungen und Innovationen. Während den folgenden Kriegsjahren konzentrierte man sich bei dem österreichischen Hersteller überwiegend auf die Produktion von Waffen und Rüstungsgütern. Doch als der Krieg 1945 endlich ein Ende fand, konnte die Zweiradschmiede an die Erfolgsgeschichte anknüpfen und endlich wieder zweirädrige Motorfahrzeuge entwickeln und herstellen.

Der Grund dafür, dass Puch in den Nachkriegsjahren durchstartete, ist sicher auch, dass die konstruktionstechnische Lücke zwischen der Styriette, also einem Velo mit Hilfsmotor, und Motorrädern, wie dem Puch500, geschlossen wurde. Die Fahrzeugkategorie Töffli sollte fortan diese Lücke füllen und tat dies in Gestalt des MS 50.

Das erste echte Mofa aus dem Hause Puch: MS 50

Das erste waschechte Mofa, das in den Puchwerken hergestellt wurde, entwickelte sich gleich zu einem echten Dauerbrenner. Auch Stangelpuch genannt, kam das Modell MS 50 1954 auf den Markt und wurde bis zum Jahr 1982 fast unverändert gebaut. Der gebläsegekühlte Zweitakt-Einkolbenmotor des MS 50 verfügte über 49 cm³ Hubraum, leistete 1,5 PS und lief auf ebener Strecke etwa 40 km/h.

Die Zuverlässigkeit und die enorme Steigfähigkeit dieses ersten Töfflis wusste auch die österreichische Post zu schätzen, sodass das Stangelpuch lange Zeit den Postboten der Alpenrepublik als Dienstfahrzeug diente. Der „Maurerbock“, wie das Hödi auch genannt wurde, hatte sicher großen Anteil daran, dass die Töfflis des Herstellers bis heute Kultstatus genießen.

Austro-Mofas als Schweizer Kulturgut

Im Laufe der Jahre entwickelte man in Graz zahlreiche weitere Modelle, die alle bis zum heutigen Tage ihre Fans haben. Man denke nur an die Hödis VS 50, MV 50, X 50 oder das Pionier-Töffli. Doch zwei Modelle stechen ganz besonders heraus: das legendäre Puch-Maxi-Mofa und der X-30-Hobel. Beide Töfflis spielten eine Hauptrolle während des Schweizer-Töfflibooms in den 1960er-, 70er und 80er-Jahren.

A Star is born - das Puch-Maxi-Töffli

Bei der Entwicklung des Modells Maxi beschritt man in Graz neue Wege, sowohl was die Technik angeht als auch was das Design betrifft. Niemand Geringeres als der für seine futuristische Formgebung bekannte Designer Louis Lucien Lepoix wurde mit dem Entwurf für das Töffli beauftragt. LLL, wie Louis Lucien Lepoix genannt wurde, lieferte zur Markteinführung des Hobels im Jahr 1969, was man von ihm erwartete. Ein Zweirad, das mit einer für die damaligen Verhältnisse futuristischen Formsprache neue Maßstäbe setzte.

Optisch fiel an den ersten Maxi-Modellen auf den ersten Blick der im Rahmen integrierte Tank auf, damals ein Novum. Doch natürlich - und das gilt bei Mofas ganz besonders - kommt es nicht allein auf das Aussehen an, die inneren Werte sind viel interessanter. Die ersten Modelle mit 1-Gang-Automatik verfügten über Puchs Allzweckwaffe im 2-Takt-Bereich: den E50-Motor, der mit 48,8 cm³ Hubraum eine Leistung von 0,8 kW bzw. 1,2 PS bot.

Die 2-Gang-Versionen, also die Modelle Maxi N2 und Maxi S2, waren dagegen mit einem ZA50-Aggregat motorisiert. Besonders beliebt wurde der Hobel sicher auch, weil er besonders preisgünstig auf den Markt kam. Es dauerte daher nicht lange, bis Töfflibuebe und Töfflimeitli den Hobel als erschwingliche Basis für Umbau-, Tuning und Customizing-Projekte entdeckten. Als der österreichische Hersteller seine Zweiradsparte 1987 an Piaggio verkaufte, wurde das Maxi-Mofa von den Italienern noch bis zum Jahr 1995 gebaut.

Dank des langen Zeitraums, in dem das Modell hergestellt wurde, ist die Beschaffung von Ersatzteilen und NOS-Parts selbst heute noch vergleichsweise einfach möglich.

Das X30 Töffli - die schöne und teure Schwester des Maxi-Hödis

Wesentlich teurer war hingegen das Modell Puch-X-30, das ebenfalls ab dem Jahr 1969 hergestellt wurde. Der höhere Preis führte auch dazu, dass dieses Töffli insgesamt in deutlich geringeren Stückzahlen verkauft wurde. Deswegen ist die Versorgung mit Ersatz- und originalen NOS-Teilen heute auch nicht so einfach sicherzustellen.

Der österreichische Hersteller konzipierte den X-30-Hödi als eine besonders hochwertige Variante. Und das X-30-Töffli ist tatsächlich besonders robust. Schnell lernten das auch Töfflibuebe und Töfflimeitli zu schätzen und nutzten den Hobel besonders gerne für harte Ritte durchs Gelände oder als Basis für entsprechende Umbau-Projekte. Motorisiert war der Hobel im Originalzustand mit einem fahrtwindgekühlten Z50-Motor oder einem gebläsegekühlten ZA50-Aggregat.

In beiden Versionen lag die Motorleistung bei 1,2 PS. Die X-30-Version für den Schweizer Markt beschleunigte mit dieser Motorisierung auf gesetzeskonforme 30 km/h. Optisch ist der Hobel ein wahrer Augenschmaus, doch leider ist er nur noch sehr selten auf Schweizer Straßen zu bewundern.

Weitere Puch Modelle

Neben den bereits genannten Modellen gab es im Laufe der Puch-Geschichte zahlreiche weitere bemerkenswerte Zweiräder. Hier eine kleine Auswahl:

  • Puch 175 SV
  • Puch 250 TF
  • Puch 125 RL
  • Puch SR 125
  • Puch Lido

Puch heute

Auch heute noch erfreuen sich Puch Oldtimer großer Beliebtheit. Besonders gefragt sind unrestaurierte Motorräder im Originalzustand. Ersatzteile für Puch-Motorräder der Nachkriegszeit sind gebraucht oder als Nachfertigung recht gut erhältlich.

Einige der beliebtesten Puch Oldtimer sind unter anderem die Puch S 4-Modelle, die 175er Puch Harlette und die Puch 220. Diese Modelle sind nicht nur Sammlerstücke, sondern auch Zeugen einer vergangenen Ära der Motorradgeschichte.

Ob als Geschenk für einen Freund oder als neue Errungenschaft für die eigene Sammlung - Puch-Artikel sind immer eine Besonderheit.

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