Der Plattensee in Ungarn, in der Landessprache Balaton genannt, ist mit einer Wasserfläche von über 550 km² einer der größten Binnenseen Europas. Nicht umsonst wird er auch als Ungarisches Meer bezeichnet, ist er doch Urlaubsort für Einheimische, wie für Touristen aus ganz Europa. Rund um den See verläuft das etwa 200 km lange Seeufer.
Das Ufer ist abwechslungsreich und bietet sich für eine Erkundung mit dem Fahrrad an. Die Strecke verläuft mal knapp neben dem Wasser, mal kann man den ganzen See von oben überblicken. Die Beschilderung des Weges ist lückenlos und erleichtert den Radausflug. Der Radweg führt über geschotterte Radwege, Wiesenflächen und kleine Nebenstraßen. Immer wieder passiert er die Dörfer rund um den See, die sehr nette Rastpunkte bieten und Einblick in die ungarische Lebensweise geben.
Die ideale Route für Radfahrer
Das Gelände verläuft über weite Teile flach, leichte Steigungen gibt es am Nord- und Ostufer. Der Weg ist für jeden durchschnittlich geübten Radfahrer leicht bewältigbar, Etappen sind auch für Kinder und Senioren kein Problem. Besonderheiten der Strecke sind im Norden der Wegteil durch den Nationalpark Balaton-Oberland, welcher an wunderschönen Weinbergen vorbeiführt. Vom Ostufer aus erlebt man den See von oben und hat einen einzigartigen Ausblick über die gesamte Gegend. Das Südüfer ist flach und mit Badestränden belebt, die jederzeit auf eine Rast, inklusive Sprung in den See, einladen.
Wer den ganzen See nacheinander schaffen will, reist am besten mit kleinem Gepäck und bucht mehrere Unterkünfte entlang der Strecke. Es ist natürlich auch möglich, in einem Hotel zu übernachten und verschiedene Etappen zu schaffen. Dazu gibt es im Moment eine Fähre an der schmalsten Verbindung zwischen West- und Ostufer, eine weitere Fährverbindung soll in den nächsten zwei Jahren geschaffen werden. Durch diese "Abkürzung" lässt sich das Seeufer gut in Etappen aufteilen.
Bei einer Radreise ist eine realistische Einschätzung der eigenen Kondition wichtig, damit die Freude an der Bewegung erhalten bleibt. Die beste Zeit für eine Radtour am Plattensee liegt zwischen Mai und September, wobei es im Hochsommer sehr heiß werden kann. Vergessen sie nicht auf die Sonnencreme, trinken sie ausreichend und planen sie öfters Pausen ein. Nach einer längeren Etappe sollte der Körper eine Regenerationsphase bekommen, damit er danach wieder fit ist.
Wenn sie ohne eigenes Fahrrad anreisen, gibt es entlang des Plattensees genügend Stellen, an denen man günstige Mieträder ausleihen kann.
Persönliche Erfahrungen einer Radtour rund um den Balaton
Es ist unser erster Roadtrip nach Corona: Diesmal geht es mit dem Fahrrad von Hinnerks Wahlheimat Budapest über Szekesfehervar und Veszprem rund um den Balaton. Regelmäßige Steigungen und dazu harter Gegenwind machten die erste Etappe über 75 km zu einer Herausforderung. Immerhin ist der Radweg in sehr gutem Zustand und tipptopp markiert.
Der Wind war sanfter am zweiten Tag und begleitete uns bis zur Kaffeepause nach Szekesfehervar. Das Städtchen ist im Zentrum schön rausgeputzt und repräsentiert ein Stück ungarischer Geschichte als Krönungsort vieler Könige. Von da an ging es fast nur noch bergauf nach Veszprem, in die europäische Kulturhauptstadt 2023. Wir trafen unsere Freundin Barbara samt Familie. Sie führte uns durch die nette kleine Stadt. Sehenswert sind vor allem die Burg und die umliegenden Anlagen.
Von Veszprem zum Balaton ging es die meiste Zeit bergab. Am See war erwartungsgemäß deutlich mehr Betrieb. Die Fahrradweg sind schmäler und kurviger. Balatonfüred ist einer der Hauptorte am See und bietet alles von mondänen Villen bis zu abgewrackten Campingplätzen. Dazwischen gibt es reichlich Imbiss- und Weinbuden und das übliche touristische Entertainment-Angebot.
Wir steuerten die Halbinsel Tihany an, wo der See seine schmalste Stelle aufweist. Darüber thront ein Aussichtsfelsen mit einer Kirche. Dort wurde es nun postsozialistisch idyllisch = ländlich + kaum Geschäfte oder Lokale. Am Ende des Tages landeten wir im Panorama Apartmant in Tagyon, etwas zurückgesetzt mitten im Weinberg mit wunderschönem Blick auf den See.
Von Tagyon nach Szigliget durchquerten wir die Toskana Ungarns - so nennt man das Kali-Becken im Balaton Oberland. Tatsächlich gab es ein paar geschwungene Hügel und die Zahl der Weinschänken nahm jeden Kilometer zu. Im Hinterland sind sie noch eher klein und authentisch. Näher am Balaton nennt man sich dann schon gerne mal Domaine. Besonders gut hat uns die Gegend um Mindszentkalla gefallen mit kleinen Restaurants am Straßenrand und Weinbauernhäusern, die oft auch Zimmer anbieten.
Szigliget selbst ist ein beschaulicher kleiner Ort am Balaton, direkt am Tafelberg, der Kapstadt-like über dem See thront. Die Gegend hier ist deutlich entspannter als das laute Balatonfüred. Zudem ist es gut von Wien aus erreichbar, ohne Umweg über Budapest. Gleich ums Eck liegt die Szigligeter Burg. Die 10 Minuten Fußmarsch hinauf lohnen sich.
Der für mich landschaftlich schönste Abschnitt unserer Tour war die Strecke von Szigliget rund ums Westufer. Je weiter man ins Südufer einbiegt, desto touristischer wird es. Wir machten kleine Badepausen an freien Zugangsstellen (schaut nach dem Schild „Szabad Strand“), wie in Balatonmariafürdö. Danach gönnten wir uns einen gebackenen Hekk - eine Hechtart aus dem Südatlantik, die sich zur ungarischen Spezialität hoch geschwommen hat.
Nach einem letzten Balaton-Bad nahmen wir den IC von Zamardi nach Budapest. Der Zug bot einen extra Wagon für Fahrräder und brachte uns in 1 1/2 Stunden entspannt nach Budapest-Deli. Auch die technischen Daten unserer Tour waren einwandfrei. Am Ende hatten wir knapp 400 km auf dem Tacho gesammelt. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit lag, je nach Etappenprofil, zwischen 15 und 20 km/h.
Sehenswürdigkeiten entlang der Route
Der Balaton überrascht mit kleinen, ursprünglichen Orten, hügeliger Landschaft, rustikalen Weinfesten, ruhigen Badestränden und idyllischen Radwegen entlang des Seeufers.
- Balatonfüred: Mondäner Bade- und Kurort mit alten Villen und grüner Uferpromenade mit Cafés und Geschäften.
- Halbinsel Tihany: Hügelige Halbinsel mit den zwei Kraterseen Belső-tó und Külső-tó.
- Abteikirche im Ort Tihany: Barocke Benediktiner-Kirche mit prächtiger Innenausstattung aus dem 11. Jahrhundert.
- Káli-Becken: Weitläufiges Vulkanbecken etwas oberhalb des Plattensees, mit hübschen, verschlafenen Dörfern, Steinmeeren und der Basaltkuppe von Hegyestű.
- Badacsony: Basalthügel mit schöner Aussicht über den Plattensee und kleine Vulkanhügel in der Umgebung.
- Burg Szigliget: Mittelalterliche Burgruine auf einem Hügel mit Blick auf den Plattensee.
- Keszthely: Schloss Festetics, großes, prächtiges Barockschloss mit Schlossgarten.
- Hévíz: Kurort mit bekanntem Thermalsee mit warmem, mineralienhaltigem Wasser.
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