Das Grüne Band Deutschland: Radfahren entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze

Hast du schon einmal vom Grünen Band gehört? Besser bekannt ist der heutige Grünstreifen als ehemaliger eiserner Vorhang, der einst Europa in Ost und West teilte. Die 1.400 Kilometer lange Grenze, die bis zum 9. November 1989 auch die DDR von der Bundesrepublik trennte, ist heute eine beliebte Strecke für Wanderungen durch eine wunderschöne Natur.

Wie du vielleicht schon aus der Einleitung herauslesen kannst, läuft das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Nicht zum Grünen Band gehörte allerdings die Berliner Mauer, da Berlin innerhalb der DDR lag und somit einen Sonderstatus innehatte. Insgesamt beträgt die Länge des Grünstreifens aber 1.400 Kilometer und führt quer durch die heutige Bundesrepublik.

Die Breite des Grünstreifens liegt bei 50 bis 200 Meter. Kaum ein Mensch hat diesen Grünstreifen in der Grenzzeit betreten, was dazu führte, dass sich hier Lebensräume für unzählige seltene Pflanzen- und Tierarten bildeten, die du nur hier findest.

Damals sorgten Grenzanlagen auf beiden Seiten der Bundesrepublik dafür, dass die Menschen vom Überqueren der Grenze abgehalten wurden. Ein zusätzlicher KFZ-Sperrgraben wurde zudem errichtet, um zu verhindern, dass Menschen mit dem Auto fliehen konnten. Hierzu wurden Betonplatten aufgestellt, die aus dem Boden herausragten.

In der Mitte der beiden Grenzanlagen verlief das heutige Grüne Band, dass also nicht von Menschen auf beiden Seiten auf legalem Wege betreten werden konnte. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, um sowohl die Geschichte zu bewahren als auch den Naturschutz in diesem Gebiet voranzutreiben.

Das Thüringer Ministerium für Umwelt und die Stiftung Naturschutz in Thüringen waren Vorreiter und haben das Grüne Band Thüringen bereits 2018 als Nationales Naturmonument unter Schutz gestellt. Im Jahr 2019 wurden dann auch 343 Kilometer lange Anteil vom Grünen Band im Bundesland Sachsen-Anhalt als Nationales Naturmonument erklärt. 1.200 bedrohte Arten sind in dem riesigen Naturschutzgebiet zu bewundern.

Insgesamt schlängelt sich das Grüne Band über knapp 1.400 Kilometer von Travemünde bis zum Dreiländereck bei Hof in Bayern. Insgesamt streift das Band neun Bundesländer und verbindet zahlreiche verschiedene Landschaften.

Auch heute gibt es noch zahlreiche Grenztürme, Reste der Festungsanlage und Mahnmale zur ehemaligen Teilung, die du hier bestaunst. Traumhafte Wege führen dich entlang der Grenze der ehemaligen DDR mit Blick auf Flüsse, umliegende Hügel, Wiesen und Wälder. Im gesamten Frankenwald findest du zahlreiche Orte, die die Geschichte vom ehemaligen Mauerfall erzählen. Erinnerungen und Emotionen zur Teilung Deutschlands sind fast überall spürbar.

An der Grenze zur ehemaligen DDR und dem heutigen Thüringen tauchst du nicht nur tief in die Geschichte der damaligen Zeit ein. Du entdeckst auch zahlreiche Pflanzenarten, die du sonst nirgends in Deutschland zu sehen bekommst.

Highlights am Grünen Band im Frankenwald

Allein rund um den Frankenwald gibt es 15 Rad- und Wandertouren, die ihr hier bewältigen könnt. Einige davon haben wir bereits selbst absolviert und stellen sie euch im nächsten Abschnitt im Detail vor. Damit du einen Eindruck davon bekommst, welche Highlights wir uns in wenigen Tagen im Frankenwald angesehen haben, haben wir dir hier eine Karte erstellt, auf der du alle Orte auf einen Blick siehst.

  1. Landeplatz des Fluchtballons: Einer der besonderen Orte zwischen Bayern und Thüringen ist der Landeplatz eines selbst gebauten Fluchtballons. Zwei ostdeutsche Familien bauten im Jahr 1979 einen Heißluftballon, mit dem ihnen in der Nacht vom 15. auf den 16. September 1979 eine spektakuläre Flucht aus der DDR gelang. An genau dem Punkt, an dem der Fluchtballon in der Nähe der Stadt Naila runterkam, steht heute eine große Säule, die an die Flucht erinnert.

  2. Aussichtsturm Thüringer Warte: Der Aussichtsturm Thüringer Warte war ein Projekt, das im Jahr 1963 begonnen wurde. Vor dem Mauerfall galt der Turm als Fenster in die DDR. Heute hast du von dem 26,5 Meter hohen Turm einen tollen Blick auf die gesamte Umgebung. Je nach Jahreszeit gelingt dir von hier auch ein tolles Foto, bei dem das Grüne Band mit bloßen Auge erkennbar ist.

  3. Deutsch-Deutsches Museum in Mödlareuth: Das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth ist eines der bekanntesten Grenzmuseen überhaupt. An der Grenze von Bayern zu Thüringen bestaunst du hier auch heute noch Überreste des einstigen Sperrbezirk. Weitere Zeugnisse der damaligen Zeit sind unter anderem ehemalige Grenzfahrzeuge, die du dir hier in einem separaten Bereich des Museums ansehen kannst. Besonders interessant ist der Freiluftbereich. Hier gehst du entlang original erhaltener Reste der innerdeutschen Mauer.

  4. E-Bike-Tour von Naila nach Mödlareuth: Besonders gefallen hat uns die E-Bike-Tour von Naila bis nach Mödlareuth und zurück. Die Strecke führt dich zunächst ein Stück durch den Wald. Hier solltest du darauf achten, dass dein Fahrrad auch für unebenes Gelände geeignet ist. Anschließend führt dich die Strecke entlang malerischer Flüsse über den ehemaligen Kolonnenweg, der gleichzeitig auch ein offizieller Radweg ist, und durch das wunderschöne Höllental im Frankenwald. Unter anderem entdeckst du auf deiner Radtour den Landeplatz des Fluchtballons und kannst im Ort Mödlareuth eine Pause am Grenzmuseum einlegen. Die Tour ist mit dem E-Bike an einem Tag machbar. Alternativ kannst du aber natürlich auch mit einem normalen Rad fahren. Hierbei solltest du aber mit den Zwischenstopps besser zwei Tage einplanen. Der Radweg ist hin und wieder etwas holprig, darauf solltest du dich vorab definitiv einstellen.

  5. FrankenwaldSteigla Grünes Band: Wenn du auf der Suche nach einem leichten Wanderweg bist, dann ist der FrankenwaldSteigla Grünes Band perfekt für dich geeignet. Die Route beginnt am Breitensee in Mitwitz. Bei dieser Tour legst du kaum Höhenmeter zurück und kannst so die umliegenden Kieferwälder und rauschenden Bäche vollends genießen. Anschließend folgst du dem Kolonnenweg, direkt am Grünen Band entlang. Die Strecke ist hier einfach zu gehen. Lass dir immer wieder Zeit um die Vielfalt der Pflanzen und Insekten hier zu beobachten. Unter dem Motto Wanderbares Grünes Band startete der Deutsche Wanderverband zwischen 2021 und 2022 ein Projekt, dass zahlreiche Wanderwege entlang des Grünen Bandes verbinden sollte. Gefördert wurde das Projekt unter anderem vom Thüringer Ministerium für Umwelt. Mit all den Daten wurden insgesamt 270 verschiedene Wanderwege lokalisiert, die miteinander kombiniert werden können. Der FrankenwaldSteigla Grünes Band zählt zu einem der 77 sogenannten Potenzialwege.

  6. Glashütten-Weg R91 ab Tettau: Auf den rund 12 Kilometern ab Tettau erfährst du einiges zur Tradition der Glasmacher im Frankenwald, erkundest aber auch den ehemaligen Kolonnenweg, auf dem zur Zeit der innerdeutschen Grenze Grenzsoldaten patrouillierten. Zudem gelangst du an einem Punkt im Land, der einmalig ist. Hier treffen sich die drei Naturparks Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald. Wenn du dich für eine Wanderung über den Glashütten-Weg R91 entscheidest, dann kombiniere die Tour unbedingt mit einem Besuch im Europäischen Flakonglasmuseum.

Das Grüne Band im Zeitraffer

Hier findet ihr eine Zusammenfassung der einzelnen Etappen des Grünen Bands:

Mit knapp 1400 Kilometern zieht sich das Grüne Band vom Ostseestrand bei Priwall bis ins Vogtland. Während es in den Jahrzehnten der Trennung und des Kalten Krieges Teil des Eisernen Vorhangs war, der sich über 12500 Kilometer durch Europa von der Barentsee bis ans Schwarze Meer zog, stellt es heute einen Korridor unberührter Natur in der Mitte Deutschlands dar. Er berührt die Bundesländer Sachsen, Bayern, Thüringen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Heute verbindet das Grüne Band aktiven Naturschutz im Kontext deutscher Geschichte, die hier erlebbar wird. Hier kommen verschiedene Akteure zusammen, insbesondere der Bund, die Länder, viele Vereine und Bildungsstätten vor Ort und als großer Träger des Naturschutzes federführend der BUND.

Das Grüne Band lässt sich naturräumlich in eine nördliche Etappe von der Ostsee bis zum Harz durch die norddeutsche Tiefebene und vom Harz bis zum Vogtland durch die deutschen Mittelgebirge einteilen. Während man zu Fuß oder mit dem Montainbike jederzeit „ganz nah dran“ ist, ist man mit dem Trekkingbike auf Fahrwege und manchmal etwas ruppigere Pisten angewiesen. Für Trekkingbikes sind die Kolonnenwege mit ihren Lochbetonplatten nur bedingt fahrbar, für Mountainbikes schon eher. Sie ringen einem ein hohes Maß an Konzentration ab, da die Gefahr von „Übersteigern“ gegeben ist, wenn das Vorderrad plötzlich in ein nicht verfülltes Loch wegsackt. Besondere Vorsicht ist auch bei überwachsenen Lochbetonplatten geboten.

Nichtsdestotrotz bergen die Kolonnenwege den Reiz des „ursprünglichen“ ehemaligen Grenzverlaufs, der im übrigen keine Rücksicht auf radfahrfreundliche Höhenprofile nimmt. Für geübte Kinder ist das Radfahren auf der nördlichen Etappe sicherlich möglich, während die südliche Etappe mit reichlichen Höhenmetern „gesegnet“ ist.

Parallel zum Grünen Band führt der Iron Curtain Trail/EV 13. Dieser entfernt sich aber immer wieder vom ehemaligen Grenzverlauf, sodass es nach meiner Kenntnis noch keinen alternativen, durchgehend offiziell beschilderten Fahrradweg gibt, der sich eng am ehemaligen Grenzverlauf hält. Insofern ist gutes Kartenmaterial (für uns der Maßstab 1:50.000 / 1:70.000 optimal) essenziell.

Generell kann man das Grüne Band in einem oder mehreren Teilen befahren oder erwandern. Wir haben uns dafür entschieden, das Grüne Band im Harz zu erwandern, die Höhenrücken des Werratals und der Rhön mit dem Mountainbike und zu Fuß zu entdecken und die Nordroute (ca. 544 km in 9 Etappen) vom nördlichen Harzrand bis Travemünde/Priwall und die Südroute (insgesamt ca. 743 km in 11-12 Etappen) zweigeteilt vom südlichen Harzrand bis in die Rhön und vom Vogtland bis zur Rhön mit dem Trekkingbike zu befahren.

Es ist immer gut, einen Plan A und einen Plan B zu haben. Vieles hängt ab von der eigenen Kondition, Erfahrung und Ausrüstung, dem Wetter und der Landschaft (Höhenprofil, vorherrschende Windrichtung) und manchmal der touristischen Infrastruktur. Während man entlang von Flusstälern und etablierten Fernradwegen immer wieder ein gutes Angebot an Bed&Bike-Unterkünften und eine gute Supermarktdichte findet, sieht es in anderen Gegenden ganz anders aus. So haben wir uns für die Zelt- und Campinvariante entschieden und uns immer für ca. zwei Tage bevorratet, um in unserer täglichen Routenplanung flexibel zu bleiben. Da die Wege manchmal durchaus anspruchsvoll für Mensch und Material sind, sollte man auch hier halbwegs autark sein und sowohl eine gute Apotheke, 1. Hilfe-Set und Reparaturmaterial bzw. Ersatzteile dabei haben. Fahrradläden gibt es zwar hin und wieder in den größeren Ortschaften, die allerdings oft ab von der Strecke liegen.

Gut gelaunt, gut gefrühstückt, bei idealem Radwetter ging es von der Übernachtung in Selb zum Dreiländereck. Das ist der südlichste Punkt des Grünen Bands: hier treffen sich die Bundesländer Bayern und Sachsen sowie die tschechische Republik. Hier sollte nach langer Vorbereitung endlich der Startschuss für meine bislang längste Radtour fallen.

Diese erste Etappe war ein recht sanfter Einstieg über knapp 60 Km. Die Strecke führt am alten Grenzbahnhof Gutenfürst, dem ehemals geteilten „Klein-Berlin“ oder Mödlareuth vorbei. Nach einem gemütlichen Abend im neu gemachten Sauna-Bereich des Staatsbades, einer erquicklichen Nacht und einem guten Frühstück ging es am nächsten Morgen - bei Sonnenschein und trotzdem frischen Temperaturen - Richtung Norden weiter.

Das Ziel dieser Etappe hieß: Probstzella - Bauhaus-Geschichte in der thüringischen Pampa. Ein Highlight zwischendurch ist der historische Schieferabbau in Lehesten und nicht weit davon entfernt eine sehr traurige Mahnung aus der Zeit des deutschen Faschismus: das KZ-Außenlager Laura. Zum guten Ende: nach Probstzella geht es von 630m NN auf 360m NN herunter. Je nach Routenführung kann man vor Probstzella die Burg Lauenstein (kurz hinter der bayerisch-thüringischen Grenze) „mitnehmen“; dafür rechtzeitig im Örtchen Lichtentanne abbiegen.

Ein Highlight ist in jedem Fall kurz hinter Probstzella die Thüringer Warte. Früher wollte man die „Brüdern und Schwestern im Osten“ nahe sein, zumindest aus luftiger Höhe (knapp 30m hoch) ihnen vom Ratzenberg zuwinken können. Anschließend ging es weiter auf mehr oder weniger einsamen Wald- und Wirtschaftspfaden hinunter ins Tal der Steinach und ins gleichnamige Städtchen.

Also raus aus dem Thüringer Wald - rein in den Frankenwald. In Veilsdorf war der Thüringer Wald Geschichte und ich radelte sehr entspannt über eine hügelige Landschaft bis Zimmerau.

Es war nicht das verflixte 7. Jahr, sondern der 6. Tag: Ich war voll auf der Fresse gelandet, nachdem ich auf einem Schotterweg vor Fladungen versucht hatte, mein Rad mit Oberarm und Oberschenkel abzubremsen. Diesen Eindruck hätte ich gerne behalten, bis, ja bis ich mich auf einem Schotterweg hingelegt habe - es war viel Glück dabei, denn Rad okay, Mann bis auf kleinere Schäden ebenfalls. Durch den Sturz und die weiteren Umstände habe ich leider den Abstecher zum Schwarzen Moor versäumt.

Diese Etappe führte mich nach einer fürchterlichen Nacht (Ibuprofen sei Dank!), jedoch mit interessanten Gesprächen durchs Ulstertal nach Geisa und damit auch zum Point Alpha. Diese Stelle war im Kalten Krieg ein strategisch wichtiger Punkt zwischen Ost und West. Nach NATO-Überlegungen hätte nämlich nur hier der „Russe“ mit seiner riesigen Panzertruppe in den freien Westen durchbrechen können. Von der Ulster an die Werra: eine Landschaft, die durch die großen Kaliabraumhalden geprägt wird. Monte Kali ist weithin sichtbar.

Vacha, ein kleines, mittelalterliches Städtchen wurde durch die „Brücke der Einheit“ und das Grüne Ampelmännchen bekannt. In der Stadt Heringen ist K+S Kali zuhause. Im kleinen Hörschel an der Werra beginnt der Rennsteig. Und für den Radfahrer ist eine Etappe entlang eines Flusses meistens eine sehr erholsame Sache.

„Faulsein in Creuzburg“ so lautete die Überschrift. Das Motto war wirklich Programm. Das Fahrrad blieb im Rad-Schuppen und wir nutzten die Zeit für eine ausgedehnte Erkundung mit dem Auto. Schon Creuzburg ist recht pittoresk, die bekannte Liboriuskapelle aus dem 15. Jahrhundert an der alten Werrabrücke, Treffurt, Mühlhausen - das sind alles Orte mit viel Geschichte und Vergangenheit.

Dieses Teilstück hatte es wieder mächtig in sich. Erst der gemütliche Einstieg an der Werra entlang - nebenbei bemerkt: ich hätte einfach bis Bad Sooden gemächlich weiterradeln können. Aber ich wollte mir unbedingt das Grenzmuseum Schifflersgrund, die berühmte Agentenröhre und die Burgruine Altenstein anschauen. Kurz gesagt: alle diese Orte habe ich nicht erreicht, dafür auch ein tolles, wildes und waghalsiges Stück vom Grünen Band - wenn auch nicht beabsichtigt - erlebt.

Bei Volkerode (im Osten) oder in der Hessischen Schweiz (im Westen) findet man einen wunderschönen Abschnitt des Grünen Bands - wie aus dem Lehrbuch vom BUND. Eine breite Schneise, Magerwiesen, der alte Plattenweg bis zum Horizont - und Einsamkeit pur.

Ich hatte mir einige spannende Besichtigungspunkte auf den Zettel geschrieben, auch hier: weniger ist mehr, denn es wurde ein recht stressiger Tag. Die Burg Hanstein liegt praktisch noch in Sichtweite der Werra und hat eine sehr wechselhafte Geschichte. Danach bin ich bald nach Friedland abgebogen, das liegt nicht unmittelbar am Grünen Band, aber beschreibt die Wirren und das menschliche Leid im Nachkriegs-Deutschland sehr anschaulich. Außerdem eine sehr berührende Ausstellung über Migration und Fluchtursachen. Kurz vorm Ende des Tages dann noch das Grenzmuseum in Teistungen - mit einer neu aufgebauten Ausstellung und einem ausgedehnten Besichtigungsareal.

Die Etappe nach Sülzhayn zog sich länger als geplant, weil ich mich einmal bei Rhumspringe (nahe der Rhume-Quelle) trotz Komoot kräftig verfahren hatte. Besonders gefallen haben mir drei Besichtigungsorte: das West-Östliche Tor bei Duderstadt, das Gut Herbigshagen der Sielmann Stiftung und das ehemalige Kloster Walkenried.

Das West-Östliche Tor ist ein Naturkunstwerk, welches das Zusammenwachsen unserer beiden Deutschländer gut beschreiben kann: Altes zerfällt und Neues wächst - vielleicht auch zusammen 😉 Die Sendungen von Sielmann gefielen mir schon als Kind immer gut - seine Stiftung hat hier ein wunderbares Naturmuseum und einen Show-Bauernhof eingerichtet, das hofeigene Café lädt zum Verweilen ein. Last but not least: das ehemalige Zisterzienserkloster in Örtchen Walkenried hat eine über 800jährige Geschichte und ist leider nur noch in Fragmenten erkennbar.

Das war die Etappe der Schmerzen: Blut, Schweiß und Tränen - na, ich übertreibe maßlos. Dennoch war diese Etappe aufgrund der vielen Höhenmeter kräftezehrend. Der Aufstieg zum Brocken zog sich, nicht zuletzt weil ich die Planung der Streckenführung zu dilettantisch angegangen war. Wer auf die Komoot-Karte schaut, sieht einen großen Kringel, den ich hätte abkürzen können. Insofern galt der Kölsche Spruch: Umwege erhöhen die Ortskenntnis 😉 Ich war am frühen Abend sehr froh, in Bad Harzburg ein Schild „Bahnhof“ zu finden, diesem nachzufahren und 20 Minuten später im Zug nach Goslar zu sitzen - dort war mein heutiges Etappenziel.

Die kurze Zugfahrt von Bad Harzburg nach Goslar hatte mich begeistert, zunächst bis Wolfenbüttel mit der Bahn zu fahren, um von dort aufs Grüne Band zurückzugelangen. Das klappte gut und ich konnte vor mich hin träumend die flache Landschaft betrachten. Es gibt auf dieser Etappe wenig echte Highlights oder beachtenswerte Landmarken. Zwei, drei möchte ich nennen: das Freiland-Museum Hötensleben, den aufgegebenen Tagebau in Schöningen und unweit davon das paläon-Museum.

Wenn man die A2 überquert, sollte man sich auch den ehemaligen Grenzübergang Helmstedt/Marienborn anschauen. Die Gedenkstätte in Gardelegen wurde im bereits 1945 an der Stelle eingerichtet, wo mindestens 1.100 KZ-Häftlinge auf einem der Todesmärsche brutal in eine Scheune gesperrt und bei dem absichtlich gelegten Brand der SS-Wachmannschaften bestialisch umgebracht wurden. Kurze Zeit später trafen die US-amerikanischen Truppen ein und konnten noch viele der Verantwortlichen festsetzen. Ebenso musste die Gardelegener Bevölkerung die Toten ordentlich bestatten, darüber hinaus wurde festgelegt, dass die Gräber dauerhaft durch die Bevölkerung gepflegt werden mussten.

Anschließend habe ich noch eine alte Freundin aus Berlin getroffen, die gemeinsam mit mir drei Tage radeln wollte. Das abendliche Ziel lag diesmal in Binde, also kurz vorm Arendsee. Jürgen Starck hat dort seit einiger Zeit den Haselnusshof - im Garten eine kleine Villa. Naja, es ist ein Gartenhäuschen mit 3x3m Grundfläche. Von Binde war es nur ein kurzes Stück - durch Plantagen-Wälder und ausgedehnte Ackerwiesen - um Schnackenburg an der Elbe zu erreichen. The Outpost of the free World - bis 1989 zumindest. Allerdings ist es beeindruckend, wenn man sich dem breit gestreckten Elbtal nähert und die riesigen Überflutungsflächen in den Elbauen bestaunen kann. Einmal auf dem Elberadweg angekommen, ist die Richtung klar: immer nach Norden und Obacht geben , dass einen kein anderer Radler (oder Radlergruppen) über den Haufen fährt.

Also, Verfahren konnten wir uns hier nicht, denn es ging nach der Übernachtung in Lenzerwische immer weiter an der Elbe entlang. Hier erwischten wir den ersten richtigen Regentag auf der Tour: wir starteten bei heftigem Regen vom Landhaus hinter dem Elbdamm über Dömitz (schöne Festung) bis zur kurzzeitig berühmten Dorfrepublik Rüterberg. Zum Glück hatte es sich dann für diesen Tag ausgeregnet. In Boizenburg haben wir den Elberadweg Richtung nach Norden verlassen. Landschaftlich gibt es nicht viel Abwechslung - es ist halt platt. Zum Glück mussten wir heute nicht so weit fahren, denn es dauerte eine gute Weile, bis wir nach dem Frühstück endlich in die Gänge bzw. auf die Fahrradsättel kamen.

Am Morgen fuhren wir ein kleines Stück zurück, denn einige Kilometer von Langenlehsten entfernt liegt die Stelle, wo Michael Gartenschläger bei der Demontage einer Selbstschussanlage von DDR-Spezialkräften 1976 erschossen wurde. Anschließend ging es durchs Unterholz auf den Kolonnenweg zurück, am Schaalsee und dem bekannten Kloster Himmelspforte vorbei bis zur überaus nervigen B208 nach Ratzeburg hinein. Hier gab es im Hotel Seehof - unmittelbar am Küchensee gelegen - bei Kaffee und Kuchen einen herzlichen Abschied, denn meine Freundin Barbara fuhr mit dem Zug nach Berlin zurück.

Nun erwischte es mich zum zweiten Mal auf der Tour: kaum hatte ich morgens die Augen aufgeschlagen, nahm ich die tiefhängenden Wolken und den prasselnden Regen wahr. Das hinderte mich nicht an einem erfrischenden Bad im Küchensee, zumal das Hotel einen kleinen Strand am See hat. Und dann musste ich mich richtig motivieren: ich hatte das Frühstück in die Länge gezogen, sinnierend am Fenster gesessen, den Regentropfen und ineinanderlaufenden, konzentrischen Ringen auf dem Wasser zugeschaut. Naja, irgendwann half das auch nicht weiter und ich musste los.

Natürlich tue ich den Menschen, die dort leben Unrecht, aber die Gegend dieser letzten Kilometer bis zur Ostsee sind recht langweilig: Landwirtschaft, Wälder, viel Autoverkehr - nichts, was zu den Highlights meiner 1.200 Km Tour zählen würde.

Der Radweg Grünes Band Deutschland existiert an vielen Stellen noch eher als Idee auf dem Papier, als dass es sich schon um einen nach Beschilderung fahrbaren Rad(fern)weg handelt. Auch gibt es unterschiedliche Konzepte für den Verlauf des Radweges, die Ausschilderung Grünes Band Deutschland, soweit schon vorhanden (z.B. nördlich des Harzes und an der Elbe), und der ebenfalls viel beworbene Radweg Eiserner Vorhang sind nicht immer identisch. Mit dem hier vorliegenden Track und der entsprechenden Streckenbeschreibung wird versucht, einen möglichst grenznahen Verlauf einer Srecke zu dokumentieren, die auch mit Rädern mit normaler Tourenbereifung gut gefahren werden kann.

Es sei darauf hingewiesen, dass der Kolonnenweg entlang der ehemaligen Grenze an vielen Stellen nicht mehr befahrbar ist oder befahren werden sollte, da vielerorts Wildschutzgebiete am Grünen Band eingerichtet wurde. Soweit der Kolonnenweg aber noch befahrbar ist, wurde damit begonnen, diese Abschnitte mit in den Streckenverlauf aufzunehmen. Diese Strecke ist größtenteils nicht rennradtauglich!

Für Kinderanhänger ist es nicht die Strecke der Wahl, bei einem gut gefederten Anhänger und nicht allzu kleinen Kindern sind aber viele Abschnitte gut fahrbar. Dreispurige Gespanne holperfrei auf den Kolonnenwegen zu fahren, ist allerdings unmöglich, daher scheint es angeraten, diese mit Kinderanhängern zu umgehen.

Veranstaltungen im Frankenwald im Jahr 2025

Das Jahr 2025 eignet sich ganz besonders für einen Besuch im Frankenwald. Vor allem das Dreiländereck bei Hof bietet zahlreiche Orte, die an die Teilung der DDR zur Bundesrepublik erinnern.

  • 26. April 2025: geführte Rundwanderung „Zeitreise und Grenzblicke am Hopfsberg“
  • 2./3. Mai 2025: 35 Stunden Nonstop-Wanderung am Grünen Band mit Thorsten Hoyer (125 km)
  • 25. Juni 2025: geführte Rundwanderung „Braunkehlchen im wild-romantischen Tannbachtal“
  • 27./28. Juni 2025: Trekkingtour mit den Naturpark Rangern
  • August 2025: Augustlust - das Kulturfestival am Grünen Band
  • 21. September 2025: Familienwanderung mit den Naturpark Rangern
  • 1.-4. Oktober 2025: Erlebnis-Etappenwanderung am Grünen Band mit Thorsten Hoyer (125 km)
  • 4. Oktober 2025: 1. Bayerisch-Thüringer Wandertag in Mödlareuth

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0