Radfahren rund um den Reschensee: Routen und Erlebnisse

Der Reschensee, kurz hinter Nauders im Vinschgau gelegen, ist ein beliebtes Ziel für Radfahrer. Die Region bietet eine Vielzahl von Radwegen und Mountainbiketouren, die sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Radfahrer geeignet sind.

Die Reschensee-Runde: Eine einfache und aussichtsreiche Tour

Die Reschensee-Runde ist eine einfache Radtour, die in etwa einer Stunde zu bewältigen ist und rund um den See führt. Dabei sind nur etwa 140 Höhenmeter zu überwinden. Es gibt keinen festgelegten Startpunkt, sodass man die Tour von jedem Ort am See beginnen kann, beispielsweise von Reschen im Norden oder St. Valentin im Süden. Die Tour ist für fast alle Fahrradtypen geeignet, mit Ausnahme von Rennrädern. Der Radweg verläuft fast immer direkt am Seeufer.

Streckeninformationen:

  • Dauer: ca. 1 Stunde
  • Höhenmeter: ca. 140 m
  • Geeignet für: fast alle Fahrradtypen (außer Rennräder)
  • Streckenbeschaffenheit: Schotterpassagen und asphaltierte Abschnitte

Die meisten Höhenmeter müssen auf der Westseite des Sees bewältigt werden, wenn man der üblichen Route folgt. Die Tour kann in beide Richtungen gefahren werden. Sie startet in Graun zuerst in Richtung Reschen und weiter am Westufer Richtung Süden, immer mit Blick auf König Ortler. Nach der Wende am kleinen Haidersee geht es nach dem Steg im Biotop wieder über St. Valentin zurück nach Graun.

Der Vinschger Radweg: Von Mals nach Meran

Der Vinschger Radweg vom Reschenpass nach Meran ist ein abwechslungsreiches Teilstück der Via Claudia Augusta. Der hier beschriebene Weg beginnt in Mals und ist somit ideal für die Kombination Bahn - Rad.

Mit der Vinschgauer Bahn fährt man von Meran bis zur Endstation Mals im Vinschgau auf 1.050 m Meereshöhe. Am Bahnhof nimmt man die Straße nach Glurns - eine Abfahrt. Das kleine mittelalterliche Städtchen ist sehenswert, schon aufgrund der alten Struktur und Bausubstanz. Kaum sind wir durch das Stadttor hinausgefahren, biegen wir links auf den Radweg entlang der Etsch ab. Nach Durchquerung des Dorfes Prad geht es auf Feldwegen weiter in östliche Richtung. Wir fahren am Rande des Nationalparks Stilfser Joch und durchqueren mehrmals geschützte Flussauen, in denen der Radweg keinen Asphaltbelag hat. Rennräder sind also nicht ideal für diese Tour.

Nach einer Weile erreichen wir das Dorf Laas. Laas ist für den Marmor-Abbau bekannt, der Laaser Marmor wird aus dem Berg gebrochen und in Blöcken abtransportiert. Keine Frage, dass im Dorf vieles aus Marmor ist. Eine gute Gelegenheit für eine kleine Pause. Laas gilt übrigens auch als Zentrum des Vinschger Marillenanbaus, da die Marillen jetzt gerade reif sind, darf man sich auf Marillenknödel freuen. Wieder zurück auf dem Radweg geht es weiter, einem verwilderten Abschnitt der Etsch entlang, bis wir Schlanders (Ortsteil Göflan) erreichen, das Dorf, welches als Hauptort des Vinschgaus gilt.

Leider geht es sich zeitlich nicht für eine längere Pause aus, so fahren wir nach Latsch am Eingang des Martelltales weiter. Der Radweg durchquert den Ort, und somit ist ein Blick in den Dorfkern obligatorisch. Die meisten Vinschger Orte bewahren Zeugnisse aus romanischer Zeit, die trockenen Hänge des Sonnenbergs tun ein übriges, sich in eine andere Welt versetzt zu fühlen. Bei Kastelbell beginnt der wärmere Teil des Vinschgaus - mit den ersten Weingütern. Das Schloss Kastelbell kann man vom Radweg sehr gut betrachten. Einige km weiter, nach der Abzweigung ins Schnalstal, kommen wir nach Naturns und sind damit schon im Meraner Land, was sich auch an den Temperaturen bemerkbar macht. Vorbei an Plaus und Partschins geht es in der Töll nach links, und von dort über Algund nach Meran.

Beeindruckend an der Vinschgau-Tour ist die wechselnde Landschaft, nicht nur aufgrund der Höhenmeter, sondern auch aufgrund der kulturellen Eigenheiten und dem Kontrast der satten Nordhänge von Ortler und Nörderberg zu den kahlen, trockenen Wänden des Sonnenbergs. Und auch der wilden Flusslreandschaft im Nationalpark zu den gepflegten Obst- und Weingärten.

Streckeninformationen:

  • Schwierigkeit: leicht
  • Ausgangspunkt: Bahnhof Mals im Vinschgau
  • Gesamtzeit: 03:50 h
  • Gesamtlänge: 61,2 km
  • Höhenlage: von 289 bis 998 m ü.d.M.
  • Höhenunterschied: +39 m | -742 m
  • Ziel: Meran
  • Untergrund/Wegeart: Großteils asphaltierte Radwege, Feldwege und Nebenstraßen; einige Abschnitte durch Natura2000-Gebiet auf Schotterbelag

Gravelbiken rund um den Reschenpass

Auch das Gravelbiken erfreut sich am Reschenpass großer Beliebtheit. Ausgedehnte, abwechslungsreiche Touren bis auf 2000 Meter sind mit viel Vortrieb und nahezu ohne Straßenverkehr möglich.

Tour zur Melager Alm

Die Tour zur Melager Alm startet in Nauders und führt sanft hinauf zur Passhöhe und am Reschensee entlang. Die Strecke führt auf einem breiten Kiesweg durch wunderschönen Lärchenwald. An der Melager Alm angekommen, befindet man sich auf 1970 Metern über dem Meeresspiegel. Die Abfahrt erfolgt auf der asphaltierten Talstraße.

Streckeninformationen:

  • Höhenmeter: 970 Hm
  • Länge: 60 km
  • Schwierigkeit: mittel
  • Wegbeschaffenheit: Breite Schotterwege und Asphalt
  • Einkehrmöglichkeit: Melager Alm oder Gasthöfe/Hotels im Langtauferer Tal

Tour zur Schliniger Alm

Diese Königsetappe bietet 1600 Höhenmeter und führt zur Schliniger Alm zu Füßen der Sesvennahütte. Nach dem Prolog zum Reschenpass geht es erstmal sanft durch Lärchenwald ins Vinschgau, genauer ins malerische Burgeis. Dann aber wird es steil, die Straße führt zum Kloster Marienberg. Kurz oberhalb des Klosters zweigt der Stundenweg ab. Auf dem gekiesten Fahrweg rollen wir zur Alm und genießen die Ruhe der Nebensaison. Erfüllt mit neuen Eindrücken rollen wir danach auf Asphalt hinab und lassen uns in Burgeis am historischen Dorfplatz ein Eis mit Espresso schmecken.

Streckeninformationen:

  • Höhenmeter: 1600 Hm
  • Länge: 74 km
  • Schwierigkeit: schwierig
  • Wegbeschaffenheit: Breite Schotterwege, Passage auf schmalem, grobem Wanderweg und Asphalt
  • Einkehrmöglichkeit: Schliniger Alm und Gasthöfe/Hotels in Burgeis

Tour nach Sclamischot

Diese kurze Runde bietet Landschaftsgenuss, Kulturerlebnis und Höhenmeter. Aus dem Dorf geht es zum urigen Sessellift am Kleinmutzkopf hinab. Auf dem kleinen Asphaltsträsschen geht es hinauf zur Norbertshöhe. Auf 1464 Metern Höhe bietet sich eine grandise Aussicht. In Sclamischot zweigt die Forststraße links ab und windet sich durch den alten Bergwald den Hang hinauf.

Streckeninformationen:

  • Höhenmeter: 600 Hm
  • Länge: 22 km
  • Schwierigkeit: einfach
  • Wegbeschaffenheit: Breite Schotterwege und Asphaltstraße
  • Einkehrmöglichkeit: Alpengasthof Norbertshöhe, Gasthöfe/Hotels in Nauders

Dreiländertour

Diese Tour führt durch Österreich, Italien und die Schweiz. Von Nauders aus geht es hinauf zum Reschenpass und hinab nach Südtirol. Fernab der Straße strampeln wir durch den wunderschönen Lärchenwald oberhalb von St. Valentin. Weiter geht es über Schleis, Laatsch und Taufers zur Schweizer Grenze. Im Hauptort lohnt es sich, das Benediktinerinnenkloster St. Johann Baptist zu besuchen. Die Strecke zurück nach Nauders führt in einer Runde durch Glurns, Mals und am Haidersee entlang.

Der versunkene Kirchturm von Graun

Ein beliebtes Motiv am Reschensee ist der versunkene Kirchturm. 1950 wurde der große Stausee zur Stromerzeugung errichtet. Nicht nur die Kirche aus dem 14. Jahrhundert wurde damals geflutet, auch 150 Familien verloren ihre Heimat. Graun existiert heute wieder - es wurde an anderer Stelle wieder aufgebaut.

Beginnend vom westlichen Ortsende von St. Valentin auf der Haide geht es durch den Spitalacker westwärts bis man am Ufer des Reschensees angekommen ist. Über einen ausgeschilderten Radweg mit leichter Steigung führt die Route dann weiter ins hier wieder angesiedelte Graun. Hier dem Radweg weiter folgen, durch Arlund und Reschen brausen, ehe es auf der anderen Seeseite auf Feldwegen wieder zurück nach St. Bei St. Valentin lässt sich außerdem ein weiterer See entdecken - der Haidersee.

Im heutigen Dorf, das den gleichen Namen trägt wie der unglückliche Vorgänger, informiert das Museum Vintschger Oberland mit Exponaten und einer Fotodokumentation über die Zerstörung und den Wiederaufbau der Dörfer Graun und Reschen.

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