Radfahren bei Gewitter: Gefahren und Verhaltensregeln

Wer eine Radtour plant, sollte sich vorher informieren, ob Gewitter angekündigt sind. Dennoch kann es passieren, dass man von einem Wetterumbruch überrascht wird. Was aber bedeutet ein solches Unwetter für Radfahrende, die gerade auf Tour sind?

Die Gefahren eines Gewitters beim Radfahren

Blitze sind elektrische Entladungen, die durch elektrische Felder in den Wolken oder zwischen Erdboden und Wolken entstehen. Dabei treten Spannungen von bis zu 100 Millionen Volt auf. An einem typischen Gewitter-Tag in Deutschland schlagen beispielsweise bis zu 100.000 Blitze auf der Erde ein. Bis zu zehn Menschen sterben jährlich durch Blitzeinschläge in Deutschland.

Es ist ein Mythos, dass der Fahrradrahmen aus Metall einen Blitz besonders anzieht. Fakt ist, dass der Fahrradrahmen in der Lage ist, elektrische Spannung aufzunehmen und weiterzuleiten. Schlägt ein Blitz beim Fahrradfahren in das Fahrrad ein, kann es zu schweren Verbrennungen am Körper kommen.

Das Fahrrad als Leiter

Das Problem: Ein Fahrrad aus Metall zieht den Blitz nicht an, aber das Metall wirkt leitend. Dass Gummireifen Schutz bieten, stimmt leider nicht: Anders als ein Auto ist ein Fahrrad kein Faraday'scher Käfig.

Das Radl hat zwar gummierte Griffe und Reifen, die bieten jedoch keine ausreichende Isolierung. „Fahrräder ziehen Blitze nicht unbedingt an, aber sie leiten. Deshalb sollten Radfahrende, die von einem Gewitter überrascht werden, absteigen und das Fahrrad nicht festhalten, sondern es abstellen und Abstand halten“, erklärt Frank von Zehmen.

Schlägt ein Blitz tatsächlich ins Fahrrad ein, kann er sich über die Erde weiterverbreiten. Daher: mindestens 10 Meter Abstand halten.

Verhaltensregeln während eines Gewitters

Da ein Gewitter im Freien gefährlich werden kann, sollte man möglichst rechtzeitig Schutz suchen.

Einschätzung der Entfernung

Entfernter Donner kann auf ein sich näherndes Unwetter hindeuten. Blitzt es, kann man die Sekunden zwischen Blitz und Donner zählen und durch drei teilen, so erhält man die ungefähre Entfernung des Gewitters in Kilometern.

Zählen Sie die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Die Zahl teilen Sie durch drei - heraus kommt die Entfernung des Gewitters in Kilometern. Hintergrund: Der Schall breitet sich mit einer Geschwindigkeit von 333 Metern pro Sekunde aus, also in drei Sekunden rund einen Kilometer. Wenn man den Donner schon hören kann, bedeutet das, dass das Gewitter auf jeden Fall weniger als zehn Kilometer weit weg ist.

Wo Schutz suchen?

Wer kann, sollte Schutz in Gebäuden mit Blitzableitern, unter Brücken aus Stahlbeton (ohne Fahrrad und keine Geländer berühren) oder in Autos suchen.

Auch Brücken aus Stahlbeton bieten Schutz, weil sie wie ein Blitzableiter wirken. Das Fahrrad unbedingt vor der Brücke liegen lassen und keine Metallteile wie zum Beispiel Geländer berühren. "Der Blitz schlägt in die hoch gelegenen Teile der Brücke ein und wird über die Stahlbewehrung des Betons, die bis in das Brückenfundament reicht, in die Erde abgeleitet", sagt Roland Huhn vom ADFC.

Nicht alle Schutzhütten haben Blitzableiter und können, wenn sie höher sind als die Umgebung oder Metallanteile haben, Blitze anziehen. Das gilt auch für Türme, Masten, Überlandleitungen und Bäume, daher sollten Schutzsuchende sie meiden.

  1. Gebäude mit Blitzableitern: Dies ist der sicherste Ort, um Schutz zu suchen.
  2. Brücken aus Stahlbeton: Bieten ebenfalls Schutz, solange man keine Geländer berührt.
  3. Autos: Die Karosserie wirkt wie ein Faradayscher Käfig, Fenster und Türen geschlossen halten.

Verhalten im Freien

Im freien Feld sollte man an der tiefsten Stelle des Geländes mit geschlossenen Beinen in die Hocke gehen, Arme eng anlegen und die Füße zusammenhalten. Elektronische Geräte sollten ausgeschaltet werden. Wenn ein Blitz in der Nähe einschlägt, sollte die Gefahr in dieser Stellung am geringsten sein. Menschen in der Gruppe sollten einzeln und mit mindestens drei Meter Abstand in der Hocke verweilen und nicht dicht beieinander stehenbleiben oder sich berühren.

Sofort runter vom Rad, sich vom Rad entfernen und im tiefsten Punkt im Gelände, in einem Graben, einer Mulde oder Senke Schutzhaltung einnehmen: Hinkauern, Arme eng an den Körper, Kopf einziehen und dabei die Füße eng geschlossen halten.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) rät zur Schutzhaltung auf isolierendem Untergrund: "Dazu kauert man sich mit geschlossenen und angezogenen Beinen am besten auf eine isolierende Unterlage (wie einen trockenen Rucksack oder ein Kletterseil).

Verhalten im Wald

In einem Wald mit gleichmäßig hohen Bäumen gilt man als relativ sicher. Aber man sollte sich vom Waldrand und Baumstämmen fernhalten und auf den Regenschutz der Äste verzichten. Einzeln herausragende hohe Bäume sind zu meiden. Von allein stehenden Bäumen auf freiem Feld sollte man sich ebenfalls entfernen.

In einem Wald mit ungefähr gleich hohen Bäumen sind Sie relativ sicher, weil viele Bäume auch viele mögliche Einschlagsstellen bieten. Weniger sicher sind Sie am Waldrand und auf einer freien Fläche mit einzelnen Bäumen. Auch im Wald sollten Sie sich einen möglichst tiefliegenden Ort suchen und die Schutzhaltung einnehmen.

Gefahr besteht auch durch böigen, stürmischen Wind und Totholz in den Bäumen: Äste können herunterfallen oder abbrechen, Bäume umstürzen.

Was tun nach dem Gewitter?

Ist das Gewitter vorbeigezogen, heißt es: kein Risiko eingehen, sondern noch einige Zeit abwarten und die Radtour idealerweise nicht in Zugrichtung des Gewitters weiterführen, sondern sich in die Gegenrichtung bewegen. Wer diese Tipps beherzigt, kann ein Gewitter gut überstehen und seine Radtour danach unbeschwert fortführen.

Tipps zur Tourenplanung

„Der regelmäßige Blick auf eine Wetter-App vorab ist ratsam und die Routenplanung sollte möglichst auch Schutzplätze oder Umkehrpunkte berücksichtigen. So kann man bei einem aufziehenden Gewitter schnell reagieren und sicheren Unterschlupf finden“, rät Frank von Zehmen, im Vorstand des ADFC München und Radtourenleiter.

ADFC-Touren

Alle ADFC-Touren werden von zwei zertifizierten Radtourenleitern ausgearbeitet und durchgeführt. Die gesamte Tourenauswahl gibt’s immer aktuell im ADFC-Tourenportal.

Beispielhafte ADFC-Touren

  • Mariabrunn & Amelie Hohenester
    • Samstag, 19. August, 10:30-16:00 Uhr
    • Kategorie: ganztägige Tourenrad-Tour
    • Schwierigkeit: einfach
    • Strecke: 50 km
    • Höhenmeter: 200
    • Treffpunkt: Olympiazentrum Bahnhof (U3), Brundageplatz, 80809 München
    • Anmeldung erforderlich
  • Entlang des Würmradwegs
    • August, 17:00-19:00 Uhr
    • Kategorie: Tourenrad-Tour
    • Schwierigkeit: einfach
    • Strecke: 19 km
    • Höhenmeter: 0
    • Treffpunkt: Pasing Bahnhof (S, DB) Nordseite, 81245 München
    • Keine Anmeldung erforderlich
  • Kloster Andechs
    • August, 10:00-18:00 Uhr
    • Kategorie: ganztägige Tourenrad-Tour
    • Schwierigkeit: mittel
    • Strecke: 75 km
    • Höhenmeter: 600
    • Treffpunkt: Forstenrieder Allee Bahnhof (U3) Ausgang Süd - Cafe Zöttl, 81476 München
    • Keine Anmeldung erforderlich

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