Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Herzschwäche, oft unerkannt. Bewegung ist wichtig bei einer Herzschwäche, denn Medikamente allein können die Leistungsfähigkeit des Herzens nicht steigern. Heute wissen Mediziner: Schonung bei Herzschwäche war ein Irrweg.
Regelmäßiger Ausdauersport gehört zu den besten Möglichkeiten, sich vor Herzerkrankungen zu schützen, den Blutdruck zu senken oder ein angeschlagenes, schwaches Herz zu stärken. So kann das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit durch Ausdauersport verlangsamt, zum Teil gestoppt und in Einzelfällen sogar zurückgebildet werden.
Radfahren - egal ob auf dem normalen Fahrrad, dem E-Bike oder dem Fahrradergometer - fördert die Fitness: Es trainiert Herz und Lunge, verbessert die Ausdauer und kräftigt die Gesäß- und Beinmuskulatur. Zugleich ist Radfahren gelenkfreundlich: Da das meiste Körpergewicht auf dem Sattel lastet, werden Hüft- und Kniegelenke geschont. Die Tretbewegung fördert zudem die Versorgung der Gelenkknorpel mit Nährstoffen. Auch unterstützt regelmäßiges Fahrradfahren ein gesundes Körpergewicht.
Bereits eine halbe Stunde Radfahren, mit einer Geschwindigkeit von 15-20 km/h in ebenem Gelände verbrennt etwa 150 bis 250 Kilokalorien, bei höheren Geschwindigkeiten oder Anstiegen entsprechend mehr. Die Deutsche Herzstiftung e.V. empfiehlt ein moderates Ausdauertraining von mindestens 30 Minuten, fünfmal pro Woche (insgesamt > 150 Minuten/Woche). Generell gilt aber: Jedes Mehr an Aktivität wirkt sich positiv auf Ihre Gesundheit aus!
Der erste Schritt zu mehr Bewegung bei Herzinsuffizienz ist, den Alltag aktiver zu gestalten. Also nicht immer den kürzesten Weg zu nehmen, mal eine Station früher aus dem Bus auszusteigen oder im Büro die Toilette in einem anderen Stockwerk zu benutzen.
Vorteile des Radfahrens bei Herzinsuffizienz
- Stärkung des Herzmuskels: Regelmäßige Bewegung kann den Herzmuskel stärken. Er arbeitet effizienter und die Anzahl der Herzschläge in Ruhe (sogenannter Ruhepuls) sinkt.
- Verbesserte Durchblutung: Die Durchblutung steigt im gesamten Körper.
- Erhöhte Sauerstoffaufnahme: Die Aufnahme von Sauerstoff erhöht sich.
- Gewichtsreduktion: Das Herz profitiert von einer möglichen Gewichtsreduktion. Die daraus resultierende Entlastung des Herzmuskels führt zu einer allgemeinen Verbesserung der Leistungsfähigkeit.
- Verbesserte Lebensqualität: Die Lebensqualität sowie das Wohlbefinden der Erkrankten verbessern sich.
- Rückbildung des Herzens: Auf lange Sicht kann sich zudem eine bestehende Vergrößerung des Herzens allmählich wieder zurückbilden, was einen weiteren Rückgang der Beschwerden nach sich zieht.
E-Bike als Option für Herzkranke
Fahrräder mit einem Elektromotor, der bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h den Fahrer unterstützt (sog. Pedelecs -landläufig meist als E-Bike bezeichnet) sind in den letzten Jahren stark in Mode gekommen. E-Biker waren im Schnitt 135 Minuten pro Woche unterwegs. Etwa ein Drittel der E-Bikefahrer hat Vorerkrankungen, etwa Bluthochdruck oder es liegt bereits ein Herzinfarkt vor.
Viele werden erst durch das E-Bike (wieder) zum Radfahrer. „Das Radfahren kann besser an die individuelle körperliche Belastbarkeit angepasst werden - für ein effektives, aber sicheres Training“, erklärt Professor Scharhag.
Wer auf einem Pedelec unterwegs ist, muss zwar auch treten, hat aber den Vorteil, dass er sich bei Bedarf - etwa bei Steigungen - dabei unterstützen lassen kann. Man kann beim Pedelec den Motor auch ausschalten und „ganz normal“ Fahrrad fahren. „Von der optionalen Fahrunterstützung können Herzkranke profitieren, da durch die motorisierte Unterstützung eine zu intensive Belastung und somit eine Herzfrequenz im roten Drehzahlbereich mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung vermieden werden kann“, betont der Sportkardiologe Scharhag.
Wichtige Hinweise für das Radfahren bei Herzinsuffizienz
Herzkranke sollten, bevor sie in die Pedale treten, ihr Herz untersuchen lassen. „Der Kardiologe kann mit Hilfe eines Belastungs-EKG die individuelle Belastbarkeit des Herzens sowie den passenden Trainingspuls ermitteln. Zudem kann er den Einfluss von Herzmedikamenten auf das Herz-Kreislauf-System und die körperliche Leistungsfähigkeit überprüfen“, erklärt Prof. Dr. med. Jürgen Scharhag.
„Für Menschen mit Herzkrankheiten ist es zudem empfehlenswert, mit einem Pulsmesser aufs Fahrrad zu steigen, um die Herzfrequenz im Blick zu behalten und einer Überlastung des Herzens vorzubeugen. Wer doch mal ohne Pulsmesser mit dem Fahrrad, dem E-Bike oder auf dem Fahrradergometer unterwegs ist, kann sich an folgendem Ratschlag orientieren: Radfahren ohne Keuchen.
Ein beschleunigter und tiefer Atem ist beim Radfahren sowie bei anderen Sportarten normal. Beginnen Sie allerdings, auf dem Sattel zu keuchen und können sich nicht mehr unterhalten, ist das Training zu intensiv. Schalten Sie einen Gang runter. Eine gute Faustregel ist, die Intensität so zu wählen, dass Sie zwar ins Schwitzen kommen, sich aber noch unterhalten können.
Weitere Tipps:
- Erwärmen Sie sich immer gründlich, bevor Sie losradeln. So kann sich das Herz auf die nachfolgende Belastung besser einstellen.
- Während des Trainings sollten Sie zudem immer ausreichend trinken.
- Fürs Radfahren bei einer Herzerkrankung sollten Sie außerdem mehr Zeit einplanen als mit einem gesunden Herzen. Radeln Sie lieber länger auf einem geringen Belastungsniveau und testen Sie nicht die Grenzen Ihrer Leistungsfähigkeit aus.
NYHA-Stadien und Sport
Für die Schwere einer Herzschwäche gilt auch in Deutschland die Einteilung der New Yorker Herzvereinigung (New York Heart Association - NYHA) als Gradmesser:
- Stadium I: Alltägliche körperliche Belastungen verursachen keine unangemessene Erschöpfung, Atemnot oder Rhythmusstörungen.
- Stadium II: Alltägliche körperliche Belastungen wie etwa Treppensteigen führen zu merklicher Erschöpfung, Atemnot oder zu Herzrhythmusstörungen.
- Stadium III: Schon geringe körperliche Belastungen verursachen Erschöpfung, Rhythmusstörungen oder Atemnot.
- Stadium IV: Im NYHA-Stadium 4 sollten Sie keinen Sport mehr treiben. Bei dieser Form der Herzinsuffizienz ist die Erkrankung bereits so weit fortgeschritten, dass Betroffene sogar in Ruhe mit Symptomen wie Atemnot oder Schwindel zu kämpfen haben.
Die Faustformel bei Herzschwäche lautet: Ausdauer bei geringer Intensität. Gut geeignet sind Ausdauersportarten wie Wandern, Nordic Walking, Radfahren oder Ski-Langlauf. Hohe muskuläre Belastungen wie zum Beispiel Liegestütze oder Gewichtheben sollten vermieden werden.
Weitere Empfehlungen für einen herzgesunden Lebensstil
Experten empfehlen Menschen mit Herzschwäche eine Anpassung des Lebensstils. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, Bewegung und wenig Stress.
- Ernährung: Eine für den Blutdruck günstige Ernährung unterstützt auch die Herzgesundheit. Auf rotes Fleisch, Käse und Eier sollten Herzkranke möglichst verzichten, denn sie enthalten viel Phosphatidyl-Cholin - was ungünstig für das Herz ist. Dafür sollten Menschen mit einem schwachen Herzen vermehrt Gemüse, Obst und Nüsse essen, vor allem bei einer diastolischen Herzinsuffizienz.
- Stressabbau: Hilfreich sind auch Maßnahmen gegen Stress und Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, autogenes Training und Tai Chi. Auch regelmäßige Spaziergänge vermindern die Wirkung der Stresshormone.
| Aspekt | Empfehlung |
|---|---|
| Art des Trainings | Moderates Ausdauertraining |
| Frequenz | Mindestens 30 Minuten, 5 Mal pro Woche |
| Intensität | Radfahren ohne Keuchen, mit Pulsmesser Herzfrequenz im Blick behalten |
| Voruntersuchung | Kardiologische Untersuchung vor Trainingsbeginn |
| E-Bike | Kann bei Bedarf Unterstützung bieten, um Überlastung zu vermeiden |
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