Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, von dem etwa 80% der Deutschen mindestens einmal im Leben betroffen sind. Davon leiden 30% sogar unter chronischen Schmerzen. Die Zahl der Menschen mit Rückenproblemen und Haltungsschäden nimmt stetig zu, und die Situation ist inzwischen auch bei Kindern und Jugendlichen dramatisch. Viele Menschen in den Industrieländern leiden unter Kreuzschmerzen, wobei die 30- bis 50-Jährigen am häufigsten betroffen sind.
Rückenschmerzen müssen frühzeitig und ausreichend therapiert werden, um eine Chronifizierung zu vermeiden. Bei chronischen Rückenschmerzen sind gängige Schmerzmittel allein vielfach nicht mehr wirksam, weil sich ein Schmerzgedächtnis entwickelt hat. Eine Therapie der Rückenschmerzen ist dann ungleich schwieriger.
Ursachen von Rückenschmerzen
Rückenschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Akute, plötzlich einschießende Schmerzattacken (Hexenschuss, Lumbago) mit Fehlhaltungen können durch Blockierungen der kleinen Wirbelgelenke oder auch durch einen Bandscheibenvorfall hervorgerufen werden. Häufig sind auch blockierte Ileosacralgelenke (ISG) Ursache einschießender Rückenschmerzen. Begleitend aber auch als alleiniges Symptom können in Beine ausstrahlende Schmerzen auftreten. Dies kann, muss aber nicht durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst sein.
Durch verschleißbedingte Vorwölbungen der Bandscheiben können Nervenwurzeln und Bandstrukturen unter Druck geraten und einen charakteristischen Schmerz auslösen, der sich typischerweise im Sitzen verschlechtert. Die kleinen Wirbelgelenke können ebenfalls einen zunehmenden Verschleiß entwickeln (Facettenarthrose), so dass Schmerzen vor allem beim Stehen und Gehen auftreten.
Das Facettensyndrom
Facettengelenke bilden die gelenkigen Verbindungen der Wirbel und geben der Wirbelsäule gemeinsam mit den Bandscheiben sowohl Stabilität als auch Beweglichkeit. Die Gelenkkapsel der Facettengelenke enthält zahlreiche Schmerzrezeptoren, die im Falle einer Reizung ein Schmerzsignal an das Gehirn weiterleiten. Tief sitzende Rückenschmerzen sind typisch für das Facettensyndrom, die Schmerzen können aber auch gürtelförmig ausstrahlen oder in die Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur ziehen. Im Tagesverlauf verschlimmern sich häufig die Schmerzen, insbesondere bei längerem Stehen und Gehen, im Liegen werden sie hingegen besser.
Um herauszufinden, ob die Schmerzen von den Facettengelenken ausgelöst werden, kann der Arzt ein Schmerzmittel und ggf. eine geringe Menge Kortison in die kleinen Gelenke spritzen. Bewegung ist eine der wichtigsten Maßnahmen, sie sollte nur richtig dosiert und angeleitet werden. Die physiotherapeutische Behandlung zielt schwerpunktmäßig auf den Aufbau der Rumpfmuskulatur. Dabei ist die stufenweise Anpassung der Therapie an die Beschwerden zu beachten.
LWS-Syndrom (Lendenwirbelsäulensyndrom, Lumbalsyndrom)
Das LWS-Syndrom ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene, durch Störungen im Bereich der Lendenwirbelsäule hervorgerufene Beschwerden, allen voran Rückenschmerzen (sogenannte Kreuzschmerzen). Ein LWS-Syndrom kann sich über einen längeren Zeitraum entwickeln (chronisches LWS-Syndrom), hier sind verschleißbedingte Veränderungen an der Wirbelsäule sowie Muskelverspannungen und Fehlhaltungen die Hauptursachen. Beim akuten LWS-Syndrom kommen je nach Ursache und Ausmaß der Beschwerden Schmerzmitteln, Stufenbettlagerung zur Entlastung der Lendenwirbelsäule und Physiotherapie zum Einsatz.
Beim akuten LWS-Syndrom treten die Schmerzen plötzlich auf, oft sind ruckartige, alltägliche Bewegungen wie Bücken oder Heben der Auslöser. Der Volksmund nennt das LWS-Syndrom Hexenschuss, weil es neben den sehr starken Schmerzen oft zu extremen Bewegungseinschränkungen des Rückens kommt.
Diagnose von Rückenschmerzen
Bei der Diagnose von Rückenschmerzen ist eine gründliche orthopädische Untersuchung notwendig. Zunächst befragt der Arzt den Betroffenen (Anamnese), dann folgt die körperliche, orthopädische Untersuchung. Seltene und gefährliche Ursachen von Rückenschmerzen sollen so rechtzeitig erkannt werden. Dazu zählen beispielsweise eine Erweiterung der Hauptschlagader (Aortenaneurysma) oder eine Gürtelrose.
Bei der orthopädischen Untersuchung zur Beurteilung von Rückenschmerzen wird die Wirbelsäule von hinten und der Seite (Inspektion) begutachtet. Bei der orthopädischen Untersuchung festgestellte Veränderungen können auf eine Skoliose hinweisen, wobei kleinere Abweichungen von der Symmetrie normal sind. Beim Betrachten von der Seite zeigt sich, ob die Einwärtskrümmung (Lordose) beziehungsweise Auswärtskrümmung (Kyphose) der Wirbelsäule stärker als normal ist, also ein Hohlkreuz beziehungsweise Rundrücken vorliegt.
Zusätzlich untersucht er die Rückenmuskulatur, um verspannte oder schmerzhafte Muskelpartien aufzuspüren. Anschließend wird bei der orthopädischen Untersuchung zur Einschätzung von Rückenschmerzen die Beweglichkeit der Wirbelsäule getestet. Der Patient beugt sich nach rechts und links.
Weitere Tests sind:
- Schober-Test: Dies ist ein Funktionstest für die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule.
- Adams-Test: Beim Vorwärtsbeugen zeigt sich auch, ob der unter Rückenschmerzen leidende Patient an einer Skoliose leidet.
- Lasègue-Test: Der Patient liegt auf dem Rücken und der Arzt hebt dessen gestrecktes Bein um etwa 60 Grad an. Verspürt der Betroffene einen plötzlichen Schmerz im Bein, ist der Test positiv.
Behandlung von Rückenschmerzen
Je nach Beschwerden und nach abgeschlossener Diagnose werden verschiedene Behandlungen und Therapien angewendet. Im Rahmen einer Krankengymnastik (Bewegungstherapie, Physiotherapie) versucht man, falsche Bewegungsmuster zu reduzieren. Dabei werden Übungen durchgeführt, bei denen die Schäden des Bewegungsapparates gemindert werden. Wichtig ist hier vor allem, dass Sie als Patient selbst die verschiedenen Übungsformen erlernen und dann auch zu Hause in Eigenregie weiter betreiben.
Bei stärkeren Schmerzen können Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente wie Diclofenac oder Ibuprofen eingesetzt werden. In seltenen Fällen können auch invasivere Verfahren wie die Thermodenervation eingesetzt werden, ein kleiner Eingriff, bei dem der schmerzleitende Nerv mit einer erhitzten Nadel verödet wird.
Radfahren als Therapie und Prävention
Radfahren, Nordic Walking und Schwimmen sind Sportarten, die helfen, Rückenschmerzen zu vermeiden bzw. zu lindern. Bewegung ist eine der wichtigsten Maßnahmen, sie sollte nur richtig dosiert und angeleitet werden.
Die beste Möglichkeit zur Vorbeugung von Rückenschmerzen ist Bewegung. Benutzen Sie beispielsweise im Alltag statt des Aufzuges die Treppe. Lassen Sie das Auto für Aktivitäten, die sich in der Nähe befinden, einfach stehen. Erledigen Sie diese Wege zu Fuß. Gehen Sie spazieren.
Weitere Tipps zur Vorbeugung von Rückenschmerzen:
- Erlernen Sie wichtige Verhaltensregeln für die körperliche Bewältigung des Alltages beispielsweise in der Rückenschule und führen Sie diese Übungen auch zu Hause, somit in Eigenregie, kontinuierlich durch.
- Lockerungs- und Dehnungsübungen helfen, den Rücken zu entlasten und zu entspannen.
- Vermeiden Sie einseitige Belastungen.
- Tragen Sie Gewichte nur gleichmäßig verteilt, nicht einseitig.
- Verharren Sie nie länger als 30 min. in derselben Position.
- Tragen und heben Sie nicht mit gebeugtem, sondern mit geradem Rücken.
- Reduzieren Sie eventuell vorhandenes Übergewicht, denn auch dieses Gewicht belastet Ihren Rücken.
Umgang mit Rückenschmerzen beim Laufen
Auch beim Laufen können Rückenschmerzen auftreten. Hier sind einige Tipps, wie du Rückenschmerzen beim Laufen vermeiden kannst:
- Verbesserung deiner Laufhaltung: Die korrekte Lauftechnik ist für ein angenehmes, schmerzfreies Training sehr wichtig.
- Stärkung der Core-Muskeln: Eine starke Körpermitte bedeutet, dass deine Wirbelsäule weniger Kraft aufwenden muss, um dich aufrecht zu halten.
- Aufwärmen: Unabhängig von der zurückgelegten Strecke kannst du Verletzungen sehr wirksam vermeiden, indem du deinen Körper einige Minuten lang aufwärmst.
- Geeignetes Schuhwerk: Laufschuhe mit angemessener Dämpfung und Unterstützung absorbieren den Aufprall beim Auftreten.
- Schrittweise Erhöhung der Laufleistung und Intensität: Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Überanstrengung das Verletzungsrisiko von Läufer*innen erhöht.
- Cross-Training: Um Kreuzschmerzen zu vermeiden, ist Cross-Training sehr vorteilhaft.
- Höre auf deinen Körper: Wenn du beim Laufen Schmerzen im unteren Rückenbereich bemerkst, solltest du auf die Signale deines Körpers achten.
Zusammenfassung
Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Ursachen haben kann. Radfahren und andere Sportarten können sowohl zur Therapie als auch zur Vorbeugung von Rückenschmerzen eingesetzt werden. Wichtig ist, auf die Signale des Körpers zu hören und bei Bedarf einen Arzt aufzusuchen.
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