Radfahren bei Minusgraden: Tipps für sicheres und komfortables Fahren im Winter

Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad das ganze Jahr über, auch im Winter. Damit Nässe, Schnee oder Glätte Radfahrende nicht ins Schleudern bringen, gibt es einige wichtige Punkte zu beachten. Der ADFC gibt jede Menge Tipps zum Radfahren im Winter.

Die richtige Kleidung: Das Zwiebelprinzip

Die Kälte alleine ist für den Radler kein Problem, die zügige Fortbewegung in kalter Luft führt jedoch zum sogenannten Windchill-Effekt, der die Haut und damit den Körper bei Wind oder auf dem Rad deutlich stärker kühlt als bei Windstille. Der Windchill beschreibt die Differenz zwischen der Lufttemperatur und der gefühlten Temperatur in Bezug zur Windgeschwindigkeit. Schon bei 20 km/h werden aus 5°C Lufttemperatur 1,1°C, auf einer Abfahrt bei 30 km/h sogar nur 0,1°C.

Zwiebelschalen helfen zwar nicht gegen kalte Finger, aber das gleichnamige Bekleidungsprinzip ist das Mittel der Wahl, um der Kälte und vor allem dem Fahrtwind ein Schnippchen zu schlagen. Auf die Temperaturschwankungen im Herbst und Winter stellen sich Radfahrende am besten ein, indem sie mehrere dünne Schichten Kleidung tragen. So lässt sich eine Schicht ablegen oder mehr anziehen, je nachdem, wie das Kälteempfinden ist. Das sogenannte Zwiebelprinzip bringt Radfahrende gut durch den Winter.

Wird die Haut jedoch mit geeigneter Kleidung vor dem Wind geschützt, kann sich unmittelbar auf der Haut und in den Fasern der darüberliegenden Kleidung eine warme Luftschicht bilden, die den Körper isoliert und den Menschen Wärme empfinden lässt. Ideal ist deshalb eine feuchtigkeitsableitende Schicht auf der Haut, darüber je nach Temperatur eine oder zwei Isolationsschichten und zuletzt eine wind- und regendichte Lage. Bei trockenem Wetter kann auf die Regendichtigkeit verzichtet werden.

Zum Radfahren geeignete Radjacken weisen zudem unter den Armen oder im Rückenbereich atmungsaktive Einsätze auf. Regen- und Schneeschauer gehören zum Winter. Deshalb sollte eine Radjacke für jeden Tag zumindest wasserabweisend sein (z.B. Softshell). Das reicht bei Rädern mit Schutzblechen meist für 20 bis 30 Minuten Regenfahrt. Danach dringt Wasser ein. Wer länger oder ohne Schutzbleche unterwegs ist, sollte auf eine wasserdichte Jacke aus einer Klimamembran achten, damit es innendrin nicht zu feucht durch Schweiß wird. Materialien gelten allgemein ab einer Wassersäule von etwa 1500 mm als wasserdicht. Entscheidend sind allerdings auch die Nähte, die verschweißt oder verklebt sein sollten.

Eine leichte Isolationsschicht aus Primaloft oder ähnlichem Material an der Front, den Armen und Schultern vermindert den Wärmeverlust. Der Rücken liegt im Windschatten und darf weniger stark bzw. Die Passform der Jacke sollte nicht zu weit sein, damit sie nicht zu viel Luftwiderstand bietet. Sehr sportlich geschnittene Jacken werden bei einem dickeren Pullover oder Sweatshirt darunter schnell zu eng. Vorne ist die Jacke etwas kürzer geschnitten und hinten etwas länger, damit auch der untere Rücken bzw. Po noch warm und trocken bleiben.

Eine Winterradhose muss vor allem der feuchten Witterung standhalten und vor Regen schützen. Damit ist sie auch gleichzeitig winddicht und wärmt. Für Alltagsradler sollten die Überhosen etwas weiter sein, damit sie über der normalen Hose getragen werden können. Lange Reißverschlüsse an den Unterschenkeln ermöglichen ein problemloses Anziehen auch mit Winterstraßenschuhen. Im Gesäßbereich sollte das Material verstärkt sein, damit die Hose nicht zu schnell durchscheuert.

Handschuhe, Schuhe und weitere wichtige Ausrüstungsgegenstände

Unser Körper funktioniert wie eine Zentralheizung mit dem Herz als Wärmepumpe. Mit jedem Herzschlag pumpt das Herz warmes Blut in Kopf, Rumpf und Extremitäten. Der Körperkern bleibt dabei mit 37°C immer gleichwarm. Ist es kalt, drosselt der Körper die Durchblutung von Händen und Füßen, um Wärmeenergie zu sparen, indem die Blutgefäße enger gestellt werden. Ziel davon ist es, in Extremsituationen am Leben zu bleiben, auch wenn man ggf. einen Fuß verliert (Erfrierung). Das führt zu kalten Zehen und Fingern. Mit ca. 30°C sind warme Finger und Füße grundsätzlich kälter als der Körperkern. Sind sie so richtig kalt, weist die Hauttemperatur dort sogar nur 10°C auf. Erfrierungen gibt es erst dann, wenn die Hauttemperatur unter 0°C sinkt.

Beim Radfahren sind die Hände und Füße aufgrund der windexponierten Lage trotz körperlicher Aktivität besonders gefährdet, zu erkalten. Die Fütterung und ein dichter Neoprenschaft sorgen im Winter für warme und trockene Füße. Variable Klettverschlüsse lassen das weite Hosenbein radfahrtauglich straffen.

Effektive Handschuhe für den Winter, sind durch eine Membran winddicht, weisen eine ausreichende Isolationsschicht auf und halten die Wärme durch flauschiges Innengewebe nah an der Haut. Wer sehr schnell kalte Finger bekommt, sollte Fäustlinge oder sogenannte Lobster- bzw. Hummer-Handschuhe mit nur drei Fingern verwenden, kälteunempfindliche Radler kommen auch bei eisigen Temperaturen mit dünnen Windstopperhandschuhen aus.

Während Ötzi noch in Sandalen über die Südtiroler Gletscher marschierte, können Radfahrer heute auf ein umfangreiches Angebot an speziellen Schuhen oder Überschuhen für den Winter zurückgreifen. Winterradschuhe sind nur für Klickpedale wirklich geeignet. Die halbhohen Schuhe sind wasserdicht, weisen einen Neoprenschaft auf, der Dreck und Wasser abhalten soll und sind warm gefüttert.

Überschuhe werden über normalen Straßenschuhen oder Sportschuhen getragen. Damit das funktioniert, sollte man sie auf jeden Fall ausprobieren, denn ein Überschuh, der an der Ferse nicht zu schließen ist, kann nicht warm und trocken halten. Mit Überschuhen sollte man nicht zu viel gehen, es sei denn eine spezielle Gummisohle ist eingearbeitet. Damit der Regen nicht von der Hose in die Schuhe läuft, muss die Hose über dem Schuh getragen werden. Ein enger Gummizug kann ein Eindringen von Wasser meist nicht verhindern.

  • Funktionierende Beleuchtung sollte am Rad oder in der Tasche dabei sein.
  • Schlauchtücher, oft auch Buff-Tuch genannt, halten den Hals warm.
  • Handschuhe sind ein Muss, denn mit steifgefrorenen Fingern lassen sich Schalt- und Bremshebel nicht richtig bedienen.
  • Wasserdichte Handyhalterungen sind praktisch für alle, die das Smartphone als Navi nutzen.
  • Neopren-Schutzhüllen für die temperaturempfindlichen Elektrorad-Akkus.

Fahrradpflege im Winter

Schnee, Eis und Streusalz können Fahrrädern im Winter zusetzen. Für die Extraportion Fahrradpflege und Sicherheit hat der ADFC folgende Tipps:

  • Beleuchtung vor jeder Fahrt prüfen: Im Winter sind die Sichtverhältnisse oft schlecht, deshalb ist eine funktionierende Beleuchtung am Fahrrad unverzichtbar. Auch tagsüber ist es sinnvoll, mit eingeschaltetem Licht zu fahren - bei Nebel, Schneefall oder Regen sowieso.
  • Reflektoren am Fahrrad reinigen: Alle Reflektoren am Fahrrad sollten gelegentlich gereinigt werden, damit sie in der Dunkelheit auch reflektieren - das gilt nicht nur im Winter, aber dann besonders.
  • Fahrradketten regelmäßig ölen: Bewegliche Teile leiden besonders unter Streusalz. Fahrradketten können schnell Rost ansetzen. Nach der Fahrradfahrt Feuchtigkeit abwischen und regelmäßig Kette ölen.
  • Schneematsch und Feuchtigkeit abwischen: Wird das Fahrrad in warmen Innenräumen abgestellt, Schneematsch und Feuchtigkeit abwischen. Blanke Metallflächen können sonst schnell rosten. Das kann zu Schäden wie Speichenbrüchen führen.

Auch andere bewegliche Teile wie die Gelenke von Schaltwerken können einen Tropfen Öl im Winter gut vertragen. Ein Spritzschutzlappen schützt Fahrradketten ohne Kettenkasten vor Schmutz und Streusalz. Er verlängert das vordere Schutzblech nach unten. Macht im Winter zwar wenig Spaß, hilft aber enorm: Putzen. Eine Katzenwäsche mit warmem Wasser und einem Fahrradreiniger genügt, um den groben Dreck von Rahmen, Kette und Felgen zu entfernen.

Fahrsicherheit bei Schnee und Eis

Entgegen vielen Befürchtungen ist die Gefahr, an Infektionen der Atemwege beim Radeln im Winter zu erkranken nicht erhöht. Das gilt jedoch nicht für absolute Gelegenheitsradler, die einmal im Monat eine Tour machen und dann nach einem Regenguss prompt krank werden. Wer die Schleimhäute seiner Atemwege regelmäßig durch Temperaturwechselbäder (kalte Luft) trainiert und durch die Belastung befeuchtet, wird widerstandsfähiger gegenüber Erkältungen. Nach einem Bürotag sind die Schleimhäute oftmals ausgetrocknet und Keime vermehren sich ungehindert. Durch den Weg mit dem Rad nach Hause an der kalten Luft müssen die Schleimhäute durchblutet und befeuchtet werden. Auf ihnen befindliche Keime werden mit dem Schleim abtransportiert. Die körperliche Belastung regt zudem die Immunabwehr an und Erkältungen treten weniger häufig auf. Wichtig ist allerdings, dass der Körper nicht auskühlt.

Laub, Schneematsch, nasse oder glatte Fahrbahnen können Radfahrende ins Schleudern bringen. Über eine frische, mäßig dicke Schneedecke kann man noch ohne Schwierigkeiten fahren. Ist die Fahrbahn hingegen nass, mit glitschigen Blättern übersät oder überfriert die Nässe, kann das Rad ins Rutschen kommen.

  • Reifendruck für eine größere Auflagefläche etwas reduzieren. Den minimalen Reifendruck dabei nicht unterschreiten. Die Angaben stehen auf der Seitenflanke des Reifens.
  • Bei besonders schweren Bedingungen für kurze Strecken den Sattel etwas nach unten stellen, um leichter mit den Füßen den Boden erreichen zu können.
  • Ist der Untergrund rutschig oder glatt, in Kurven weder treten noch bremsen. Lässt sich das Bremsen nicht vermeiden, besser früh und maßvoll.
  • Sicherer ist Bremsen mit der Hinterradbremsen: Ein blockiertes Hinterrad ist leichter zu beherrschen als ein blockierendes Vorderrad.

Radwege werden immer als letztes geräumt. Deshalb muss man bei Schnee legal auf die Straße ausweichen oder mit grobem Profil durch den Schnee auf dem Radweg pflügen. Das geht bei Schneehöhen von bis zu 10 cm noch recht passabel, liegt mehr Schnee, wird es zum Kraftakt, da sich das Rad besonders bei nassem Schnee immer mehr zusetzt. Abgefahrene Reifen oder Pneus mit glattem Profil haben schon bei Puderzucker verloren. Topgrip hat man mit Spikes.

Sind die Sichtverhältnisse schlecht, die Fahrbahnen rutschig, schneit es oder ist es glatt, müssen alle Verkehrsteilnehmer:innen ihre Fahrweise anpassen: Tempo runter, Abstand rauf. Autofahrer:innen rät der ADFC, den Sicherheitsabstand beim Überholen von den vorgeschriebenen 1,50 Metern besser auf zwei Meter zu erhöhen, da Radfahrende Eis, Schnee oder Laub ausweichen müssen oder ins Rutschen kommen können.

Winterreifen und Spikes

Nein, es gibt keine Winterreifenpflicht für Fahrräder. Aber Winterreifen am Fahrrad sind für Menschen empfehlenswert, die das ganze Jahr Rad fahren. Winterreifen für Fahrräder haben spezielle Gummimischungen und Lammellenprofile, die für besseren Griff auf glattem Untergrund sorgen. Reifenprofile mit ausgeprägtem Stollenprofil sind auf unbefestigten Böden und bei feuchten Blättern hilfreich, bieten auf glatten Fahrbahnen aber keinen Vorteil.

Ja, im Gegensatz zu Autofahrenden dürfen Radfahrende Spikereifen benutzen, denn sie beschädigen die Straße nicht. Gerade auf vereisten Flächen bietet der Spikereifen Sicherheit: Die Metallstifte können sich auf der Lauffläche des Reifens oder leicht seitlich befinden. Sie drücken sich auf die vereisten Flächen oder in den festgefahrenen Schnee ein. Sitzen die Spikes eher seitlich, rollt der Reifen bei hohem Luftdruck leichter und die Metallstifte greifen vor allem in den Kurven. Lässt man die Luft etwas ab, greifen sie auch beim Geradeausfahren. Spikereifen sind keine Ganzjahresreifen: Generell laufen sie auf Asphalt schwerer als andere Reifen und machen zudem Abrollgeräusche.

E-Bike im Winter

Beim Anfahren mit E-Bike oder Pedelec kann das Hinterrad durch die schnelle Beschleunigung die Haftung verlieren und wegrutschen - daher beim Start die geringste Unterstützungsstufe wählen. Viele Pedelec-Antriebe reagieren zeitverzögert auf die Pedalbewegungen. Bei Eis, Schnee und Matsch muss man besonders auf diesen Zeitversatz gefasst sein.

Die Batterie ist jedoch eine empfindliche Komponente. Minusgrade führen dazu, dass Leistung und Reichweite sinken. Neopren-Akkuhüllen helfen: Sie halten länger warm und die Batterien entladen sich langsamer. Wenn das E-Bike länger steht, sollten Sie den Akku mit ins Warme nehmen, also ins Büro oder ins Zuhause. Generell gilt: Die Batterie des Fahrrads erst aufladen, wenn sie Zimmertemperatur erreicht hat. Ist sie zu kalt, lässt sie sich nicht vollständig laden. Darüber hinaus kann sich durch plötzlichen Temperaturwechsel Kondenswasser bilden. Und das kann zu Schäden führen.

Was tun bei ungeräumten Radwegen?

Städte und Gemeinden sind nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs verpflichtet, „verkehrswichtige“ innerorts zu räumen und zu streuen. Ist ein Radweg nicht gestreut oder geräumt, entfällt auch bei benutzungspflichtigen Radwegen die Benutzungspflicht. Radfahrende dürfen auf die geräumte Straße ausweichen.

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