Die Verengung des Wirbelkanals in der Lendenwirbelsäule hat in den letzten Jahren in der Wirbelsäulenchirurgie eine enorme Bedeutung erlangt.
Was ist Spinalkanalstenose?
Spinalkanalstenosen, also Verengungen im Wirbelkanal, zählen zu den gutartigen Alterserkrankungen.
Ursachen
Die lumbale Spinalkanalstenose ist eine schleichende Erkrankung. Durch Abnutzungsvorgänge kommt es zu einer Degeneration der Bandscheibe, zur Verdickung der Bandstrukturen an der Wirbelsäule und zur Arthrose der Wirbelgelenke.
In erster Linie tritt eine Spinalstenose mit zunehmendem Alter auf, bedingt durch natürliche Verschleißerscheinungen. Die Bandscheiben nutzen sich ab und können ihre Funktion als natürlicher Dämpfer nicht mehr in vollem Umfang wahrnehmen.
Dennoch kann zwischen einer angeborenen (primäre Spinalkanalstenose) und erworbenen (sekundäre Spinalkanalstenose) Verengung unterschieden werden.
Die angeborene Stenose ist aufgrund anatomischer Gegebenheiten durch eine Verengung des Rückenmarkskanals gekennzeichnet. Ist der Spinalkanal von Geburt an enger, kann dies Druck auf die Nerven des Rückenmarks ausüben und so zur Wirbelkanalstenose führen.
Eine sekundäre Spinalkanalverengung dagegen tritt häufig durch altersbedingte Ursachen auf wie Verschleiß, körperliche Belastungen, Übergewicht, Bandscheibenvorfall oder aufrechter Gang.
Eine Wirbelkanalverengung entsteht genaugenommen dadurch, dass die durch fortschreitendes Alter flacher und breiter gewordenen Bandscheiben die Bänder beeinträchtigen.
Diese Bänder stützen im Normalfall die kleinen Gelenke der jeweiligen Wirbel und haben bei einer Stenose keine große Spannung mehr. Dadurch können sich die Wirbelkörper mehr bewegen, was wiederum zu Knochenwucherungen in den kleinen Gelenken führt.
Das bewirkt eine Einengung des Spinalkanals und führt zu Druck auf die Nervenwurzeln.
Es kann sich aber auch um eine angeborene Spinalkanalverengung handeln. Bei einer erworbenen Wirbelkanalstenose / Spinalkanalstenose steckt meist ein Bandscheibenvorfall oder eine Wirbelgelenksarthrose dahinter.
Auch das sogenannte Wirbelgleiten kann ein Auslöser sein. Es handelt sich um eine Instabilität in bestimmten Bereichen der Wirbelsäule, was zu einem Abgleiten der Wirbel führt.
Symptome
Häufig klagen die Patienten über seit Jahren immer wieder auftretende Rückenschmerzen, die schließlich bei Belastung in die Beine ausstrahlen. Es kommt zu einer zunehmenden Verkürzung der schmerzfreien Gehstrecke, dann zu einer zunehmenden Verkürzung der Strecke, die der Patient ohne Pause zurücklegen kann.
Typischerweise können die Patienten nachts ruhig schlafen und oft auch problemlos Fahrradfahren.
Was für den Patienten erstaunlich ist, kann der Arzt gut auf Grund der Entstehung der Beschwerden erklären: Der Wirbelkanal wird weiter, wenn der Patient sich nach vorne beugt (Fahrradfahren, Gehen mit dem Gehwagen oder mit dem Einkaufswagen).
Schmerzen in den Beinen bei Belastung sind immer ein Warnsignal des Körpers, auf das man hören sollte.
Wie bei vielen anderen Erkrankungen auch, kann sich eine Spinalkanalstenose verschiedenartig äußern. Dabei können die Rückenschmerzen auch einen Bandscheibenvorfall bedeuten und keine Spinalstenose.
Rückenschmerzen, die beim Stehen oder Gehen zunehmen und bis in die Arme oder Beine strahlen, können auf eine Spinalkanalstenose hindeuten.
Je nach betroffenem Wirbelsäulenabschnitt treten unterschiedliche Symptome und Beschwerden einer Spinalkanalstenose auf. Am häufigsten tritt eine Verengung an der Lendenwirbelsäule auf.
Welche Beschwerden auftreten, hängt ebenfalls vom Fortschritt der Spinalkanalverengung ab.
Im Frühstadium können Kribbeln und Gefühle von Schwäche sowie Taubheit in den Beinen auftreten. Hinzukommen können Krämpfe in den Beinen, die das Gehen erschweren.
Häufig bemerkt man bei Betroffenen eine gebückte und nach vorne geneigte Haltung, die den engen Wirbelkanal etwas weitet und die Schmerzen lindert.
Bei einer Wirbelkanalverengung der Lendenwirbelsäule treten chronische Schmerzen im unteren Rücken auf, die in Gesäß und Beine ausstrahlen können.
Im Anfangsstadium sind die Schmerzen nur im Oberschenkel zu spüren, betreffen aber bald das komplette Bein. Ist die Spinalkanalstenose bereits weit vorangeschritten, können auch Blase und Darm in Mitleidenschaft gezogen werden.
Inkontinenz und der Kontrollverlust beim Stuhlgang können die Folge sein.
Diagnose
Um die Diagnose „Spinalkanalstenose“ stellen zu können, ist die Untersuchung mit einer Kernspintomographie (MRT) oder einer Computertomographie (CT) erforderlich. Durch Röntgenaufnahmen können knöcherne Veränderungen wie Wirbelbrüche oder manche Tumoren ausgeschlossen werden.
Bei etwa der Hälfte der Betroffenen konnte ein Gleitwirbel festgestellt werden. Die genaue Diagnose einer Spinalkanalstenose kann anhand bildgebender Verfahren gestellt werden.
Dazu zählen Röntgenaufnahmen, die Kernspintomografie (MRT) sowie die Computertomografie (CT). Zu Beginn einer jeden Diagnose wird allerdings zunächst ein Anamnesegespräch mit der Patientin bzw. dem Patienten geführt.
Anhand der Angaben der Betroffenen und einer körperlichen Untersuchung erhalten Ärztinnen und Ärzte bereits ein ungefähres Bild der Erkrankung.
Welches Ausmaß vorliegt und an welchen Stellen sich eine Spinalkanalverengung befindet, kann mit einer Kernspintomografie abgeklärt werden. Diese Form des bildgebenden Verfahrens macht die Bandscheiben, die Nervenwurzeln und somit eine Spinalkanalstenose sichtbar.
Ist eine Kernspintomografie nicht machbar, z. B. wenn die Patientin bzw. der Patient einen Herzschrittmacher in sich trägt, kann eine Computertomografie durchgeführt werden.
Eine Wirbelkanalstenose diagnostizieren wir anhand einer Kombination von medizinischer Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren wie MRT oder CT.
Behandlungsmöglichkeiten
In der Regel reichen konservative und schmerzlindernde Behandlungen aus, um die Erkrankung die sich in Rücken- und Beinschmerzen sowie Gehbeeinträchtigung zeigt, auf einem Niveau zu halten, mit dem Betroffene leben können.
Bei nur geringen Beschwerden, die Sie nicht wesentlich behindern ist es vor allem wichtig, weiter aktiv zu bleiben. Dabei ist Bewegung die beste Therapie.
Wichtig sind vor allem regelmäßige Spaziergänge, Wirbelsäulengymnastik (in der Gruppe, im Sportverein, o.ä.) und Abbau des Übergewichtes.
Konservative Behandlung
Sofern keine hochgradige Spinalkanalstenose vorliegt, reicht in der Regel eine konservative Therapie aus. Diese umfasst Maßnahmen wie Physiotherapie, Aufbautraining der Muskeln, Wärmebehandlungen und Massagen sowie ergänzend die Einnahme von Medikamenten.
Die konservative Therapie einer Einengung des Spinalkanals kann nicht die Ursache beheben, sondern hat das Ziel, die Beschwerden zu lindern.
Dafür erhalten Betroffene zunächst schmerzlindernde Medikamente. Hinzu kommen krankengymnastische oder wärmende Behandlungen oder Massagen.
Zur Behandlung Ihrer Spinalstenose setzen wir zunächst auf die konservative Therapie mit physikalischen Maßnahmen und begleitender Schmerzbehandlung.
Auch ein spezielles Korsett kann helfen, indem es die Wirbelsäule entlastet und die Schmerzen senkt.
Eine weitere Möglichkeit ist die Infiltrationstherapie des Wirbelkanals.
Methoden der konservativen Behandlung
- Medikamentöse Behandlung: Medikamente lindern Schmerzen bei einem verengten Spinalkanal und verhindern die Verkrampfung der Muskulatur, die die Wirbelsäule unterstützt. Bei besonders starken Schmerzen kann eine entzündungshemmende Spritze mit Kortison und Betäubungsmittel direkt in der schmerzenden Nervenwurzel angewandt werden.
- Entspannungsübungen: Bei einer Spinalkanalstenose ist es wichtig, die Wirbelsäule zu entlasten. Dies können Betroffene mit einer Stufenlagerung der Beine erreichen. Dabei legen sie sich flach auf den Rücken, ohne dass ein Hohlkreuz entsteht und platzieren die Beine auf eine Erhöhung, sodass sie einen rechten Winkel bilden.
- Massagen und Wärmebehandlungen: Ergänzend zur Physiotherapie können Massagen und Wärmebehandlungen angewandt werden. Sie schaffen vorübergehende Linderung, entspannen die Muskulatur, verbessern die Durchblutung und senken den Schmerz.
- Physiotherapie: Bei der Physiotherapie wird die Rücken- und Bauchmuskulatur trainiert, um den Rücken zu stabilisieren und die Lendenwirbelsäule zu entlasten. Dadurch soll das Hohlkreuz minimiert und der Spinalkanal geweitet werden.
Minimal-invasive Behandlungsmethoden
Diese kann durch verschiedene Methoden wie Facettenblockaden und -denervierungen (z.B. Kryotherapie oder Radiofrequenztherapie) und Wurzelblockaden (PRT) unterstützt werden.
Infrage kommen bei dieser Erkrankung auch diverse minimal invasive Behandlungsmethoden. Bei der Radiofrequenz-Thermoläsion können die Nerven gezielt durch Wärme ausgeschaltet werden. Gleiches funktioniert auch mit Kälte und zwar im Rahmen einer sogenannten Kryodenervation.
- Facetten-Therapie: Wirbelgelenke werden auch als Facettengelenke bezeichnet, was den Namen dieser Therapieform erklärt. Bei der Facetten-Therapie handelt es sich um eine CT-gestützte Art der Schmerztherapie.
- Nervenwurzelbehandlung: Die peridakuläre Therapie erfolgt ebenfalls mittels BV-Steuerung.
Operative Behandlung
Sollte die Spinalkanalstenose nicht mit konservativen oder minimal-invasiven Behandlungsmethoden therapiert werden können, ist eine OP unausweichlich.
Im Vordergrund steht bei dieser Erkrankung die Lebensqualität. Wenn die Schmerzen, manchmal auch die Schwäche in den Beinen, den Patienten an der Bewegung hindern, ist eine Operation erforderlich.
Auch für Patienten die in jüngeren Jahren an Wirbelkanalstenose erkranken und sich erheblich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen, kann eine Operation sinnvoll sein.
Bei einer Operation werden Verengungen im Wirbelkanal chirurgisch entfernt.
Bei der operativen Therapie einer Spinalkanalstenose wird der Wirbelkanal erweitert (Dekompression). Welche Operationstechnik gewählt wird, hängt vom Abschnitt der betroffenen Wirbelsäule ab.
In der Regel wird eine Operation minimal-invasiv mit dem sogenannten Schlüsselloch-Verfahren durchgeführt. Eine Operation an der Lendenwirbelsäule erfolgt über den Rücken.
Auch bei der Spinalkanalstenose ist man heute bemüht, die Operation möglichst über einen kleinen Hautschnitt durchzuführen. Deshalb werden sog. Laminektomien nur noch selten durchgeführt.
Meistens ist es ausreichend, den Wirbelkanal von einer Seite zu eröffnen und auf beiden Seiten Platz zu schaffen, indem verdickte Bänder und Knochen abgetragen werden. In der Neurochirurgie werden diese Operationen immer unter dem Operations-Mikroskop (Mikrochirurgie) und nach dem Schlüsselloch-Prinzip durchgeführt.
Ihr Wirbelsäulenchirurg wird anhand der bildgebenden Untersuchungen (Kernspintomographie, Computertomographie, Röntgen) auch entscheiden, ob diese minimal invasiven Methoden ausreichend sind.
Eine minimal-invasive, mikrochirurgische Operation entfernt bei einer Spinalkanalstenose das überschüssige Gewebe und befreit die eingeengten Nerven (Dekompression). Bei diesem Operationsverfahren ist eine sofortige Wirkung mit niedrigem Komplikationsrisiko zu sehen.
Nach der Operation
Nach der Operation einer Spinalkanalstenose ist nur eine kurze Bettruhe am Tag der Operation erforderlich. Bereits am ersten Tag nach der Operation dürfen und sollen die Patienten aufstehen.
Über das Verhalten nach Operation einer Spinalkanalstenose informiert Sie die Broschüre „Patienteninformation zur Operation einer Spinalkanalstenose“.
Während des stationären Aufenthaltes wird die Nachbehandlung (ambulante oder stationäre Rehabilitationsbehandlung) geplant und beantragt.
Weitere Maßnahmen
Eine Spinalkanalstenose kann sich im Gegensatz zu einem Bandscheibenvorfall nicht zurückbilden. Die knöcherne Verengung des Spinalkanals lässt sich ebenso wenig rückgängig machen.
Im eigentlichen Sinne ist dies nicht möglich, aber es gibt bestimmte Verhaltensmuster, welche Ihre Wirbelsäule dauerhaft gesünder machen.
Vermeiden Sie Fehlhaltungen, welche zu Schäden im Bereich des Rückens führen können.
Bei einer Spinalkanalstenose sollten Sie Aktivitäten, Körperhaltungen oder Bewegungen vermeiden, die zu einer zusätzlichen Belastung der Wirbelsäule führen können. Dazu zählen z. B. längeres Sitzen oder Stehen, das Heben schwerer Gewichte und das Formen eines Hohlkreuzes.
Radfahren und Spinalkanalstenose
Typischerweise können die Patienten nachts ruhig schlafen und oft auch problemlos Fahrradfahren.
Was für den Patienten erstaunlich ist, kann der Arzt gut auf Grund der Entstehung der Beschwerden erklären: Der Wirbelkanal wird weiter, wenn der Patient sich nach vorne beugt (Fahrradfahren, Gehen mit dem Gehwagen oder mit dem Einkaufswagen).
Der wichtigste Grundsatz für ein Leben mit Spinalkanalstenose aber ist: Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung. Dabei ist fast jede sportliche Betätigung, die mit einer leichten Rumpfvorneigung einhergeht, bestens geeignet.
Dazu zählt in erster Linie das Radfahren. „Viele Patienten wissen aus Erfahrung, dass sie manchmal kaum laufen aber stundenlang Radfahren können“, bekräftigt Dr. Pippan.
Ausreichend Bewegung ist wichtig, wobei gerade Radfahren sehr gut ist, um Ihre Wirbelsäule in Bewegung zu halten.
Bei Aktivitäten, bei denen die Wirbelsäule auseinandergestreckt wird - also z.B. beim Radfahren - bekommt der Wirbelkanal mehr Raum und verursacht so weniger Schmerzen.
Flottes Spazierengehen, schnelles Gehen auf einem Laufband oder Bergaufgehen sind oft weiterhin gut möglich, weil sich der Oberkörper dabei automatisch nach vorne neigt.
Fahrradfahren ist bei einer Spinalkanalstenose sehr gut geeignet, weil man sich dabei nach vorne beugt. Und es kann zur Fitness beitragen - ob draußen oder zu Hause auf einem Heimtrainer.
Weitere Informationen
Die Kliniken der St. Augustinus Gruppe bieten eine umfassende und spezialisierte Behandlung einer Spinalkanalverengung, die durch allumfassende und modernste Therapien hervorsticht.
Im Fachbereich Wirbelsäulentherapie arbeiten spezialisierte Ärztinnen und Ärzte sowie Physiotherapeutinnen und -therapeuten eng zusammen, um Betroffenen zu helfen, die Wirbelsäulenmuskulatur zu stärken und die Wirbelsäule zu entlasten.
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