Radfahren bei Wind: Tipps und Tricks für eine sichere Fahrt

Wind kann für Radfahrer eine echte Herausforderung darstellen. Er kann ausbremsen, aus der Bahn werfen und bei niedrigen Temperaturen auskühlen. Kurzum, er kann zur Belastung und sogar zur Gefahr werden. Doch mit den richtigen Tipps und Tricks lässt sich der Wind bezwingen und die Freude am Radfahren erhalten.

Wie entsteht Wind?

Das Gasgemisch auf unserer Erdoberfläche (unsere Luft) hat auf Meereshöhe bei 20 °C eine Dichte von rund 1,2 kg/m³. Verantwortlich für diese Dichte ist der Luftdruck, den die Gewichtskraft der darüber befindlichen Luftsäule erzeugt. Aber die Luftdichte ist auch abhängig von der Temperatur. Mit steigender Temperatur bewegen sich die Luftmoleküle intensiver und benötigen mehr Raum. Die Luftdichte sinkt dementsprechend. Durch die Wetterdynamik (Hochdruck- und Tiefdruckgebiete, Kalt- und Warmfronten, usw.) geraten diese oben beschriebenen Luftmassen immer mehr oder weniger stark in Bewegung. Je nach Temperatur und Höhe erzeugt dieser Wind dabei geringfügig mehr oder weniger viel Flächendruck. Und mit zunehmender Geschwindigkeit entfaltet dieser Flächendruck eine enorme Zerstörungskraft, wie uns der Schadensbericht nach Extremwetter-Ereignissen immer wieder vor Augen führt. Denn Luft ist zwar nur ein Gasgemisch, aber sie hat eben eine Masse: 1,x kg/m³.

Als Maß für die Windstärke existiert nach wie vor die Skala nach Beaufort [Bft], eine Einteilung in 12 Stufen.

Windstärken und ihre Auswirkungen

Es gibt keine pauschale Empfehlung, bis zu welcher Windstärke man sich als Radfahrer noch sicher bewegen kann. Hier möge jeder nach seinen Fähigkeiten und Erfahrungen selber entscheiden, was er für sich noch als zumutbar gelten lässt. Unter routinierten Radfahrern gilt ein Gegenwind von 6 Bft als die Grenze des Erträglichen.

Fast den selben Bremseffekt hat Wind von schräg vorne.

Wind zählt zu den größten Herausforderungen für Radfahrer. Er kann dich ausbremsen, aus der Bahn werfen, bei niedrigen Temperaturen auskühlen, … kurz: er kann zur Belastung und sogar zur Gefahr werden.

Und natürlich ist Gegenwind auch in anderer Hinsicht unangenehm: Kälte / Frieren, Staub oder andere Partikel, die durch die Luft fliegen, tränende Augen, deutlich erhöhter Kontakt mit Insekten.

Neben dem Gegenwind gibt es auch noch andere Windarten, die beim Radfahren gefährlich werden können:

  • Seitenwind: Besonders tückisch ist beim Radfahren oder E-Bike-Fahren Seitenwind. Vor allem, wenn er in Böen auftrifft. Er wirft dich leicht aus der Bahn und du hast deine liebe Mühe, das Gleichgewicht zu halten, weil Zweiräder als einspurige Fahrzeuge eben kippen können. Äußerst gefährlich kann es dann werden, wenn du durch plötzliche Seitenwindböen in den benachbarten Verkehr gedrückt wirst. Tritt der Seitenwind nicht böig auf, musst du dennoch aufpassen.
  • Fallwinde: Eine weitere Besonderheit sind Fallwinde. Sie treten im Windschatten höherer Berge auf und entfalten einen gewaltigen Winddruck. Auch einem aufziehenden Gewitter eilen nicht selten kräftige Fallböen voraus. Diese Fallwinde haben Sturm-Charakter und können dich ebenfalls mächtig aus der Bahn werfen.

Sturmwarnungen, zum Beispiel vom Deutschen Wetterdienst (externer Link), solltest du ernst nehmen. Denn Sturm bedeutet: Astbruch, umknickende Baumstämme, fliegende Dachziegel, hohe Sturzgefahr, nicht selten auch Starkregen mit Überschwemmungsgefahr und weitere Gefahren für Leib und Leben. Bleibe an solchen Tagen besser zu Hause oder steige auf andere Verkehrsmittel um.

Tipps für das Radfahren bei Wind

Mit dem Wind im Rücken läuft beim Radfahren alles viel besser. Umgekehrt kann dich der permanente Kampf gegen den Wind zermürben. Das gilt vor allem an Küsten und auf weiten Ebenen. Es ist also sinnvoll, bekannte Windsysteme bei der Routenplanung zu berücksichtigen. Für viele Regionen gibt es hierzu verlässliche Angaben. So ist zum Beispiel bekannt, dass der Mistral in der französischen Provence immer aus Nordwest weht. Natürlich solltest du zusätzlich die Windvorhersage für die betreffende Region im Auge behalten. Hierfür gibt es spezielle Apps.

Ist Gegenwind unvermeidbar, solltest du weite Ebenen meiden und dafür besser auf Routen durch dicht besiedelte oder bewaldete Flächen zurückgreifen. Dort herrscht weniger starker Winddruck. Denke bei Tagesausflügen oder Rundwegen auch an die Windverhältnisse auf der Rückfahrt. Gegen den Wind benötigst du deutlich mehr Zeit und Kraft. Es ist also sicherer, sich den Rückenwind für die Rückfahrt aufzuheben. Plane auch immer genügend Zeitreserve ein, wenn du terminlich gebunden bist.

Wind wirbelt Staub auf. Und dieser Staub ist Gift für die Kette an deinem Fahrrad oder E-Bike. Er bleibt im Schmiermittel an der Kette kleben und wirkt wie Schmirgel. Nach windigen Tagen solltest du die Kette also häufiger reinigen und schmieren, sonst steigt der Kettenverschleiß extrem an. Sorge auch immer für einen kippstabilen Stand, wenn du dein Fahrrad oder E-Bike abstellst. Sonst wirft eine kräftige Windböe am Ende dein Gefährt um, was nicht selten empfindliche Schäden nach sich zieht.

Hier sind einige weitere Tipps, die Ihnen helfen, mit dem Wind fertig zu werden:

  1. Planen Sie Ihre Fahrt im Voraus: Vermeiden Sie so weit wie möglich offene Felder, auf denen der Wind freie Bahn hat. Sie können auch die Windrichtung berücksichtigen, so dass Sie nicht gegen den Wind radeln müssen.
  2. Stellen Sie sicher, dass Ihr Fahrrad gut gewartet ist: Achten Sie zum Beispiel darauf, dass Ihre Fahrradreifen richtig aufgepumpt sind, damit Sie nicht mit weichen Reifen fahren. Weiche Reifen verursachen mehr Widerstand beim Radfahren.
  3. Angemessene Kleidung: Wählen Sie warme Kleidung, denn es kann sehr kalt werden, wenn Sie gegen den Wind fahren. Achten Sie darauf, dass die Kleidung eng anliegt und nicht zu sehr herumflattert.
  4. Vorsicht vor Sturmböen: Eine Windböe kann Ihren Lenker erschüttern und Sie aus dem Gleichgewicht bringen. Seien Sie sich dessen bewusst und achten Sie darauf, dass Sie beim Radfahren aufmerksam bleiben.
  5. Benutzen Sie die Gänge, wenn Sie gegen den Wind fahren: Fahren Sie nicht unnötig in einem schweren Gang, da dies zusätzliche Energie kostet. Es ist besser, einen niedrigeren Gang mit weniger Widerstand zu wählen.
  6. Benutzen Sie keinen Regenschirm im Regen: Dies kann zu sehr gefährlichen Situationen führen, vor allem wenn es windig ist. Ein Regenschirm kann vom Wind erfasst werden und man kann das Gleichgewicht verlieren.

Ausrüstung für windige Tage

Die richtige Ausrüstung kann Ihnen helfen, den Wind besser zu bewältigen:

  • Eng anliegende Kleidung: Ein enganliegendes Trikot kann sehr hilfreich sein, bei starkem Wind keine unnötige Energie zu verschwenden. Vermeiden Sie Kleidung, welche sich gegen den Wind wölbt.
  • Schmale Felgen: Bei starkem Wind sollten Sie Ihre breiten Felgen gegen einen Laufradsatz mit schmalen Felgen tauschen. Vor allem bei starkem böigen Wind und Seitenwind bringen breite Felgen mehr Gefahren als Vorteile.
  • Fahrradwinterreifen mit Spikes: Bei Glätte fährt der Radprofi mit speziellen Fahrradwinterreifen mit Spikes. Aber auch schon kleinere Maßnahmen verhindern einen Sturz: Fahr langsamer und halte mehr Abstand. Außerdem empfiehlt es sich, den Sattel ein wenig tiefer zu stellen. So kannst du schneller absteigen. Bei tieferem Schnee kannst du den Reifendruck leicht verringern - aber nur auf den Mindestdruck, der steht auf der Reifenflanke.

Fahrtwind und seine Auswirkungen

Den Fahrtwind nehmen wir mit zunehmender Geschwindigkeit vor allem als ohrenbetäubenden Lärm wahr. Denn der Schalldruckpegel der Luftverwirbelungen an unseren Ohren steigt proportional zur sechsten! Potenz der Strömungsgeschwindigkeit. Mit zunehmender Geschwindigkeit wird der Fahrtwind auch zur Belastung für unsere Augen. Die Augenschleimhäute werden gereizt und mit dem Wind gelangen Staubpartikel, Insekten, Pollen und andere Fremdkörper ins Auge.

Daneben bewirkt der Fahrtwind Reibung. Unsere Haare werden durchgewirbelt, luftige Kleidung flattert und eine halboffene Jacke bläst sich auf, wie ein Segel. All das geht zulasten einer guten Aerodynamik.

Des Weiteren sorgt der an der Haut vorbeistreifende Fahrtwind dafür, dass der Schweiß zeitig verdunstet. Bei angenehmen Temperaturen steigert das die Behaglichkeit beim Radfahren. Doch bei kalter Luft wird es schnell unangenehm: Die „empfundene“ Lufttemperatur ist niedriger, als die „tatsächliche“ Lufttemperatur (Windchill). Denn die vorbeiziehende Luftströmung entzieht der Haut die Wärme (Konvektion). Die Folge: Wir kühlen schneller aus. So fühlt sich beispielsweise - 5 °C kalte Luft bei 20 km/h wie - 12 °C an. Gegen diesen Windchill hilft vor allem die passende Wärmeschutz-Kleidung.

Aerodynamik und Windschatten

Der Luftwiderstand steigt im Quadrat zur Geschwindigkeit und proportional zur Größe der Silhouette, die wir der Luft entgegensetzen. Je schneller du also radeln willst, desto wichtiger wird deine Aerodynamik. Darüber hinaus solltest du nicht mit Gewalt gegen den Wind ankämpfen. Reduziere bewusst deine Reisegeschwindigkeit und nutze niedrige Gänge bei höherer Trittfrequenz.

Um dem Luftwiderstand beim Radfahren zu entgehen, kannst du auch den Windschatten deines Radelpartners nutzen. Allerdings unterschreitest du damit zwangsläufig den Sicherheitsabstand zu deinem Vordermann, was bei abrupten Bremsmanövern oder bei stark wechselndem Tempo schnell zu Unfällen führen kann. Nutze das Windschatten-Fahren also nur in enger Absprache mit deinem/deinen Partner/n und vereinbart akustische Signale für die Kommunikation im Ernstfall.

Radfahren in der Gruppe

Jeder, der schon mit einer Gruppe unterwegs war, weiß, dass man so vom Wind sehr gut geschützt werden kann. Keiner mag einen, der nur am Hinterrad des Vordermannes sitzt und sich durch den Wind ziehen lässt. Es gehört beim Radfahren zum guten Ton und ist ein ungeschriebener Verhaltenskodex, dass jeder in der Gruppe an die Reihe kommt, die Nase in den Wind zu stecken. Bei einem sauber ausgeführten belgischen Kreis kommst du in einer Gruppe auch bei starkem Wind gut und relativ kräfteschonen vorwärts. Wie lange du vorne fährst kommt auf die Windstärke und die individuelle Leistungsfähigkeit an.

Die richtige Einstellung

Es ist nicht immer der sogenannte Gegenwind, welcher Ihnen das Radfahren erschwert, sondern oftmals ist es schlichtweg der Fahrtwind, welcher Ihnen zu schaffen macht. Dies liegt lediglich daran, dass Sie durch Ihr Radeln die Luftteilchen in Bewegung setzen, welche sich demnach in die von Ihrer Fahrtrichtung entgegengesetzte Richtung bewegen. Dies nennt man auch „Aerodynamik“. Im Grunde bewegen Sie sich beim Radfahren schneller, als die Luft es zu dem gleichen Augenblick macht und es entsteht der sogenannte Fahrtwind. Demnach heißt es einen kühlen Kopf bewahren und versuchen die gesamte Situation etwas positiver zu sehen.

Entscheidend ist es, dass Sie sich nicht ärgern, sobald Sie der Gegenwind erfasst. Gönnen Sie sich die Pausen, die Sie benötigen, um mit neu gewonnener Energie in Ihre nächste Etappe zu starten. Stärken Sie sich mit reichlich Wasser und einem Snack, bevor Sie sich erneut auf den Sattel schwingen.

Beispielhafte Beaufortskala

Die Beaufortskala ist eine empirische Skala zur Einteilung der Windstärke, basierend auf der Beobachtung der Auswirkungen des Windes, hauptsächlich auf See oder an Land.

Beaufort-Zahl Bezeichnung Windgeschwindigkeit (km/h) Auswirkungen an Land
0 Windstill < 1 Rauch steigt senkrecht auf
1 Leiser Zug 1 - 5 Rauchdrift erkennbar, Windrichtung spürbar
2 Leichte Brise 6 - 11 Blätter rascheln, Wind im Gesicht spürbar
3 Schwache Brise 12 - 19 Blätter und dünne Zweige bewegen sich, Wimpel werden gestreckt
4 Mäßige Brise 20 - 28 Hebt Staub und loses Papier, kleine Zweige bewegen sich
5 Frische Brise 29 - 38 Kleine Laubbäume beginnen zu schwanken
6 Starker Wind 39 - 49 Dicke Äste bewegen sich, Regenschirme sind schwer zu halten
7 Steifer Wind 50 - 61 Ganze Bäume bewegen sich, es ist beschwerlich gegen den Wind zu gehen
8 Stürmischer Wind 62 - 74 Zweige brechen von Bäumen
9 Sturm 75 - 88 Leichte Schäden an Häusern (z.B. Dachziegel werden abgedeckt)
10 Schwerer Sturm 89 - 102 Bäume werden entwurzelt, erhebliche Schäden an Häusern
11 Orkanartiger Sturm 103 - 117 Schwere Verwüstungen
12 Orkan > 117 Äußerst schwere Verwüstungen

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