Im vergangenen Herbst wurde bei mir ein Wirbelgleiten zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel festgestellt. Seitdem mache ich zweimal wöchentlich Physiotherapie und habe dabei meine Rückenmuskulatur nach Meinung der Therapeuten optimal ausgebildet. Mein Orthopäde meinte, ich könne wieder fahren, aber nach 25 Kilometern fingen die Schmerzen wieder an. Auch auf dem Mountainbike ging es nicht besser. Was kann ich noch tun?
Wirbelgleiten, auch bekannt als Spondylolisthesis, ist eine Erkrankung, bei der sich ein oder mehrere Wirbelkörper, meist im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule, gegeneinander verschieben. Dabei gleitet der obere Wirbel über den unteren nach vorne. Röntgen- und Kernspintomographieaufnahmen der Wirbelsäule zeigen Spondylolisthesis meist deutlich, helfen uns dabei, die Ausprägung dieser einzuschätzen und die für Sie bestmögliche Therapie auszuwählen. Diese Untersuchungen führen wir in unserer interdisziplinären Praxisgemeinschaft noch am selben Tag durch und ersparen Ihnen somit weitere Folgetermine.
Ursachen von Wirbelgleiten
Wirbelgleiten kann unterschiedlichste Ursachen haben.
- Anlagebedingte Wirbelfehlbildung: Ursache des ‚echten Wirbelgleitens‘, der sogenannten Spondylolisthesis vera, ist entweder eine anlagebedingte Wirbelfehlbildung der unteren Lendenwirbelsäule und des oberen Kreuzbeins bei der dysplastischen Form.
- Verletzung des knöchernen Übergangs: Auch eine im Kindes- oder Jugendalter erworbene Verletzung des knöchernen Übergangs zwischen Wirbelbogen und Wirbelkörper, meist des 5. Lendenwirbels, kann bei der isthmischen Form Ursache sein.
- Degenerative Prozesse: Nicht selten entsteht es im Zuge von Verschleißprozessen im mittleren bis höheren Lebensalter.
- Sportliche Überlastung: Durch eine ständige Überbeanspruchung der Wirbelsäule im Kindes-/Jugendalter, mit starkem Überstrecken nach hinten, wie etwa im Leistungssport, kann die isthmische Spondylolisthese ausgelöst werden.
- Weitere Ursachen: Deutlich seltener sind Verletzungen, Entzündungen oder Tumore Auslöser eines gleitenden Wirbels.
Die Vorstufe des Wirbelgleitens, also die Spondylolyse (Spalt im Wirbelbogen), entsteht häufig bei bestimmten Sportarten, bei denen die Wirbelsäule stark gestreckt wird. Dazu zählen unter anderem Geräteturnen, Trampolinspringen, Stabhochsprung oder auch Wurfdisziplinen.
Symptome von Wirbelgleiten
Anfangs verursacht die Spondylolisthesis Bewegungsschmerzen, in seltenen Fällen kann es im fortgeschrittenen Stadium zu einer Einklemmung oder Dehnung von Nerven im Spinalkanal und somit zu Gefühlsstörungen oder Lähmungen kommen.
- Die Spaltbildung verläuft meist ohne Schmerzen, es können allenfalls unspezifische Rückenschmerzen auftreten.
- Auch das Wirbelgleiten kann sich schleichend entwickeln und anfänglich ohne Symptome für die Betroffenen entwickeln.
- Bei einer Spondylolisthesis leidet der Patient unter bewegungs- und belastungsabhängigen Schmerzen im Rücken.
- Zum Teil finden sich auch neurologische Symptome bei höheren Graden des Gleitwirbels, weil es dann zur zunehmenden Einengung der Nervenwurzeln kommt.
- Es ist außerdem möglich, dass es durch das Wirbelgleiten zu ausstrahlenden Schmerzen kommt, je nach betroffenem Wirbelsäulenbereich in Hüfte und Beine bzw. Nacken, Schulter und Arme.
Diagnose von Wirbelgleiten
Die Diagnosestellung beginnt mit der Erfragung von Krankengeschichte (Anamnese) und Risikofaktoren. Wichtig sind vor allem Vorerkrankungen, Verletzungen und das familiäre Auftreten von Wirbelsäulenerkrankungen. In der klinischen Untersuchung inspiziert der Rückenspezialist den Rücken von außen und achtet dabei auf eine mögliche Stufenbildung der Wirbelsäule. Wichtig sind zudem die allgemeine Körperhaltung und der Stand des Beckens. Außerdem untersucht der Arzt die Nervenfunktion des Patienten und überprüft Sensibilität, Motorik und Reflexe. Dafür stehen ihm verschiedene Funktionstests zur Verfügung.
Weiterhin wichtig für die Diagnose und anschließende Behandlung sind bildgebende Verfahren. Das Röntgenbild zeigt Verschiebungen einzelner Wirbelkörper gegeneinander.
Klassifikation nach Meyerding
Die Einteilung der Spondylolisthesis erfolgt anhand der Klassifikation nach Meyerding. Dafür wird der Grad der Abweichung eines Wirbelkörpers zum darunterliegenden Wirbel beurteilt.
Die Spondylolisthesis wird in 5 Schweregrade nach Meyerding eingeteilt:
- Grad 1: 0 - 25 %
- Grad 2: 25 - 50 %
- Grad 3: 50 - 75 %
- Grad 4: > 75 %
Behandlung von Wirbelgleiten
Ziel der Therapie des Wirbelgleitens ist die Beseitigung oder Reduktion von Schmerzen und von neurologischen Ausfallerscheinungen.
Die Behandlung der Spondylolisthesis erfolgt in den meisten Fällen konservativ. Der Gleitvorgang kann spontan in jedem Stadium zum Stillstand kommen.
Konservative Behandlung
Vor der Entscheidung zu einer konservativen, also nicht-operativen Behandlung muss eindeutig geklärt sein, dass sich durch eine unmittelbare operative Therapie kein besseres Ergebnis erzielen lässt. Bei erst- bis zweitgradiger, isthmischer Spondylolisthese erfolgt zunächst eine bedarfsgerechte, konservative, also nicht-operative Behandlung.
Zur konservativen Behandlung gehören:
- Vermeidung sich wiederholender Überstreckungs-, Beuge- und Rotationsbelastungen der Wirbelsäule
- Physiotherapie mit Anleitung zu rumpfstabilisierenden, dem Hohlkreuz entgegenwirkenden Eigenübungen in Verbindung mit physikalischen Maßnahmen und vorübergehender Reduktion der sportlichen Aktivität
- Gewichtskontrolle
- Ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes
- In der akuten Phase entzündungshemmende, schmerzstillende, muskelentspannende Medikation
- Lokales Spritzen mit Lokalanästhetikum und ggf. Kortison, ggf.
Operative Behandlung
Operativ steht die Versteifungsoperation (Spondylodese) bei Wirbelgleiten im Vordergrund. Dieser Eingriff erfordert eine individuell zugeschnittene Lösung. Dabei bestehen je nach Art und Ausprägung des Wirbelgleitens, Alter und Aktivität des Patienten, Zustand der Bandscheibe und der angrenzenden Wirbelkörper ganz unterschiedliche Ansätze.
Die Wahl des operativen Verfahrens hängt ebenfalls von der Form und dem Ausmaß der Spondylolisthese ab. Bei der angeborenen/anlagebedingten oder früh erworbenen Spondylolisthese sind meist nur die Nervenaustrittkanäle verengt, der Wirbelkanal aber eher weiter als normal.
Das Ziel der Operation ist die dauerhafte Wiederherstellung eines harmonischen seitlichen Profils, also der natürlichen Krümmung der Wirbelsäule, mit Beseitigung sämtlicher Wirbelkanal- und Nervenengpässe. Dabei wird eine Versteifung des Bewegungssegments durchgeführt.
Bei der isthmischen Spondylolisthese wird der abgerutschte Wirbelkörper nach abgeschlossener mikrochirurgischer Freilegung und Entlastung der eingeengten Nervenwurzeln mittels eines Titan-Schrauben-Stab-Systems soweit als möglich in seine ursprüngliche Position gebracht. Die beschädigte Bandscheibe wird entfernt und der Zwischenwirbelraum durch einen sogenannten Cage, meist auch aus Titan, wiederhergestellt.
Nach der Operation
Die/der Patient:in kann nach der Operation direkt aufstehen. Nach einer Schonphase von sechs bis acht Wochen werden physiotherapeutische Maßnahmen zur Rumpfstabilisierung eingeleitet. Zudem sollte darauf geachtet werden, nicht tief zu sitzen.
Konkret heißt das: Die Oberschenkel sollten leicht abfallend und die Knie im Sitzen nie höher als das Gesäß sein. Ergometertraining, Schwimmen und Wassergymnastik sind nach zwei, Radfahren nach vier Monaten wieder möglich.
Je nach Alter ist nach sechs bis zwölf Monaten von einer weitgehend wiederhergestellten Belastungsfähigkeit der Wirbelsäule auszugehen.
Radfahren bei Wirbelgleiten: Was ist zu beachten?
Die Frage, ob Radfahren bei Wirbelgleiten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Schwere der Erkrankung, der individuellen Symptome und der Art des Fahrrads.
Herr Alquiza, ist Radfahren gut für den Rücken? Es ist gut für den Rücken, zumindest ist es nicht rückenschädlich. Man muss natürlich auf einiges achten: die Sitzposition, die richtige Größe des Fahrrads und welches Fahrrad man überhaupt fährt. Rückenkranken empfehlen wir generell voll gefederte Fahrräder. Die Federungen fangen axiale Stöße ab. Wir wissen, dass dadurch die Kräfte, die bei Stößen auf den Rücken wirken, um 30 bis 40 Prozent reduziert werden. Und dann muss man den Rücken über die richtige Sitzposition entsprechend entlasten.
Die richtige Sitzposition
Die ideale Sitzposition hat man heutzutage auf einem Trecking- oder City-Rad. Bei ihnen liegt der Körperschwerpunkt auf Höhe der Pedallinie. Der Oberkörper ist dann leicht nach vorn geneigt, so um die 15 bis 20 Grad. Sie sollten dann eine Sitzposition einnehmen, bei der der Winkel zwischen Oberkörper und Armen bei etwa 90 Grad liegt. Dann wird der Rücken am wenigsten belastet.
Viele Leute empfinden es als besonders bequem, auf einem klassischen Hollandrad zu fahren und besonders aufrecht zu sitzen. Diese Sitzposition ist nicht ideal. Wenn die Wirbelsäule zu gerade ist, werden die axialen Stöße direkt weitergeleitet. Zudem liegt der Körperschwerpunkt dann hinter der Pedallinie, und damit verlieren Sie an Energie. Sie haben keine perfekte Kraftübertragung auf die Pedale. Das verleitet zu Ausgleichbewegungen, die wiederum dem Rücken schaden.
Sattelhöhe und Lenker
Die Sitzhöhe ist immens wichtig. Ein zu hoch eingestellter Sattel belastet die Wirbelsäule. Ein zu niedriger zieht die Kniegelenke in Mitleidenschaft.
Beim tiefsten Punkt der Pedale darf das Bein nicht ganz durchgestreckt sein. Und Sie müssen darauf achten, dass das Becken sich nicht mitbewegt. Wenn jemand aus dem Becken arbeiten muss, um unten an die Pedale zu kommen, ist der Sattel zu hoch.
Die Lenkerhöhe ist dann richtig, wenn dein Oberkörper zwischen 15 und 20 Grad nach vorne geneigt ist. So wird deine Rücken- und Bauchmuskulatur beim Fahren angespannt und trainiert. Auch für Arme und Hände ist diese Lenkerhöhe am schonendsten. Der Abstand zwischen Lenker und Sattel ist ideal, wenn deine Arme leicht angewinkelt bleiben. Die Lenkerbreite sollte der Schulterbreite entsprechen.
Weitere Tipps für ein rückenschonendes Radfahren
- Wählen Sie eher einen niedrigen Gang und eine höhere Umdrehungszahl der Pedale.
- Vermeiden Sie hohe Gänge, bei denen Sie unheimlich viel Kraft brauchen.
- Achten Sie auf ein vollgefedertes Fahrrad, um Stöße abzufangen.
- Machen Sie regelmäßige Pausen.
- Starten Sie mit kleineren Etappen und steigern Sie die Distanz langsam.
- Ergänzen Sie das Radfahren mit Rumpftraining, um die Rückenmuskulatur zu stärken.
Häufige Fehler vermeiden
- Eine zu aufrechte Sitzhaltung wie auf dem Hollandrad kann sich nachteilig auf deine Wirbelsäule auswirken.
- Wenn du wie ein Stock auf deinem Fahrrad sitzt, können deine Muskeln die Stöße auf holprigen Wegen nicht gut abfangen.
- Dein körpereigenes Federsystem funktioniert in dieser Position nicht richtig.
Verwandte Beiträge:
- Wadenkrämpfe beim Radfahren: Ursachen, Vorbeugung & Behandlung
- Schlafende Zehen beim Radfahren? Ursachen & Lösungen
- Ironman Radzeiten: Optimierung & Strategien für die perfekte Performance
- Radfahren auf Dugi Otok: Die schönsten Routen & Tipps
- Laufrad 30 cm Sattelhöhe: Richtige Einstellung & Kaufberatung
- Die Ultimative Übersicht: Die Beliebtesten Fahrradtypen für Erwachsene Entdeckt!
Kommentar schreiben