Radfahren und Wassereinlagerungen in den Beinen: Ursachen, Auswirkungen und Prävention

Wassereinlagerungen in den Beinen sind ein häufiges Problem bei Radfahrern, insbesondere nach längeren oder intensiven Anstrengungen. Philipp Gauckler von der Innsbrucker Universitätsklinik für Nephrologie und Hypertensiologie hat sich intensiv mit diesem Phänomen auseinandergesetzt und erklärt die Hintergründe.

Ursachen von Wassereinlagerungen beim Radfahren

Bei Wärme dehnen sich die Blutgefäße im Körper aus. Die Blutzirkulation verlangsamt sich, die Venen verlieren an Elastizität.

Meistgelesene Artikel123TOUR: Was ist aus medizinischer Sicht das Risiko?Gauckler: Was das für potenzielle gesundheitliche Konsequenzen haben kann, können wir mit dieser Studie nicht beantworten. Dass sich Wasser im Gewebe ablagert und man Schwellungen bekommt, ist ziemlich reversibel und nicht gefährlich.

Es gibt verschiedene Faktoren, die zu Wassereinlagerungen in den Beinen beim Radfahren beitragen können:

  • Langes Stehen oder Sitzen: Sind unsere unteren Extremitäten durch langes Stehen oder Sitzen einer einseitigen Belastung ausgesetzt, staut sich das Blut in den Beinvenen. Es sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe an, welche geschwollene Beine verursacht.
  • Hitze: Im Sommer sind die Beschwerden oftmals häufiger und schlimmer, da sich die Venen bei Wärme ausdehnen und so noch mehr Flüssigkeit in das Gewebe austreten kann.
  • Überanstrengung: Nach stärkeren Anstrengungen können Wassereinlagerungen auftreten.
  • Herz-Kreislauf-System: Eine Ursache könnte eine Herzmuskelschwäche sein, die auch latent ohne sichtbare Krankheitszeichen vorhanden sein kann. Durch ungenügende Pumpleistung staut sich das zurückfließende Blut vor der rechten Herzkammer.
  • Nierenfunktion: Eine andere mögliche Ursache: ungenügende Funktion der Nieren, sodass nicht mehr genügend Flüssigkeit ausgeschieden wird.
  • Venenfunktion: Auch die Beinvenen kommen als Ursache infrage: Schließen deren Venenklappen nicht mehr richtig, staut sich das Blut oder fließt sogar zurück - wiederum gelangt Wasser ins Gewebe.
  • Übermäßige Flüssigkeitsaufnahme: Letzte denkbare Ursache ist, wenn man zu viel mineralarme Flüssigkeit trinkt: Das kann die Leistungsfähigkeit der Nieren übersteigen.

Ultracycling Studie zu Wassereinlagerungen

Philipp Gauckler und Andreas Kronbichler - beide Nierenfachärzte - luden 13 Ultraradfahrer und -fahrerinnen aus ganz Europa nach Innsbruck ein. Die Sportler wurden während einer mehrtägigen Rennrad-Tour mit selbstgewählter Streckenlänge von durchschnittlich 1.205 Kilometern und knapp 20.000 Höhenmetern untersucht.

Man hat gesehen, dass bei den 13 Teilnehmenden Zeichen von einer Volumenüberladung oder Überwässerung erkennbar waren. Man hat gesehen, dass das Gesamtkörperwasser deutlich zugenommen hat, dass das Plasmavolumen, also das Blutvolumen, deutlich zugenommen hat. Man sieht, dass die Körperumfänge an gewissen Körperteilen deutlich zugenommen haben.

Die fünf weiblichen und acht männlichen Probanden der Ultracycling Studie wurden nach einer umfangreichen Basisdiagnostik vor dem Start am vierten Tag einer Zwischenanalyse unterzogen und in der Erholungsphase sowie zum Abschluss zwölf bis 24 Stunden nach ihrer Ankunft untersucht.

„Dafür kooperierten wir mit dem Tiroler Start-up Ionsent Technologies Gmbh (vormals UriSalt GmbH), das den Teilnehmern mobile Geräte zur Verfügung stellte, mit denen der Elektrolythaushalt durch eine einfache Urinprobe selbst analysiert werden konnte. Mittels der eigens für die Studie zugeschnittenen Mobil-App des Innsbrucker IT-Unternehmens web-crossing GmbH wurden die Messwerte direkt synchronisiert“, beschreibt Studienleiter Gauckler den innovativen Ansatz der Studie.

Risiken und Auswirkungen

Was aber sicherlich eine gewisse Konsequenz haben wird, je nachdem wieviel Jahre man das betreibt, wie extrem, wie häufig man solche Rennen macht, sind die Auswirkungen aufs Herz-Kreislauf-System. Das ist ein Thema, das schon bekannt ist bei Ausdauersportlern: dass die ab einem gewissen Extrem häufiger Herzerkrankungen haben.

Weil wir auch die Herzbelastungszeichen gesehen haben: dass Blutmarker für die Herzbelastung ansteigen und auch im Herzultraschall hatten wir gesehen, dass die Herzkammern vor allem vom rechten Herzen gedehnt wurden.

Weitere Faktoren

Allein die Tatsache, dass man bei der Tour de France keine geschwollenen Augenlieder oder Beine sieht, ist ein Hinweis. In unserer Studie haben wir nach 12 Stunden Regeneration gesehen, dass sich manche Sachen schon ganz gut zurückgebildet haben.

Wahrscheinlich braucht es einfach genügend Regeneration. Ich habe den Eindruck, dass beim Ultracycling mit jedem Tag noch etwas oben drauf gesetzt wird.

Tipps zur Vorbeugung und Behandlung

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Radfahrer ergreifen können, um Wassereinlagerungen in den Beinen vorzubeugen oder zu behandeln:

  • Bewegung: Gerade Hitze verleite viele dazu, sich nicht zu bewegen, um nicht zusätzlich ins Schwitzen zu geraten. Bei Schreibtischarbeit hilft es schon, öfter zwischendurch aufzustehen und umherzulaufen.
  • Beine hochlegen: Legt man die Beine hoch, kann angestaute Flüssigkeit gut abfließen. Perfekt ist ein Wechsel aus Hochlegen und Bewegung.
  • Kalte Anwendungen: René Gräber empfiehlt ein bis zweimal am Tag einen kalten Unterschenkelguss, der zu den Kneipp-Anwendungen zählt.
  • Ausreichend trinken: Auch wer viel trinkt, macht es dem Blut leichter, durch den Körper zu zirkulieren. Ideal sind Mineralwasser und Kräutertees. Auf Alkohol verzichtet man besser.
  • Ernährung: Verzichten Sie auf schwere und kalorienreiche Mahlzeiten, das belastet bei Hitze den Körper unnötig - und damit auch Beine und Füße.
  • Barfuß laufen: Öfter am Tag mal die Schuhe ausziehen und barfuß laufen, rät René Gräber.
  • Stützstrümpfe: Wenn gar nichts hilft, können Stützstrümpfe ein gutes - wenn auch nicht unbedingt bequemes - Mittel sein.
  • Sport: Bewegung im Wasser unterstützt sehr effizient Ihr Lymphsystem, steigert gleichzeitig Ihre Fitness und ist der einzige Sport, den Sie ohne Kompressionsstrümpfe ausüben können. Moderate Sportarten wie Walken, Radfahren oder Schwimmen helfen bei Wasser in den Beinen.
  • Wassertreten: Beim Wassertreten gehen Sie barfuß langsam durch kaltes Wasser, wobei immer ein Bein im Wasser ist, während das andere gehoben wird.
  • Lymphdrainage: Lymphdrainagen verringern Wasser in den Beinen, indem sie durch sanfte, kreisende Bewegungen entlang der Lymphbahnen die Flüssigkeit zu den Lymphknoten (z.B. in der Leiste) leiten, um sie dann über das Lymphsystem abzutransportieren.
  • Regeneration: Lieber gut regenerieren zwischen den Etappen, das wird nicht schaden.

Sportarten bei Lymphödem

Generell eignen sich gelenkschonende Sportarten bei Lymphödem. Dazu gehören Schwimmen und andere Bewegungsmöglichkeiten im Wasser wie Aquajogging und Aquacycling. Sportarten im Wasser haben noch einen praktischen Nebeneffekt: Der Wasserdruck sorgt dafür, dass Lymphe aus dem Gewebe abfließen kann. Yoga, Walken und Fahrradfahren sind Alternativen fürs Trockene.

Nordic Walking

Diese haben nicht nur die Aufgabe, dir Halt zu geben und deine Arme aktiv in die Bewegung einzubinden - gleichzeitig bieten sie spürbare Entlastung für deine Sprunggelenke, Knie und die Wirbelsäule. Auf der Tartanbahn oder weichen Waldböden läuft es sich übrigens besonders angenehm.

Crosstrainer

Der Crosstrainer erweist sich als geeignetes Fitnessgerät für ein gelenkschonendes Ausdauertraining, das viele Muskelgruppen im Körper beansprucht. Vorteilhaft sind vor allem die sanften, kontrollierten Bewegungsabläufe ohne Stoßbelastungen, wie du sie zum Beispiel beim Joggen in Kauf nehmen musst.

Trampolin-Workout

Ein Trampolin-Workout zeichnet sich durch den ständigen Wechsel von Schwerelosigkeit und sanftem Druck auf deine Beine aus. Das kontinuierliche Schwingen auf dem Trampolin soll dazu beitragen, den Lymphabfluss zu fördern, wobei auch die Stimulation tiefliegender Lymphbahnen möglich ist.

Schwimmen

Schon nach wenigen Minuten profitierst du von einem guten Herz-Kreislauf-Training, das viele Kalorien verbrennt, deine Muskulatur stärkt und deine Ausdauer verbessert. Durch den hydrostatischen Druck, den das Wasser ausübt, erhöht die Bewegung im Wasser zusätzlich den Lymphabfluss. In Folge wird das Gewebe entstaut, Schwellungen klingen ab und Druckschmerzen können deutlich gelindert werden.

Yoga

Bei der typischen Yoga-Atmung kommt es zu regelmäßigen Druckveränderungen in deinem Körper, die sich natürlich auch auf deine Lymphgefäße auswirken. Ähnlich wie beim Tragen der Kompressionsversorgung kann dadurch der Abtransport der Lymphflüssigkeit angeregt werden.

Wann zum Arzt?

Wer regelmäßig dicke Beine und Füße hat, sollte einen Arzt aufsuchen. Selbiges gilt, wenn zu geschwollenen Beinen weitere Symptome einer Venenschwäche hinzukommen, wie Schweregefühl, Juckreiz und Kribbeln, Besenreiser oder sogar Krampfadern.

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