Taubheitsgefühle im Damm und in der Genitalregion sind bei Radfahrern, die längere Strecken zurücklegen, sehr häufig. Männer wie Frauen berichten über entsprechende Missempfindungen. Bei Männern besteht jedoch die Gefahr, dass sich der Druck auf den Damm auch auf Fruchtbarkeit und Potenz auswirkt.
Ursachen für Taubheitsgefühle im Genitalbereich
Wenn die Strecke steiler wird, leidet das Gefühl. Plötzlich spürt der Radfahrer nichts mehr, der Unterleib bleibt taub und reglos. Der kontinuierliche Druck im Schritt und das Hin- und Herrutschen auf dem Sattel können empfindliche Körperregionen in Mitleidenschaft ziehen - besonders bei der Bergauffahrt.
Die Hauptursache ist Druck. Ein Druck, der Nerven und Blutgefäße quetschen kann. Es entsteht ein Kribbeln, dessen wohl berüchtigtste Form Taubheitsgefühle im Genitalbereich sein dürften. Dieses Phänomen kommt unter Mountainbikern recht häufig vor, je nach Studie sind zwischen 50 bis 91 Prozent der radelnden Männer sowie etwas mehr als 47 Prozent der Frauen betroffen.
Wenn sich der Schritt bei Radfahrern trotz aller Vorsichtsmaßnahmen taub anfühlt und Potenzstörungen drohen, kann das verschiedene Ursachen haben: Entweder geraten die Penis und Hodensack versorgenden Nerven - besonders der Nervus pudendus - unter Druck. Häufiger ist der Sauerstoffanteil im Blut vermindert, weil eine Schlagader, die Arteria pudenda interna, zwischen dem knöchernen Sitzbeinhöcker oder dem Schambein und dem Fahrradsattel abgeklemmt wird.
Nerv wie Arterie verlaufen unter den Gesäßmuskeln auf den Damm und den Penis zu. Sie können vom Sattel gegen die Knochen gedrückt werden, wenn das Körpergewicht beim Radfahren auf diesem Bereich lastet.
Die Auswirkungen von Druck auf die Genitalien
Dadurch kann es sogar zum Umbau der Schwellkörper kommen. Die Zusammensetzung des erektilen Organs ist von der Sauerstoffmenge im Blut abhängig. Für eine gute Erektion sollte das Verhältnis von Bindegewebe zu glatter Muskulatur im Penis 50 zu 50 betragen. Fehlt es dem Blut an Sauerstoff, wird mehr Bindegewebe aufgebaut und Muskelgewebe abgebaut. Durch diese Fibrosierung wird die Erektion mittelfristig schlechter.
Achtung! Spezielle Nerven, Fasern und Gefäße im Dammbereich des Mannes sind für die Erektion verantwortlich. Werden diese über einen längeren Zeitraum wiederholt schlecht durchblutet oder komprimiert, kann es zu einer Verminderung der sexuellen Leistungsfähigkeit führen. Vorsicht! Das Problem kann chronisch werden. Taubheitsgefühle sind ein Alarmzeichen!
Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Sportler generell seltener an erektiler Dysfunktion (e.D.) leiden als Nichtsportler. Ergebnisse mehrerer Studien lassen annehmen, dass ca. 6% - 10% aller Männer zwischen 30 und 50 Jahren unter moderater bis schwerer e.D. leiden. Eine sehr aussagekräftige Studie unter Sportlern hat ergeben, dass 1,1% der Läufer an moderater bis schwerer e.D. leiden, 2% der Schwimmer und 4,2% bei den Radfahrern.
Erektile Dysfunktion bei Sportlern (Studie)
| Sportart | Anteil der Sportler mit moderater bis schwerer e.D. |
|---|---|
| Läufer | 1,1% |
| Schwimmer | 2% |
| Radfahrer | 4,2% |
Davon ausgehend, dass die positiven Effekte des Radfahrens mindestens mit denen des Laufens vergleichbar sind, ergibt sich für 3,1% der Radfahrer anstatt einer Verbesserung eine Verschlechterung bis in den kritischen Bereich. Es muss aber nicht immer gleich zum schlimmsten kommen, die sexuelle Leistungsfähigkeit steigt und sinkt wie z.B. auch die Muskelkraft oder Ausdauerleistung. Mit steigenden Alter nimmt sie allerdings überproportional ab.
Trotzdem wird unter Hobbyradlern die Taubheit im Sattel kontrovers diskutiert. Die einen fürchten dauerhafte Schäden für Fruchtbarkeit und Manneskraft, wenn ihnen das Gefühl für den Unterleib abhanden kommt. Die anderen erhoffen sich stimulierende Effekte von der regelmäßigen Sattelmassage, etwa weil sie annehmen, dass dadurch der Samenerguss verzögert wird.
Was kann man gegen Taubheitsgefühle tun?
Wer auf seinen Körper hört, kann die Gefahren soweit minimieren, dass die positiven Effekte durch das Radtraining überwiegen. Es macht also Sinn Sport zu treiben insbesondere Rad zu fahren, dabei aber auf den anatomisch korrekten Sattel zu achten.
Viele Symptome lassen sich schon durch kleine Anpassungen, wie ein leichtes Nach-vorn-Kippen der Sattelnase, regelmäßige Pausen oder häufigeres Fahren im Wiegetritt kurzfristig lindern oder ganz verhindern. Bleiben Beschwerden dennoch bestehen, sei jedoch ein Besuch beim Facharzt, der gegebenenfalls medizinische Schritte einleitet, oder einem Bikefitter, der sich Sitzposition und Sattel anschaut, angeraten. Ergonomische Sättel mit Aussparungen oder geteilten Sitzflächen können dazu beitragen, den Druck auf empfindliche Stellen zu minimieren.
Bei Taubheitsgefühlen im Fuß ist die Lösung naheliegend. Alle unsere Winsole-Modelle verfügen über Quergewölbestützen und ermöglichen durch den Carbonkern eine optimale Sauerstoffversorgung im Vorfuß. Dank den verbauten Dämpfungselementen lassen sich darüber hinaus das Brennen und Taubheitsgefühle an den Fußsohlen vermeiden.
Sattelwahl und -einstellung
Als einer der drei Kontaktpunkte zwischen Fahrrad und Fahrer ist der Sattel natürlich elementar für eine bequeme Sitzposition. Da jeder Radfahrer ein anderes Gesäß hat, sollte man sich hier genügend Zeit nehmen oder eine professionelle Beratung in Anspruch nehmen. Um den richtigen Sattel zu finden, wird in der Regel der Abstand zwischen den Sitzbeinhöckern gemessen. Dies geschieht meist mit einer einfachen Wellpappe, auf die man sich setzt.
Je nach Abstand der Sitzknochen wird nun die Sattelbreite ausgewählt. Außerdem sollte der Sattel zum eigenen Dammbereich passen. Drückt der Sattel nämlich auf diesen Bereich, können empfindliche Nerven gequetscht werden. Dadurch wird die Blutzirkulation im Intimbereich unterbrochen, bis die Genitalien „einschlafen“ können. Passiert dies sehr häufig, kann es zu Funktionseinschränkungen kommen - und das will niemand. Abhilfe schaffen speziell geformte Sättel mit Einkerbungen oder Stufen (z.B. Ergon oder SQLab).
Ist der passende Sattel gefunden, geht es an die richtige Einstellung. Der Sattel sollte waagerecht oder leicht nach vorne geneigt montiert werden. Bei Fullys ist Vorsicht geboten: Durch die Federung fährt man ein Fully meist im Sag-Bereich. Der Sattel muss also im unbelasteten Zustand entsprechend nach vorne geneigt sein, damit er im gefederten Zustand waagerecht steht. Wird der Sattel nicht nach vorne geneigt, steht er nach oben.
Hier gilt eine sehr einfache Regel. Der Winkel, in dem das Becken stehen soll, darf nicht zu "flach" werden, d.h. nicht zu weit nach "vorne" in Richtung Lenker abkippen. Passiert das trotzdem, erfährt der Damm erhöhten Druck und es steht nur noch ein kleiner Teil des Sitzbeins zur Gewichtsablastung zur Verfügung. Erhöhter Druck im Dammbereich resultiert in der Belastung der oben genannten Nervenbahnen. Ergebnis sind genau die Taubheitsgefühle über die wir hier sprechen.
Sättel sind nicht dafür gemacht, dass man sitzt, wo es einem beliebt. Jeder Sattel hat eine klar umrissene Zone, die für gutes Sitzen gemacht ist. In der vereinfachten Satteldarstellung kannst Du erkennen, dass sich diese Zone grob im hinteren Drittel des Sattels befindet. Dort hast Du die größte Auflagefläche, das ist sehr wichtig. Sitzt Du nun zu weit vorne, nimmst Du Dir nicht nur wertvolle Fläche zur Gewichtsablastung, sondern läufst zudem Gefahr, dass Du mit der knöchernen Sitzstruktur im Becken keinen Gegenhalt auf dem Sattel findest.
Weitere Tipps zur Vermeidung von Taubheitsgefühlen
- Regelmäßige Pausen einlegen und im Stehen fahren.
- Gepolsterte Fahrradbekleidung tragen.
- Auf eine korrekte Fahrradeinstellung achten.
- Bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt oder Bikefitter aufsuchen.
Radfahren fördert die Ausdauer, schont die Gelenke und ist als Breitensport für fast jeden geeignet. Gerade für Übergewichtige ist Radfahren als Ausgleichssport zu empfehlen, weil Bänder, Sehnen und Gelenke nicht überlastet werden.
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