Ist Radfahren gesund für die Knie?

Wir wollen es nicht unnötig spannend machen: Ja, Fahrrad fahren ist gut für die Knie. In unserem Beitrag erfährst du die Gründe dafür. Zudem gehen wir darauf ein, ob, beziehungsweise wann man bei Knieschmerzen radeln kann.

Radfahren als Low-Impact-Sport

Als sogenannter Low-Impact-Sport belastet Radfahren die großen Gelenke nur wenig. Zu Letzteren gehören neben der Hüfte und dem Fuß auch das Knie.

Im ersten Moment erscheint es ein wenig komisch, dass Fahrrad fahren das Kniegelenk schonen soll, schließlich muss man doch Kraft auf die Pedale übertragen. Es gibt aber noch weitere Gründe, warum Fahrrad fahren gut für die Knie ist: Durch die mehr oder weniger gleichförmige Bewegung in einer „festen Bahn“ können sie nicht so leicht verdrehen.

Die Kombination aus moderater Belastung und gleichmäßiger Bewegung führt dazu, dass Kniegelenk und -knorpel besser mit Nährstoffen versorgt werden. Gesundes Knorpelgewebe ist nicht von Blutgefäßen durchzogen, sondern muss durch die Gelenkflüssigkeit mit Nährstoffen versorgt werden.

Radfahren bei Knieschmerzen - ja oder nein?

Dass Fahrrad fahren gut für die Knie ist, wirft natürlich sofort die Frage auf, ob man dann auch bei vorhandenen Knieschmerzen radeln kann oder vielleicht sogar sollte. Pauschal lässt sich das aber nicht beantworten.

Wer unter einer chronischen Gelenkerkrankung wie Kniearthrose leidet und dadurch häufig starke Schmerzen hat, kann davon profitieren, regelmäßig Fahrrad zu fahren. Allerdings kann die kreisförmige, regelmäßige Beinbewegung beim Radfahren dafür sorgen, dass die Gelenkknorpel besser durchblutet werden.

So bildet sich mehr Gelenkflüssigkeit, die als „Schmiere“ zwischen den Gelenkflächen fungiert. Wichtig: kleine Gänge mit hoher Übersetzung wählen!

Wenn eine akute Verletzung für die Schmerzen verantwortlich zeichnet, verzichtest du besser erst einmal auf das Fahrradfahren. Doch nach ein paar Wochen ist es oft schon möglich, mit leichtem Radeln auf einem Ergometer zu beginnen - vorausgesetzt, dass du dein Knie ausreichend beugen kannst und dabei keine Beschwerden hast.

Wichtig: Radfahren bei Knieschmerzen, von denen du nicht weißt, wodurch sie verursacht werden, ist mehr als fahrlässig. Lass dich untersuchen und dein Rad vorerst lieber in der Garage!

Wann kann man trotz Knieschmerzen beruhigt Rad fahren?

Dr. John Hinson, orthopädischer Chirurg am Palm Beach Orthopedic Institute in Florida, empfiehlt den meisten seiner Patient:innen Rad zu fahren, auch wenn sie bereits Knieprobleme haben. "Eine Erkrankung, mit der ich Patient:innen das Radfahren erlaube, ist leichte bis mittelschwere Arthritis", sagt er. "Diese Patient:innen können vom Radfahren profitieren, da es eine Aktivität mit geringer Belastung ist, mit der sie beweglicher werden und ihre Oberschenkel und Beine stärken können."

Wann du auf das Radfahren verzichten solltest

Es gibt einige Erkrankungen und Knieverletzungen, bei denen Hinson dringend vom Radfahren abrät. Du solltest das Radfahren auch einschränken, wenn du dabei ungewöhnlich starke Schmerzen hast, fügt er hinzu. Fata-Chan empfiehlt, Bike-Workouts zu vermeiden, wenn das Knie geschwollen ist oder die Schmerzen so stark sind, dass du nicht normal gehen kannst.

Ergometer oder Radfahren im Freien: Was ist besser bei Knieschmerzen?

Wenn du gerade erst mit dem Radfahren anfängst und herausfinden möchtest, wie sich deine Knie während des Trainings anfühlen, ist ein stationäres Fahrrad vielleicht sicherer. Der größte Vorteil? Du musst nicht durch felsiges Gelände oder über unebene Straßen fahren, sagt Fata-Chan und fügt hinzu, dass beim Indoor Cycling eine vorhersehbare Belastung auf den Körper ausgeübt wird.

Ein weiterer Vorteil des Indoor Cyclings auf einem stationären Bike ist, dass du die volle Kontrolle über Dauer und Intensität deines Workouts hast, so Hinson. Du kannst den Widerstand und die Art des Workouts auf einem Indoor-Bike relativ einfach anpassen.

Wenn du ein Fahrrad besitzt, das richtig auf deine Körpergröße abgestimmt und gut gewartet ist, "kann eine gut geplante Route für Radfahrer:innen mit Knieschmerzen eine sichere und angenehme Erfahrung sein."

Was sind die Vorteile des Radfahrens mit Knieschmerzen?

Laut Expert:innen hat Cycling mehrere Vorteile, insbesondere wenn du versuchst, deine Knie zu regenerieren.

  1. Bessere Durchblutung der Gelenke: Laut Fata-Chan trägt die zyklische Natur des Radfahrens dazu bei, das Kniegelenk zu komprimieren und zu dekomprimieren, was die Beweglichkeit steigern und Beschwerden reduzieren kann.
  2. Den Bewegungsradius fördern: Wenn du dein Knie durch diese Drehung drückst, wird Gelenkflüssigkeit produziert, die das Knie schmiert und dämpft, sodass es nicht steif wird.
  3. Kraft im Unterkörper aufbauen: Sportarten mit geringer Belastung wie Radfahren können helfen, die Muskeln um das Knie herum zu stärken, was wiederum die Gelenke schont, so Hinson.
  4. Arthrosesymptome lindern: Eine Studie aus dem Jahr 2015, die im Journal of Rheumatology veröffentlicht wurde, legt nahe, dass 45 Minuten Radfahren an drei Tagen in der Woche mit moderater Intensität Gelenkschmerzen und -steifheit deutlich reduzieren und die Käftigung bei Menschen mit Arthrose fördern kann.

Sicher Rad fahren bei Knieschmerzen

  • Steigere dich schrittweise: "Beginne mit einer niedrigeren Intensität und Dauer und steigere dein Programm mit der Zeit", sagt Hinson.
  • Stell deine Sitzhöhe richtig ein: "Eine falsche Sitzhöhe kann sowohl das patellofemorale Schmerzsyndrom (im Bereich des vorderen Knies und der Kniescheibe) als auch Probleme mit dem hinteren Knie (Kniekehle) verursachen, wenn der Sitz zu niedrig bzw. zu hoch ist", sagt Hinson.
  • Achte auf die Beweglichkeit der Hüfte und der Knöchel: Bevor du mit dem Radfahren beginnst, solltest du sicherstellen, dass deine Knöchel und die Hüfte beweglich sind.

Knieschmerzen beim Radfahren - Ursachen und Lösungen

Wenn du beim Fahrrad fahren im Knie Schmerzen verspürst, solltest du das auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen, sondern der Sache auf den Grund gehen. Es kann Verschiedenes dahinterstecken.

Treten beim Fahrradfahren leichte Knieschmerzen auf, so liegt es oftmals daran, dass das Fahrrad nicht optimal auf die individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse abgestimmt ist. Ist der Sattel zu hoch oder zu niedrig eingestellt, wirkt sich dies beim Treten ungut auf den Winkel deiner Knie aus.

Falsche Sitzhöhe

Einer der häufigsten Verursacher von Knieschmerzen beim Fahrradfahren ist eine falsch eingestellte Sitzhöhe. Dabei führt ein zu tief eingestellter Sattel zu einem spitzen Winkel in den Knien - gerade in der Druckphase entstehen so höchst ungünstige Kräfte im Gelenk.

Wird der Sattel zu hoch eingestellt, überstreckt das Knie am tiefsten Punkt, was die Ansätze der hinteren Kniemuskulatur reizen kann. Kleiner Trick: schmerzen die Knie beim Fahrradfahren an der Vorderseite, deutet das meist auf einen zu niedrigen Sattel hin. Schmerzen im hinteren oder äußeren Kniebereich können auf eine zu hoch eingestellten Sattel hindeuten.

Falsche Fußstellung

Die wenigsten Menschen haben eine perfekte Fuß- oder Kniestellung. O-Beine, X-Beine, leicht nach außen oder innen gerichtete Füße - Fehlstellungen sind eher die Regel als die Ausnahme. Gerade bei längeren Fahrradtouren kann das zu Problemen in den Kniegelenken führen, denn: Sind Fuß beziehungsweise Pedal nicht richtig ausgerichtet, wird die Belastung nicht optimal auf das Kniegelenk übertragen. So lässt sich die Achse preisgünstig und schnell kniefreundlich anpassen.

„Unrunder“ Tritt

Um die Schwerkraft zu überwinden ist natürlich sehr viel Druck auf das Pedal nötig, gerade, um aus dem „toten Punkt“ Kraft auf die Pedale zu übertragen. Durch diesen „unrunden“ Tritt kommen kurze Belastungsspitzen zustande, die die Knie enorm fordern. Denn so besteht die Möglichkeit, dass Sie das Pedal aktiv nach oben ziehen und dabei gleichzeitig das hinab tretende Bein entlasten.

Das bedeutet: Ovale Kettenblätter sollen Schwächen bei der Übertragung der Beinkraft auf das Pedal ausbügeln. Bei der Pedalstellung auf „6 und 12 Uhr“ gibt es einen „toten Punkt“. Diesen umgehen ovale Kettenblätter und entlasten somit die Knie, die nicht immer wieder von null auf hundert über diesen toten Punkt treten müssen.

Medizinische Gründe

Leiden Sie regelmäßig und das über einen längeren Zeitraum unter Knieschmerzen beim Fahrradfahren, ist fachlicher Rat durch einen Arzt oder Orthopäden ratsam. Anhaltende Schmerzen im Knie, womöglich in Verbingung mit eingeschränkter Beweglichkeit des Gelenks, sind immer Symptome, die auf jeden Fall zum Arzt führen sollten. Denn nur wenn medizinische Ursachen ausgeschlossen werden können, ist Fahrradfahren auch wirklich gesund für die Gelenke.

Mögliche Ursachen für schmerzende Knie beim Radfahren:

  • Arthrose: Allerdings kann die kreisförmige, regelmäßige Beinbewegung beim Radfahren dafür sorgen, dass die Gelenkknorpel besser durchblutet werden.
  • Chronischer Meniskusschaden: Schon im Kindesalter kann es zu einer angeborenen Formstörung des Meniskus kommen, was zu Einklemmungen im Kniegelenk führt.
  • Akuter Meniskusriss: Bei plötzlichen Stopp- und Drehbewegungen des Knies können auch im Alltag akute Risse im Meniskus entstehen.
  • Schleimbeutelentzündung: Überlastung, ein Schlag oder Sturz, dauerhafte Reizung und Druckbelastung - die kleinen flüssigkeitsgefüllten „Poster“ im Kniegelenk sind schnell beleidigt.
  • Überlastung: Auch ungewohnte Belastungen können zu akuten Knieschmerzen führen, beispielsweise bei längerem bergabgehen oder Sportarten mit schnellen Stoppbewegungen.

Was tun bei stärkeren Knieschmerzen?

Beachte: Hast du beim Radfahren stärkere Knieschmerzen, so liegen die Ursachen normalerweise nicht nur in unvorteilhaften Radeinstellungen. In der Regel sind dann anatomische Probleme die Hauptschuldigen. Entweder arbeiten in die Kniebewegung involvierte Muskeln momentan oder grundsätzlich nicht richtig oder sie kompensieren eine Einschränkung an anderer Stelle.

Wichtig: Was auch immer die Ursache dafür ist, dass du beim Fahrrad fahren im Knie Schmerzen hast: Geh unbedingt zum Arzt und lass dich durchchecken.

Vorbeugung von Knieschmerzen beim Radfahren

Es gibt einige Dinge, die du tun kannst, um Knieschmerzen beim Radfahren und überhaupt gezielt vorzubeugen.

  • Wähle ein Modell mit einer Rahmengröße, die zu deiner Körperlänge passt.
  • Stell den Sattel so ein, dass deine Knie bei durchgedrückten Pedalen noch leicht gebeugt sind.
  • Hol dir Pedale mit längeren Achsen. Warum? Weil Pedale mit kurzen Achsen gemeinhin nur eine ganz gerade, parallele Fußstellung gestatten, die wenigsten Menschen aber eine solche haben, sodass sie in eine unnatürliche Fußhaltung gezwungen werden, die wiederum das Kniegelenk belastet.

Um Knieschmerzen und -verletzungen beim Radfahren vorzubeugen, empfehlen wir, in den Alltag Kräftigungsübungen für die das Knie stützenden Muskeln einzubauen: Ein trainierter Quadrizeps etwa kann helfen, das Kniegelenk zu stabilisieren, was wiederum das Verletzungsrisiko verringert.

Grundsätzlich gilt: Wenn du Kniebeschwerden hast, solltest du beim Radfahren immer einen Gang herunterschalten - im wahrsten Sinne. Es ist elementar, dass du die Belastung für die Kniegelenke auf einem minimalen Niveau hältst.

Das sagt der Experte

BIKE: „Radfahren ist gut fürs Knie“ - diese Aussage hört man oft. Trifft das denn auch fürs Mountainbiken zu?

LORENZ WESTNER: Läufer müssen beispielsweise bei jedem Schritt das bis zu 2,5-fache ihres Körpergewichts abfangen. Dagegen sind Sportarten, bei denen das Körpergewicht getragen wird, weniger belastend. Pauschal gesagt stimmt die Aussage also. Die Bewegung an sich ist auch beim Mountainbiken sehr gesund fürs Kniegelenk. Natürlich besteht beim Biken ein erhöhtes Trauma-Risiko. Statistisch gesehen ist dieses aber deutlich geringer als im Fußball- oder Handballsport.

Tipps des Experten zur Vorbeugung von Knieproblemen beim Mountainbiken:

  • Die Muskeln im Bein sollte man alle trainieren, und zwar ausgeglichen. Natürlich gibt es eine Anpassung an die Sportart. Wenn die Unterschiede aber zu groß werden, treten Folgeerscheinungen auf.
  • Die fünf Säulen der Kondition sind Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Schnelligkeit.
  • Wer die Trittfrequenz im Schnitt nur um fünf Umdrehungen pro Minute erhöhen kann, entlastet seine Knie sehr stark.
  • Um der Einseitigkeit des Radfahrens etwas entgegenzusetzen, sollte hauptsächlich der innere Anteil des vierköpfigen Schenkelstreckers gekräftigt werden, während vor allem die äußeren und hinteren Anteile immer wieder gedehnt werden sollten.

Fazit

Fahrrad fahren ist gut für die Knie. Es belastet die großen Gelenke im Vergleich zum Joggen sowie überhaupt den meisten anderen Sportarten nur geringfügig. Deshalb gehört das Radeln auch zu den empfohlenen Maßnahmen bei chronischen Gelenkerkrankungen wie Kniearthrose. Dennoch gilt es stets ärztlichen Rat einzuholen, bevor man sich mit Kniebeschwerden auf ein Bike setzt.

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