Radfahren ist eine großartige körperliche Übung, die Ausdauer fördert, die Gelenke schont und als Breitensport für fast jeden geeignet ist. Die Bewegung an der frischen Luft hat zudem einen positiven Effekt auf das Immunsystem. Doch Männer, die zu lange auf einem Rennradsattel sitzen, werden angeblich durch das Radfahren impotent. Dieser Artikel untersucht die Auswirkungen des Radfahrens auf die Gesundheit von Männern, beleuchtet sowohl die potenziellen Vorteile als auch die Risiken und bietet praktische Ratschläge zur Minimierung von Nebenwirkungen.
Positive Auswirkungen des Radfahrens auf die Gesundheit
Das Bundesgesundheitsministerium hält fest, dass der „Einfluss von körperlicher Aktivität auf das Wohlbefinden und die Gesundheit von Menschen in jedem Alter […] wissenschaftlich sehr gut belegt“ sei. Radfahren entspricht insbesondere im Alltag einer längeren, kontinuierlichen körperlichen Aktivität mit geringer oder moderater Belastung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindestens 30 Minuten moderate Bewegung pro Tag bzw. mindestens 150 Minuten moderate körperliche Betätigung pro Woche.
Radfahren stärkt das Herz, kräftigt die Muskeln und verbessert die Ausdauer. Es verbessert die Herz-Kreislauf-Funktion und die Blutfettwerte, senkt den Blutdruck und vermindert so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Laut einer Metaanalyse von rund 50 einschlägigen Studien verringert körperliche Aktivität die Wahrscheinlichkeit, an Depression zu erkranken. Körperliche Betätigung verringert laut einer weiteren Studie von Forschenden der Putra Universität Malaysia das Risiko für Alzheimer-Erkrankungen und für kognitiven Abbau ebenfalls deutlich. Das regelmäßige Radfahren stärkt die Abwehrkräfte.
Da ein guter Teil des Gewichts auf dem Sattel ruht, kann Radfahren für mehrgewichtige Menschen eine sinnvolle und schonende Form der Bewegung sein, rät eine deutsche Krankenkasse. Dies ist umso mehr der Fall, als Elektrofahrräder die Bewegung weiter erleichtern. Eine Studie im Fachblatt Environmental Health Perspectives aus dem Jahr 2021 unter der Leitung der Colorado State University stellte einen klaren Zusammenhang zwischen der Vermeidung von vorzeitigen Todesfällen und der Fahrradnutzung her. Laut einer Studie im Fachblatt Transportation Research Interdisciplinary Perspectives im Jahr 2019 fest, fahren Radfahrende auf Pedelecs in der Regel längere Strecken als Radfahrende auf konventionellen Rädern ohne Tretunterstützung.
Radfahren und Erektionsstörungen: Ein Mythos?
Das Gerücht: Radfahren und Impotenz Schon Ende der 90er-Jahre soll der US-amerikanische Sexualmediziner Irwin Goldstein behauptet haben: „Es gibt zwei Sorten männlicher Radfahrer. Die einen sind impotent und die anderen werden es.“ Eine Studie aus Norwegen, die damals viel Aufsehen erregte, bestätigte Goldsteins Warnungen mit folgenden Worten: „Die Häufigkeit von Impotenz und Penis-Taubheit im Radsport scheint größer als bisher angenommen“, lautete das Fazit der skandinavischen Forscher. Jeder fünfte der von ihnen befragten Amateur-Radfahrer klagte beim Radfahren über Taubheitsgefühle im Schritt. 21 der 160 befragten Männer gaben gar an, sie hätten Erektionsprobleme.
„Impotent“ im Sinne von „zeugungsunfähig“ macht zu viel Zeit im Fahrradsattel nicht. Radfahrer mit erektiler Dysfunktion gibt es jedoch schon. Vor allem schmale Rennradsättel üben oft großen Druck auf die Dammregion eines Mannes aus, den Bereich zwischen Hodensack und After. PD Dr. Georgios Hatzichristodoulou, Chefarzt der Urologischen Klinik am Krankenhaus Martha-Maria in Nürnberg: „Bis zu 90 Prozent der Rennradfahrer klagen über Taubheit im Schritt. Durch den Druck des Sattels kommt es zu kleinsten Verletzungen der feinen Nervenfasern im Dammbereich. Zudem verläuft hier die Arteria pudenda, ein Gefäß, das den Penis durchblutet.“ Glaubt man Hatzichristodoulou, besteht bereits für alle ein deutlich erhöhtes Risiko, die mehr als drei Stunden pro Woche auf dem Fahrrad sitzen. „Die Gefahr ist umso größer, je flacher die Sitzposition und je schwerer der Fahrer ist“, sagt Hatzichristodoulou.
Neuere Studien mit mehr Probanden relativieren die über 20 Jahre alten Daten von Goldstein und den Norwegern jedoch: Laut einer britischen Untersuchung mit mehr als 5.200 Männern beispielsweise besteht zwischen regelmäßigem Radfahren, erektiler Dysfunktion und Unfruchtbarkeit kein ursächlicher Zusammenhang - auch dann nicht, wenn Männer mehr als 8,5 Stunden pro Woche im Sattel verbringen. Eine internationale Studie aus Saudi Arabien und den USA, für die Wissenschaftler fast 4.000 Männer aus verschiedenen Sportarten miteinander verglichen hatten, liefert ebenfalls Entwarnung: „Radfahrer haben keine schlechtere Sexualfunktion als Schwimmer oder Läufer.“
Wie man Risiken minimiert und die sexuelle Gesundheit schützt
Es gibt ein paar Punkte, die Männer und Frauen beachten können, um ihre sexuelle Gesundheit beim Fahrradfahren zu schützen. Daher ist es wichtig, einen passenden Sattel auszuwählen, der eine gesundheitlich unbedenkliche Sitzposition ermöglicht. Ebenso essentiell sind eine richtige Fahrradeinstellung und die Positionierung des Lenkers. Fahrradfahrer, die Taubheitsgefühle in der Genitalregion verspüren, sollten so lange mit dem Radeln aufhören, bis das Taubheitsgefühl verschwunden ist. Teilweise ist es auch hilfreich, vom Sattel aufzustehen und etwas herumzulaufen oder in stehender Position weiterzufahren.
Wenn man auf dem Sattel Platz nimmt, kommt es zu einer Erhöhung des Drucks im Perineum. Bei Männern ist das das Gebiet zwischen Hodensack und Anus. In der perinealen Region gibt es viele Nerven, die sehr wichtig für die Sensibilität des Genitals sind. Wenn diese Nerven eine Kompression erfahren bzw. Dauerdruck haben - wie etwa beim Radfahren - kann es zu Taubheitsgefühlen in dieser Region kommen. Bei Männern verlaufen im Perineum auch die für eine Erektion wichtigen Arterien. Ein Sattel, der Druck auf diese Region ausübt, ruft möglicherweise eine Kompression dieser Arterien hervor. Wenn der Mann sexuell stimuliert wird, kann es daher Probleme geben, weil das Blut nicht ungehindert in den Penis fließen kann.
Um Problemen vorzubeugen, rät auch der Nürnberger Urologe Hatzichristodoulou sportlichen Fahrern, unterwegs öfter mal aus dem Sattel zu gehen, bei Bedarf Pausen einzulegen und eventuell über einen anderen Sattel nachzudenken. „Aus urologischer Sicht wären Sättel ohne Nase am besten oder zumindest solche mit einer Aussparung.“
Männer sollten einen geeigneten Sattel auswählen. Einige Männer verwenden einen sogenannten "Keine-Nase-Sattel". Dieser erhöht den Druck auf die Sitzbeinhöcker - statt auf das Perineum. Zusätzlich sollten das Fahrrad und der Sattel individuell eingestellt werden. Bei Frauen kann die Stellung des Lenkers zu Problemen führen. Lenker, die niedriger als der Sattel oder extrem nach unten gebogen sind, führen möglicherweise zu einem erhöhten Druck im perinealen Bereich. Eine gepolsterte Fahrradkleidung macht ebenfalls Sinn.
Radfahren und die Prostata
Im Extremfall kann der erhöhte Druck auf den Damm zu negativen Auswirkungen auf die Prostata führen. Studien zeigen jedoch, dass regelmäßiges Radfahren nicht zwangsläufig schädlich ist. Dr. Uwe Niekerken, Urologie-Oberarzt und Fahrradexperte, erklärt und entwarnt: „Die Prostata sitzt direkt unter der Harnblase und, durch einige andere Strukturen geschützt, relativ weit entfernt von der Haut des Sitzbereichs. Unmittelbarer Druck durch jedwedes Sitzen, auch beim Radfahren, ist somit nicht gegeben.“ Weniger ist es so, dass Prostatabeschwerden durchs Radfahren entstehen, wohl aber können sie durch die Belastung des Radfahrens gefördert werden.
Dr. Kim Tofaute, Sportergonom und Bikefitter: „Es gibt Hinweise darauf, dass Radfahrer eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer Prostatitis (Entzündung der Prostata) haben. Einige Studien zeigen auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Prostatakarzinoms. Eine Ursache für ein erhöhtes Risiko können hierbei Verletzungen im Dammbereich sein. Daher sollte vorsorglich und erst recht bei Beschwerden auf eine geringe Belastung des Dammbereichs durch die Wahl des richtigen Sattels und eine optimale Sitzposition geachtet werden. Letztlich sind die positiven Effekte des Radfahrens deutlich größer als die selten auftretenden Probleme. Hier sind vor allem positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System, den Blutdruck und den Stoffwechsel zu nennen. Also fahrt Rad!
Empfehlungen zur Sattelwahl und Sitzposition
- Ergonomische Form: Wähle einen Sattel, der speziell für die männliche Anatomie entwickelt wurde und eine Aussparung oder Vertiefung im Dammbereich hat.
- Größe und Breite: Der Sattel sollte breit genug sein, um das Körpergewicht gleichmäßig zu verteilen, aber nicht zu breit, um Reibung zwischen Oberschenkel und Sattel zu vermeiden.
- Polsterung: Eine ausgewogene - perfektes Verhältnis aus Stauchhärte und Rückstellfähigkeit - Polsterung erhöht den Komfort und reduziert den Druck auf empfindliche Stellen.
- Höhe des Sattels: Der Sattel sollte so eingestellt sein, dass die Beine fast durchgestreckt sind, während die Ferse auf dem Fahrradpedal in seiner tiefsten Position ruht.
- Neigung des Sattels: Generell sollte der Sattel waagerecht eingestellt werden, um nicht den Körperschwerpunkt zu beeinflussen.
Vor- und Nachteile des Radfahrens für die Gesundheit
Trotz der genannten Risiken überwiegen die Vorteile des Radfahrens:
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Verbessert die Herz-Kreislauf-Gesundheit | Erhöhter PSA-Wert bei intensiver Belastung |
| Hilft bei der Gewichtsreduktion | Druckschmerzen und Taubheitsgefühle |
| Stärkt die Muskulatur | Mögliche Beschwerden bei falscher Sitzposition |
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