Knieschmerzen beim Radfahren sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. In Bikefitting-Services wird man täglich mit dem Problem „Knieschmerzen beim Fahrradfahren“ konfrontiert. Es gibt eine Vielzahl von Ursachen für diese Schmerzen, und dieser Artikel soll helfen, das Problem genauer zu verstehen, mögliche Ursachen einzugrenzen und erste Schritte zur Bewältigung des Problems zu unternehmen.
Ursachen von Knieschmerzen beim Radfahren
Es ist wichtig zu verstehen, dass es selten eine schnelle und einfache Lösung für Knieschmerzen beim Radfahren gibt. Schmerzen sind komplex und entstehen meist aus einer Kombination verschiedener Faktoren:
- Rad-bezogene Probleme: Fehlerhafte Einstellungen an den Kontaktpunkten des Fahrrads zwingen das Knie in ungünstige Bewegungen oder Stellungen.
- Direkte muskuläre Probleme: Bestimmte Muskeln, die an der Kniebewegung beteiligt sind, arbeiten akut oder chronisch dysfunktional.
- Indirekte muskuläre Probleme: Betroffene Muskeln kompensieren ein Problem, das eigentlich an anderer Stelle liegt.
Knieschmerzen sind häufig eine Kombination aus diesen Faktoren. Nur selten treten Knieprobleme beim Radfahren auf, die ausschließlich auf eine falsch eingestellte Radposition zurückzuführen sind.
Rad-spezifische Fehleinstellungen
Ein zu weit nach vorne gestelltes Cleat bringt das Knie am oberen Wendepunkt höher und führt damit zu einem spitzen Kniewinkel beim Einstieg in die Druckphase. Ebenso kann ein Cleat mit falsch eingestellter Rotation zu Rotationsbewegungen und damit Scherkräften über die Knieachse führen.
Cleats
Als erste Ursache für Knieschmerzen beim Radfahren lassen sich oft falsch eingestellte Cleats nennen. Sehr ungünstig, da dies zu ungünstigen Kraftverhältnissen rund um die Kniescheibe (sog. retro-patellarem Druck) führen kann. Gleiches gilt im übrigen auch für eine zu lange Kurbellänge! Hier sollte man darauf achten, dass man (pauschal betrachtet) das Cleat so einstellt, dass die Ferse des Fußes leicht nach innen rotiert. Im Zweifelsfall also das Cleat nach hinten nehmen (und eventuell die Kurbellänge verkürzen)!
Sattelhöhe
Ein zu tief eingestellter Sattel führt zu einem spitzen Kniewinkel beim Einstieg in die Druckphase und damit zu ungünstigen Kraftverhältnissen rund um die Kniescheibe. Wir haben hier versucht zu beschreiben, wie du deine Sitzhöhe richtig einstellen kannst. Wirklich einer der häufigsten Verursacher von Knieschmerzen beim Radfahren ist eine schlecht eingestellte Sitzhöhe. Ein zu hoch eingestellter Sattel hingegen bringt oft eine Überstreckung des Knies mit sich und reizt dabei gerne Ansätze der hinteren Muskulatur und vor allem des Tractus Iliotibialis. Als (sehr plakative) Hilfestellung gilt hier, Schmerzen an der Vorderseite des Knies deuten oft auf eine zu niedrige Sitzhöhe, Schmerzen an der Rück- und Außenseite des Knies eher auf eine zu hohe Sitzposition hin.
Sattelneigung & falscher Sattel
Ja auch die Wahl des richtigen Sattels, vor allem aber auch dessen Lage (in Vor- Rückrichtung) und Neigung beeinflussen stark die Belastung des Knies. Ein extrem nach vorne gestellter, sowie nach vorne geneigter Sattel verlagern den Körperschwerpunkt nach vorne und erzeugen eine Art „Drehmoment“ auf dem Rad. Hier wird erneut viel Kraft bei spitzem Kniewinkel erzeugt, was zu Überlastung führen kann. Der Körper „Kippt“ nach vorne. Dies, gepaart mit etwas schwacher Körperhaltemuskulatur führt oft zu einer Kompensation im Tritt. Es wird im Einstieg der Druckphase etwas gegen das Pedal „gestemmt“ um sich quasi auf dem Sattel stabil zu halten. Ein extrem weit nach hinten versetzter oder auch nach hinten geneigter Sattel führen dagegen oft zu einem sehr rückversetzten Körperschwerpunkt und aufrechter Beckenlage, was eine effektive Kraft aus der Streckmuskulatur erschwert.
Am besten hier erst einmal aus einer visuell, neutralen Einstellung starten und eher tiefer anfangen. Tipp: Der Fuß sollte auch durch den unteren Punkt nicht zu spitz werden, das Knie leicht gebeugt bleiben.
Cockpitposition
Auch die Lage des Cockpits beeinflusst die Belastung des Knies. Ähnlich wie ein schlecht eingestellter Sattel beeinflusst auch das Cockpit die Lage des Körperschwerpunkts auf dem Rad. Ein zu weit entferntes Cockpit „zieht“ den Körper sozusagen nach vorne auf dem Rad. Wenn man beim Fahren nicht ohne große Hilfsbewegungen die Hände über den Lenker streichen kann, spricht das für einen nach vorn orientierten Körperschwerpunkt. Kleiner Tip:
Muskuläre Dysbalancen und Schwächen
Sehr viel häufiger tauchen allerdings Knieschmerzen beim Radfahren auf OHNE offensichtlichen Fehler in der Radeinstellung gibt. Warum?
Schmerzen haben meistens etwas mit fehlerhafter bzw. nicht adäquater Muskelbeanspruchung zu tun. Viele Muskeln machen nicht wirklich das „wofür sie vorbereitet bzw. gemacht wurden“. Dies gilt sowohl für alle Muskel, die direkt Kraft auf das Pedal bringen, wie auch Muskeln, die den Körper fixieren und halten während Kraft übertragen wird. Oft auch einfach aus dem Grund, weil andere Muskeln nicht das tun was sie sollen und andere Muskeln entsprechend deren „Aufgaben übernehmen“.
Eines der größten und gängigsten Probleme in Relation zu Knieschmerzen beim Fahrradfahren sind Dysbalancen und Schwächen hüftumliegender Muskulatur. Hüftbeugende Muskeln, die für die Pedalbewegung essenziell sind, werden permanent verkürzt. Die gluteale Muskulatur (Gesäßmuskeln), die bei der Pedalbewegung kraftvoll nach hinten unten strecken könn(t)en werden quasi permanent „ausgeschaltet“. Es entsteht ein manifestes Ungleichgewicht, von dem angrenzende Muskeln oft in Mitleidenschaft gezogen werden.
Steigen wir nun mit dieser „dysfunktionalen“ Hüftmuskulatur aufs Rad, sind kompensatorische Maßnahmen quasi vorprogrammiert. Zum Beispiel weicht das Knie am oberen Wendepunkt gerne nach außen um den Hüftbeuger zu entlasten.
Was tun bei Knieschmerzen trotz korrekter Radeinstellung?
Um Dysbalancen und Schwächen der Muskulatur entgegenzuwirken, können folgende Maßnahmen helfen:
- Lösen statischer Haltungsmuster (z.B. mittels Faszienrollen)
- Stretching des Quadriceps
- Dynamisches Längen der Hüftbeuger (Stichwort „Hüftöffner“)
- Kräftigen der glutealen und posterioren Muskelgruppen
- Stärkung der tiefen Bauchmuskulatur
Es braucht dazu nicht viel. Einige Hilfsmittel (die gibt es z.B. allen an einem Ort bei Gorilla Sports) und eine kleine Routine an Übungen. Die Regelmäßigkeit der Übungen ist hierbei wesentlich entscheidender als die „Härte“ der einzelnen Session. Es geht nicht um das große Workout, sondern 10min täglich während der Kaffee durchläuft! Die statische Haltung der hüftumliegenden Muskeln muss regelmäßig aufgelöst werden!
Weitere Tipps für ein knieschonendes Radfahren
- Richtige Trittfrequenz: Die ideale Trittfrequenz liegt bei 80 bis 100 Pedalumdrehungen pro Minute. Deshalb sollte man auch eher in niedrigen Gängen fahren.
- Pedalposition: Die richtige Auflagestelle für das Pedal ist zwischen Ballen und Mittelfuß.
- Regelmäßiges Training: Den besten Effekt für die Gelenke erreicht man, wenn man regelmäßig trainiert, also mindestens dreimal in der Woche oder 30 Minuten jeden Tag.
- Nicht übertreiben: Anfänger sollten mit kürzeren Touren beginnen und dann langsam steigern.
Radfahren trotz Knie- und Rückenschmerzen
Rad fahren hat vielfältige positive Auswirkungen auf deine Gesundheit. Grundsätzlich bietet es ein sehr gutes Herz-Kreislauf-Training: Wer regelmäßig Rad fährt, kann damit sein Herz stärken und die Durchblutung verbessern, was wiederum den Körper besser mit Nährstoffen versorgen kann. Aber du kannst nicht nur etwas für deine Ausdauer tun, sondern trainierst und kräftigst gleichzeitig deine Bein- und Rückenmuskulatur. Rad fahren kann dir somit auch dabei helfen, das Risiko weit verbreiteter Beschwerden wie Venenleiden, Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und Osteoporose zu verringern.
Wenn du regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs bist, kannst du schon nach relativ kurzer Zeit einen Trainingseffekt spüren: Du fühlst dich fitter und vitaler und hast allgemein mehr Energie. Dazu kommt noch das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben - zum Beispiel, wenn du das Auto stehen lässt und mit dem Rad zur Arbeit oder zum Einkaufen fährst, oder wenn du die erste kleine Sonntagstour gemeistert hast.
Rad fahren ist einfach ideal, um mehr Bewegung in deinen Alltag zu bringen. Ein Ausflug mit dem Rad ins Grüne hat zudem einen positiven Effekt auf die Psyche: Bewegung an der frischen Luft, in der Natur hilft dir dabei, den Kopf freizubekommen. Du wirst merken, dass du entspannter und gelassener wirst - und dass dir Stress im Alltag nicht mehr so viel anhaben kann.
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