Gefühlsstörungen am Damm und in der Genitalregion sind bei Radfahrern, die längere Strecken zurücklegen, sehr häufig. Männer wie Frauen berichten über entsprechende Missempfindungen. Bei Männern besteht jedoch die Gefahr, dass sich der Druck auf den Damm auch auf Fruchtbarkeit und Potenz auswirkt. Wenn sich der Schritt bei Radfahrern trotz aller Vorsichtsmaßnahmen taub anfühlt und Potenzstörungen drohen, kann das verschiedene Ursachen haben: Entweder geraten die Penis und Hodensack versorgenden Nerven - besonders der Nervus pudendus - unter Druck.
Häufiger ist der Sauerstoffanteil im Blut vermindert, weil eine Schlagader, die Arteria pudenda interna, zwischen dem knöchernen Sitzbeinhöcker oder dem Schambein und dem Fahrradsattel abgeklemmt wird. Nerv wie Arterie verlaufen unter den Gesäßmuskeln auf den Damm und den Penis zu. Sie können vom Sattel gegen die Knochen gedrückt werden, wenn das Körpergewicht beim Radfahren auf diesem Bereich lastet.
Wenn die Strecke steiler wird, leidet das Gefühl. Plötzlich spürt der Radfahrer nichts mehr, der Unterleib bleibt taub und reglos. Der kontinuierliche Druck im Schritt und das Hin- und Herrutschen auf dem Sattel können empfindliche Körperregionen in Mitleidenschaft ziehen - besonders bei der Bergauffahrt.
Studien und Statistiken
In einer Untersuchung der Universitätsklinik Köln, in der Probanden wöchentlich 400 Kilometer in die Pedale treten mussten, berichteten 61 Prozent über Taubheitsgefühle und 19 Prozent über vorübergehende Erektionsstörungen im Anschluss an die Strampelei. Nach einem norwegischen Ausdauerradrennen über 500 Kilometer von Trondheim nach Oslo gaben 22 Prozent der Männer Taubheit und 13 Prozent zeitweilige Impotenz an. In einigen Fällen hielt sie mehr als eine Woche oder sogar einen Monat lang an. Umfragen aus Nordrhein-Westfalen zufolge berichten Langstreckenradsportler dreimal so häufig von Erektionsstörungen wie gleich alte Nichtradler.
Auswirkungen auf die Erektionsfähigkeit
Dadurch kann es sogar zum Umbau der Schwellkörper kommen. Die Zusammensetzung des erektilen Organs ist von der Sauerstoffmenge im Blut abhängig. "Für eine gute Erektion sollte das Verhältnis von Bindegewebe zu glatter Muskulatur im Penis 50 zu 50 betragen", sagt Sommer. "Fehlt es dem Blut an Sauerstoff, wird mehr Bindegewebe aufgebaut und Muskelgewebe abgebaut. Durch diese Fibrosierung wird die Erektion mittelfristig schlechter."
In der Urologie der Universitätsklinik Köln sind schon etliche Probanden verdrahtet worden. Um die Sauerstoffversorgung im Penis zu messen, muss ein Ring mit Elektrolytflüssigkeit um die Eichel gelegt werden. Mit einem Klebering und schmalen Pflastern wird er befestigt.
Die Kölner Sporturologen haben verschiedene Sattelformen und Designs mit dieser Methode getestet. Die so genannten Damensättel schnitten am besten ab. Sie sind fast rund, mit mittlerer Polsterung und haben keine Spitze. Bei Probanden mit dieser Sattelform sank die Sauerstoffversorgung im Penis nur um gut 20Prozent. Bei schmalen Rennrad- oder Mountainbikesätteln reduzierte sich der Sauerstoffdruck im Blut hingegen bereits nach halbstündiger Fahrzeit um mehr als 60 Prozent.
Erstaunlich schlecht fiel der Test für die meisten der als "anatomisch" oder "bodygeometrisch" bezeichneten Sättel aus - die Sauerstoffreduktion im Penis betrug hier zwischen 60 und 70 Prozent. Bei etlichen Modellen erwiesen sich die Aussparungen für die empfindlichen Körperteile als zu klein oder falsch bemessen. Manche Kanten an den Lücken waren so hart, dass gerade dadurch Gefäße und Nerven malträtiert wurden.
Kontroverse Diskussionen und Risiken
Trotzdem wird unter Hobbyradlern die Taubheit im Sattel kontrovers diskutiert. Die einen fürchten dauerhafte Schäden für Fruchtbarkeit und Manneskraft, wenn ihnen das Gefühl für den Unterleib abhanden kommt. "Langfristig drohen Schäden" Die anderen erhoffen sich stimulierende Effekte von der regelmäßigen Sattelmassage, etwa weil sie annehmen, dass dadurch der Samenerguss verzögert wird. "Da muss ich die Radler enttäuschen", sagt Frank Sommer, Urologe an der Universitätsklinik Köln. "Langfristig drohen Schäden."
Dabei ist besonders gefährdet, wer Touren mit Rennrad oder Mountainbike zurücklegt. Die schmale harte Sattelnase kann die Leitungsbahnen zu den Beckenorganen in Bedrängnis bringen. Bei Mountainbikern kommen die Erschütterungen in unwegsamen Gelände hinzu.
Die Rolle der Profis
Die Profis der Tour de France hingegen sind trotz der vielen Zeit, die sie im Sattel verbringen, nicht so stark gefährdet wie ambitionierte Hobbyradler, die mehrmals die Woche lange Strecken zurücklegen. "Radprofis haben eine bessere Muskulatur, halten ihr Becken anders und ihre Wirbelsäule ist flexibler", sagt Sommer. "Sie benutzen den Sattel nicht, um ihr ganzes Gewicht abzustützen, sondern eher als Führungsschiene." Dadurch und durch häufige Positionswechsel wird das Gewebe immer wieder entlastet. Zudem achten in Profiteams Techniker auf die richtige Stellung. Der Sattel sollte waagerecht sein oder sogar mit der Spitze leicht nach unten zeigen.
Was tun bei Taubheitsgefühlen?
Wenn die Form nicht stimmt, sind harte Sättel besser als weiche. Achtung! Spezielle Nerven, Fasern und Gefäße im Dammbereich des Mannes sind für die Erektion verantwortlich. Werden diese über einen längeren Zeitraum wiederholt schlecht durchblutet oder komprimiert, kann es zu einer Verminderung der sexuellen Leistungsfähigkeit führen. Vorsicht! Das Problem kann chronisch werden. Taubheitsgefühle sind ein Alarmzeichen! Wer auf seinen Körper hört, kann die Gefahren soweit minimieren, dass die positiven Effekte durch das Radtraining überwiegen.
Urologische und gynäkologische Sitzprobleme
Die Ursache sämtlicher urologischer und gynäkologischer Sitzprobleme sind Druck und Reibung an verkehrter Stelle. Um hier eine grundsätzliche Lösung herbeizuführen, ist es wichtig, den Verursacher Ihrer Schmerzen auszuschalten. Viele haben schon mit gepolsterten Hosen und zig Satteln laboriert. Unsere erfahrenen Ergonomieberater gehen das Problem strukturiert an. Wichtig ist natürlich, dass die Sitzposition und komplette Rahmengeometrie passen. Denn diese beeinflusst immer auch die Kontaktstelle Fahrradsattel mit. Aber auch dies überprüfen wir und passen alles bei Bedarf an.
Wir messen die Druckverteilung des Fahrradsattels digital und dynamisch, immer in der Position, wie Sie auf dem Rad sitzen und fahren. Das heißt: Sie pedalieren während des Messvorgangs. Unsere Bikefitting- und Fahrradsattel-Spezialisten wählen gemeinsam mit Ihnen aus über 80 verschiedenen Fahrradsattel-Modellen den richtigen für Sie aus. Viele unserer Sättel sind medizinisch geprüft und von Urologen empfohlen. Lassen Sie sich die Freude am Radfahren nicht durch Sitzprobleme verderben.
Weitere Lösungsansätze
Hier gilt eine sehr einfache Regel. Der Winkel, in dem das Becken stehen soll, darf nicht zu "flach" werden, d.h. nicht zu weit nach "vorne" in Richtung Lenker abkippen. Passiert das trotzdem, erfährt der Damm erhöhten Druck und es steht nur noch ein kleiner Teil des Sitzbeins zur Gewichtsablastung zur Verfügung. Erhöhter Druck im Dammbereich resultiert in der Belastung der oben genannten Nervenbahnen. Ergebnis sind genau die Taubheitsgefühle über die wir hier sprechen. Sättel sind nicht dafür gemacht, dass man sitzt, wo es einem beliebt. Jeder Sattel hat eine klar umrissene Zone, die für gutes Sitzen gemacht ist. In der vereinfachten Satteldarstellung kannst Du erkennen, dass sich diese Zone grob im hinteren Drittel des Sattels befindet. Dort hast Du die größte Auflagefläche, das ist sehr wichtig.
Sitzt Du nun zu weit vorne, nimmst Du Dir nicht nur wertvolle Fläche zur Gewichtsablastung, sondern läufst zudem Gefahr, dass Du mit der knöchernen Sitzstruktur im Becken keinen Gegenhalt auf dem Sattel findest. Du also mit dem Sitzbein am Sattel „vorbeisitzt“ und sämtlicher Druck vom Gewebe zwischen dem Sitzbein abgefangen wird. Das ist schlecht. Hier ist die oben erwähnte druckempfindliche Zone.
Sattelgeometrie
Für uns ist der entscheidende geometrische "Parameter" die Form des Sattels in der designierten Sitzzone die sich im Querschnitt zeigt. Unten siehst Du zur Verdeutlichung die drei Typen, die wir für die folgende Diskussion unterscheiden. In den Beispielen zeigen wir Dir neben den Geometrietypen zusätzlich wie diese zum Beckenmodell "passen".
- Flache Sättel: sind aus dem Versuch heraus entstanden den Damm so weit wie möglich zu entlasten. Das klappt außerordentlich gut, da Du beim flachen Satteltyp maximal "hoch" nahezu ausschließlich auf dem Sitzbein sitzt - allerdings erhöht dies den Druck auf das Sitzbein erheblich.
- Je runder nun die Geometrie wird, desto mehr umgebendes Gewebe wird belastet. Ist die Geometrie zu „rund“ kann die Belastung in der Mitte, also im Dammbereich so stark zunehmen, dass Taubheitsgefühle entstehen können.
Hier gilt es ein "vernünftiges" Mittel zu finden. Über die Sattelbreite und die Meinungen dazu könnte man Bücher schreiben. Machen wir hier nicht.
In unserem Kontext der Taubheitsgefühle im Dammbereich, sind, wenn es um Sattelbreite geht, immer zu geringe Breiten das Problem. Ähnlich wie bei einer zu weit nach vorne gerückten Position auf dem Sattel kann es passieren, dass Du mit der knöchernen Sitzstruktur keinen Gegenhalt mehr auf dem Sattel findest, Du also wieder am Sattel „vorbeisitzt“. Das macht Druck im Dammbereich und wir haben das Dilemma.
Vereinfacht könnte man nun meinen, dass ein tendenziell breiterer Sattel besser ist. Das ist allerdings nur bedingt richtig. Da Du Dich auf dem Sattel bewegst, muss die Breite/ Form zu den räumlichen Bewegungsanforderungen passen, sonst rubbelt und schleift es.
Die Kombination aus Sitzpolster in der Hose (sofern Du eines hast) und der Sattelpolsterung bestimmt, wie tief das Sitzbein in das "Polstersystem" einsinken kann. Ist das System groß dimensioniert und weich sehr tief, bei geringer dimensionierten System, die härter sind weniger tief.
Bei unserem Thema, den Taubheitsgefühlen im Dammbereich, ist das zu tiefe Einsinken ein Problem. Findet die knöcherne Sitzstruktur keinen ausreichenden Gegenhalt im Polstersystem wird der Druck sich weiter im System auf das umgebende Gewebe verteilen, dazu kann auch Dein Damm zählen.
In der Praxis machen wir die beste Erfahrung mit Systemen, die im Aufbau nicht zu "dick" sind und dafür etwas "straffer" in der Härte der Polsterung. Also Finger weg von "fetten" windelartigen Sitzpolstern und massiven, weich gepolsterten "Komfortsätteln". Weniger ist hier definitiv mehr.
Weitere Tipps und Empfehlungen
- Auf eine ausreichende Sattelbreite achten. Hierzu setzt man sich am besten auf eine Wellpappe. Nach einer Minute Sitzen kann man die Abdrücke der Sitzbeinhöcker erkennen und die äußeren Ränder abmessen. Beim Sattelkauf an diesen Maßen orientieren.
- Den Sattel horizontal einstellen beziehungsweise die Sattelspitze um ein bis drei Grad nach unten neigen
- Die perineale Kompression durch eine effektive Sitzposition vermindern. Um das zu erreichen, sollten die Beine nicht völlig gestreckt sein, wenn sich die Pedale an der tiefsten Stelle befinden, und die Knie etwas gebeugt sein.
- Alle zehn Minuten die Position wechseln und im Stehen fahren. Das ist wichtig, um den Blutfluss aufrechtzuerhalten, ist. Für Radfahrer, die auch gerne in der Halle trainieren, empfiehlt sich das “Spinning“. Während des Trainings sind viele Wechsel der Körperposition an der Tagesordnung.
- Zur Vorbeugung von penilem Taubheitsgefühl und erektiler Dysfunktion auf langen und anstrengenden Fahrradtouren Ruhepausen machen.
- Fahrradfahrer, die Taubheitsgefühle in der Genitalregion verspüren, sollten so lange mit dem Radeln aufhören, bis das Taubheitsgefühl verschwunden ist. Teilweise ist es auch hilfreich, vom Sattel aufzustehen und etwas herumzulaufen oder in stehender Position weiterzufahren.
- Männer sollten einen geeigneten Sattel auswählen. Einige Männer verwenden einen sogenannten "Keine-Nase-Sattel". Dieser erhöht den Druck auf die Sitzbeinhöcker - statt auf das Perineum. Zusätzlich sollten das Fahrrad und der Sattel individuell eingestellt werden.
- Bei Frauen kann die Stellung des Lenkers zu Problemen führen. Lenker, die niedriger als der Sattel oder extrem nach unten gebogen sind, führen möglicherweise zu einem erhöhten Druck im perinealen Bereich.
- Eine gepolsterte Fahrradkleidung macht ebenfalls Sinn.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Sportler generell seltener an erektiler Dysfunktion (e.D.) leiden als Nichtsportler. Ergebnisse mehrerer Studien lassen annehmen, dass ca. 6% - 10% aller Männer zwischen 30 und 50 Jahren unter moderater bis schwerer e.D. leiden. Eine sehr aussagekräftige Studie unter Sportlern hat ergeben, dass 1,1% der Läufer an moderater bis schwerer e.D. leiden, 2% der Schwimmer und 4,2% bei den Radfahrern.
Davon ausgehend, dass die positiven Effekte des Radfahrens mindestens mit denen des Laufens vergleichbar sind, ergibt sich für 3,1% der Radfahrer anstatt einer Verbesserung eine Verschlechterung bis in den kritischen Bereich. Es muss aber nicht immer gleich zum schlimmsten kommen, die sexuelle Leistungsfähigkeit steigt und sinkt wie z.B. auch die Muskelkraft oder Ausdauerleistung. Mit steigenden Alter nimmt sie allerdings überproportional ab. Es macht also Sinn Sport zu treiben insbesondere Rad zu fahren, dabei aber auf den anatomisch korrekten Sattel zu achten.
Entwarnung durch neue Daten?
Dass ein Fahrradsattel dort Druck ausübt, wo keiner sein sollte, ist nicht von der Hand zu weisen. Neuere Studien mit mehr Probanden relativieren die über 20 Jahre alten Daten von Goldstein und den Norwegern jedoch: Laut einer britischen Untersuchung mit mehr als 5.200 Männern beispielsweise besteht zwischen regelmäßigem Radfahren, erektiler Dysfunktion und Unfruchtbarkeit kein ursächlicher Zusammenhang - auch dann nicht, wenn Männer mehr als 8,5 Stunden pro Woche im Sattel verbringen.
Eine internationale Studie aus Saudi Arabien und den USA, für die Wissenschaftler fast 4.000 Männer aus verschiedenen Sportarten miteinander verglichen hatten, liefert ebenfalls Entwarnung: „Radfahrer haben keine schlechtere Sexualfunktion als Schwimmer oder Läufer.“ Wer auf dem Rad das Gefühl hätte, der Penis werde taub, so die Forscher, sollte aber öfter mal kurz aus dem Sattel aufstehen und ein paar Meter im Stehen fahren. Außerdem helfe es, den Lenker etwas höher zu stellen.
Um Problemen vorzubeugen, rät auch der Nürnberger Urologe Hatzichristodoulou sportlichen Fahrern, unterwegs öfter mal aus dem Sattel zu gehen, bei Bedarf Pausen einzulegen und eventuell über einen anderen Sattel nachzudenken. „Aus urologischer Sicht wären Sättel ohne Nase am besten oder zumindest solche mit einer Aussparung.“
Zusammenfassung
Taubheitsgefühle im Genitalbereich beim Radfahren sind ein häufiges Problem, das sowohl Männer als auch Frauen betrifft. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Druck auf Nerven und Blutgefäße bis hin zu einer verminderten Sauerstoffversorgung. Durch die Beachtung verschiedener Tipps und Empfehlungen, wie die Wahl des richtigen Sattels, die Anpassung der Sitzposition und regelmäßige Pausen, können diese Beschwerden jedoch minimiert oder vermieden werden. Neuere Studien liefern zudem Entwarnung und zeigen, dass regelmäßiges Radfahren nicht zwangsläufig zu Erektionsstörungen oder Unfruchtbarkeit führt. Dennoch sollten auftretende Beschwerden ernst genommen und gegebenenfalls von einem Facharzt abgeklärt werden.
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