Radfahren im Wendland: Entdeckungstouren durch eine vielfältige Landschaft

Das Wendland lädt mit einem mehrere hundert Kilometer langen Radwegenetz zu ausgedehnten Radtouren ein. Eine abwechslungsreiche Landschaft, beschauliche Dörfer und ruhige Landstraßen erwarten Sie. Die größtenteils noch sehr naturbelassene Gegend lässt sich entweder auf eigene Faust entdecken. Viele Radwege schlängeln sich durch eine eher flache Landschaft, aber auch für diejenigen, die es etwas sportlicher mögen, hält das Wendland ausreichende Möglichkeiten parat.

Die Vielfalt und der Reichtum der wendländischen Flora und Fauna dürfte die meisten Radfreunde erfreuen. Von ausgedehnten Flussauen über kurvige Serpentinenstraßen und weitläufigen Wälder bis hin zu offenen Feldern und Wiesen erstreckt sich die Landschaft. Viele der Dörfer, darunter auch die einzigartigen Rundlingsdörfer, bieten neben der typisch ländlichen Struktur auch immer noch weitere Sehenswürdigkeiten: angefangen von Kunst über Kultur bis hin zu Kulinarik.

Eine Reise in die Vergangenheit

Willkommen zu einer abwechslungsreichen Reise durch die beeindruckenden Landschaften der Altmark, des Wendlandes und der Lüneburger Heide. Auf meist abgeschiedenen Wegen durchqueren Sie dichte Wälder und grüne Auen. Schattenspendende Straßenbaumalleen breiten ihr Blätterdach schützend aus und führen Sie durch malerische Dörfer. Die Fahrt zu den Naturschönheiten ist zugleich ein spannender Ausflug in die Vergangenheit.

Rund 200 Städte gehörten zur Hanse, einem Handels- und Schutzbündnis, das vom späten 12. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zahlreiche Märkte zu einem gemeinsamen Wirtschaftsgebiet verband. Der daraus entstehende Bedarf an Handelsgütern prägte den ländlichen Raum, indem er die Spezialisierung auf bestimmte Rohstoffe und Waren förderte. Zwei Hansestädte, Uelzen und Salzwedel, werden Sie auf Ihrer Reise durchqueren. Lüchow, die dritte Stadt auf der Route, war kein Mitglied der Hanse. Durch das Flüsschen Jeetze(l), einem wichtigen Transportweg der Salzwedler Schiffer, profitierte sie dennoch vom Warenumschlag.

Trotz Krieg und Zerstörung zeugen noch heute prächtige Bauwerke vom Wohlstand der hanseatischen Geschäftsleute. Auf dem Land erinnern vor allem die kleinen mittelalterlichen Dorfkirchen an die Zeit der Hanse, sie zählen zu den ältesten erhaltenen Bauwerken Deutschlands. Angesichts marodierender Raubritter, Kriegen, Krankheiten, Naturkatastrophen und anderer Alltagsgefahren blieb den Menschen auf dem Land meist nur das Gebet. Für den Bau der trutzig wirkenden Gotteshäuser nutzte man bis ins 15. Jahrhundert Feldsteine.

Ihre Zeitreise wäre unvollständig ohne einen Besuch der Wasserburg in Bad Bodenteich. Die teils restaurierte, teils wieder errichtete Anlage bietet mit dem Burgmuseum, Robin-Hood-Castell, einem Lehrpfad zur Medizingeschichte und dem „400 Wasser-Barfußpfad“ vielfältige Möglichkeiten, um in die Welt des Mittelalters einzutauchen.

Sich über Kreis- oder Ländergrenzen zu bewegen, wie es auf dieser Radtour geschieht, war einst undenkbar. Im Gegenteil wurden im 14./15. Jahrhundert sogenannte „Landwehren“ angelegt. Die oft mit Dornen bewachsenen Erdwälle mit vorgelagertem Graben besaßen nur wenige Durchlässe, sodass man den Verkehr kontrollieren und Zoll einnehmen konnte.

Die Biber-Tour: Naturerlebnisse entlang der Elbe

Ein guter Startpunkt für die Tour ist Gartow im östlichen Wendland auf der niedersächsischen Elbseite. Der hübsche kleine Ort ist bekannt für das barocke Schloss vom Anfang des 18. Jahrhundert und die ebenfalls barocke St.-Georgs-Kirche. Besonders reizvoll ist der schöne See. Dort leben gleich mehrere Biber, ein spezieller Lehrpfad führt am Ufer entlang und informiert über die scheuen Tiere.

Von Gartow geht es in nördlicher Richtung zunächst zum Höhenzug des Höhbeck. Dort lohnt ein Abstecher zum Aussichtsturm auf der Spitze des Hügels. Der Radweg führt aber flach am Höhbeck entlang und weiter in Richtung Elbe zur Elbfähre in Pevestorf. Dort setzt man über die Elbe nach Lenzen über. Das Städtchen im nordwestlichsten Zipfel Brandenburgs lohnt mit seinen hübschen Fachwerkhäusern und der alten Kirche einen Besuch.

Der Radweg führt in östlicher Richtung weiter durch die Elbniederung, bis man bei Lütkenwisch erneut per Fähre über den Fluss auf die niedersächsische Seite nach Schnackenburg übersetzt. Als kleinste Stadt Niedersachsens war Schnackenburg zur Zeit der deutschen Teilung auf drei Seiten von der Grenze zur DDR umgeben. Das Grenzlandmuseum am Hafen informiert über diese Zeit. Sehenswert sind auch der Marktplatz und die St.-Nikolai-Kirche.

Weiter geht es in südlicher Richtung und über die Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt. Dort folgt man dem Weg bis auf Höhe des kleinen Ortes Aulosen und biegt dann wieder in westlicher Richtung nach Bömenzien ab. An die frühere Zonengrenze erinnert ein alter DDR-Grenzturm.

Mit etwas Glück kann man sowohl den Elb-Biber als auch den Seeadler sehen - beide Tiere waren zwischenzeitlich in der Region ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Um gleich zwei Biber - hier zwei kämpfende Tiere - zu sehen, muss man viel Glück haben.

Wichtige Informationen für Ihre Radtour

Der Rundweg im Dreiländereck von Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist weitgehend flach und als Tagestour auch gut von Familien mit Kindern zu bewältigen. Zweimal geht es auf der Strecke mit einer Fähre über die Elbe. Auch für Radreisende, die auf dem Elberadweg unterwegs sind, kann die Biber-Tour als Tagesetappe eine interessante Abwechslung sein.

Über die Bahnhöfe in Salzwedel, Schnega, Wieren, Stederdorf, Uelzen und Bad Bodenteich ist die bisher noch unbeschilderte, auch für „Neuaufsteiger“ geeignete Strecke per ÖPNV gut erreichbar. und außer vielleicht etwas Gegenwind werden sich Ihnen auf Ihrer Fahrt keine Hindernisse in den Weg stellen. Bitte beachten Sie, dass Sie sich in einer ländlich geprägten Region befinden. Außerhalb der größeren Orte gibt es nicht in jedem Dorf Unterkünfte, Restaurants oder Supermärkte.

Die beste Reisezeit zum Radfahren im Wendland ist vom 15. April - 15. Oktober - 14.

KLP-Fahrradtouren im Überblick

Hier eine Übersicht einiger KLP-Fahrradtouren im Wendland:

Tour Länge Dauer
KLP-Fahrradtour 1: Göhrde - Elbe 37 km 3 Std.
KLP-Fahrradtour 2: Swinnmark - Altmark Update 30 km 2 Std.
KLP-Fahrradtour 3: Ostroute Dannenberg - Elbe 49 km 3 Std.
KLP-Fahrradtour 3: Westroute Dannenberg - Elbe 29 km 1:46 Std.
KLP-Fahrradtour 4: Ostroute - Jeetzelniederung 33 km 2:30 Std.
KLP-Fahrradtour 4: Westroute Drawehn 30 km 2:30 Std.
KLP-Fahrradtour 5: Niederer Drawehn 38 km 3 Std.
KLP-Fahrradtour 6: Lucie bis Höhbeck 40 km 3 Std.
KLP-Fahrradtour 7: Lüchower Niederung 52 km 3:45 Std.
KLP-Fahrradtour 8: Lemgow 35 km 2:30 Std.

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