Die Uckermark, unweit von Berlin gelegen, eignet sich hervorragend für eine Radtour. Die weitgehend ebene Landschaft im Norden Brandenburgs ermöglicht es, fernab vom Großstadttrubel Stress abzubauen. Die abwechslungsreiche Landschaft macht das Radfahren zu mehr als nur Sport - Entspannung und Entdeckung sind ständige Begleiter.
Das gut ausgebaute Wegesystem zieht sich quer durch die ganze Uckermark und hat Anbindung an die großen Radfernwege Berlin-Kopenhagen und Oder-Neiße-Radweg. Neue, wenig befahrene Straßen verbinden zwei sehr gut ausgebaute asphaltierte Fahrradwege: „Spur der Steine“ und „Uckermärkischer Radweg“.
Uckermärkischer Radrundweg
Der Uckermärkische Radrundweg verbindet Fürstenwerder und die Flößerstadt Lychen. Dieser Radweg wurde 2006 eröffnet und ist 260 km lang. Offizielle Radwege sind ja immer eine sichere Bank, wenn es um Landschaft, Beschilderung und Wegbeschaffenheit geht.
Meine Tour mit Sue
Meine Freundin Sue wollte übers Wochenende mit dem Rad durch die Uckermark. Da musste sie mich natürlich nicht zweimal fragen. Am Samstag sind wir ein Stück auf dem Uckermärkischen Radrundweg geradelt.
Am Samstagmorgen fuhren wir mit Sack und Pack vom Berliner Hauptbahnhof mit dem Zug nach Schwedt. Der Zug war voll mit Menschen, die ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs waren. In Schwedt angekommen, fuhren wir über Bahnhofs- und Karl-Marx-Straße Richtung Oder. Die erste Strecke führt entlang auf dem Oder-Neiße-Radweg.
Es waren 28°, die Sonne schien wunderbar, und es waren kaum Radfahrer unterwegs. Aus meinem Bluetooth-Lautsprecher dudelte Bob Marley. Dann ging es über die Brücke auf die andere Seite der Oder. Bagger und Baustellenfahrzeuge und ein „Einfahrt verboten“-Schild lachten uns an. Der Zaun, der vor dem Radweg stand, war schon beiseite geschoben und so fuhren auch wir fröhlich voran. Nun direkt auf dem Deich. Der Deich samt Radweg endet abrupt.
Wir müssen unsere Räder durch ein Stück Sand schieben. Später nochmal. Geht aber. So fuhren (oder schoben) wir weiter entlang der Oder. An der nächsten Brücke haben wir dann wieder rüber gemacht durch das kleine Dörfchen Gatow. Ab hier war der Uckermärkische Radrundweg dann wunderbar ausgeschildert. Weiter nach Hohenfelde. Die Uckermark ist ja schon sehr hügelig. Das merkten wir hier zum ersten Mal.
Es ging jetzt nicht super steil bergauf, aber lang und stetig. Dazu die Hitze. In Hohenfelde brauchte ich erstmal eine Pause. Wir bogen von der Hauptstraße rechts ab und setzten uns an der Dorfkirche ins grüne Gras. Über Kunow, Kummerow, Jamikow und Schönow ging es fröhlich weiter. Bergauf, bergab. Außer Atem oder jubelnd im Fahrtwind.
Was jedoch hier schon mächtig störte, war die Tatsache, dass die Radroute fast ausschließlich auf der Straße entlang ging. Also wirklich direkt auf der Straße, nicht auf einem Radweg daneben o.ä. Das war wirklich ätzend. Die Straßen waren an diesem Samstag nicht viel befahren, aber dennoch habe ich mir von einem offiziellen Brandenburger Radweg mehr versprochen bzw. Nichtsdestotrotz war die Landschaft natürlich ganz wunderbar.
Kurz vor Blumberg ging der Radweg dann von der Straße ab auf eine asphaltierte Fahrradstraße - Endlich. Und hier fuhren wir dann auch an Wiesen voller Mohn vorbei. Die Freude über Radweg und Mohn wurde aber jäh zerstört als die Wegbeschaffenheit unterirdische Dimensionen annahm. Es ging dann nämlich über einen 70er Jahre Plattenweg, der seitdem vermutlich auch nicht erneuert wurde, da die einzelnen Platten nun uneben aneinander lagen und die Radtour eine holprige Angelegenheit wurde.
Dies gipfelte in eine leicht ansteigende Straße mit Kopfsteinpflaster, auf der an diesem Samstag Nachmittag allerhand Traktoren unterwegs waren. In Zichow angekommen haben wir dann erstmal unter einem Baum eine kleine Rast gemacht. Ich hatte Bierchen im Gepäck, welches wir uns hier erstmal aufgemacht haben - nach der Strecke auch wohl verdient 🙂 Am Horizont taten sich jedoch bereits dunkelgraue Wolken auf.
Wir fuhren weiter, in der Hoffnung wir finden im nächsten Ort Gramzow vielleicht eine Lokalität zum Einkehren, wo wir den Regen abwarten können. Bis hierher war es nämlich eher mau mit Einkehrmöglichkeiten. Am Markt gab es eine kleine Eisdiele. Die Wolken wurden immer dunkler, daher wollten wir hier den Regen abwarten. Ich hatte eine Soljanka (wie immer), die leider nicht so gut war, und Sue eine Portion Pommes. Als Nachtisch gab es noch ein Eis in der Waffel-Muschel.
Das befürchtete Gewitter kam in wenigen Regentropfen herunter, sodass wir nach dem Essen wieder aufbrechen konnten. Den Rest des Weges ging es auch wieder direkt auf der Straße entlang. Über Koboltenhof und Blankenburg nach Seehausen am Oberuckersee. Unsere Unterkunft hatten wir vorher bereits gebucht. Wir übernachteten im Bäumi Hof. Ein ehemaliger Gutshof. Unten wohnen die Eigentümer, oben werden 3 Zimmer vermietet. Das Zimmer war neu und wirklich toll. Eine Mischung aus Modern und Landhausstil.
Übernachtungstipp: Bäumi Hof, Dorfstr.
Wenn man so unterwegs ist, merkt man es kaum, aber als ich mich dann aufs Bett legte, war ich dann doch ganz schön fertig. Es war erst 18 Uhr und in Seehausen war jetzt so erstmal nichts los. Der Eigentümer der Pension empfahl uns nach Quast zu fahren, was wir dann auch taten. Hier gibt es eine kleine Badestelle samt Restaurant. Wir holten uns Bier und setzten uns an Ufer. Kinder spielten im Wasser, ein Mann übte sich im Standup-Paddling, Sonne und Wolken zauberten tolle Bilder in den Himmel. Uckermark.
Später ziehen wir noch ins Restaurant um. Ich probiere nochmal eine Soljanka, die diesmal viel besser ist. Wir trinken noch einen Absacker, bevor wir uns im Halbdunkel wieder zur Pension aufmachen. Von der Wegbeschaffenheit dieser Strecke war ich wirklich sehr enttäuscht, landschaftlich war es aber natürlich Dank Mohn und Kornblumen ganz zauberhaft.
Radtour um die Uckerseen
Nach einer erholsamen Nacht in unser tollen Pension und einem liebevollen Frühstück wollten wir um die Uckerseen radeln. Der Radweg um den Oberuckersee (der südliche von beiden) verläuft aber gar nicht so recht am Wasser lang. Wir ließen unsere Gepäckträgertaschen in der Pension. Meine Billigtasche ist am Vortag nämlich kaputt gegangen.
Los ging es Richtung Bahnhof Seehausen. Vor dem Bahnübergang geht links ein kleiner Wanderweg rein. Wir wollten nicht an der Straße entlang fahren. Dafür war der Weg recht abenteuerlich mit kleinen und größeren Steinen und viel Feldweg-Beschafffenheit. Immer geradeaus. An der Südspitze des Sees fuhren wir auch noch durch ein kleines Waldstück. Teilweise verlief der Weg über Holzbohlen. Aber auch hier über Stock und Stein, leicht abenteuerlich. Ich habe kurz angehalten, um ein Foto des Weges zu machen. Scheinbar hielten wir hier direkt in einem Mückenschwarm.
An einem kleinen Bahnübergang kamen wir dann wieder auf den offiziellen Radweg um den Unteruckersee, der dann auch schön asphaltiert war. Auf dem Weg nach Prenzlau verlief der Weg immer mal wieder direkt am See entlang. Wunderbar. Die Sonne schien. Der Wind wehte mir um die Ohren. Ich war glücklich. So einfach und doch so toll. So etwas muss man echt viel öfter machen.
Auf dem Weg lachte uns ein Schild des Seerestaurants „Am Kap“ an, welches uns von Helga und Günter, ebenfalls Gäste der Pension, am Morgen empfohlen wurde.
Gastro-Tipp: Seerestaurant Am Kap, Uckerpromenade 84,17291 Prenzlau.
Weiter ging es nach Prenzlau. Hier war ich noch nie. Begeistert hat mich die alles überragende Marienkirche im Stadtzentrum. Sie ist wirklich riesig und auch noch weit außerhalb der Stadt zu sehen. Hinter Prenzlau fuhren wir weiter auf einem tollen Radweg um den See. Übrigens auch hier super ausgeschildert. An einer kleinen Badestelle machten wir eine Pause und haben tatsächlich angebadet. In Röpersdorf haben wir uns dann noch ein kulinarisches Highlight in Form von Pommes und Currywurst gegönnt.
Weiter ging es über Zollow, Strehlow und Potzlow. In Potzlow sind wir dann wieder Richtung Seehausen abgebogen. Auf dem Weg zur Pension kamen wir auch noch an tollen alten Gutshäusern und der ominösen Tür im Grünen vorbei. Zurück ging es dann mit dem Zug von Seehausen nach Berlin. Hier habe ich zum ersten Mal einen Waggon erlebt, in dem unten ein durchgängiges Fahrradabteil war.
Weitere Routen und Tipps
- Oder-Neiße-Radweg: Verbindet aktive Bewegung mit einem beeindruckenden Naturerlebnis im Nationalpark Unteres Odertal.
- Oder-Welse-Radrundweg: Erschließt den mittleren Teil des Unteren Odertals und der angrenzenden Region.
- Rundweg „Stolper Turm“: Verbindet die Orte Stolpe, Gellmersdorf, Neukünkendorf, Herzsprung, Angermünde, Dobberzin und Crussow.
- Berlin-Usedom-Radweg: Von der B198 aus mitten durch Felder bis nach Bandelow und Werbelow.
Allgemeine Hinweise
- Die Radverkehrsbeschilderung in der Uckermark wird durch die Knotenpunktwegweisung ergänzt.
- Die touristischen Radrouten sind in der Karte grün hervorgehoben und werden durch die Knotenpunktwegweisung ergänzt, somit können auch individuelle Touren zusammengestellt werden.
- ADFC-Regionalkarte Uckermark, 1:75 000 inkl.
Weitere Informationen
Für weitere Fragen rund um das Land Brandenburg stehen wir gerne auch unter der Rufnummer 0331- 200 47 47 zur Verfügung.
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