Radfahren in Estland: Routen und Tipps für unvergessliche Touren

Estland, das nördlichste Land im Baltikum, ist mit seinen wunderbaren Landschaften und einer insgesamt geringen Verkehrsbelastung ein ideales Ziel für mehrtägige Radtouren. Aktivurlaube liegen voll im Trend, und Estland überzeugt abseits schöner Strecken mit jeder Menge Radfreundlichkeit.

Radrouten in Estland

Die Radrouten in Estland sind eigentlich sehr gut ausgeschildert. Es gibt lokale Routen (die auch mal eine gemähte Wiese sein können), regionale, überregionale, nationale sowie internationale Routen. Allerdings muss man auch in Estland damit rechnen, dass ein Schild nicht mehr da ist oder gar verdreht ist.

Eurovelo-Route 10

Die unangefochtene Hauptstrecke ist die Eurovelo-Route 10. Sie startet im Südwesten an der lettischen Grenze und verläuft in ihrer Kurzvariante gemäß der estnischen Küste leicht sichelförmig in Richtung Nordost. Die Strecke ist zwar etwas stärker befahren als kleinere estnische Routen, aber insgesamt bleibt es angenehm überschaubar. Ein Vorteil dieser Route ist, dass sie zwei sehr zu empfehlende Schlenker über die beiden Großinseln Saaremaa und Hiiumaa beinhaltet.

Die Strecke verläuft eigentlich fast immer an der Ostsee entlang. Wo man das Meer gerade mal nicht sieht, ist es auf jeden Fall immer in der Nähe. Im Grunde ist es ganz einfach: Solange sich (von Süden kommend) links von einem (irgendwo) die Ostsee befindet, ist man auf dieser Route immer goldrichtig unterwegs. Man kann sich eigentlich nicht verfahren.

Gerade rund um Tallinn sind große Teile der Radwege in einem guten Zustand und relativ frisch asphaltiert. Auch die Beschilderung ist hier gut und übersichtlich - wie eigentlich entlang der gesamten Strecke. Man muss aber auch wissen, dass längst noch nicht alle Etappen auf separaten Radwegen gemeistert werden können. Gut, dass hier und auch andernorts der Autoverkehr recht überschaubar bleibt.

Regionale Radwege

In Estland gibt es auch viele regionale Radwege. Beispielsweise durch den Lahemaa-Nationalpark. Tourentauglichkeit sollte das Rad definitiv mitbringen, sonst leidet der Komfort.

Zwei Strecken werden auf der Seite Visitestonia.com thematisch zumindest angekratzt und mit weiterführenden Links versehen:

  • Radstrecken, die eher zentral durch Estland verlaufen.
  • Radstrecken am riesigen Peipsi-See im Osten des Landes oder in den hügeligen Landschaften im Landesinneren.

Radrouten und Sehenswürdigkeiten

Insel Hiiumaa

Auf Hiiumaa ist die Strecke von Pühalepa via Hagaste, Partsi (Radroute, entlang der Küste), nach Kärdla (Einkaufsmöglichkeit) und weiter über Lehtma bis Tahkuna (Leuchtturm u. Estonia-Denkmal, Waldweg, aber recht gut fahrbar) sehr nett. Einen wirklich guten CP (mit Hütten) hat es ca. 8km südlich vom Tahkuna Leuchtturm (noch vor dem Military-Museum). Auch nett ist der uralte Leuchtturm auf der Halbinsel bei Köpu, eine Pension incl. CP hat es 2,5km südöstlich vom Leuchtturm Köpu (Pihla Camping, links von der Schule reinfahren).

Die Bushaltestellen auf der Strecke von Köpu nach Rannaküla sind auch sehenswert, das sind zugleich die örtlichen Bibliotheken... Die rund 40km Landstraße war so wenig befahren, dass man da ruhig zu 8 (!) hätte nebeneinander fahren können. Das Navi hat dort sogar die Kurven als Abbiegehinweise dargestellt, waren immerhin 3 Stück auf den 40km... Einkaufsmöglichkeiten gibt es auf der Strecke allerdings keine, höchstens in Rannaküla "City" könnte es etwas geben. Am Hafen gibt es nur einen kleinen Kiosk.

Leuchttürme auf Hiiumaa

Zu den Sehenswürdigkeiten auf Hiiumaa zählen auf jeden Fall die Leuchttürme. Sie sind sehr unterschiedlich und alle drei sehenswert:

  • Kõpu tuletorn: Wahrzeichen von Hiiumaa und drittältester Leuchtturm der Welt.
  • Ristna: Am Ende der Halbinsel, mit einem Surferstrand in der Nähe.
  • Tahkuna: Mit dem Steinlabyrinth im Norden von Hiiumaa und alten Bunkeranlagen.
Leuchtturm Beschreibung
Kõpu tuletorn Drittältester Leuchtturm der Welt, bietet einen super Ausblick über die Kõpu-Halbinsel.
Ristna Befindet sich am Ende der Kõpu-Halbinsel, in der Nähe eines Surferstrands.
Tahkuna Im Norden von Hiiumaa, mit Steinlabyrinth und alten Bunkeranlagen.

Insel Saaremaa

Auf der Insel Saaremaa angekommen, gibt es nach ca. 4km in Leisi 2 Läden, ein Cafe / Restaurant und einen sehr netten CP (mit 2 Holzhütten). An der Abzweigung der Radroute in Pahapilli von der Straße 21129 gibt es nach ca. 200m ein Haus, in dem ein Auswandererpaar aus Dortmund leckeren Senf verkauft u. macht.

Auf der Landstraße im Südosten von Saaremaa gen Kuressaare war recht viel Verkehr, es gab aber auch einen sehr gut ausgebauten Radweg. Die City ist schon ganz nett (vor allem, wenn man durch die hinteren Gassen streift), das Schloss ist sehenswert. Wir haben da auf dem CP östlich der City 2 Nächte verbracht (gibt dort auch Zimmer, Piibelehe Camping). 2km vom CP gibt es ein richtig großes Einkaufszentrum - Kulturschock nach 1 Woche estländische Pampa garantiert...

Insel Muhu

Auf der Saaremaa vorgelagerten Insel Muhu (verbunden über einen Damm) gibt es im westlichen Teil der Insel ein sehr schönes Freilichtmuseum mit mehreren alten Häusern (Abzweigung gegenüber der alten Mühle hinter dem Damm, Muhu Museum). Nach weiteren 6km (ab der alten Mühle) kommt ein CP (Aki Camping, hat auch Hütten) direkt rechts der alten Kirche, 1km weiter ist ein Konsum.

Wenn du auch mal gerne Schotterpisten fahren magst, kann ich dir die Strecke (Radroute) durch den Norden von Muhu empfehlen (landschaftlich besonders reizvoll! Ca. 30km).

Weitere Routen und Orte

  • Riisipere - Haapsalu: Von Riisipere (ganz kleines Dorf mit Bahnhof, Endstation der Linie von ) nach Haapsalu Bahnhof (sehenswerter alter Bahnhof und kleines Museum + Freilichteisenbahnmuseum!) führt eine wirklich sehr wenig befahrene alte Bahntrasse (in ca. 6h ca. 5 Radler, gut 50km, wassergebundene Oberfläche, mit etwas breiteren Reifen gut fahrbar).
  • Virtsu: In Virtsu, kurz nach dem Hafen, gibt es wieder einen Konsum. Ansonsten ist Virtsu recht tot... Ca. 300m östlich vom Konsum zweigt eine Radroute (alte Bahntrasse) ab.
  • Pivarootsi: Nördlich vom Dorf Pivarootsi, ca. 300m von der Straße gen Küste, gibt es eine alte Windmühle, wo man in Holzhäusern nächtigen kann (etwas skurriles Gesamtambiente und Inhaber...).
  • Tallinn: Die Altstadt von Tallinn ist top saniert und ein beliebtes Ziel bei Reisenden aus aller Welt.

Weitere Tipps für Radfahrer in Estland

  • Wild Zelten: Estland ist deutlich weniger gefährlich zum Wild Zelten als Deutschland, von den Städten mal abgesehen. Schau dir mal die Plätze der RMK an (die estn. Forstverwaltung, gibt auch ne Äpp von denen).
  • Fahrradmitnahme in Zügen: Bis Riisipere kommt man von Tallinn mit der Bahn (Elron, estn. Nahverkehr - für den Fernverkehr ist eine andere Gesellschaft zuständig). Die Tickets sind sehr günstig, die Radmitnahme ist (Stand 2015) frei. Es passen problemlos 10 Räder in den Zug rein. Die Züge sind sehr modern und komfortabel.
  • Fähren: Die Fähren vom Festland nach Hiiumaa fahren ziemlich regelmäßig (s. Fährpläne). Reservieren ist für Radler nicht nötig. Am Hafen von Rohuküla gibt es einen kleinen Imbiss mit leckeren Sachen.
  • Kartenmaterial: Eine umfangreiche Kartenauswahl (Papier) bietet mapfox und die Geobuchhandlung Kiel. Digital kann ich die Openfietsmap Europa (plus die Software GarminBaseCamp - beides kostenlos!) empfehlen.

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