Radfahren in Gruppen: Tipps für ein sicheres und angenehmes Erlebnis

Radfahren in der Gruppe macht Spaß, ist aber auch mit besonderen Herausforderungen verbunden. Vor allem beim Fahrradfahren in der Gruppe sind einige Regeln zur eigenen Sicherheit und der Sicherheit der anderen Teilnehmenden zu beachten, welche in diesem Artikel beleuchtet werden.

Gesetzliche Bestimmungen und Regeln

Eine Gruppe ab 16 Radfahrern darf einen geschlossenen Verband bilden. Gemäß §27 StVO Absatz 1 ist ein Verband dann geschlossen, wenn er für die anderen Verkehrsteilnehmer als solcher deutlich erkennbar ist. Bei geschlossenen Verbänden aus Kraftfahrzeugen muss jedes einzelne Fahrzeug durch beispielsweise Fahnen als zum Verband gehörig gekennzeichnet sein. Im Verband sind Radfahrer von der Radwegbenutzungspflicht ausgenommen.

Ein Gruppenmitglied muss den Verband führen. Wer die Kolonne führt, hat dafür zu sorgen, dass sich der Verband an die allgemeinen Verkehrsregeln und die Sonderregelungen hält. Gemäß §27 StVO ist darauf zu achten, dass der Verband geschlossen bleibt. Besondere Vorschriften gelten hier insbesondere an Ampeln und beim Abbiegen. Regelt weder eine Ampel noch ein anderes Verkehrszeichen die Vorfahrt an einer Kreuzung, gilt bekanntlich rechts vor links.

Nach §27 StVO Absatz 2 muss ein geschlossener Verband in angemessenen Abständen Zwischenräume für den übrigen Verkehr einrichten, wenn seine Länge dies erfordert. Bei kleinere Radler-Gruppen gelten die allgemeinen Regeln der StVO für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Straßenverkehr. Radfahrer dürfen auch in kleineren Gruppen zu zweit nebeneinander fahren, aber nur, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird. Eine Ausnahme sind hier Fahrradstraßen, da dürfen Radfahrende immer zu zweit nebeneinander fahren.

Autofahrer haben auf einer Fahrradstraße nur die Erlaubnis zu überholen, wenn ausreichend Abstand gehalten werden kann, ansonsten müssen Autofahrende hinter den Radfahrenden bleiben.

Sicherheitsvorkehrungen und Verhalten in der Gruppe

Damit die Tour reibungslos verläuft, sollten sich Fahrradfahrer laut ADFC an gewisse Radregeln für die Gruppe halten. Der Radfahrer, der die Kolonne führt, ist für die Sicherung der Gruppenmitglieder zuständig. Er benachrichtigt die Radler hinter sich durch Handzeichen. Beim Radfahren in der Gruppe gelten die allgemein bekannten Vorschriften und Verhaltensregeln. Eine Gruppentour ist ein echtes Erlebnis: Gleichzeitig werden insbesondere größere Verbände mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass die Fahrradfahrer in der Mitte nicht die beste Sicht auf den Straßenverkehr haben - und sich auf die vorausfahrenden Radler verlassen können müssen.

Möchtest du nach dem nächsten Vereinstreffen oder ähnlichen Veranstaltungen in der Gruppe heim radeln, solltest du und alle anderen dies nur nüchtern tun: Ein kleiner Schwanker oder eine Unachtsamkeit könnte bereits eine große Massenkarambolage auslösen. Im Übrigen drohen auch betrunkenen Radfahrer Punkte in Flensburg, Bußgelder oder gar der Führerscheinentzug.

Die Teilnahme erfolgt für alle auf eigene Gefahr und Verantwortung und nach der Straßenverkehrsordnung (StVO). Folgen Sie stets den Anweisungen der Tourleitung. Die Tourleitung weist auf Anhalten, Abbiegen und auf Hindernisse durch Zeichen oder Zurufe hin. Geben Sie diese Information möglichst immer weiter. Lassen Sie die Tourleitung immer vorne fahren: Diese kennt nicht nur den Weg, sondern will Sie auch jederzeit sicher an Hindernissen vorbei und durch kritische Situationen führen. Das geht nur von vorne.

  • Halten Sie ausreichend Abstand zu den Vorausfahrenden, drei Radlängen sind meist eine gute Distanz. Damit vermeiden Sie Karambolagen und können Gefahren auf dem Weg gut erkennen.
  • Ausbremsen und Abdrängen Ihrer Mitradelnden und der anderen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer ist ein absolutes No-Go, auch wenn es schnell einmal unabsichtlich passiert. Bleiben Sie aufmerksam!
  • Bei Abfahrten ist besondere Vorsicht geboten, denn hier passieren die schwersten Unfälle. Halten Sie hier noch mehr Abstand und überholen Sie nicht.
  • Wenn Ampeln beim Passieren der Gruppe auf Rot schalten oder Sie aus anderen Gründen keine Vorfahrt mehr haben, bleiben Sie stehen! Dann wird der erste Teil der Gruppe, der die Ampel passiert hat, auf die übrigen Teilnehmenden warten. Nehmen Sie Rücksicht!
  • Halten Sie Abstand zu Fußgängerinnen und Fußgängern, und lassen Sie andere Radfahrende gefahrlos mit viel Abstand passieren. Eine Armlänge Abstand ist eine angemessene Distanz. Blockieren Sie bei einem Halt der Gruppe nicht den Weg, damit andere Verkehrsteilnehmende nicht behindert werden.
  • Bei Pannen und anderen Fahrtunterbrechungen muss sofort die Tourleitung oder die Schlussperson informiert werden.

Handzeichen und Kommunikation

Gemeinsame Radausfahrten sind eine großartige Gelegenheit, der Herzgesundheit etwas Gutes zu tun und gleichzeitig die Freude am Radsport zu teilen, neue Leute kennenzulernen und die Motivation zu steigern. Dabei sind jedoch einige Regeln zu beachten, damit ein sicheres und angenehmes Fahrerlebnis für alle gewährleistet ist.

  1. Verwende klare Handzeichen, um Richtungsänderungen, Hindernisse oder Bremsmanöver anzuzeigen. Rufe “Links” oder “Rechts”, um Richtungsänderungen anzukündigen, oder „Glas“, „Loch“, „Ampel“, etc. um Gefahr klarer zu machen. Halte während des Fahrens Blickkontakt mit den anderen, um deren Absichten zu erkennen.
  2. Halte immer einen angemessenen Abstand zum Vordermann, um ausreichend Zeit zu haben, auf Veränderungen zu reagieren. Beim Kurven fahren bzw. Abbiegen sollte man den Abstand etwas vergrößern.
  3. Vermeide plötzliches Bremsen oder plötzliche Beschleunigung. Berücksichtige auch das Leistungsniveau und die Fähigkeiten aller Gruppenmitglieder. Bergauf: Wenn die Vorderleute zu schnell fahren, können die Schwächeren den Windschatten nicht nutzen.
  4. Versuche, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen. Achte auf Hindernisse, Schlaglöcher, Kanaldeckel, Verkehrsschilder und andere potenzielle Risiken auf der Strecke.
  5. Halte dich immer an die Verkehrsregeln und achte auf andere Verkehrsteilnehmer. Vor Ampeln und Kreuzungen wird die Geschwindigkeit reduziert: Hand in die Luft, “Ampel” rufen, langsam verzögern. Beim Kreuzen einer Vorfahrtsstraße ruft jeder Fahrer laut „frei“ wenn noch mindestens 2 Reihen sicher die Straße queren können oder „Auto“.
  6. In einer Gruppe werden "gefährliche" Tätigkeiten wie An- und Ausziehen einer Jacke, Herausholen eines Riegels aus der Trikottasche, etc.
  7. Natürlich sollten wir auch nicht die Grundlagen vergessen, wie ein funktionierendes Licht und das Tragen eines Helms, das bei unseren Fahrten verpflichtend ist. Indem wir diese Regeln befolgen, können wir die Freude am Radfahren teilen.

Die gemeinsamen Ausfahrten sollen nicht nur sportlich, sondern vor allem auch sicher sein. Der vorne fahrende Fahrer hat eine besondere Verantwortung für die ganze Gruppe. Kanaldeckel und Schlaglöcher werden in einem weiten Bogen umfahren. Hindernisse anzeigen: Der Führende sieht die Hindernisse und zeigt sie frühzeitig an. Die folgenden Fahrer wiederholen das Zeichen frühzeitig, auch wenn sie das Hindernis noch nicht sehen. Rufe wie Glas, Loch, Ampel, Kreuzung machen die Gefahr klarer.

Es empfiehlt sich, vor dem (frühzeitig angekündigten) Abbiegen die Abstände etwas zu vergrößern, um die Gefahr eines Auffahrunfalls zu reduzieren.

Formationen und Techniken

Wer im Training in einer Gruppe oder im Rennen im Peloton mitfahren möchte, sollte bestimmte Formationen sicher beherrschen. Die Doppelreihe ist die klassische Technik beim Fahren in der Gruppe. Die beiden nebeneinander fahrenden „Spitzenreiter“ spenden den Nachfolgenden so optimal Windschatten. Je nach Windstärke und Geschwindigkeit bedeutet dies eine Energieersparnis von bis zu 40 Prozent. Die Duos fahren hintereinander mit minimalem Abstand, was von allen Beteiligten höchste Konzentration verlangt.

Einen Führungswechsel deuten die beiden im Wind fahrenden Piloten kurz an, indem sie sich umblicken, ein Handzeichen geben beziehungsweise die Ablösung ansagen und kurz beschleunigen. Danach scheren sie aus - nach links sowie rechts - und gleiten an der Gruppe vorbei, um dann ganz hinten wieder die letzte Position einzunehmen. Der Nachteil der klassischen Zweierreihe ist, dass beim Wechsel kurzfristig vier Fahrer nebeneinander auf der Straße fahren. Gerade auf verkehrsreichen oder schmaleren Straßen ein nicht zu unterschätzendes Risiko!

Als Alternative kann bei der Doppelreihe auch wie folgt gewechselt werden: Der dem Wind abgewandte oder der links fahrende Führende des Duos beschleunigt zwei, drei Tritte und setzt sich nach rechts vor seinen früheren Nebenmann, sein Hintermann schließt auf und fährt neben ihm.

Wenn eine steife Brise von schräg vorne bläst, staffeln sich die Fahrer seitlich zum Führenden an der dem Wind abgewandten Seite, um sich gegenseitig Windschatten geben können. Dabei sollten sich diese so positionieren, dass sich die Vorderradnabe des nachfolgenden Renners auf Höhe der Hinterradnabe des Führenden befindet. Beim Wechsel lässt sich der führende Pilot auf der dem Wind zugewandten Seite zurückfallen, um seinen Mitfahrern so noch etwas Windschatten zu spenden. Im Optimalfall schließt er sich direkt hinten wieder an. Wenn aber zu viele Fahrer um eine gute Position kämpfen, muss er darauf hoffen, dass ihm ein nachfolgender Pilot eine Lücke aufmacht. Diese Formationsfahrt erfordert etwas Übung.

Ab fünf Personen macht es erst so richtig Sinn, belgisch zu kreiseln. Aus der Vogelperspektive sieht es aus, als würden zwei unterschiedliche schnelle Einzelreihen nebeneinander fahren. Um zu kreiseln, rotieren die Fahrer dabei um eine gedachte Mitte gegen den Wind. Der Vorteil im Gegensatz zur Zweierreihe ist, dass der Führende nur so nur sehr kurz im Wind ist und sich dann zurückfallen lässt. Auf der anderen Seite hat er natürlich weniger Zeit, sich wieder zu erholen, eher das nächste Mal wieder seine Nase in den Wind steckt. Um den belgischen Kreisel richtig gut zu fahren, muss die Leistung hier sehr homogen abgegeben werden. Wenn es funktioniert, sind damit aber hohe Geschwindigkeiten zu erzielen.

Weitere Tipps für sicheres Radfahren in der Gruppe

  • Achte auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu den anderen Radfahrern.
  • Sei immer bremsbereit.
  • Man überholt sich nicht gegenseitig.
  • Achte auf Hindernisse auf der Strecke und gib Handzeichen weiter.
  • Übertreib es nicht: Je länger die zurückgelegte Strecke, desto müder und unkonzentrierter wirst du.

Anfängliche Unsicherheit in einer Rennradgruppe kannst du ablegen, wenn du die Regeln kennst - wie man miteinander fährt und während des Fahrens kommuniziert. Wenn du in eine Gruppe mit etwas erfahreneren Radfahrern eintrittst, solltest du von Anfang an kommunizieren, dass du gerade anfängst - dann wissen alle, auf welchem Trainingsniveau du dich befindest und können sich entsprechend anpassen. Aus meiner Sicht sollte das Tempo in einer Hobbygruppe immer an den Langsamsten angepasst werden.

Du musst dich in einer Rennradgruppe schnell daran gewöhnen, eng nebeneinander zu fahren. Das braucht Übung, weil du dich anfangs eventuell unsicher fühlst - umso wichtiger ist das gegenseitige Vertrauen in der Gruppe. Je höher das Niveau, desto eingespielter sind meist auch die Radsportler aufeinander. Bei manchen Gruppen sieht man dann auch mal drei Radfahrer nebeneinander. Ich persönlich halte da nicht viel von, denn der Radsport sollte in allererster Linie sicher sein - deswegen ist defensives Fahren bei minimalem Risiko für mich oberste Prämisse.

Bei einer Ausfahrt entscheidet ihr zu Beginn, wer vorne fährt. Der erste Radfahrer entscheidet dann auch im Laufe der Fahrt, ob und wann durchgewechselt werden soll und gibt dies mit dem entsprechenden Handzeichen an. Du sparst bis zu 50% deiner Kraft, wenn du im Windschatten der Gruppe fährst. Das ist sinnvoll, wenn deine Kraftausdauer und Durchschnittsgeschwindigkeit als Einsteiger niedriger ist als das der anderen Gruppenmitglieder.

Wenn die Gruppe sich in ihrer Formation gefunden hat, geht es darum, dass ihr so miteinander kommuniziert, dass auch der letzte in der Reihe mitbekommt, was vorne los ist. Dazu gibt es im Radsport verschiedene Handzeichen, auf die jeder in der Rennradgruppe entsprechend reagieren muss.

Hebt der führende Radfahrer die Hand nach oben und ruft dabei, will er auf etwas aufmerksam machen: es kommt eine Kreuzung, ein Hindernis oder eine andere Situation, in der alle Radfahrer bremsen müssen. Hier ist es besonders wichtig, dass der Gruppenführer die Hand rechtzeitig hebt und alle anderen das Signal schnell weitergeben, damit niemand eine Vollbremsung einlegen muss.

Wenn der Gruppenführer die Hand hebt und dabei einen oder zwei Finger ausstreckt, muss sich die Gruppe neu formieren, beispielsweise um eine Engstelle zu passieren. Ein ausgestreckter Zeigefinger signalisiert eine lange Reihe aller Mitfahrer, zwei Finger eine doppelte Reihe mit zwei Fahrern nebeneinander.

Bei einer Ablösung, wenn der erste Radfahrer aus dem Wind rausfahren und sich hinten einordnen will, streckt er in der Regel den linken Arm aus um anzuzeigen, dass der Rest der Gruppe an ihm vorbeiziehen kann.

Deutet der Gruppenführer mit seinem Zeigefinger über dem Kopf nach rechts oder links, erfolgt ein Richtungswechsel, zum Beispiel durch abbiegen.

Legt der führende Radfahrer eine Hand auf den Rücken und winkt damit in eine Richtung, muss die Gruppe ein stehendes Hindernis umfahren. Liegt also zum Beispiel die rechte Hand auf dem Rücken und winkt nach links, befindet sich das Hindernis auf der rechten Seite und wird links umfahren.

Bei einem Hindernis auf der Strecke deutet der Gruppenführer mit seinem ausgestreckten Arm auf den Boden. Bahnschienen, Scherben, Äste oder Schlaglöcher können der ganzen Gruppe zum Verhängnis werden: wenn ein Radfahrer stürzt können die Hintermänner meist nicht rechtzeitig ausweichen.

Schnippt dein Vordermann mit den Fingern oder macht eine schiebende Handbewegung nach hinten, solltest du den Abstand vergrößern.

Bei größeren Gruppen werden die Handzeichen des Gruppenanführers von jedem Radfahrer nach hinten weitergegeben, damit auch der Letzte informiert ist. Frag in einer Rennradgruppe also immer erst nach ihren Handzeichen und Regeln, bevor du mitfährst.

Auch wenn der Gruppenführer den Takt vorgibt - du bist für dich und dein Team verantwortlich und solltest selbst mitdenken.

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