Radfahren in Japan: Tipps und Routen für unvergessliche Erlebnisse

Japan, ein Land der Kontraste, bietet neben den bekannten touristischen Hotspots auch verborgene Schätze, die sich ideal mit dem Fahrrad erkunden lassen. Entfliehen Sie den Menschenmassen der "Goldenen Route" und entdecken Sie die Ruhe und Schönheit abseits der ausgetretenen Pfade. Dieser Artikel bietet Ihnen wertvolle Tipps und Routen, um Japan auf zwei Rädern zu erleben.

Slow Travel: Entspanntes Reisen mit dem Fahrrad

Slow Travel ist mehr als nur ein Trend - es ist eine Philosophie, die Entspannung und Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellt. Anstatt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu hetzen, können Sie mit dem Fahrrad die Umgebung bewusst wahrnehmen und in Ihrem eigenen Tempo erkunden. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf Ihren ökologischen Fußabdruck aus, sondern ermöglicht auch einzigartige Begegnungen und Entdeckungen.

Japan hat grundlegend ein gut ausgebautes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln.

Doch ich persönlich finde Bus- und U-Bahnfahren manchmal eher stressig.Davon abgesehen, dass man nicht so viel von der Umgebung sieht.

Anders, wenn man sich ein Fahrrad leiht, um von A nach B zu kommen. Du selber bestimmst die Route, kannst so schnell oder langsam machen, wie du willst, und unterwegs jederzeit einen Halt einlegen. Wenn du zum Beispiel ein nettes Geschäft oder einen interessanten Schrein am Straßenrand entdeckst.

Die Tage, an denen ich mir ein Fahrrad in Japan leihe, sind oft jene, an die ich mich danach am liebsten zurückerinnere.

Tipps für Ihre Radreise in Japan

Erkunde die Nebenstraßen

Ich verstehe, wenn du natürlich die Top-Empfehlungen im Reiseführer bei deiner Japanreise sehen möchtest. Aber wie wäre es, wenn du zusätzlich zur Nakamise-dōri-Einkaufsstraße zusätzlich ein bisschen durch die Nebengassen schlenderst? Du wirst feststellen, dass dort plötzlich kaum noch Touristen unterwegs sind, sich aber ein paar urige Restaurants verbergen, in denen du vielleicht die besten Ramen deines Lebens isst.

Suche Alternativen zu den berühmten Sehenswürdigkeiten

Stell dir bei der Planung deines Japanurlaubs unbedingt die Frage: möchte ich diese Sehenswürdigkeit im Speziellen sehen oder ist es ein Aspekt davon? Denn letzteres lässt sich vielleicht mit einer Alternative abdecken. Du willst eine große Buddha-Statue sehen? Besuche zum Beispiel die große Kannon-Büste in Ōfuna oder mache einen Tagesausflug zum Ushiku Daibutsu.

Übernachte in einem Ryokan

Was ich aber immer versuche, in eine Reise nach Japan einzubauen, sind ein bis zwei Nächte in einem Ryokan - den herrlichen japanischen Gasthäusern mit fantastischem Essen und natürlichen, heißen Quellen. Eine Übernachtung dort zwingt mich automatisch dazu, ein paar Gänge zurückzuschalten, denn man muss in der Regel spätestens um 18:00 Uhr zurück in der Unterkunft sein fürs Abendessen. Je abgelegener der Ryokan umso besser. Dann gibt es auch rundum nichts zu tun, außer zu entspannen.

Empfohlene Radrouten in Japan

Shimanami Kaido

Die Shimanamikaidō ist so etwas wie die Mutter aller Fahrradwege in Japan. Die von Onomichi auf Honshū nach Imabari auf Shikoku führende Straße wurde 1999 fertig gestellt und von vornherein auch für Radfahrer und Fußgänger geplant. Die Route führt über zehn Brücken und viele kleine Inseln auf 70 Kilometern quer durch die japanische Inlandssee und bietet zahlreiche tolle Aussichten und im Sommer auch die Möglichkeit zum Baden.

Vor einigen Jahren fuhren wir den Shimanami Kaidō - eine Radtour über die Seto-Inlandsee von Okayama nach Imabari auf Shikoku. Dieses Erlebnis wurde zum Wendepunkt für unsere Art zu reisen: Fortan suchten wir aktiv nach Zielen, die sich für kurze Radtouren eigneten und probierten Leihräder-Angebote in ganz Japan aus.

Biwa-Ichi Route

Eine der schönsten Touren führt am berühmten Biwa See entlang. Der Biwa-See oder Biwako in der Nähe der japanischen Kaiserstadt Kyoto ist der größte See Japans. Die gut ausgeschilderte und ausgebaute Biwa-Ichi Route führt einmal rund um den ganzen See und kommt im Ganzen in etwa auf eine Länge von 200 Kilometern, die in zwei bis drei Tagen zu bewältigen sind. Alternativ kann man natürlich auch Teilstücke mit dem Fahrrad abfahren. Am Ufer des Sees harren historische Städtchen, alte Tempel und Schreine, einige Museen und natürlich ganz viel Natur auf ihre Entdeckung durch den Radwanderer.

Tsukuba Kasumigaura Ring Ring Road

Die Tsukuba Kasumigaura Ring Ring Road in der Präfektur Ibaraki verbindet den ehemaligen Radweg der Tsukuba Eisenbahn mit dem Uferweg des Kasumigaura Sees zu einer 180 km langen Radstrecke.

Nicht weit entfernt von Tokyo kann man eine Vielzahl an Naturlandschaften mit dem Fahrrad auf der Ring Ring Road entdecken. Es gibt sowohl Flüsse und Feuchtgebiete nahe des Kasumigaura Sees, als auch den Berg Tsukuba, sowie historische und kulturelle Stätten wie den Kashima Schrein.

Im Juni 2018 wurde ein Plan ausgearbeitet, um Japans erstklassige Fahrradrouten in Japan selbst und im Ausland bekannter zu machen und die Fahrradnutzung zu fördern. Hierfür wurde das System der „nationalen Fahrradroute“ im Jahr 2019 ausgearbeitet, nach welchem bestimmte Standards erfüllt werden müssen.

Zusammen mit den beiden Routen Biwaichi und der Shimanami Kaido Radroute, wurde auch die Tsukuba Kasumigaura Ring Ring Road als nationale Fahrradroute ausgezeichnet. Somit soll auch in Zukunft der Radtourismus gefördert werden.

Radfahren in Kyoto: Eine besondere Erfahrung

Kyoto ist eine Stadt, die durch ihre alten Tempel, ruhigen Gärten und lebendigen Traditionen Geschichten aus der Vergangenheit flüstert. Als ehemalige Hauptstadt Japans verfügt sie über ein reiches kulturelles Erbe, das zum Entdecken einlädt. Gibt es einen besseren Weg, die verborgenen Schätze von Kyoto zu entdecken, als auf ein E-Bike zu steigen?

Mit E-Bikes können Sie Kyoto ganz einfach mit dem Fahrrad erkunden, auch wenn Sie nicht zu den erfahrensten Radfahrern gehören. Mit ein wenig Schub durch den Elektromotor können Sie sanfte Hügel bewältigen, ohne ins Schwitzen zu geraten.

Mit dem E-Bike können Sie Ihre eigene Reiseroute festlegen und versteckte Ecken der Stadt entdecken. Möchten Sie für einen kurzen Fototermin in Kiyomizu-dera anhalten? Nur zu! Lust auf einen Matcha Latte in einem urigen Café? Das können Sie auch!

Beliebte E-Bike-Verleiher in Kyoto

  • Kyoto E-Bike
  • Cycle Kyoto

Empfohlene Routen in Kyoto

  • Philosophenpfad: Diese malerische Route folgt einem von Kirschbäumen gesäumten Kanal, was sie besonders im Frühling atemberaubend macht.
  • Arashiyama-Gebiet: Hier können Sie durch die üppigen Wälder fahren und die ikonische Togetsukyo-Brücke besuchen.

Kulinarische Tipps für Kyoto

Schauen Sie sich beim Radfahren unbedingt Tsujiri an, das für seine Matcha-Desserts berühmt ist. Ein weiteres Muss ist Gion Nanba, wo Sie traditionelle Kaiseki-Gerichte genießen können. Verlassen Sie Kyoto nicht, ohne Yudofu probiert zu haben, ein einfaches, aber schmackhaftes Gericht aus Tofu, der in einer leichten Brühe gekocht wird.

Weitere wertvolle Informationen für Ihre Radreise

Transport von Fahrrädern

In Zügen darf man in Japan sein Fahrrad nur mitnehmen, wenn dieses in einer Transporttasche (rinkō baggu) verpackt ist. Dabei müssen Pedale und Räder demontiert und gesichert werden.

Man kann sich in Japan sehr leicht Gepäck vor- oder nachsenden. Yamato war die erste Firma, die diesen Service anbot und heute das größte Vertriebsnetz hat.

Sicherheit

Ich habe mich in Japan immer sehr sicher gefühlt, wenn es darum ging, mein Rad irgendwo stehen zu lassen. Auch mit Gepäck habe ich mir wenig Gedanken gemacht, weil es im Land nur wenig Kriminalität gibt.

Sprache

Obwohl Japaner extrem hilfreich sind, ist es nicht immer ganz einfach nach dem Weg zu fragen. In den großen Städten ist es relativ einfach sich mit Englisch zu verständigen. Auch sind dort die meisten Wegweiser, Fahrpläne und ähnliches zweisprachig. Ganz anders ist das auf dem Land.

Ausrüstung

Gerade für längere Touren muss nicht nur die Größe passen (viele Fahrräder in Japan sind eher für kleinere Menschen ausgelegt), sondern auch die Qualität. Keinesfalls unterschätzen sollte man zudem die teils starken Gefälle auf japanischen Straßen - Japan besteht ja aus gebirgigen Inseln, da sind Anstiege und Abfahrten also nur natürlich.

Beste Reisezeit

Kyoto ist das ganze Jahr über wunderschön, aber die besten Zeiten für einen Besuch sind im Frühling (März bis Mai) und Herbst (September bis November). Der Frühling bringt Kirschblüten, während der Herbst leuchtendes Laub hervorbringt.

Unterkünfte für Radfahrer

Wir übernachteten auf Zeltplätzen, in Business-Hotels und in Pilger-Unterkünften, die Gästen mit Fahrrädern offen gegenüberstanden. Oft wurden Stellplätze für die Räder angeboten und sogar Werkzeug und Luftpumpen bereitgehalten.

Eine Mischung aus AirBnB, Booking.com und vor Ort schauen hat sich als ideal erwiesen. Manchmal war es nicht ganz einfach kurzfristig etwas Günstiges zu finden. In Hostels mit Mehrbettzimmern hatte ich manchmal einen Raum für mich ganz alleine. AirBnB war oft die günstigere Alternative.

Probiere auch mal Agoda aus. Greenwood Hostel in Izumi-Sano in der Nähe des Kansai International Flughafens. Ryokan in Kinosaki. Geragera Hostel in Akashi / Kobe.

Die 1.000 km-Challenge auf Shikoku

Wir entschieden uns, an der 1.000 km-Challenge teilzunehmen, bei der man einmal rund um Shikoku fährt. Als Reiseziel reizte uns Shikoku bereits seit einiger Zeit und die Tour versprach eine beeindruckende Kulisse am Meer.

Um an der 1.000 km-Challenge offiziell teilnehmen zu können, mussten wir uns vorab anmelden. Die Startgebühr beträgt 8.000 Yen (ca. 66 Euro), dafür erhalten die Teilnehmer ein offizielles „Round Shikoku“- Fahrrad-Trikot und ein Stempelheft. Nur wer eine Mindestanzahl an Stempeln entlang der Tour sammelt, erhält nach Abschluss der Tour eine Teilnahmebescheinigung. Alternativ kann auch das GPS-Tracking eines Radcomputers als Nachweis eingereicht werden.

Zusammenfassung der 1.000 km-Challenge auf Shikoku
Aspekt Details
Teilnahmegebühr 8.000 Yen (ca. 66 Euro)
Leistungen Offizielles Fahrrad-Trikot, Stempelheft
Nachweis Mindestanzahl an Stempeln oder GPS-Tracking

Unsere Reise begann in Tokushima und führte uns um Kap Muroto, die Großstadt Kōchi, vom Quellgebiet des Shimanto-Flusses bis zu dessen Mündung in den Pazifik, vorbei am Kap Ashizuri, entlang der Städte Ainan, Uwajima, Matsuyama, Imabari, Saijō, Marugame, Takamatsu und schließlich zurück zu den Naruto-Meeresstrudeln nördlich von Tokushima. Das Kurzfazit? Es war bergiger als erwartet, wärmer als gehofft und die Natur begeisterte mehr, als wir anfangs dachten. Und jeden Abend waren wir stolz auf uns, wenn wir zurückblickten, welche Entfernungen wir am Tag mit unserer eigenen Muskelkraft geschafft hatten.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0