Körperliche Veränderungen durch regelmäßiges Radfahren

Ich bin maximal flexibel und bewege mich viel mehr als früher - das sind nur zwei gute Gründe, warum ich so gerne auf mein Fahrrad steige. Eine (kurze) Hommage ans Rad, um zu zeigen, wie Fahrradfahren das Leben schöner macht.

„Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden wie beim Fahrrad.“ Das soll Adam Opel (1837-1895) gesagt haben. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter als der Firmengründer von Opel und sage: Das Fahrradfahren hat mein Leben verändert und schöner gemacht.

Ich kann mich noch erinnern, wie stolz ich war, als ich Fahrradfahren lernte und es ohne Stützen über den großen Innenhof schaffte. Später als Teenager waren das Fahrrad und ich keine richtig guten Freunde, vielmehr war es für mich ein unkomfortables Mittel zum Zweck. Sobald ich den Führerschein hatte, brauste ich hauptsächlich auf meinem geliebten Roller umher. Auch zu WG-Zeiten in München nahm ich häufig die Öffis und ging sehr viel zu Fuß.

Im Folgenden zeige ich acht Gründe, warum Radfahren mein Leben bereichert (hat) - und einen echten Gamechanger.

Die Vorteile des Radfahrens für den Körper

Regelmäßiges Radfahren kann helfen, gesund zu bleiben oder zu werden.

1. Radfahren ist gut für den Rücken

Häufige Ursache für Rückenleiden kann sowohl Bewegungsmangel als auch eine ständige, falsche Belastung der Rückenmuskulatur sein. Radfahren gehört zu den rückenschonenden Aktivitäten. Es kräftigt die Rückenmuskulatur und stabilisiert die Wirbelsäule durch Stärkung der kleinen Stützmuskeln um die einzelnen Wirbelkörper herum. So werden Verspannungen gelöst. Wenn der Rücken schmerzt, kann Radfahren helfen. 15 bis 20 Grad Oberkörperneigung reichen, um die Spannkraft im Rücken zu erhalten und den Schwerpunkt über die Pedalposition zu bringen.

Die Tretbewegung kräftigt dann vor allem die untere Rückenmuskulatur und den Bereich der unteren Wirbelsäule. Je stärker der Rücken geneigt wird, desto mehr Kraft kann auf die Pedale gebracht werden - dafür muss aber die Rückenmuskulatur entsprechend ausgebildet sein. Die Neigung des Oberkörpers mit aktiver Rückenmuskulatur schützt auch die Bandscheiben vor Überlastung, und die Fahrbahnstöße können durch das Einfedern mit den Beinen abgefangen werden.

2. Radfahren ist gut für Herz und Kreislauf

Regelmäßiges Radfahren kann Herz-Kreislauf-Störungen vorbeugen und verringert das Risiko einer im mittleren Lebensalter häufig auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankung um das 20-fache. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt fünfmal in der Woche 30 Minuten Bewegung, um dem Bewegungsmangel und den daraus resultierenden Zivilisationskrankheiten entgegenzuwirken.

Es geht dabei nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um mäßige, aber regelmäßige Bewegung. Der Effekt: Bei Radfahrerinnen und Radfahrern kann das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen um bis zu 50 Prozent sinken.

Das tut Radfahren für Herz und Kreislauf: Regelmäßiges Radfahren bringt den Blutkreislauf auf Trab. Herz und Kreislauf werden weniger belastet und arbeiten fortan ökonomischer. Auch die Durchblutung des Herzmuskels in den Koronararterien wird positiv beeinflusst. Vor allem wer länger als 30 Minuten Rad fährt, verbessert seine Herzfunktionen.

Zudem wird Cholesterin abgebaut, das die Blutgefäße verkalken lässt. Die Adern werden wieder flexibler, das Herz-Kreislauf-System insgesamt wird trainiert und erreicht eine höhere Leistungsfähigkeit. Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert die Gefahr eines Herzinfarktes um bis zu 50 Prozent. Die WHO schätzt, dass von 100.000 Bypass-Operationen an Menschen mittleren Alters rund 95.000 nicht nötig wären, wenn sich das Radfahren wieder selbstverständlicher in den Alltag einbringen ließe.

Bewegung in den Alltag bringen: Mit der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ von ADFC und AOK.

3. Radfahren befreit die Atemwege

Auch die Lunge profitiert vom Rhythmus des Radfahrens und wird gleichmäßig mit Sauerstoff gefüllt. Weitere Vorteile: kräftigere Atemmuskulatur, bessere Ventilation der Lunge und Schutz vor Infekten. Deshalb werden Sportarten mit zyklischen Bewegungsformen wie Schwimmen, Walking und Radfahren besonders empfohlen - auch hier gilt drei- bis fünfmal die Woche für etwa eine halbe Stunde.

Für Betroffene von dauerhaften Atemwegserkrankungen kann moderates Radfahren eine wichtige Therapie-Ergänzung sein. So empfehlen Mediziner:innen bei chronischer Bronchitis ein mäßiges Ausdauertraining zu Fuß oder per Rad, ohne Steigungen bei geringer bis mäßiger Belastung. Auch für Asthma-Patient:innen wird Radfahren als Ausdauersportart mit gleichmäßiger Belastung empfohlen, um die Gefahr von Asthma-Anfällen, die bei körperlicher Anstrengung auftreten, zu reduzieren.

4. Radfahren ist gut für die Gelenke

Wer viel sitzt, kann beim Radfahren einen Bewegungsausgleich für die großen Hauptgelenke an Knien, Hüften und Schultern schaffen. Schon relativ kurze Belastungszeiten ab zehn Minuten helfen den Gelenken. Durch seine zyklischen Bewegungsabläufe ist Radfahren besonders gelenkschonend. Weil das Gewicht des Körpers zu 70 bis 80 Prozent im Sattel lagert, werden die Kniegelenke beim Radfahren wesentlich weniger belastet als etwa beim Joggen. Durch die kreisförmige, regelmäßige Beinbewegung können die Gelenkknorpel optimal mit Sauerstoff versorgt werden - und werden vor Arthrose geschützt.

Drei Tipps um Gelenke beim Radfahren zu entlasten:

  • Die Handgelenke am Lenker nicht abknicken. Das vermindert eine Dehnung von Muskeln und Nerven an der Außenseite der Hand und damit das unangenehme, nach einiger Zeit auftretende Kribbeln.
  • Zur Entlastung der Handgelenke öfter die Griffposition wechseln.
  • Nicht mit durchgedrückten Ellenbogengelenken fahren.

5. Radfahren ist gut für die Muskeln

Schon eine Woche Inaktivität kann die Kraft der Muskulatur um die Hälfte herabsetzen. Ab 30 Jahren schrumpfen Muskeln. Radfahren kann das aufhalten. Schon zehn Minuten Radfahren haben einen positiven Effekt auf die Muskulatur. Wer richtig radelt, kann fast die gesamte Muskulatur des Körpers trainieren: Die fürs Treten zuständige Beinmuskulatur, die den Körper stabilisierende Rumpfmuskulatur an Bauch und Rücken sowie die Schulter-Arm-Muskulatur, die den Körper am Lenker abstützt.

Durch regelmäßiges, moderates Ausdauertraining steigt die Fettverbrennungskapazität der Muskulatur. Neue Blutgefäße wachsen in die Muskulatur ein, die dadurch besser durchblutet und leistungsfähiger wird. Jetzt die Gesundheit der Mitarbeitenden fördern und „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ werden!

6. Radfahren kurbelt den Fettstoffwechsel an

Wer viel im Sitzen arbeitet, hat oft mehr Fettreserven als notwendig. Mit Radfahren ist es möglich, diese Reserven als Energiequelle anzuzapfen. Wer sportlich aktiv ist, erhöht das „gute“ HDL-Cholesterin, das als Schutzfaktor vor Herz-Kreislaufkrankheiten gilt. Das gefährliche LDL-Cholesterin - verantwortlich für die Verkalkung der Blutgefäße - wird hingegen abgebaut. Leichtes Radfahren verbraucht rund vier bis fünf Kalorien pro Minute. Wer 45 bis 60 Minuten moderat Rad fährt, kann den Fettstoffwechsel ankurbeln.

7. Radfahren macht glücklich

Das seelische Wohlbefinden wird auch von physischen Funktionen und der Leistungsfähigkeit beeinflusst. Wer oft Ausdauersport treibt, ist psychisch stabiler und weniger anfällig bei Stress. Bewegungsmangel, Übergewicht oder Fettleibigkeit können hingegen mit psychologischen Probleme einhergehen.

Fachleute schreiben dem Radfahren aufgrund seiner gleichmäßigen, zyklischen Bewegungsform eine hohe entspannende Wirkung zu: Es werden sogenannte Stressoren abgebaut - eine emotionale Harmonie und ein positives Körpergefühl breiten sich aus, manchmal sogar schon nach kurzer Fahrt. Egal, ob der tägliche Radweg - etwa auf ruhigen Nebenstraßen oder im Grünen - beruhigend gestaltet wird, oder ob er zur körperlichen Herausforderung dient, mit der Stress abgebaut wird und der sportliche Erfolg das Selbstbewusstsein stärkt - regelmäßiges Radfahren ist in beiden Fällen Balsam für die Seele.

Denn: Bei Ausdaueraktivitäten wie Radfahren werden nach 30 bis 40 Minuten die Glückshormone Endorphin und Adrenalin ausgeschüttet.

Wie Radfahren deinen Körper verändert: Ein Zeitstrahl

Tag 1: Frische für Körper und Kopf

Schon 20 Minuten Radfahren können helfen, Stresshormone wie Cortisol zu senken und die allgemeine Stimmung zu verbessern, fand diese Studie der University of Vermont heraus.

Bereits nach der ersten Fahrt passiert einiges in deinem Körper. Dein Herz schlägt schneller, die Durchblutung verbessert sich - und deine Muskeln, vor allem in den Beinen und im Gesäß, werden aktiviert. Gleichzeitig wird dein Gehirn besser mit Sauerstoff versorgt. Die Folge: Du fühlst dich wacher, klarer und oft auch besser gelaunt.

Tag 10: Mehr Power, weniger Stress

Nach zehn Tagen regelmäßigem Radeln - zum Beispiel zur Arbeit oder abends eine kleine Runde - beginnt dein Körper, sich anzupassen. Du fühlst dich fitter, dein Ruhepuls sinkt und du kommst beim Treten weniger aus der Puste. Auch dein Immunsystem wird stärker: Studien zeigen, dass moderate Bewegung die Abwehrkräfte aktiviert.

Zusätzlich meldet dein Gehirn: Alles läuft besser. Du schläfst tiefer, bist tagsüber konzentrierter - und fühlst dich mental stabiler.

Nach 1 Monat: Neue Routinen, spürbare Veränderungen

Nach einem Monat Radfahren entwickelt sich eine Routine - und dein Körper beginnt, sich auf tiefere Veränderungen einzustellen. Die Muskelfasern, die du beim Radfahren trainierst, nehmen an Volumen zu und verfügen über mehr Kraft. Diese gestiegene Muskelmasse hat auch im Ruhemodus einen positiven Effekt.

Viele merken jetzt: Die Knie tun weniger weh als früher, der Rücken fühlt sich stabiler an, und Treppensteigen ist keine Herausforderung mehr. Auch der Stoffwechsel läuft effizienter: Dein Körper verbrennt Fette besser, du bekommst weniger Heißhungerattacken und deine Verdauung kann sich verbessern. Diese Veränderungen werden etwa nach vier Wochen sichtbar, so der bekannte Sportarzt Prof. Dr. Ingo Froböse.

Tag 100: Dein Körper liebt dich

Nach knapp dreieinhalb Monaten moderatem Ausdauertraining durch Radeln sehen fallen auch anderen Menschen Veränderungen an dir auf.

Nach 100 Tagen verändert sich dein Körper sichtbar und nachhaltig. Deine Ausdauer hat sich messbar verbessert, dein Blutdruck kann sich normalisiert haben, dein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist gesunken. Auch dein Gewicht könnte sich regulieren - nicht, weil du radelst, um Kalorien zu verbrennen, sondern weil du dich insgesamt mehr bewegst und bewusster lebst.

Noch beeindruckender: Radfahren kann laut Studien sogar das biologische Altern verlangsamen. Deine Zellen altern langsamer, weil sich deine Mitochondrien - die Kraftwerke der Zellen - besser regenerieren.

Nach 1 Jahr: Du hast dich neu erfunden!

Wenn du ein Jahr regelmäßig Rad fährst, hast du mehr verändert, als du vielleicht ahnst. Dein Herz arbeitet kräftiger und effizienter, dein Cholesterinspiegel kann gesunken sein, das Risiko für Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck ist deutlich geringer.

Auch psychisch hast du profitiert: Die Bewegung an der frischen Luft, das tägliche Abschalten im Sattel - das alles stärkt deine Resilienz und dein Wohlbefinden. Menschen, die Radfahren in ihren Alltag integriert haben, berichten oft von einem Gefühl der Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Und: Du bist nicht mehr nur jemand, der Rad fährt. Du bist eine Radfahrerin bzw. ein Radfahrer geworden.

Die Muskeln, die beim Radfahren trainiert werden

  • Beinmuskulatur: Quadrizeps, Hamstrings, Wadenmuskeln
  • Rumpfmuskulatur: Bauchmuskeln, Rückenmuskulatur
  • Arme: Unterarmmuskeln, Bizeps, Trizeps

Die positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System

  • Verbesserte Blutzirkulation
  • Gesteigerte Herzfrequenz
  • Erhöhtes Schlagvolumen
  • Geringeres Risiko für Herzkrankheiten
  • Stressabbau

Radfahren im Alltag integrieren

Fahrradfahren passt ideal zum modernen, teils hektischen Leben. Mangelt es Ihnen an Zeit, können Sie zum Beispiel mit dem Fahrrad zur Arbeit zu pendeln, und schon ist die Bewegungseinheit für den Tag erledigt. Einen Trainingsplan wie ein Profi benötigen Sie nicht. Die Grundregel lautet: Dranbleiben! Radeln Sie nicht regelmäßig und über längere Zeit, riskieren Sie, Trainingseffekte zu verlieren.

Mehrere kürzere Strecken bringen oft mehr als lange Strecken am Stück.

Albert Einstein sagte beziehungsweise schrieb einmal: „Das Leben ist wie Rad fahren. Um das Gleichgewicht zu halten, musst du in Bewegung bleiben.“ Dass er damit nicht nur philosophisch, sondern auch medizinisch goldrichtig lag, zeigen etliche Studien zu körperlichen und geistigen Veränderungen durch regelmäßiges Radfahren.

Grundsätzlich hat jede Form von Bewegung ihre positive Auswirkung auf die Verfassung eines Menschen. Besonders Sportarten im Bereich Ausdauer schlagen sich messbar positiv auf die Leistungsfähigkeit nieder, auch die im Alltag. Das Fahrrad nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern Radeln als Ausdauersportart eignet sich besonders, um Herz und Kreislauf zu trainieren, um Kalorien zu verbrennen und um die Aufnahme von Sauerstoff und die Durchblutung zu verbessern. Überdies fördert Radfahren den Muskelaufbau, ohne negative Effekte auf die Gelenke zu haben, und es erhöht die Energiebereitstellung für Körper, Muskeln und Gehirn.

Die oben genannten Vorteile bringt nicht nur das Fahrradfahren, sondern haben auch andere Sportarten. Beim Skilanglauf trainierst du sogar mehr Muskelgruppen als auf dem Rad, der Kalorienverbrauch pro Stunde ist höher und man schont Wirbelsäule, Hüfte und Knie im Vergleich zum Joggen zum Beispiel. Aber wer hat schon brauchbare Loipen vor der Tür und wie oft im Jahr? Auch Schwimmen ist eine schonende Art, Oberkörper und Beine zu trainieren, ohne, dass das eigene Gewicht eine Rolle spielt. Durch die waagerechte Lage im Wasser entlastet man das Herz und nutzt eher die Trainingseffekte im niedrigeren Pulsbereich, aber mehrere Stunden im Wasser sind unrealistisch.

Es gibt sicher viele Sportarten, die auf die eine oder andere Weise stärkere Effekte auf Geist und Körper haben, aber das Radfahren vereint wie keine andere alle diese Benefits, ist gleichzeitig extrem schonend für den Bewegungsapparat und durch Schaltung und Motor kann man die Intensität gezielt steuern. So lange Rad, Sitzposition, Fahrradsattel und Lenker beziehungsweise Fahrradgriffe passen, kann man Radfahren über sehr lange Zeit ausüben, das macht es zur Ausdauersportart Nummer eins.

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