Die Kurische Nehrung ist ein wahres Traumrevier für Radfahrer. Hier erlebt man eine kongeniale Verbindung von Natur und Kultur auf einfachen und verkehrsarmen Strecken.
Heute fahre ich von meinem Hotel aus auf der Kurischen Nehrung nach Süden bis Schwarzort (Juodkrantė). Zuerst muss ich vom Yachthafen zum Fahrradweg finden der über die Halbinsel führt, denn über die Straße darf man mit dem Rad nicht fahren. Es geht hauptsächlich durch Kiefernwälder und Heidelandschaft.
Leider wird der Radweg dann auf 12 Kilometer Länge erneuert und ist auf diesem Abschnitt eine Baustelle auf der auch noch gearbeitet wird. Als ich endlich dadurch bin ist es inzwischen 13 Uhr und es erscheint mir nicht mehr möglich heute nach Nidden und zurück zu fahren.
Die Landschaft ist auch immer recht gleich und mir erscheint es nicht lohnend sich jetzt zu hetzen. Also beschließe ich nach Schwarzort am Haff zu fahren.
Die Kurische Nehrung: Eine einzigartige Landschaft
Mächtige Sanddünen und endlose Wälder prägen die Kurische Nehrung in Litauen. Sie liegt auf einer schmalen, ca. 100 Kilometer langen Landzunge zwischen der Ostsee und dem Kurischen Haff. Ein Großteil dieses traumhaften Naturparadieses steht als Nationalpark Kurische Nehrung unter Schutz und ist gleichzeitig UNESCO-Welterbe.
Wilhelm von Humboldt schrieb schon im Jahre 1809, dass diese insgesamt 98 Kilometer lange, aber meist nur ein bis zwei Kilometer schmale Landzunge aus purem Sand, wie ein eigener Planet wirkt.
Die Kurische Nehrung offenbart Radfahrern ein Traumrevier: Mythenschwere Wälder mit funkelnden Seen, feinsandige Badestrände an der Ostsee und wüstenhafte Dünen, kongenial verbunden durch vorbildliche Radwege ohne nennenswerte Steigungen.
Kleine Fischerorte mit farbenfrohen Häusern zieren die Haffseite, darunter das Künstlerdorf Nida, während sich ein endloser, von hohen Dünen gesäumter Sandstrand die Ostseeseite entlang zieht.
Radfahren entlang der Ostsee und dem Haff
Der Radweg verläuft vorbildlich markiert schnurstracks und bretteben meist auf Seiten der Ostsee bis nach Juodkrante und geizt niemals mit bezaubernden Ausblicken auf das Wasser und die Wälder.
Von den 60 Meter hohen Dünen genießen wir einen umwerfenden Ausblick über die Ostsee und die riesige Lagune des Haffs.
Der Radweg wechselt auf die Haffseite, ab der Kleinstadt Pervalka rollen wir also entlang der Lagune südwärts.
Sehenswürdigkeiten auf der Kurischen Nehrung
Die Kurische Nehrung bietet eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, die man mit dem Fahrrad gut erreichen kann.
Parnidis-Düne
Die wohl beliebteste Sehenswürdigkeit der Kurischen Nehrung ist die beeindruckende Parnidis-Düne, eine etwa 50 Meter hohe Wanderdüne mit einer fantastischen Weitsicht über die atemberaubende Natur.
Die berühmte Parnidis-Düne ist eine der höchsten Wanderdünen Europas, ein absolutes Highlight, dass du bei deinem Urlaub auf der Kurischen Nehrung nicht verpassen solltest.
Von der Parnidis-Düne bietet sich dir eine spektakuläre Aussicht über die schöne Dünenlandschaft und die grünen Wälder bis zur Ostsee und dem Kurischen Haff.
Oben bei der Düne wurde eine große Aussichtsplattform mit einer Sonnenuhr samt einer 13,8 m hohen Steinsäule gebaut.
Nida
Das malerische Dorf am Kurischen Haff zog Künstler dank seiner grandiosen Natur geradezu magisch an.
Nida ist zwar das touristische Zentrum der Nehrung - aber es strahlt eher Ruhe als Rummel aus. Viele Hotels und Privatunterkünfte laden hier mit der Aufschrift „Zimmer frei“ zum Verweilen ein.
Hübsche bunte Fischerhäuser säumen den Ortskern von Nida. Dazu zählen neben dem deutschen Schriftsteller Thomas Mann, in dessen ehemaligem Wohnhaus sich heute ein Museum befindet, auch deutsche Landschaftsmaler sowie der französische Philosoph Jean-Paul Satre.
Besonders in den kleinen Straßen hinter dem Hafen von Nida stehen sehr sehenswerte Fischerhäuschen, überwiegend in hübschem Blau und Rot gestrichen.
Ein kurzer Spaziergang durch den hügeligen Wald führt zum Leuchtturm von Nida. Rot-weiß gestreift steht er von Bäumen umgeben auf einem Hügel.
Preila
Preila (oder Preil) ist ein weiterer hübscher kleiner Fischerort im Nationalpark Kurische Nehrung, etwa 10 Kilometer von Nida entfernt. Auf der Uferpromenade am Haff kann man gemütlich entlang schlendern, nach Vögeln Ausschau halten und die schönen, alten Häuser bewundern.
Eine sehr gut ausgebaute Holztreppe führ über endlose Stufen hinauf auf die sehenswerte Aussichtsdüne. Oben angekommen lässt sich die traumhafte Aussicht in alle Richtungen vom Holzbohlenweg, der einmal rund um die Düne führt, bewundern.
Juodkrantė
Juodkrantė liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Nida und Klaipeda und ist damit der perfekte Ausgangsort, um den Nationalpark Kurische Nehrung zu erkunden.
Die langgezogene Uferpromenade lädt zum Bummeln ein. Sehenswert ist auch das Villenviertel, dessen älteste Gebäude aus der Zeit des großen Bernsteinbooms Mitte des 19. Jahrhunderts stammen.
Am Lehrpfad auf dem Hexenberg warten spannende Holzstatuen auf Spaziergänger. Wir entdecken Gnome, Hexen, Teufel, Drachen und andere Wesen aus der litauischen Mythologie. Toll, wie liebevoll und mit wie vielen Details der Weg über den Hexenberg angelegt ist.
Bärenkopfdüne
Noch bevor man von der Fähre kommend den Parkeingang in Alksnynė erreicht, passiert man den Aussichtspunkt auf der 35 Meter hohen Bärenkopfdüne (Bears Head Dune).
Vom Parkplatz führt ein angelegter Weg ca. 200 Meter zu einer Plattform mit Blick hinüber zum großen Hafen von Klaipeda und über die spärlich bewachsene Landschaft.
Weitere Tipps für die Radtour auf der Kurischen Nehrung
Im Sommer gehört die Kurische Nehrung zu den beliebtesten Urlaubszielen in Litauen. Dann tummeln sich hier Badegäste und Sonnenanbeter.
Im Herbst dagegen kehrt die Ruhe auf der Nehrung ein. Dann ist sie das perfekte Ziel für Naturliebhaber, Ruhesuchende und Vogelfans.
Weg durch die Dünen zum Strand. Besonders zum Sonnenuntergang ist die Stimmung am Strand im Nationalpark Kurische Nehrung fantastisch. Auf ausgedehnten Strandspaziergängen kannst du dir hier im Herbst so richtig schön den Kopf frei pusten lassen.
Wer mit dem Auto in den Nationalpark Kurische Nehrung fahren möchte, muss bei einem Kassenhäuschen bei Alksnynė eine Eintrittsgebühr bezahlen (10 Euro in der Nebensaison, in der Hauptsaison im Sommer 30 Euro). Fahrradfahrer und Fußgänger dürfen dagegen kostenlos in den Nationalpark.
Die Kurische Nehrung: Ein Paradies für Radfahrer
Fazit: Litauen und vor allem die Kurische Nehrung bietet stets eine kongeniale Verbindung von Natur und Kultur auf einfachen und verkehrsarmen Strecken. Mit kilometerlangen weißen Sandstränden, riesigen Sanddünen und unendlichen Kiefern- und Birkenwäldern bietet die Kurische Nehrung einen wunderbaren Mix aus Tundra, Sahara und Ostsee.
Ich kenne kaum Radwege, die auf einer Länge von 50 km so perfekt ausgebaut sind und gleichzeitig so ein Landschaftserlebnis bieten!
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