Radfahren stärkt das Herz, kräftigt die Muskeln und verbessert die Ausdauer. Doch immer wieder liest man, dass Männer, die zu lange auf einem Rennradsattel sitzen, angeblich durch das Radfahren impotent werden.
Das Gerücht: Radfahren und Impotenz
Schon Ende der 90er-Jahre soll der US-amerikanische Sexualmediziner Irwin Goldstein behauptet haben: „Es gibt zwei Sorten männlicher Radfahrer. Die einen sind impotent und die anderen werden es.“ Goldstein, Urologe an der Boston University School of Medicine, berief sich auf seine eigenen Untersuchungen an Amateurfahrern lokaler Radsportvereine.
Vier Prozent aller Hobbyradler, schloss der Arzt damals nach Tests an mehr als 500 Männern, seien impotent. Das Risiko steige mit dem Körpergewicht und wenn jemand wöchentlich mehr als zehn Stunden auf dem Rad sitze.
Was ist die Definition von Impotenz?
Doch was bedeutet überhaupt impotent? Der Begriff „impotent“ ist schwammig - im englischen Wissenschaftsjargon genauso wie in der deutschen Umgangssprache. Streng genommen muss man unterscheiden: zwischen „Zeugungsunfähigkeit“, also Sterilität, und „Erektiler Dysfunktion“.
Ist ein Mann „steril“, gilt er medizinisch als zeugungsunfähig. Er kann Sex haben, jedoch keine Kinder zeugen - etwa, weil die Qualität seiner Spermien nicht ausreicht, die Samenleiter anatomisch fehlgebildet sind oder aufgrund einer Sterilisation (Vasektomie) chirurgisch durchtrennt wurden. Die Erektionsfähigkeit ist dabei nicht eingeschränkt.
Anders bei einem Mann mit „erektiler Dysfunktion“. Der ist theoretisch zeugungsfähig, hat aber Probleme, eine Erektion zu bekommen oder sie lange genug aufrecht zu erhalten, um Geschlechtsverkehr zu haben.
Eine Studie aus Norwegen, die damals viel Aufsehen erregte, bestätigte Goldsteins Warnungen mit folgenden Worten: „Die Häufigkeit von Impotenz und Penis-Taubheit im Radsport scheint größer als bisher angenommen“, lautete das Fazit der skandinavischen Forscher.
Jeder fünfte der von ihnen befragten Amateur-Radfahrer klagte beim Radfahren über Taubheitsgefühle im Schritt. 21 der 160 befragten Männer gaben gar an, sie hätten Erektionsprobleme. Führt Rennradfahren also tatsächlich früher oder später zu erektiler Dysfunktion?
Führen gequetschte Nerven und Blutgefäße bei Radfahrern zu Impotenz?
„Impotent“ im Sinne von „zeugungsunfähig“ macht zu viel Zeit im Fahrradsattel nicht. Radfahrer mit erektiler Dysfunktion gibt es jedoch schon. Vor allem schmale Rennradsättel üben oft großen Druck auf die Dammregion eines Mannes aus, den Bereich zwischen Hodensack und After.
Darunter können Nerven und Blutgefäße leiden, weiß PD Dr. Georgios Hatzichristodoulou, Chefarzt der Urologischen Klinik am Krankenhaus Martha-Maria in Nürnberg: „Bis zu 90 Prozent der Rennradfahrer klagen über Taubheit im Schritt. Durch den Druck des Sattels kommt es zu kleinsten Verletzungen der feinen Nervenfasern im Dammbereich. Zudem verläuft hier die Arteria pudenda, ein Gefäß, das den Penis durchblutet.“
Nerven und Blutgefäße würden auf dem Fahrrad komprimiert und gleichzeitig gestreckt, sodass es langfristig zu einer Minderdurchblutung komme. Diese kann tatsächlich zu Taubheitsgefühlen und Erektionsproblemen führen - vor allem, wenn ein Mann sehr lange auf dem Fahrrad sitzt.
Glaubt man Hatzichristodoulou, besteht bereits für alle ein deutlich erhöhtes Risiko, die mehr als drei Stunden pro Woche auf dem Fahrrad sitzen. „Die Gefahr ist umso größer, je flacher die Sitzposition und je schwerer der Fahrer ist“, sagt Hatzichristodoulou. Das bedeutet: Auf einem Hollandrad wird der Penis nicht so schnell taub wie auf einem Rennrad.
Erektile Dysfunktion kann auch ein Symptom von zu viel Stress und Belastung sein.
Neue Daten liefern Entwarnung: Kein Zusammenhang zwischen Radfahren und erektiler Dysfunktion und Unfruchtbarkeit
Dass ein Fahrradsattel dort Druck ausübt, wo keiner sein sollte, ist nicht von der Hand zu weisen. Neuere Studien mit mehr Probanden relativieren die über 20 Jahre alten Daten von Goldstein und den Norwegern jedoch: Laut einer britischen Untersuchung mit mehr als 5.200 Männern beispielsweise besteht zwischen regelmäßigem Radfahren, erektiler Dysfunktion und Unfruchtbarkeit kein ursächlicher Zusammenhang - auch dann nicht, wenn Männer mehr als 8,5 Stunden pro Woche im Sattel verbringen.
Eine internationale Studie aus Saudi Arabien und den USA, für die Wissenschaftler fast 4.000 Männer aus verschiedenen Sportarten miteinander verglichen hatten, liefert ebenfalls Entwarnung: „Radfahrer haben keine schlechtere Sexualfunktion als Schwimmer oder Läufer.“ Wer auf dem Rad das Gefühl hätte, der Penis werde taub, so die Forscher, sollte aber öfter mal kurz aus dem Sattel aufstehen und ein paar Meter im Stehen fahren. Außerdem helfe es, den Lenker etwas höher zu stellen.
Um Problemen vorzubeugen, rät auch der Nürnberger Urologe Hatzichristodoulou sportlichen Fahrern, unterwegs öfter mal aus dem Sattel zu gehen, bei Bedarf Pausen einzulegen und eventuell über einen anderen Sattel nachzudenken. „Aus urologischer Sicht wären Sättel ohne Nase am besten oder zumindest solche mit einer Aussparung.“
Kann ich vom Rennrad bzw. Radfahren Erektionsstörungen oder Erektionsprobleme, Impotenz bekommen? Ein Überblick über die Studienlage
Der männliche Penis besteht größtenteils aus elastischem Gewebe, das hauptsächlich aus zwei Schwellkörpern besteht. Wenn ein Mann sexuell stimuliert wird, füllen sich diese Schwellkörper mit Blut, wodurch der Penis erigiert wird. Die nervösen Impulse, die für diesen erhöhten Blutfluss verantwortlich sind, kommen aus dem Gehirn und gelangen über das Rückenmark zum Penis, wo sich wichtige Nerven und Blutgefäße im Perineum-Bereich befinden.
Beim Fahrradfahren wird das Körpergewicht des Mannes zwischen den Beckenknochen auf diesem Bereich konzentriert. Viele Rennradfahrer klagen über Taubheit im Schritt, was in den allermeisten Fällen auf den Druck des Sattels zurückzuführen ist.
Bei langen Fahrten kann dieser Druck zu Verletzungen der Nervenfasern und der Arteria pudenda führen, was zu einer Minderdurchblutung und Taubheitsgefühlen im Dammbereich führen kann.
Eine Studie "Cycling and penile oxygen pressure: The type of saddle matters", die von der European Association of Urology 2012 veröffentlicht wurde, untersuchte den Einfluss von Fahrradsitzen auf die sexuelle Gesundheit von Männern. Die Studie ergab, dass schmale Fahrradsitze den Sauerstoffgehalt im Penis um bis zu 82 Prozent reduzieren können und damit das Risiko für Potenzprobleme erhöhen. Die Forscher empfehlen breite, gut gepolsterte Sättel mit einer Nasenlänge von nicht mehr als sechs Zentimetern, um den Damm zu entlasten und das Risiko für erektile Dysfunktion zu verringern.
Langfristig kann dies auch zu Erektionsproblemen führen, insbesondere wenn der Radfahrer lange Zeit auf dem Sattel sitzt. Um dieses Problem zu vermeiden, sollten Rennradfahrer auf einen gut angepassten Sattel achten und regelmäßige Pausen einlegen, um die Durchblutung wiederherzustellen.
Eine weitere Studie "The impact of bicycle seat shape on the pressure to the perineum of the bicyclist" aus dem Jahr 2014, die im Journal of Sexual Medicine veröffentlicht wurde, führte Druckmessungen mit speziellen Sensoren Druckmessungen auf den Sattel durch. Die Teilnehmer waren 90 männliche Radfahrer, die in drei verschiedenen Sattelpositionen auf einem Fahrrad saßen. Die Ergebnisse zeigten, dass der Druck im Dammbereich am niedrigsten war, wenn ein breiter, gepolsterter Sattel verwendet wurde und der Lenker niedriger als der Sattel positioniert war.
Neuere Studien unterstreichen die Wichtigkeit des Sattels und Entlastung des Dammbereichs immer wieder:
- Motallebi et al. (2021) führten eine systematische Überprüfung und Meta-Analyse durch, um den Zusammenhang zwischen Radfahren und Erektionsstörungen zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigten, dass langes Radfahren, insbesondere bei unzureichender Polsterung, signifikant mit einem erhöhten Risiko für Erektionsstörungen verbunden ist.
- Kovac et al. (2020) führten ebenfalls eine systematische Überprüfung der Literatur durch und stellten fest, dass langes Radfahren das Risiko von Erektionsstörungen erhöhen kann, da es zu Nerven- und Durchblutungsstörungen in den Genitalien führen kann.
- Riccetto und Silva (2020) veröffentlichten einen Übersichtsartikel, in dem sie die bisherigen Erkenntnisse zur Verbindung zwischen Radfahren und sexueller Funktion zusammenfassen. Sie betonen dabei, dass weitere Studien erforderlich sind, um den Zusammenhang zwischen Radfahren und sexueller Funktion genauer zu untersuchen.
- Choi et al. (2020) führten eine randomisierte, kontrollierte Untersuchung durch, um den Einfluss der Sattelhöhe beim Radfahren auf den Blutfluss zum Penis bei jungen, gesunden Erwachsenen zu untersuchen. Sie stellten fest, dass eine niedrigere Sattelhöhe zu einem verbesserten Blutfluss im Penis führte.
- Salonia et al. (2019) veröffentlichten einen aktuellen Überblick über die Verbindung zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und männlichen sexuellen Störungen. Sie stellen einen Zusammenhang zwischen längerem Radfahren und einem erhöhten Risiko für Erektionsstörungen her und empfehlen eine Verbesserung der Sattelkonstruktion, um den Druck auf das Perineum zu reduzieren.
Die Wahl des richtigen Fahrradsattels und eine horizontale Sattelstellung oder eine Neigung der Sattelspitze um ein bis drei Grad nach unten bewirkt eine effektive Sitzposition zur Verringerung der perinealen Kompression. Regelmäßige Pausen und Positionwechsel, sowie das Fahren im Stehen sind ebenfalls von großer Bedeutung, um das Risiko von Potenzproblemen bei Männern zu verringern.
Radfahren gilt als besonders gesunder Sport. Männliche Sportler, die häufig lange Radtouren unternehmen, sollten allerdings vorsichtig sein. Denn regelmäßiges Radeln kann bei Männern die Potenz beeinträchtigen und schwere Probleme im Genitalbereich bis hin zur Impotenz verursachen, schreibt der Londoner Urologe Vinod Nargund im Fachblatt „BJU International“.
Durch die beim Radfahren entstehende Hitze in der Beckengegend drohen Radsportlern außerdem eine verringerte Spermienfunktion und Schäden an den Hoden mit der Gefahr der Impotenz.
Besonders gefährdet sind Mountainbiker, die sehr häufig Anomalien in der Region um den Hodensack entwickeln. Zudem könne der Druck durch den Fahrradsattel die Blutversorgung des Areals beeinträchtigen. Studien zufolge klagen 60 Prozent der männlichen Vielradler über Taubheit der Genitalien.
Nargund empfiehlt daher, vor allem bei längeren Touren Pausen einzulegen. Zudem solle man nicht zu große Gänge wählen, weil dies den Druck auf die Auflagefläche erhöhe. Um die Belastung der empfindlichen Körperregion abzufedern, rät der Urologe zu besonders gepolsterten Hosen und Sätteln, um Impotenz durch Fahrradfahren vorzubeugen.
Eine deutsche Studie hat ergeben: Nach einer halben Stunde auf dem Sattel kann die Durchblutung im Genitalbereich um bis zu 70 Prozent abnehmen.
Grundsätzlich gilt: Die positiven Eigenschaften überwiegen: Radeln fördert das Herz-Kreislaufsystem - und das gelenkschonend. Trotzdem sollte man ein paar Dinge beachten: Die Sitzpolster müssen zu den eigenen Sitzhöckern passen. Besser einen breiteren als einen schmalen Sattel nutzen - auch wenn der vielleicht nicht so chic aussieht. Die Sattelspitze sollte ein bis drei Grad nach unten geneigt werden.
Wer beim Radeln zudem alle 10 Minuten kurz in eine stehende Position wechselt, kann sich sicher sein, dass der Blutfluss aufrecht erhalten bleibt.
Mögliche Auswirkungen des Sports auf die Erektionsfähigkeit
Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise dafür, dass Fahrradfahren Impotenz verursacht. Vielmehr hat der Sport eine gesundheitsfördernde Wirkung und kann hierdurch indirekt die Erektionsfähigkeit verbessern.
Besonders negativ wirke sich laut Goldstein sehr langes Fahrradfahren auf die Erektionsfähigkeit aus: Wer wöchentlich mehr als zehn Stunden das Rad nutzt, hat laut dem Wissenschaftler demnach ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Erektile Dysfunktion. Zudem stellt laut Goldsteins Studie ein höheres Körpergewicht des Radfahrers ein Risiko für die Erektionsfähigkeit dar.
Einigen Forschenden zufolge kann dies auf lange Sicht zu einer Schädigung des Gewebes führen, was Erektionsstörungen begünstigen kann. Für diese Hypothese gibt es jedoch keine soliden wissenschaftlichen Belege.
Neuere Studien haben den zuvor vermuteten Zusammenhang zwischen häufigem Radfahren und Erektionsstörungen nicht belegen können: In 2014 wurde in einer groß angelegten Studie mit mehr als 5.200 Personen kein Zusammenhang zwischen Erektionsstörungen und Radfahren gefunden. Dies gilt sogar dann, wenn wöchentlich mehr als acht Stunden mit dem Sport verbracht werden.
Jedoch kann ein schlecht angepasster Fahrradsattel Taubheitsgefühle verursachen. Diesen kann entgegengewirkt werden, indem ein neuer Sattel angeschafft wird. Auch regelmäßige Pausen und das häufige Verändern der Sitzposition können Abhilfe schaffen.
Zwar wurde lange vermutet, dass Fahrradfahren eine negative Auswirkung auf die Potenz hat. Neuere Studien haben diesen Zusammenhang jedoch nicht bestätigt, sondern weisen vielmehr auf die positive Auswirkung von körperlicher Betätigung auf die Allgemeingesundheit hin.
Es besteht kein wissenschaftlich erwiesener ursächlicher Zusammenhang zwischen Fahrradfahren und Impotenz. Einen Fahrradsattel gegen Impotenz gibt es deshalb nicht - jedoch kann ein gut passender, weicher Fahrradsattel dabei helfen, mögliche Taubheitsgefühlen in der Intimregion vorzubeugen.
Dass Radfahren Erektionsprobleme verursacht, ist widerlegt - die Radfahrausrüstung sollte jedoch gut passen, um Taubheitsgefühle im Intimbereich zu vermeiden.
Vorübergehende Erektionsprobleme nach langen Fahrradtouren können durch das Taubheitsgefühl bedingt sein, das in solchen Situationen auftreten kann. Eine solche “Erektionsstörung” ist in der Regel jedoch nur vorübergehend.
Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise dafür, dass Fahrradfahren Impotenz verursacht. Insofern gibt es auch keine Fahrradtypen oder Fahrstile, die ein Risiko für eine Erektile Dysfunktion darstellen. Ein weicher, möglichst bequemer Fahrradsattel und regelmäßige Pausen können jedoch dazu beitragen, Taubheitsgefühle in der Intimregion zu minimieren.
Radfahren ist nicht mit einem höheren Risiko für Impotenz verbunden. Es müssen dementsprechend auch keine speziellen Vorkehrungen getroffen werden, um das Risiko für Impotenz infolge des Radfahrens zu minimieren.
Erektionsprobleme können kurzfristig durch ein Taubheitsgefühl in der Intimregion infolge des Radfahrens verstärkt werden.
Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass Fahrradfahren die Fruchtbarkeit beeinträchtigt.
Was können Radfahrer tun?
Erektionsstörungen sind bei Radsportlern häufiger: Eine Untersuchung bei 1786 männlichen Radsportlern ergab, dass die Rate der Erektionsstörungen zwei- bis dreimal höher lag als bei Nicht-Radsportlern der selben Altersgruppe.
Wenn ein Mann auf einem Fahrradsattel sitzt, lastet ein großer Teil seines Oberkörpergewichts auf der Arterie, die den Penis mit Blut versorgt. Hierdurch wird Druck auf die Arterien und Nerven ausgeübt, die zum Penis führen. Da diese Gefäße und Leitungsbahnen im Wesentlichen ungeschützt sind, ist die Gefahr, sie zu beschädigen, relativ groß. Zusätzlich kann der Nerv, der für die Erektion wichtig ist, gegen den Schambeinknochen gedrückt werden.
Diese Kompression durch den Fahrradsattel vermindert ebenfalls die Blutzufuhr zum Penis. Darüber hinaus kann auch die perineale Kompression, also der Bereich zwischen den Beckenknochen, während des Radfahrens Ursache für Erektionsstörungen sein. Die Kompression führt zu einer Minderdurchblutung des Penis. Dies geht mit einer verminderten Sauerstoffversorgung einher und hat eine Gewebsveränderung (penile Fibrosierung) zur Folge.
Wenn Sie unter Erektionsstörungen leiden oder diese befürchten, sollten Sie einen Facharzt für Männergesundheit konsultieren.
Wir bieten unseren Patienten ein spezielles Diagnoseverfahren an, um zu ermitteln, inwieweit das Fahrradfahren bereits zu Erektionsproblemen geführt hat bzw. führen kann. Hierzu bringen Betroffene ihre Sättel und ggf. ihr Fahrrad mit. Während des Radfahrens auf dem eigenen Sattel erfassen wir die Durchblutung mittels einer speziell entwickelten Elektrode, die an den Penis gelegt wird. Das Fahrrad kann im Anschluss so eingestellt werden, dass die Durchblutung nicht eingeschränkt wird. Auf Wunsch können auch andere Sättel getestet werden, bis ein entsprechend geeigneter Sattel gefunden ist.
Radfahren fördert die Ausdauer, schont die Gelenke und ist als Breitensport für fast jeden geeignet. Herz, Lunge und Atemfunktionen werden kräftiger. Die Bewegung an der frischen Luft hat zudem einen positiven Effekt auf das Immunsystem. Gerade für Übergewichtige ist Radfahren als Ausgleichssport zu empfehlen, weil Bänder, Sehnen und Gelenke nicht überlastet werden. Wichtig: Keine zu großen Gänge einstellen, besser mit möglichst kleinen Übersetzungen und einer relativ hohen Trittfrequenz radeln. Auch nach einer Meniskus- oder Kreuzbandoperation ist Radeln eine der ersten Sportarten, die auf sanfte Weise das Gelenk wieder beweglicher machen und kräftigt.
Männer und Frauen sollten dabei jedoch ihre sexuelle Gesundheit im Blick behalten. Daher ist es wichtig, einen passenden Sattel auszuwählen, der eine gesundheitlich unbedenkliche Sitzposition ermöglicht. Ebenso essentiell sind eine richtige Fahrradeinstellung und die Positionierung des Lenkers.
Wenn man auf dem Sattel Platz nimmt, kommt es zu einer Erhöhung des Drucks im Perineum. In der perinealen Region gibt es viele Nerven, die sehr wichtig für die Sensibilität des Genitals sind. Wenn diese Nerven eine Kompression erfahren bzw. Dauerdruck haben - wie etwa beim Radfahren - kann es zu Taubheitsgefühlen in dieser Region kommen. Bei Männern verlaufen im Perineum auch die für eine Erektion wichtigen Arterien. Ein Sattel, der Druck auf diese Region ausübt, ruft möglicherweise eine Kompression dieser Arterien hervor.
Fahrradfahrer, die Taubheitsgefühle in der Genitalregion verspüren, sollten so lange mit dem Radeln aufhören, bis das Taubheitsgefühl verschwunden ist. Teilweise ist es auch hilfreich, vom Sattel aufzustehen und etwas herumzulaufen oder in stehender Position weiterzufahren. Männer sollten einen geeigneten Sattel auswählen. Einige Männer verwenden einen sogenannten "Keine-Nase-Sattel". Dieser erhöht den Druck auf die Sitzbeinhöcker - statt auf das Perineum. Zusätzlich sollten das Fahrrad und der Sattel individuell eingestellt werden. Bei Frauen kann die Stellung des Lenkers zu Problemen führen. Lenker, die niedriger als der Sattel oder extrem nach unten gebogen sind, führen möglicherweise zu einem erhöhten Druck im perinealen Bereich. Eine gepolsterte Fahrradkleidung macht ebenfalls Sinn.
Dr. Frank Sommer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat sich dazu geäußert, welcher Sport auf Dauer dem besten Stück schaden kann.
Was musst du beim Radfahren beachten?
"Je breiter der Sattel, desto besser", erklärt Dr. Sommer. Hoch im Kurs stehen kugelförmige Sattel ohne Spitze wie die Modelle Bicycle Cushion oder Rideball. Ein regelmäßiges kurzes Wechseln in den Wiegetritt kurbelt zudem die Durchblutung wieder an.
Pass auf, dass dein zweirädriges Schätzchen dir nicht die Manneskraft raubt. Besonders Maschinen mit schmalem Sattel machen der Potenz zu schaffen. Spezielles Beckenbodentraining fördert die Standfestigkeit. "Trainiere die Muskeln zwischen Hodensack und Anus", rät Sommer. Spanne dazu diese Region so an, als würdest du ein 2-Euro-Stück zwischen deinen Pobacken halten wollen. Versuch gleichzeitig, deinen Penis mit Muskelkraft nach oben zu bewegen.
Verbringe möglichst selten länger als 10 Minuten im Sattel, ohne zwischendurch für eine Minute aufzustehen. Während der Pausen kann sich die Sauerstoffversorgung des Penis ausreichend regenerieren. Ein aufrechter Sitz und wenig Sattelkontakt während des Reitens vermeiden die schlechte Durchblutung. Außerdem ist die Statur des Pferdes von Bedeutung: Kaltblüter sind beispielsweise sehr breit gebaut, sodass du bequemer sitzt.
Wenn du trotzdem unsicher bist, ob mit deinem Penis noch alles in Ordnung ist, lasse dich von deinem/deiner Ärzt:in einmal durchchecken.
| Aspekt | Empfehlung |
|---|---|
| Sattelbreite | Breiter Sattel bevorzugen |
| Sattelneigung | Sattelspitze 1-3 Grad nach unten neigen |
| Fahrposition | Regelmäßige Wechsel in den Wiegetritt |
| Pausen | Regelmäßige Pausen einlegen |
| Lenkerposition | Lenker nicht zu tief einstellen |
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