Radfahren bei Kniearthrose: Vorteile, Sicherheit und Tipps

Wenn du Beschwerden mit oder um die Knie herum hast, kann sich Sport wie eine lästige Pflicht anfühlen - und kontraproduktiv sein. Aber Training mit geringer Belastung wie Radfahren kann helfen, einige dieser Schmerzen und Probleme zu lindern. Insbesondere das Radfahren kann laut Expert:innen und Studien dazu beitragen, den Bewegungsradius der Kniegelenke zu verbessern und die Steifheit zu reduzieren.

Wann ist Radfahren bei Knieschmerzen unbedenklich?

Dr. John Hinson, orthopädischer Chirurg am Palm Beach Orthopedic Institute in Florida, empfiehlt den meisten seiner Patient:innen Rad zu fahren, auch wenn sie bereits Knieprobleme haben. "Eine Erkrankung, mit der ich Patient:innen das Radfahren erlaube, ist leichte bis mittelschwere Arthritis", sagt er. "Diese Patient:innen können vom Radfahren profitieren, da es eine Aktivität mit geringer Belastung ist, mit der sie beweglicher werden und ihre Oberschenkel und Beine stärken können."

Wann sollte man auf das Radfahren verzichten?

Es gibt einige Erkrankungen und Knieverletzungen, bei denen Hinson dringend vom Radfahren abrät. Du solltest das Radfahren auch einschränken, wenn du dabei ungewöhnlich starke Schmerzen hast, fügt er hinzu. Fata-Chan empfiehlt, Bike-Workouts zu vermeiden, wenn das Knie geschwollen ist oder die Schmerzen so stark sind, dass du nicht normal gehen kannst. "Du solltest auch nicht weitertrainieren, wenn du wochenlang Knieschmerzen hast", sagt er.

Dennoch gibt es einen großen Unterschied zwischen auszuhaltenden Schmerzen und stechenden, lähmenden Schmerzen, sagt Physiotherapeut Andy Fata-Chan, Gründer von Moment Physical Therapy and Performance in NYC. "In dem Moment, in dem du anfängst, mehr über den Schmerz als über die tatsächliche Aktivität nachzudenken, solltest du etwas verändern."

Absolut tabu ist Radfahren jedoch bei akuten Kniebeschwerden. Diese entstehen nicht selten durch ungeeignete Zweiräder (oft zu klein oder zu groß) oder eine falsche Körperhaltung beim Radeln.

"Wenn du einen allgemeinen, dumpfen Schmerz verspürst, weil du etwas mehr Rad gefahren bist als normal oder nicht genug Schlaf bekommen hast, ist das in Ordnung."

Ergometer oder Radfahren im Freien: Was ist besser bei Knieschmerzen?

Wenn du gerade erst mit dem Radfahren anfängst und herausfinden möchtest, wie sich deine Knie während des Trainings anfühlen, ist ein stationäres Fahrrad vielleicht sicherer. Der größte Vorteil? Du musst nicht durch felsiges Gelände oder über unebene Straßen fahren, sagt Fata-Chan und fügt hinzu, dass beim Indoor Cycling eine vorhersehbare Belastung auf den Körper ausgeübt wird.

Ein weiterer Vorteil des Indoor Cyclings auf einem stationären Bike ist, dass du die volle Kontrolle über Dauer und Intensität deines Workouts hast, so Hinson. Du kannst den Widerstand und die Art des Workouts auf einem Indoor-Bike relativ einfach anpassen. Es gibt jedoch keinen Grund, warum du nicht draußen Rad fahren kannst - es könnte nur etwas mehr Planung erfordern. "Das stationäre Fahrrad kann niemals das Erlebnis beim Radfahren im Freien ersetzen", sagt Hinson.

Wenn du ein Fahrrad besitzt, das richtig auf deine Körpergröße abgestimmt und gut gewartet ist, "kann eine gut geplante Route für Radfahrer:innen mit Knieschmerzen eine sichere und angenehme Erfahrung sein."

Was sind die Vorteile des Radfahrens mit Knieschmerzen?

Laut Expert:innen hat Cycling mehrere Vorteile, insbesondere wenn du versuchst, deine Knie zu regenerieren.

1. Bessere Durchblutung der Gelenke

Es hat einen Grund, dass Menschen vor dem Krafttraining 10 bis 15 Minuten lang Rad fahren. Laut Fata-Chan trägt die zyklische Natur des Radfahrens dazu bei, das Kniegelenk zu komprimieren und zu dekomprimieren, was die Beweglichkeit steigern und Beschwerden reduzieren kann. "Bei 10 Bodyweight Squats wird das Knie nur 10 Mal gebeugt", erklärt er. "Wenn du eine Minute mit dem Rad fährst, kommst du vielleicht auf 60 bis 100 Umdrehungen."

Beim Radfahren wird die immer gleiche Bewegung wiederholt. Die kreisförmige, regelmäßige Beinbewegung sorgt dafür, dass die Gelenkknorpel besser durchblutet und vermehrt Gelenkflüssigkeit produziert wird. Durch die vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit reiben die Gelenkflächen nicht mehr so stark aufeinander, Bewegungen sind weniger schmerzhaft. Außerdem enthält die Gelenkflüssigkeit Nährstoffe, die den Knorpel versorgen.

2. Den Bewegungsradius fördern

Diese zyklische Bewegung bringt verschiedene Vorteile. Wenn du dein Knie durch diese Drehung drückst, wird Gelenkflüssigkeit produziert, die das Knie schmiert und dämpft, sodass es nicht steif wird. Wenn die Knie diesen gesamten Bewegungsbereich durchlaufen können, werden alltägliche Aktivitäten wie zum Beispiel das Bücken, um etwas vom Boden aufzuheben, einfacher und weniger schmerzhaft, erklärt Hinson.

3. Kraft im Unterkörper aufbauen

Sportarten mit geringer Belastung wie Radfahren können helfen, die Muskeln um das Knie herum zu stärken, was wiederum die Gelenke schont, so Hinson. Insbesondere die hinteren Oberschenkelmuskeln und der Quadrizeps unterstützen das Knie beim Beugen bzw. Strecken. Fata-Chan empfiehlt, dich selbst herauszufordern, indem du den Widerstand auf deinem Bike (egal ob stationär oder draußen) auf ein gut machbares Niveau einstellst, da dies die muskuläre Ausdauer in deinen Beinen erhöhen kann.

4. Arthrosesymptome lindern

Kniearthrose ist die häufigste Form der Arthritis und kann Bänder und Sehnen, Knochen und Knorpel schädigen. Radfahren kann jedoch helfen, sie zu verhindern. Wenn du bereits Arthritis in den Knien hast, kann Radfahren das richtige Mittel sein, um deine Schmerzen zu lindern. Eine Studie aus dem Jahr 2015, die im Journal of Rheumatology veröffentlicht wurde, legt nahe, dass 45 Minuten Radfahren an drei Tagen in der Woche mit moderater Intensität Gelenkschmerzen und -steifheit deutlich reduzieren und die Käftigung bei Menschen mit Arthrose fördern kann.

Sicher Rad fahren bei Knieschmerzen

Sowohl Fata-Chan als auch Hinson geben Tipps zum richtigen Radfahren.

Tipp 1: Steigere dich schrittweise

"Beginne mit einer niedrigeren Intensität und Dauer und steigere dein Programm mit der Zeit", sagt Hinson. Sie fügt hinzu, dass viele vergessen, langsam und stetig zu beginnen. "Wenn du dein Programm langsam aufbaust, gewöhnen sich deine Muskeln und Gelenke an neue Belastungen und tragen dazu bei, häufige Überlastungsverletzungen zu vermeiden, die dich vom Radfahren abhalten können."

Tipp 2: Stell deine Sitzhöhe richtig ein

"Eine falsche Sitzhöhe kann sowohl das patellofemorale Schmerzsyndrom (im Bereich des vorderen Knies und der Kniescheibe) als auch Probleme mit dem hinteren Knie (Kniekehle) verursachen, wenn der Sitz zu niedrig bzw. zu hoch ist", sagt Hinson. Bitte deine Physiotherapeutin bzw. deinen Physiotherapeuten oder deine Ärztin bzw. deinen Arzt, dir dabei zu helfen, die richtige Größe zu finden.

Tipp 3: Achte auf die Beweglichkeit der Hüfte und der Knöchel

Bevor du mit dem Radfahren beginnst, solltest du sicherstellen, dass deine Knöchel und die Hüfte beweglich sind. "Wenn sich die Knie beim Radfahren der Hüfte nähern, müssen die Knöchel und die Hüfte tiefer in den Bereich der Dorsalflexion bzw. Hüftbeugung gehen", sagt Fata-Chan. Wenn deine Beweglichkeit in beiden Bereichen eingeschränkt ist, kann dies eine zusätzliche Belastung für deine Knie darstellen. Schau dir diese Übungen für die Beweglichkeit der Hüfte und der Knöchel an.

Weitere Tipps für ein knieschonendes Radfahren:

  • Die richtige Auflagestelle für das Pedal ist zwischen Ballen und Mittelfuß.
  • Die ideale Trittfrequenz liegt bei 80 bis 100 Pedalumdrehungen pro Minute. Deshalb sollte man auch eher in niedrigen Gängen fahren.
  • Am besten in einem Fachgeschäft Sitzhöhe, Kniewinkel und Fußposition prüfen lassen - bei einer optimalen Einstellung sollte so schmerzfreies Radeln möglich sein.
  • Vermeiden sollte man darüber hinaus, zu stark in die Pedale zu treten: besser möglichst leichte Gänge wählen und somit die Belastung fürs Kniegelenk niedrig halten. Für Patienten mit fortgeschrittener Knie-Arthrose bietet ein E-Bike eine gute Alternative.

Wann es Zeit ist, einen Arzt aufzusuchen

Wenn deine Knieschmerzen anhalten oder schlimmer werden, nachdem du deine Symptome mit entzündungshemmenden, frei verkäuflichen Medikamenten und Kompressionsstrümpfen behandelt und das Training reduziert hast, solltest du eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, um schwerwiegende Ursachen auszuschließen. "Es gibt einige Erkrankungen, die zu größeren Problemen führen können, wenn sie ignoriert werden, und dann möglicherweise schwieriger zu behandeln sind oder sogar zu dauerhaften Symptomen führen können", sagt Hinson.

Möglicherweise empfiehlt dir deine Ärztin bzw. dein Arzt auch, eine:n Physiotherapeut:in aufzusuchen, die/der dir helfen kann, einen Rehabilitationsplan mit Beweglichkeits-, Kraft- und dynamische Bewegungen zu erstellen, fügt Fata-Chan hinzu.

Spezialfahrräder für Kniearthrose

Bei (Knie-)Arthrose kann es schwierig sein, zu bestimmen, welches Fahrrad am besten zu Ihnen passt. Um dies herauszufinden, gibt es die Möglichkeit, eine Probefahrt mit einem Spezialrad zu machen.

Van Raam verfügt über mehrere speziell angepasste Fahrräder, die für Menschen mit einer Behinderung geeignet sind. Die Spezialgebiete von Van Raam sind Dreiräder, Elektromobil Dreiräder, Tandems, parallel Tandems, Rollstuhlfahrräder, Transportfahrräder und Fahrräder mit niedrigem Einstieg bzw. Komfortfahrräder. Bei den meisten Van Raam-Fahrrädern ist eine Tretunterstützung möglich.

Angepasste Van-Raam-Fahrräder:

  • Dreiräder
  • Rollstuhlfahrräder
  • Tandems
  • Parallel Tandems
  • Tiefeinsteiger Rad
  • Elektromobil-Dreirad
  • Transportfahrräder

Van Raam hat mehrere orthopädische Fahrräder für Menschen im Programm, die nicht mehr auf einem normalen Fahrrad fahren können. Welche Fahrräder das sind und welche Vorteile sie bieten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Hier eine Tabelle, die Sportarten nach ihrer Eignung bei Kniearthrose einteilt:

Sportart Empfehlung Hinweise
Radfahren Sehr gut geeignet Geringe Belastung, fördert Durchblutung und Beweglichkeit
Schwimmen Sehr gut geeignet Geringe Belastung, gelenkschonend
Nordic Walking Gut geeignet Geringe Belastung, stabilisiert Kniegelenk
Skilanglauf Gut geeignet Geringe Belastung, gleichmäßige Bewegung
Tennis, Badminton, Fußball Weniger geeignet Schnelle Richtungswechsel, hohe Belastung
Joggen Weniger geeignet Hohe Stoßbelastung

Patienten mit Arthrose sollten aber zunächst ihren Arzt fragen und unbedingt steile Wege und Gewaltmärsche vermeiden.

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