Fahrradfahren im Regen: Erlaubt, sicher und komfortabel

Viele Menschen nutzen in Deutschland das Fahrrad als Fortbewegungsmittel. Es ist umweltfreundlich, hält fit und ist in Städten oft schneller als das Auto. Doch was tun, wenn es regnet? Ist Fahrradfahren mit Regenschirm erlaubt? Welche Ausrüstung ist sinnvoll und wie verhalte ich mich sicher im Straßenverkehr?

Rechtliche Aspekte beim Radfahren mit Regenschirm

Die Frage, ob das Radfahren mit aufgespanntem Regenschirm erlaubt ist, wird unterschiedlich beantwortet. Während es in Münster grundsätzlich verboten ist, drückt die Polizei im Kreis Borken bei einem solchen Vergehen angeblich „schon einmal eher ein Auge zu“. Solange die Fahreigenschaften nicht beeinträchtigt sind, darf man auch mit dem Schirm fahren.

Markus Hüls von der Pressestelle der Kreispolizei Borken erklärt: "Geschieht jedoch ein Unfall, ist der Schirmträger schuld." Gleiches gelte etwa für Getränkeflaschen. Ob es sich bei deren Inhalt um Wasser oder alkoholische Getränke handelt, macht übrigens keinen Unterschied. „Aber wer mit einer Bierflasche durch die Gegend fährt, wird im Zweifel natürlich eher kontrolliert“, sagt Hüls.

Weist der Atemalkoholgehalt mehr als 1,6 Promille auf, ist der Führerschein auf jeden Fall weg. Wer unterhalb des absoluten Grenzwerts alkoholisiert durch Fahrfehler auffällt, macht sich ebenfalls strafbar.

Sicherheitsvorkehrungen und Verhalten im Straßenverkehr

Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmenden. Sie haben keine Knautschzone - deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrer*in im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmenden zu rechnen.

Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, indem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer*innen nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen.

Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmenden gültigen Regeln - und seien Sie nicht als Geisterfahrende auf Straßen und Radwegen unterwegs.

Handynutzung auf dem Fahrrad

Handys sind laut Straßenverkehrsordnung verboten, weil sie die Fahrer zu sehr ablenken, betont Klaus Sieker vom Verkehrskommissariat Münster. Wer dennoch während der Fahrt telefoniert oder eine SMS tippt, muss mit einer Geldstrafe in Höhe von 25 Euro rechnen.

Musik hören auf dem Fahrrad

Musik zu hören ist auf dem Fahrrad - sogar mit In-Ohr-Kopfhörern in beiden Ohren - erlaubt. Einzige Bedingung: Der Radfahrer muss sämtliche Geräusche des Straßenverkehrs eindeutig wahrnehmen können. Ist die Musik nachweisbar zu laut gedreht, kann die Polizei ein Bußgeld in Höhe von zehn Euro verhängen. Bei einem Unfall kann Radfahrern die Nutzung von Kopfhörer zudem schnell negativ ausgelegt werden.

Die richtige Ausrüstung für das Radfahren im Regen

Um bei Regen trocken und sicher unterwegs zu sein, ist die richtige Ausrüstung entscheidend. Hier sind einige Tipps:

  • Regenjacke: Eine gute Regenjacke sollte wasserabweisend, atmungsaktiv sein, eine Kapuze haben und über Lüftungen unter den Armen verfügen.
  • Regenhose: Um auch an den Beinen trocken zu bleiben, empfiehlt sich eine atmungsaktive Regenhose, eventuell mit Schuhüberzügen.
  • Regenrock oder Rainlegs: Für kurze Strecken sind Regenrock oder Rainlegs eine unkomplizierte Alternative.
  • Schutzbrille oder Fahrradhelm mit Visier: Eine Schutzbrille sorgt für bessere Sicht und trockene Augen. Alternativ kann man zum Fahrradhelm mit Visier greifen.
  • Wasserdichte Überziehschuhe oder Gummistiefel: Nasse Füße sind ungemütlich. Wasserdichte Überziehschuhe oder kurze Gummistiefel halten die Füße trocken.
  • Wasserdichte Handschuhe und Schlauchtuch: Bei kühlen Temperaturen schützen wasserdichte Handschuhe und ein Schlauchtuch vor kaltem und verregnetem Fahrtwind.
  • Wasserdichter Fahrradrucksack oder Satteltaschen: Laptop, Unterlagen und andere Gegenstände sollten in einem wasserdichten Rucksack oder wasserfesten Satteltaschen transportiert werden.
  • Schutzbleche: Schutzbleche schützen Kleidung, Rucksack und Fahrer*in vor aufspritzendem Wasser.

Zusätzliche Tipps für das Radfahren im Regen

  • Licht am Fahrrad: Bei Regen ist es besonders wichtig, gut gesehen zu werden. Schalten Sie immer das Licht am Fahrrad ein.
  • Vorsichtige Fahrweise: Fahren Sie vorausschauend und defensiv. Der Bremsweg ist bei nasser Fahrbahn deutlich länger.
  • Pfützen vermeiden: Wenn möglich, vermeiden Sie tiefe Pfützen, da Sie nie wissen, was sich darin befindet.
  • Kette fetten: Fetten Sie die Kette nach einer Regenfahrt neu, um Rostbildung zu vermeiden.

Was tun bei Gewitter?

Wer eine Radtour plant, sollte sich vorher informieren, ob Gewitter angekündigt sind. Wen es trotzdem überrascht, sollte wissen, dass auch Fahrräder vom Blitz getroffen werden können. Der ADFC gibt Verhaltenstipps bei Gewitter.

Für Badende heißt es raus aus dem Wasser, denn Wasser leitet. Einen Regenschirm sollte man bei Gewitter auch nicht nutzen.

Abstand vom Fahrrad halten

Fahrräder ziehen Blitze nicht unbedingt an, aber sie leiten. Deshalb sollten Radfahrende, die von einem Gewitter überrascht werden, absteigen und das Fahrrad nicht festhalten, sondern es abstellen und Abstand halten. Schlägt ein Blitz tatsächlich ins Fahrrad ein, kann er sich über die Erde weiterverbreiten. Daher: mindestens 10 Meter und mehr Abstand halten.

Was macht der ADFC?

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen.

Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen.

Pedelecs und E-Bikes

Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn die Fahrenden in die Pedale treten. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben.

Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind - rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

ADFC-Radtouren und Radkarten

Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

Mit fast 3 Mio. verkauften Exemplaren gehören die ADFC-Radtourenkarten weltweit zu den Bestsellern unter den Fahrradkarten. Sie haben einen praktischen Maßstab (1:150.000) und sind mit Hilfe von versierten ADFC-Scouts entstanden, die die Bedürfnisse von Radreisenden verstehen und die Strecken buchstäblich erfahren haben.

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