Radfahren nach Radiusfraktur: Ursachen, Behandlung und Rehabilitation

Beim Radfahren sind Verletzungen, insbesondere im Bereich des Schultergürtels, wie Schlüsselbeinbrüche oder Schultereckgelenksprengungen, typisch für einen direkten Sturz auf die Seite. Eine der häufigsten Frakturen, die Radfahrer betrifft, ist die distale Radiusfraktur (DRF), ein handgelenksnaher Bruch der Speiche. Sie wird meist dadurch verursacht, dass man den Sturz mit der Hand abfangen will.

Neben der distalen Radiusfraktur gibt es weitere Frakturen, die beim Radfahren auftreten können:

  • Radiusköpfchenfraktur: Ein Bruch des ellenbogennahen Anteils der Speiche, der meist durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm entsteht. Radiusköpfchenfrakturen sind allgemein häufig und machen etwa ein Drittel aller Frakturen am Ellenbogen aus.
  • Kahnbeinbruch: Die häufigste Fraktur der Handwurzel, typischerweise verursacht durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand. Diese Fraktur wird oft nicht oder zu spät erkannt.
  • Schädel-Hirn-Traumen und Gesichtsfrakturen: Bei meist unbehelmten Radfahrern können Schädel-Hirn-Traumen auch zu tödlichen Unfällen führen. Auch Gesichtsfrakturen können bei entsprechender Gewalteinwirkung auftreten.

Distale Radiusfraktur: Eine häufige Verletzung

Die distale Radiusfraktur (DRF) ist mit 240 pro 100.000 eine der häufigsten Frakturen und daher im klinischen Alltag von großer Bedeutung. Die chirurgische Therapie ist bei dislozierten Frakturen die etablierte Behandlung und wird in den letzten Jahren immer häufiger durchgeführt.

Komplikationen und Behandlung

Komplikationen bei der Behandlung von DRF sind mit geschätzten Raten von 3-36 % keine Seltenheit. Vor allem kann es bei offenen Frakturen häufig (<44%) zu Wundheilungsstörungen und Infektionen kommen. Eine standardmäßige Ruhigstellung ist sowohl nach geschlossener Reposition als auch nach Operation erforderlich, dabei erfolgt diese heute in der Regel immer noch mit Gips. An dieser Vorgehensweise hat sich seit vielen Jahren wenig geändert.

Gelegentliche Versuche, auf moderne Orthesen umzusteigen, waren trotz guter Forschungsergebnisse in der Regel nicht erfolgreich. Als Gründe werden u.a. Kostenunterschiede, aber auch praktische Erwägungen im Klinikalltag genannt. Für das medizinische Personal ist das Anlegen eines Gipsverbandes zeitaufwendig, personalintensiv und mitunter herausfordernd.

Studie zum Vergleich von Orthese und Gips

Eine randomisierte, kontrollierte klinische Studie wurde zwischen Dezember 2017 und August 2019 am BG Traumazentrum Tübingen durchgeführt. Eingeschlossen waren 50 weibliche und männliche Studienteilnehmer im Alter zwischen 18 und 80 Jahren, die eine DRF mit einer AO-Klassifikation 23-A2 bis C3 erlitten hatten und für eine Reposition und isolierte palmare Plattenosteosynthese vorgesehen waren. Die Patienten wurden dann nach dem Zufallsprinzip der Orthesen-Gruppe (OG) oder der Kontrollgruppe zugewiesen. Die Abbrecherquote lag bei 16%, Hauptgrund dafür war eine Änderung im Behandlungsplan, z.B.

Zur Bewertung wurden folgende Fragebögen und Messungen herangezogen:

  • Fragebogen zur Patientenzufriedenheit
  • Dokumentation des Zeitaufwands beim Anlegen des Gipsverbands bzw.

Entsprechend der Standardbehandlung wurde in der Klinik der betroffene Unterarm zunächst mit Hilfe von Extensionshülsen aufgehängt, unter Zug gesetzt und anschließend reponiert. Nach erfolgter Reposition wurde der Arm entweder mit einem zirkulären Gips oder einer Orthese (OPTIVOhand, OPED GmbH) versorgt bzw. ruhiggestellt. Nach Aufhebung des Zugs wurde eine weitere Röntgenaufnahme angefertigt.

Radiusköpfchenfraktur: Details und Behandlung

Die Radiusköpfchenfraktur ist ein Bruch im ellenbogennahen Anteil des Speichenknochens (Radius). Diese Verletzung ist mit 30 % der häufigste Bruch am Ellenbogengelenk beim Erwachsenen. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. Die Fraktur entsteht beim Sturz auf die Hand bei gestrecktem oder leicht gebeugtem Arm. Die Unfallenergie wird dabei am Handgelenk aufgenommen und durch den Radius zum Ellenbogen geleitet, wodurch die Verletzung des Radiusköpfchens oder des Radiushalses entsteht. Man spricht in diesem Fall von einer indirekten Gewalteinwirkung als Auslöser für die Radiusköpfchenfraktur.

Der Verletzungsmechanismus kann zu unverschobenen Brüchen, knöchernen Abscherungen oder Trümmerbrüchen des Radiusköpfchens führen. Immer, aber gerade bei komplexen Frakturen, muss mit begleitenden Kapsel- oder Bandverletzungen gerechnet werden. Typische Symptome der Radiusköpfchenfraktur sind Ellenbogenschmerzen und Schwellungen an der Außenseite.

Drei Knochen bilden das sehr komplexe Ellenbogengelenk: Der Oberarmknochen (Humerus) ist verbunden mit Elle (Ulna) und Speiche (Radius) des Unterarms. Das Radiusköpfchen ist das obere (kraniale) Ende des Speichenknochens. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Biomechanik des Ellenbogengelenks.

Das Radiusköpfchen überträgt bis zu 60 % der Axialkräfte (Kraft, die in Richtung der Körperachse wirkt) vom Handgelenk auf den Oberarm. Mithilfe der Bandstrukturen stabilisiert es das Ellenbogengelenk gegen den sogenannten Valgusstress. Das heißt, das Gelenk wird gegenüber Aufdehnungen entgegen der Mittellinie nach außen geschützt.

Unfallmechanismus

Der häufigste Unfallmechanismus für eine Radiusköpfchenfraktur sind Stürze auf den gestreckten oder leicht gebeugten Arm, wenn der Betroffene versucht, sich beim Sturz mit der Handfläche am Boden abzustützen. Der Unterarm ist einwärts gedreht.

Symptome

Typische Beschwerden bei einer Radiusköpfchenfraktur sind Schmerzen und Schwellung an der Außenseite des Ellenbogens. Die Einwärts- und Auswärtsdrehung des Unterarms ist schmerzhaft eingeschränkt und häufig kann das Gelenk nicht mehr vollständig gebeugt und gestreckt werden. Starke lokale Schmerzen werden durch Druck auf das betroffene Radiusköpfchen ausgelöst. Kommt es durch den Bruch zu einer Einblutung in das Gelenk, was häufig ist, schränkt dies die Beweglichkeit des Ellenbogens deutlich ein. Besteht eine verschobene Fraktur (Dislokation), kann die Beweglichkeit des Gelenks sogar komplett blockiert sein.

Begleitverletzungen

Bei der Radiuskopffraktur werden bis zu 30 % zusätzliche Verletzungen des umliegenden Bandapparates oder an anderen knöchernen Strukturen beschrieben. Am häufigsten ist das Außenband (Ligamentum collaterale radiale oder LUCL = laterales ulnares collaterales Ligament) betroffen, das die Gelenkkapsel des Ellenbogengelenks verstärkt. Durch die große axiale Krafteinwirkung können zusätzlich Brüche im Bereich der Handwurzelknochen, am unteren Ende des Oberarmknochens (Capitulum humeri) oder am Kronenfortsatz der Elle (Processus coronoideus) entstehen.

Einteilung

Die Einteilung der Radiusköpfchenfraktur erfolgt nach der sogenannten Mason-Klassifikation. Es werden vier Bruchformen unterschieden:

  1. Mason-Typ-1: Nicht verschobene oder um weniger als 2 mm verschobene Brüche.
  2. Mason-Typ-2: Das Bruchstück ist um mehr als 2 mm verschoben.
  3. Mason-Typ-3: Trümmerbruch des Radiusköpfchens.
  4. Mason-Typ-4: Radiusköpfchenfraktur mit gleichzeitiger Luxation im Ellenbogengelenk.

Komplikationen und Spätfolgen

Aus einer Radiusköpfchenfraktur können akute Komplikationen mit Spätfolgen resultieren. Zu den häufigsten Komplikationen zählt die Bewegungseinschränkung des Ellenbogengelenkes. Für den Patienten entsteht ein großer Leidensdruck. Eine Radiusköpfchenfraktur sollte immer fachärztlich behandelt werden, um weitreichende Folgeschäden zu vermeiden.

Zu den häufigsten Komplikationen des Radiusköpfchenbruchs zählt eine chronische Bewegungseinschränkung des Ellenbogengelenks. Auch eine längere Ruhigstellung des Gelenks in Beugestellung durch einen Gips oder nach einer Operation sind Risikofaktoren für die Ausbildung einer Ellenbogensteife. Fehlverheilte Brüche des Radiusköpfchens und Gelenkinstabilität können zu vermehrtem Knorpelabrieb im Ellenbogengelenk führen. Es entsteht ein vorzeitiger Gelenkverschleiß (Arthrose), der die Umwendbewegung des Unterarms, aber auch die Beugung und Streckung im Ellenbogengelenk beeinträchtigt.

Diagnose

Den Hinweis auf das Vorliegen einer Radiusköpfchenfraktur kann bereits die Schilderung des Unfallhergangs geben. Der Patient stellt sich mit einer Schwellung im Ellenbogenbereich vor. Typisch ist ein starker lokaler Druckschmerz über dem betroffenen Radiusköpfchen an der Außenseite des Ellenbogens. Die Standarduntersuchung ist die Röntgenaufnahme des Ellenbogens in zwei Ebenen. Begleitende Verletzungen der Gelenkkapsel oder des stabilisierenden Bandapparates werden vor allem in der Magnetresonanztomografie (MRT) optimal dargestellt.

Behandlung einer Radiusfraktur

Die Therapie richtet sich zunächst nach der vorliegenden Bruchform und den zu erwartenden oder nachgewiesenen Begleitverletzungen. Zu den gängigen Behandlungsmethoden gehören:

  • Ruhigstellung: Ein Gipsverband oder eine Schiene wird angelegt, um das Handgelenk zu stabilisieren und die Heilung zu fördern. Die Dauer der Ruhigstellung beträgt in der Regel vier bis sechs Wochen.
  • Eisbehandlung: Regelmäßiges Kühlen zur Schmerz- und Schwellungsminderung.
  • Schmerzmedikation: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen, die Beschwerden zu lindern.
  • Frühzeitige Bewegung: Nach der initialen Ruhigstellung werden sanfte Bewegungsübungen empfohlen, um die Gelenksteifigkeit zu vermeiden und die Beweglichkeit zu erhalten.
  • Reposition und Fixation: Die Fraktur wird chirurgisch in die richtige Position gebracht. Zur Fixierung werden oft Platten und Schrauben verwendet (offene Reposition und interne Fixation, ORIF).
  • Externe Fixation: In einigen Fällen wird eine externe Fixation verwendet, um das Handgelenk zu stabilisieren, besonders bei stark zersplitterten Frakturen.

Rehabilitation nach einer Radiusfraktur

Die Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, um die volle Funktionsfähigkeit des Handgelenks wiederherzustellen. Die Physiotherapie beginnt in der Regel innerhalb weniger Tage nach der Operation und umfasst folgende Phasen:

  • Frühphase: Passive und aktive Bewegungsübungen zur Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit ohne Belastung.
  • Mittelfristige Phase: Aktivere Bewegungsübungen und beginnende Kräftigungsübungen, um die Muskulatur zu stärken und das Gelenk zu stabilisieren.
  • Spätphase: Intensivere Kräftigungs- und Stabilisationsübungen, gegebenenfalls sportartspezifische Übungen zur Vorbereitung auf die Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten.

Die Prognose nach einer Radiusfraktur ist in der Regel gut, insbesondere bei adäquater Behandlung und konsequenter Rehabilitation.

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