Es passiert beim Radfahren immer mal: Ein Zwicken im Rücken, die Füße oder Finger werden taub, der Po schmerzt. Was man als Tourenfahrer oder E-Bikerin gegen die jeweiligen Schmerzen präventiv und während der Tour tun kann, erklärt Fahrrad- Ergonomiespezialist Dr.
Ursachen von Schmerzen beim Radfahren
Am anfälligsten für typische Radler-Probleme sind die drei Kontaktpunkte des Körpers mit dem Rad: Gesäß, Hände und Füße. Aber auch Oberschenkel-Schmerzen, Rückenschmerzen und Knieschmerzen nach dem Fahrradfahren sind nicht unüblich. Häufig sind Überlastungen in Kombination mit einer ungünstigen ergonomischen Fahrradeinstellung schuld an der Misere.
Muskuläre Dysbalancen und Oberschenkelschmerzen
Wenn beim Fahrradfahren die Muskeln wehtun - insbesondere die Oberschenkelmuskeln -, stecken in den meisten Fällen muskuläre Dysbalancen dahinter. Radfahrer leiden häufiger als andere Sportler unter verkürzten Muskeln. Ungleichgewichte werden durch die einförmigen Bewegungen nicht selten verstärkt. Durch gezielten Aufbau der beteiligten Muskulatur beugt man Muskelschmerzen am Oberschenkel vor.
Adduktorenzerrung
Besonders beim Fußball und Hockey ist das Risiko einer Adduktorenzerrung, auch Leistenzerrung genannt, groß. Zu den typischen Symptomen zählen Schmerzen am inneren Oberschenkel. Verletzungen wie eine Adduktorenzerrung oder ein Muskelfaserriss an einem der Adduktorenmuskeln treten typischerweise als Sportverletzungen auf. Die Adduktoren sind eine Muskelgruppe bestehend aus sechs Muskeln an der Oberschenkelinnenseite, die das Becken (Schambein) mit dem Knochen des Oberschenkels verbinden. Der Name Adduktoren leitet sich vom lateinischen Begriff für "heranziehen" oder "hinziehen" ab. Die wichtigste Aufgabe der Adduktoren ist das Bein nach innen zu ziehen - zum Bespiel beim Tritt gegen einen Ball.
Typisch bei einer Adduktorenzerrung sind stechende Belastungsschmerzen oder Bewegungsschmerzen. Sie betreffen besonders Drehungen, die Abspreizung und das Heranziehen des Beins (Abduktion und Adduktion) und können die Beweglichkeit stark einschränken. Übrigens: Auch Schmerzen im Hüftgelenk werden häufig mit Adduktoren in Verbindung gebracht. Diese Vermutung beruht aber eher auf einem ausstrahlenden Schmerz: Denn die Adduktoren sind nicht direkt mit dem Hüftgelenk verbunden - allerdings mit dem Hüftknochen.
Eine Verletzung der Muskelgruppe der Adduktoren entsteht durch eine Überbelastung. Das kann auch durch einen Unfall passieren, zum Beispiel beim Wegrutschen des Beins auf eisigem Grund im Winter, ist aber typischerweise eine Sportverletzung. Die Adduktorenzerrung als Sportverletzung wird entweder durch einzelne, besonders extreme Bewegungen ausgelöst oder durch eine generelle Überlastung der Oberschenkelmuskulatur - zum Beispiel beim Joggen. Auch beim Skilaufen kann es durch Wegrutschen zu Verletzungen der Adduktorenmuskeln kommen.
Piriformis-Syndrom
Das Piriformis-Syndrom beim Radfahren gehört - ähnlich wie Muskelkater im Rücken - zu den seltenen, aber umso schmerzhafteren Problemen beim Biken. Es kann leicht mit normalem Muskelkater verwechselt werden, da es sich ähnlich anfühlt - ein starker Schmerz, der vom Rücken in die Beine ausstrahlt. Durch Übungen mit einer Faszienrolle wird der im Gesäß befindliche Piriformis-Muskel trainiert und das Problem somit behoben.
Vom Piriformis-Syndrom spricht man, wenn der in der tiefen Hüftmuskulatur lokalisierte Piriformis-Muskel (M. piriformis) verkürzt oder verspannt ist. Da unterhalb dieses birnenförmigen Muskels der Ischiasnerv verläuft, kann eine Verhärtung des Muskels zu Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß führen, die in einigen Fällen bis ins Bein ausstrahlen. Die häufigste Ursache des Piriformis-Syndroms ist eine Überlastung. Daher zielt die Behandlung auf eine Entspannung des Piriformis-Muskels ab.
In seinem Verlauf zieht der Piriformis-Muskel durch das große Sitzbeinloch (Foramen ischiadicum majus) im Becken und teilt es damit in zwei Abschnitte. Unterhalb des Piriformis-Muskels verläuft der Ischiasnerv durch den unteren Teil des Foramen ischiadicum majus. An dieser Stelle, im sogenannten Foramen infrapiriforme, entsteht ein Engpass. Durch eine Verspannung oder Verhärtung des Piriformis-Muskels verringert sich der Platz im großen Sitzbeinloch und es kommt zur Einengung des Ischiasnervs.
Beim Piriformis-Syndrom drückt der Piriformismuskel meist auf den Ischiasnerv und löst Schmerzen in der Gesäßregion aus. Es können aber auch andere Nerven betroffen sein, die durch das Foramen infrapiriforme verlaufen. Die Schmerzen beim Piriformis-Syndrom treten meist einseitig im Gesäß und im unteren Rücken sowie als Beinschmerzen auf, je nachdem welcher der beiden Piriformis-Muskeln betroffen ist. Viele Patienten beschreiben die Schmerzen als stechend und quälend.
In den meisten Fällen verstärken sich die Schmerzen beim Sitzen, Bücken oder längerem Gehen bzw. Laufen. Da der eingeklemmte Ischiasnerv und seine Äste die Beine und Füße innervieren, strahlen die Schmerzen oft in diese Bereiche aus. Auch Taubheitsgefühle, Kribbeln und Missempfindungen sind möglich. Häufig verspüren Patienten die Beschwerden am hinteren Oberschenkel und im Knie.
Weitere Ursachen
- Überlastung
- Muskelkater
- Falsche Sitzposition
- Verkürzte Muskeln
Behandlung und Prävention
Die gute Nachricht: Meistens lassen sich die Probleme durch physiotherapeutische Übungen, Anpassung der Ergonomie oder sogar durch Hausmittel in den Griff bekommen.
Allgemeine Tipps zur Vorbeugung
- Regelmäßiges Dehnen der Beinmuskulatur
- Kräftigung der Rumpfmuskulatur
- Ergonomische Anpassung des Fahrrads
- Richtige Sitzposition
- Pausen während der Fahrt
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
Behandlung von Adduktorenzerrungen
Wichtig ist, dass die verletzte seitliche Oberschenkelmuskulatur ausheilen und sich erholen kann. Darum sollte man bei einer Zerrung oder einem Muskelfaserriss vor allem erst mal die Innenseite der Oberschenkelmuskulatur schonen. Binnen der ersten 48 Stunden nach der Verletzung gilt die PECH-Regel als sehr effizient - wie auch sonst bei Zerrungen oder Prellungen, um Schäden einzudämmen. Steht die Diagnose fest, können schmerzlindernde Maßnahmen durch Medikamente, Gels oder Salben die Behandlung unterstützen. Entscheidend ist außerdem: die Muskulatur nicht zu früh belasten und mit Übungen anfangen. Vorzeitige Belastung der inneren Oberschenkelmuskulatur kann Patientinnen und Patienten im Heilungsprozess zurückwerfen oder eine Zerrung noch verstärken. Grundprinzip: Weglassen, was wehtut.
Bessert sich die Lage, gilt: langsam wieder einsteigen und die Muskeln durch Übungen leicht dehnen, um weitere Verletzungen und Zerrungen der Adduktoren zu vermeiden. Nur sehr selten ist bei einer Adduktorenverletzung eine OP nötig. Das kann der Fall sein bei einem kompletten Muskelriss oder wenn die Adduktorenschmerzen chronisch sind. Bei einem Riss kann die entsprechende Sehne über Knochenanker oder Schrauben wieder am Knochen befestigt werden.
Entscheidend für die Genesungszeit ist die Schwere der Verletzung. Für alle, die keine Sportprofis sind, gilt: Bei einer sehr leichten Zerrung können schon vier bis fünf Tage Ruhe mit Belastungs- und Sportpause reichen. Bei einer normalen, leichten Zerrung geht man von ein bis zwei Wochen aus. Trotzdem sollte man sich danach nicht wieder voll ins Training stürzen und sich nach der Zerrung, auch bei Schmerzfreiheit, noch einen Monat etwas schonen. Zentrales Kriterium für Betroffene ist der Schmerz. Egal bei welcher Tätigkeit, Schmerzen in der Muskulatur sollten dabei nicht auftreten, sonst ist die Heilung noch nicht abgeschlossen. Die Adduktorenmuskeln brauchen dann in jedem Fall noch mehr Schonung und Ruhe.
Behandlung des Piriformis-Syndroms
Ein Piriformis-Syndrom lässt sich in vielen Fällen gut durch konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, exzentrisches Training, Stoßwellentherapie und gezielte Dehnübungen behandeln. Je nach Ausmaß der Beschwerden verbessern sich die Symptome nach wenigen Wochen oder Monaten. Viele Patienten verspüren eine Linderung der Schmerzen durch Kälteanwendungen oder Ultraschalltherapie. Die akute Schmerztherapie erfolgt zudem über entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR).
Leiden Sie am Piriformis-Syndrom, sollten Sie öfter die Schlafposition wechseln, um Verspannungen zu vermeiden und die Durchblutung der Muskulatur in allen Bereichen anzuregen. Sie können sowohl auf dem Rücken als auch auf der Seite schlafen. Allerdings sollten Sie bei starken Beschwerden in Seitenlage mit der schmerzenden Seite nach oben schlafen. Ein Kissen zwischen den Beinen sorgt für Linderung der Beschwerden. Die Hüft- und Schulterregion sollte in die Matratze einsinken.
Dehnübungen für den Piriformis-Muskel
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Dehnen des Piriformis-Muskels:
Ausgangsstellung: Leg dich auf den Rücken und beuge das zu dehnende Bein in Hüft- und Kniegelenk. Deine Hand umfasst das Knie seitlich.
Durchführung: Zieh das in Beugung befindliche Knie Richtung diagonaler Schulter, bis du die Dehnung seitlich in der Gesäßmuskulatur spürst.
Halte die Dehnung etwa 15 bis 30 Sekunden.
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Dehnen der Gesäßmuskulatur:
Ausgangsstellung: Rückenlage, die Beine gebeugt. Kreuze nun die rechte Ferse über das linke Knie. Beide Hände umfassen den linken Oberschenkel.
Durchführung: Ziehe den linken Oberschenkel leicht Richtung Brustkorb, bis im rechten Oberschenkel/Gesäß ein Dehnungsgefühl spürbar ist. Anschließend wechselst du die Seite.
Halte die Dehnung etwa 15 bis 30 Sekunden.
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Mobilisation und Kräftigung der Außenrotatoren:
Ausgangsstellung: Leg dich auf die Seite. Die Hüft- und Kniegelenke sind leicht gebeugt. Deine Beine liegen parallel übereinander.
Durchführung: Drehe das oben liegende Knie Richtung Decke. Die Füße halten dabei Kontakt. Das Becken bleibt stabil.
Halte die Dehnung etwa 15 bis 30 Sekunden.
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Mobilisation der Außenrotatoren mit Theraband:
Ausgangsstellung: Liege auf dem Bauch. Die Oberschenkel sind parallel. Wickel das Theraband um den Unterschenkel und befestige es an einem festen Gegenstand seitlich des Übungsbeines.
Durchführung: Das angewinkelte Bein zieht aktiv gegen den Widerstand des Therabandes nach innen. Der Oberschenkel hält den Kontakt zum Boden.
Wiederhole die Bewegung 15-mal und wechsle dann das Bein. Dies entspricht einem Satz.
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Kräftigung der Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur:
Ausgangsstellung: Stehe vor einem Stuhl. Die Knie berühren die Sitzfläche.
Durchführung: Setz dich mit dem Gesäß nach hinten unten ab. Der Rücken bleibt gerade, die Knie halten den Kontakt zum Stuhl.
Wiederhole die Bewegung 15-mal und wechsle dann das Bein. Dies entspricht einem Satz.
Weitere Maßnahmen
- Anpassung der Sitzposition auf dem Fahrrad
- Verwendung von ergonomischen Sätteln und Griffen
- Tragen von gepolsterten Radhosen
- Regelmäßige Pausen während der Fahrt
- Vermeidung von Überlastung
Professionelle Beratung
Wenn die Schmerzen beim Radfahren häufiger auftreten, sollten man sie genau lokalisieren und näher untersuchen lassen. Es können beispielsweise auch Schäden am Herz die Ursache sein. Dann am besten einen Arzt konsultieren. „In so einem Fall bloß nicht auf Dr.
Wer also mit Rückenschmerzen zu kämpfen hat, sollte auf eine aufrechtere Sitzposition setzen. Doch nicht nur die Sattelhöhe ist wichtig. Die gesamte Einstellung des Fahrrades sollte zum eigenen Körper passen. Eine Einstellung durch einen erfahrenen Fachhändler oder Fahrradmechaniker ist daher unbedingt zu empfehlen. Wer dann unterwegs immer noch unter Rückenschmerzen leidet, sollte immer wieder kleine Dehnpausen einlegen und auch zu Hause mehrmals pro Woche an seinem Bandapparat arbeiten.
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