Radfahren und Fotografieren: Tipps für beeindruckende Bilder

Als Fahrradbloggerin kommt es nicht nur auf die Geschichten und Texte an, sondern auch auf die Bilder. Denn ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Seit ein paar Jahren ist meine Kamera so gut wie immer dabei, ob beim Bikepacking durch Deutschland oder der Gravelausfahrt durch Brandenburg.

Welches Foto-Equipment ich unterwegs dabei habe und warum ich nicht mehr auf dieses extra Gewicht verzichten möchte, fasse ich in diesem Beitrag zusammen.

Sicherheit geht vor

Die Sicherheit beim Fahrradfahren sollte immer oberste Priorität haben und ich rate dir ausdrücklich davon ab, während der Fahrt eine Kamera oder ein Smartphone zu bedienen. Eine solche Ablenkung während der Fahrt kann nicht nur gefährlich sein, sondern auch zu Unfällen führen. Es ist wichtig, dass man sich auf das Radfahren konzentriert und verantwortungsbewusst handelt. Letztlich ist das Fahrrad auch ein Verkehrsmittel und in einigen Ländern ist das Selfie-Machen, während man ein Verkehrsmittel steuert, nicht gerne gesehen.

Seid mir meine teure Insta 360 vom Lenker gefallen ist, weil sie die Schraube gelockert hatte, bin ich ultra vorsichtig mit meinem Equipment geworden.

Die richtige Ausrüstung

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich eine Bloggerin bin und es mein Ziel ist, hochwertigen Content zu erstellen. Mein Equipment kann dich gerne inspirieren, wenn dir das Fotografieren auch Spaß macht. Aber ein Otto Normalverbraucher braucht definitiv nicht so viel Equipment.

Vor ein paar Jahren begann ich meine Reise in die Welt der Fotografie mit einer Canon 1300D Einsteiger-Spiegelreflexkamera. Für mich war es wichtig, dass ich die Kamera über WLAN steuern konnte, da ich so auch während der Fahrt mit dem Selbstauslöser gute Bilder machen konnte. Es kommt übrigens nicht nur auf die Kamera, sondern auch das Objektiv an. Mein Lieblingsobjektiv für Fahrradbilder ist übrigens das 50mm von Canon.

Es wird auch gerne als das „Foodfotografieobjektiv“ bezeichnet. Ich liebe den verschwommenen Hintergrund. Alternativ nutze ich auch gerne das 10-18MM Ultraweitwinkelobjektiv von Canon. Irgendwann habe ich dann nach einer etwas kleineren Kamera für unterwegs gesucht und bin so auf die Sony Alpha 6000 gestoßen. Ein Fahrradblogger ohne Action-Cam? Gibt’s fast nicht mehr.

Auch ich habe eine: Die Insta360 One R. Das ist eine 360Grad Kamera. Mein Mann hat älteres GoPro Modell, mit dem ich aber nie so richtig warm geworden bin, weil Bild- und Videomaterial immer von einer einseitigen Perspektive kommt. Bei der Insta 360 One R habe ich mehr Spielraum beim Blickwinkel, was Foto- und Videoaufnahmen spannender macht. Und natürlich habe ich auch noch ein Smartphone, mit dem ich unterwegs Fahrradbilder machen kann.

Mittlerweile sind die Smartphones schon richtig professionell unterwegs. Ich nutze es nach wie intensiv für Schnappschüsse, für Videos beim Radfahren und für Selfies.

Nach ein wenig Recherche zog eine gebrauchte Sony Alpha 6000 mit ein paar älteren, manuellen Objektiven ein. Ich begann, mich mit der Kamera auseinanderzusetzen, schaute unzählige YouTube Videos und machte mich etwas vertrauter mit der Benutzung. Stück für Stück zogen auch neue Objektive ein, die für mich das Fotogame noch einmal auf eine ganz andere Ebene hoben.

Meine Hauptkamera:

Die Sony Alpha 6400, eine APS C-Kamera mit Wechselobjektiven, relativ kompakt, leistungsstark und vor allem mit sehr praktischem Tracking Fokus Mode (super für Bilder von Motiven in Bewegung, aka radfahrende Personen).

Meine Objektive:

Die Sigma Contemporary Reihe für APS C (16, 30 und 56 mm Festbrennweiten) ist meine Lieblingsobjektivreihe. Sie sind sicherlich nicht die kleinsten und leichtesten Objektive, aber qualitativ gut gefertigt, sehr scharf und vor allem super lichtstark (Blende 1:1,4). Wenn ich mir mal etwas Zeit nehme zum Fotografieren oder Tiere beobachten möchte, dann mag ich das einfache, günstige und dennoch sehr taugliche Teleobjektiv von Sony 55-210 mm.

Großer Bonus: Trotz der Länge ist es sehr leicht. Als praktisches All-in-One Objektiv habe ich auch gern mal das Sony 18-135 mm dabei - allerdings vor allem, wenn ich weiß, dass das Wetter gut wird, denn besonders lichtstark sind beide Objektive nicht.

Mein Favorit:

Die 56 mm Festbrennweite. Nicht immer praktisch, da ein gewisser Abstand zum Motiv nötig ist, aber scharf und einfach ein unfassbar toller Look. Bestes Bokeh und super lichtstark! Außerdem ist es das Kleinste der Sigma Contemporary Reihe, was auf dem Rad praktisch ist, weil es besser in die Taschen passt und nicht so schwer auf dem Rücken ist. Auf Messen liebe ich das 16 mm Objektiv, denn der Weitwinkel lässt mich auch auf engem Raum möglichst viel abbilden.

Die Kamera meines Google Pixel 7 macht schöne Bilder auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Auf dem Rad ist die GoPro Hero 8 Black ideal. Ich habe das Mini-Stativ, womit ich die Kamera sehr gut auch beim Radfahren festhalten kann. Manchmal nutze ich auch die Fahrradlenkerhalterung oder den Brustgurt.

Transport des Equipments

Wenn ich mit meiner Spiegelreflexkamera auf Fototour gehe, habe ich oft einen großen, gut gepolsterten Rucksack mit dabei. Anders sieht es aus, wenn ich im Urlaub oder beim Bikepacking bin. Da habe ich vorwiegend die Sony Alpha 6000 mit dabei, die super in einen wiederverschließbaren Plastikbeutel von Ikea passt. Einfacher ist es mit der Action-Cam.

Die ist klein und kann zur Not auch mal in die Trikottasche gesteckt werden. Wichtig ist, dass du deine Technik so transportierst, dass sie gut gegen Wasser geschützt ist. Außerdem ist eine Polsterung rund um die Technik nie verkehrt.

Die Sony-Kamera trage ich entweder:

  • am Dreipunktgurt (selfmade) direkt am Oberkörper oder
  • in einer großen, leichte gepolsterten Stem Bag (selfmade) am Lenker/ Vorbau.

Alternativ landet sie in der Lenkertasche (Ortlieb Acc Pack oder neu: Handlebar Pack Plus), allerdings muss die dann leicht erreichbar sein, sonst nutze ich die Kamera weniger. Falls ich Wechselobjektive dabei habe, dann transportiere ich diese in der Rahmentasche, Lenkertasche oder einer gepolsterten Stem Bag.

Die GoPro landet meist in der Trikottasche, wo sie leicht erreichbar ist und nicht stört. Manchmal nutze ich auch Bibs mit Cargotaschen.

Fototouren und Radreisen

Mir ist die Qualität der Fotos sehr wichtig. Aber ich möchte auch Spaß beim Radfahren haben. Deshalb trenne ich oft zwischen Fototouren und Radfahrten in der Freizeit. Denn wenn ich mal auf dem Fahrrad sitze und die Landschaft genieße, möchte ich nicht alle 2 Meter absteigen, um ein gutes Foto zu machen.

Die einzige Ausnahme bilden Radreisen und Urlaube - aber da macht man ohnehin öfter Pause als im Training zu Hause. Wenn ich allein eine Fahrradtour mache, habe ich gerne eine Halterung mit Bluetooth Fernauslöser dabei. Und manchmal nehme ich auch nur mein Rad als Model. Gelegentlich arbeite ich auch mit professionellen Fotografen oder Hobbyfotografen zusammen, um Neues auszuprobieren.

Ein kleiner Tipp an dieser Stelle: Viele Hobbyfotografen bieten TFP-Shootings an, bei denen sie sich selbst weiterentwickeln wollen.

Perspektiven und Motive

Bei Bildern vom Rad ist die Umgebung und die Perspektive entscheidend. Such Dir eine schöne Umgebung, platziere Dein Rad darin und überlege Dir, welche Perspektive Du einnehmen möchtest. Um alle Details zu sehen, ist ein geputztes Rad natürlich optimal (es muss aber nicht immer sauber sein!). Beim Hinstellen sollte die Antriebsseite der Kamera zugewandt sein.

Achtung, Nerd-Regeln für Detailverliebte: Besonders schön kommen alle Teile zur Geltung, wenn Du vorn aufs große Kettenblatt und hinten auf das kleinste Ritzel wechselst. Ein Stock kann als Hilfsmittel zum Aufstellen und Stabilisieren des Rades genommen werden. Aber Vorsicht! Nicht, dass das Rad umfällt! Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Hintergrund nicht zu unruhig ist, also keine Sträucher oder zu unregelmäßige Strukturen vom Rad ablenken.

Schließlich geht es bei dem Bild vorrangig ums Fahrrad! Regelmäßige Strukturen hingegen gehen total klar, wie zum Beispiel eine Backsteinwand, wenn die Farbe Deines Rades damit harmoniert. Wenn das Rad frei steht, eignet sich eine Landschaft im Hintergrund oder eine Flucht (Der Klassiker: ein Weg oder eine Straße). Achte darauf, dass das Rad senkrecht steht und nicht schräg irgendwo anlehnt.

Für die Erzähldramaturgie sind auch die Fahrpausen interessant. So kann etwas Nebensächliches am Wegesrand Dir dabei helfen, aufmerksam zu bleiben. Vielleicht ist das Banale, was Du im Vorbeifahren entdeckst ein Grund für Dich, anzuhalten und genau diesen Moment einzufangen. Eigentlich kannst Du von jeder Tour eine spannende Bilderserie anfertigen.

Egal, welches Wetter oder welche Tageszeit, es findet sich immer eine Möglichkeit, ein Motiv oder eine Landschaft ansprechend abzubilden. Am einfachsten machst Du es dir natürlich, wenn Du zu Tageszeiten fährst, an denen das Licht besonders schön ist. Die Morgen- und Abendstunden eignen sich meist an sonnigen Tagen am besten. Überlege wie, Du die Verteilung von Himmel und Bereichen unter dem Horizont gestaltest. Bei Porträts ist es von Vorteil, wenn Du Dich auf Augenhöhe begibst und mit Elementen im Vordergrund arbeitest.

Wer noch nie bei einem Radrennen war, kann nur sehr schwer einschätzen, wie eng die Fahrer/innen um die Kurve düsen (sehr eng!) und dass so ein Fahrer/innenfeld wirklich die volle Breite der Straße braucht. Daher bitte immer auf die Streckenposten hören und bloß keine Manöver bringen wie „auf die Straße legen kurz bevor die Fahrer/innen kommen“ oder Dich mitten in eine Kurve stellen, wo Dich die Fahrer/innen zu spät als Hindernis erkennen können.

Denk dran: Den Fahrer/innen kommt im Zweifel gerade das Laktat aus den Ohren raus, da sollte die Strecke lieber frei sein. Viel mit Reagieren ist nicht, also solltest Du vorher nachdenken, ob Du gut und sicher platziert bist!

Weitere Tipps

  • Am Berg hast Du es leichter, schöne Fotos zu machen. Bergab und in der Ebene hast Du weniger Zeit zum Fotos machen, als Du „Hui!“ sagen kannst. Also such‘ Dir einen schönen Berg aus, idealerweise keine kleine Rampe, sondern schön langgezogen und wenn möglich, steil.
  • Das Fotografieren von der Seite sieht zwar meistens recht spektakulär aus, allerdings ist es gar nicht so einfach, Radfahrer/innen von der Seite scharf aufs Foto zu bannen. Einfacher ist es von vorne, vor allem mit einem Teleobjektiv. Stell‘ Dich aber bitte nicht auf die Rennstrecke, sondern such Dir dafür eine schöne Kurve oder einen guten Platz am Streckenrand.
  • Ein Bild mit dynamischem Hintergrund ist normalerweise spannender als ein komplett statisches Bild. Deswegen experimentiere ein bisschen mit dem Mitziehen, also dem Verfolgen der Fahrer/innen mit der Kamera - mit ein bisschen Übung können sogar mit dem Handy schöne Treffer gelingen.
  • Sehr dynamisch sehen Radfotos aus, die aus der Froschperspektive geschossen wurden. Leider ist es ja manchmal etwas schwierig, Gesichter auf die Bilder zu bekommen, wenn die Fahrer/innen unter Anstrengung eher nach unten schauen. Von unten bekommt man die Gesichter ziemlich sicher drauf und auch die Perspektive ist einfach spannender, als wenn das Foto auf „Augenhöhe“ gemacht wurde.

Bildbearbeitung

Am Ende kannst Du mit Bildbearbeitung das Maximum aus Deinen Bildern rausholen. Wenn die Bilder etwas zu dunkel sind, können sie in der Bildbearbeitung wieder aufgehellt werden. Mehr Look lässt sich aber durch einfache Tools wie Pixlr, Snapseed oder umfangreichere Apps wie Photoshop Express erzeugen.

Die App VSCO bietet zusätzlich noch die Funktion, das spezielle Erscheinen eines bearbeiteten Bildes ganz einfach auf einen ganzen Bildersatz anzuwenden. Natürlich kannst Du die Bilder auch über spezielle Programme in Deinem PC, wie Adobe Lightroom oder Photoshop bearbeiten.

Die Nachbearbeitung meiner Fotos ist für mich ein nicht zu vernachlässigender Teil des Fotografierens geworden. Meistens versuche ich einen natürlichen Look der Bilder zu erhalten und halte gar nicht so viel von z.B. übermäßigen Farbanpassungen. Doch jedes Setting, jedes Bild muss für sich betrachtet werden und auch in diesem Bereich lerne ich noch viel dazu, auch wenn sich mittlerweile eine gewisse Routine entwickelt hat.

Smartphone oder Systemkamera?

Versteht mich nicht falsch, eine gute Smartphone-Kamera ist für mich essenziell bei der Auswahl des Telefons, denn das ist immer dabei und ich nutze es viel für spontane Bilder und Videos. Gerade während ich radfahre, nehme ich lieber das Smartphone, um eine schnelle Aufnahme zu machen. Wirklich Spaß am Fotografieren habe ich jedoch eher mit meiner separaten Kamera und genieße die Bilder im Nachinein viel mehr. Vor allem, weil ich den Qualitätsunterschied spätestens bei der Nachbearbeitung direkt sehen kann.

5 Gründe warum ich gern mit Kamera Fahrrad fahre!

  1. Die Bildqualität: Ganz klar an erster Stelle zu nennen, sind die Unterschiede in der Bildqualität. Ich nutze meist lichtstarke Objektive mit Festbrennweite und liebe deren Bokeh. Sicherlich gibt es heute super starke Smartphone Kameras und ich bin mit meiner aktuellen auch sehr zufrieden. Dennoch überzeugt mich die Bildqualität und vor allem die Auflösung eines Kamerafotos in vielen Fällen mehr als die eines Smartphone Bildes. Schon oft habe ich mich geärgert, wenn ich die Kamera nicht dabei hatte und von manchen Motiven „nur“ ein Handyfoto machen konnte, was sich später in der Bearbeitung qualitativ als nicht so zufriedenstellend erwies.
  2. Fotobearbeitung: Smartphone-Bilder sind je nach Kameraapp/-einstellung oftmals schon softwareseitig “vorbearbeitet” (Farben, Schärfe etc.), je nach Handy/ App im ganz eigenen Stil. Das macht Fotobearbeitung, wenn man einen einheitlichen oder bestimmten Look erzielen möchte nicht einfacher, gegebenenfalls sogar umständlicher und je nach Preset die Bilder auch nicht immer schöner.
  3. Motivwahl: Das “Fotoauge” ist ein anderes. Handy raus, Knopf drücken, fertig - das kann man machen, bringt aber oft kein zufriedenstellendes Erlebnis. Ich liebe es, mit dem Auge am Sucher meiner Kamera das Motiv zu suchen, den richtigen Ausschnitt auszuwählen. Die Sorgfalt ist bei der Motivwahl eine andere und das Gefühl den Auslöser zu betätigen und ein sattes Auslösegeräusch zu hören ist ASMR-Erlebnis pur.
  4. Einstellungssache: Die Einstellmöglichkeiten sind auch bei Handykameraapps mittlerweile vielfältig. Aber ganz im Ernst, wer macht das unterwegs, wenn man nur schnell einen Schnappschuss will und das automatisch so gut funktioniert? Ich jedenfalls nicht. Die Vollautomatik meiner Kamera nutze ich jedoch nur selten. Denn wenn es um Details geht, kann ich schnell ein paar Knöpfe drücken und drehen, und so für viele Bilder genau die Einstellung finden, die ich brauche.
  5. Entschleunigung: Schnell das Handy gezückt, Foto und weiter gehts. Meist muss ich nicht mal anhalten, um ein Handyvideo oder Foto zu machen. Ein großer Vorteil, wenn man gerade im Flow ist oder in der Gruppe fährt, ein Nachteil, wenn es darum geht die Umgebung wirklich wahrnehmen und „einfangen“ zu wollen. Denn um mit der Kamera fotografieren zu können, brauche ich etwas mehr Ruhe und halte ich meist an. Das nimmt zwar Zeit, ist aber sicherer und macht auch bessere Bilder. Außerdem mag ich diese Entschleunigung und intensiverer Wahrnehmung meiner Umgebung.

Zusätzliche Ausrüstung

Wenn Dir das Rumfummeln in der Trikottasche auf dem Rücken zu umständlich ist, solltest Du Deine Kamera oder Dein Smartphone im Schnellzugriff haben. Dafür gibt es mittlerweile passende Taschen und Gurte. Perfekte Taschen für große Mobiltelefone oder Kompaktkameras wie die Fujifilm XF10 sind z.B. die RESTRAP Cockpit Bags oder die Apidura Taschen für das Cockpit. Die Taschen sind wasserfest und verschließbar.

Sich selbst fotografieren

Wenn man allein unterwegs ist, ist das Fotografieren oft mit erhöhtem Aufwand und beschränkten Möglichkeiten verbunden. Zumal ich einen Großteil meines Contents „nebenbei“ erstelle, also einfach meine Touren mache und sie fotografisch festhalte. Dass ich vorrangig losziehe, um Fotos zu machen, kommt vergleichsweise selten vor.

Das mit Abstand hilfreichste Feature für meine Selbstportraits bei Outdoor-Touren ist die Intervallfunktion meiner Kamera. Sobald ich den Auslöser drücke, nimmt die in regelmäßigem Abstand (den kann man einstellen, ich nutze in der Regel 2 Sekunden) ein Foto auf, bis ich sie wieder stoppe. So muss man im Gegensatz zum klassischen 10-Sekunden Selbstauslöser nicht irgendwohin hechten, um rechtzeitig in Position zu sein und kann verschiedene Aufnahmen ausprobieren, ohne jedes Mal zurück zur Kamera zu laufen.

Ein umgestürzter Baumstamm, ein Stein oder Fels, ein Zaunpfahl oder eine Bank, oder einfach eine Böschung am Wegesrand: Solange man nicht gerade irgendwo in einer Sandwüste unterwegs ist, findet man fast immer etwas, auf dem man seine Kamera (mehr oder weniger gefahrlos) ablegen kann. Ich hab meine Kamera sogar schon mit dem Tragegurt an Äste gehängt und in gefährlichen Manövern auf Brückengeländern balanciert. Mittlerweile sehe ich solche „Stative“ oft sogar, bevor ich überhaupt mit dem Gedanken spiele, ein Bild zu machen und nehme meine Entdeckung dann als Anlass zum Fotografieren. Und selbst wenn ich mein Stativ dabei habe, nutze ich oft lieber solche natürlichen Stative.

Die richtige - im Sinne von eine spannende -Perspektive beim Selbstauslöser-Fotografieren in der Natur zu finden, ist manchmal gar nicht so einfach. Allein schon weil man letztendlich oft ziemlich eingeschränkt ist, was die Positionierung der Kamera angeht. Eine der Herausforderungen bei der Selbstauslöser-Fotografie ist, den Fokus richtig zu setzen, sprich sicherzustellen, dass derjenige Bildbereich scharf ist, den man scharf haben möchte.

Um selbst den Fokus zu setzen, sucht man sich vorher einen Referenzpunkt, auf den man fokussiert. Das kann ein Stein oder ein Baum sein, oder einfach nur ein irgendwie unterscheidbarer Fleck auf dem Boden, den man sich merken kann. Man kann zum Beispiel auch ein Stöckchen oder einfach den Rucksack auf den Boden legen, um diesen Punkt zu markieren. Wenn man im Bild scharf sein möchte, platziert man sich nach dem Auslösen in etwa auf Höhe des Fokuspunktes.

Die automatische Gesichtserkennung, eine relativ weit verbreitete Kamerafunktion, kann in Verbindung mit Portraits dabei eine große Hilfe sein. Das klingt jetzt alles ein bisschen kompliziert, im Prinzip kann man das aber auch einfach ausprobieren und gucken, was die Kamera tut.

Denn die Komposition von Vorder- und Hintergrund kann einen großen Unterschied machen und aus einem eher langweiligen Motiv ein spannendes machen. Ein praktisches und auch bei Selbstportraits relativ einfaches Mittel ist die Nutzung von Vordergründen (scharf oder unscharf) und Störern, die bewusst ins Bild integriert werden. Ich platziere die Kamera dafür gern so, dass sich etwas „Gestrüpp“ direkt vor der Linse befindet, fokussiere dann aber auf mich. Ein paar unscharfe Blümchen im Vordergrund machen sich auch immer gut und bringen Farbe ins Bild.

Auch bei Selbstportraits gelten all die allgemeinen Tipps für gute Fotos. Mit der sogenannten Drittel-Regel kann man Fotos zum Beispiel ziemlich einfach ziemlich effektiv aufwerten: Hierbei wird das Bild gedanklich durch je zwei horizontale und vertikale Linien geteilt und so in neun gleiche Teile gegliedert. Das Hauptmotiv (also in diesem Fall man selbst) sollte an den Schnittpunkten oder entlang der gedachten Linien platziert werden.

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