Fahrradunfälle: Ursachen und Prävention

Fahrradunfälle sind ein wachsendes Problem, insbesondere in Städten. Verbände und Behörden arbeiten daran, die Hauptursachen zu beleuchten und Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Immer wieder kommt es zu Unfällen, bei denen Fahrzeugführer einen Radfahrer nicht oder zu spät erkennen - gerade beim Rechtsabbiegen an einer Kreuzung.

Häufige Unfallursachen

Es gibt eine ganze Reihe möglicher Ursachen für einen Unfall mit einem Radfahrenden. Das Spektrum reicht von mangelnder Erfahrung, geringer Achtsamkeit über falsche Einschätzung einer risikoreichen Situation bis hin zu Übermut. Die Unfallverursachenden können dabei alle Verkehrsbeteiligte sein.

Laut Statistischem Bundesamt sind falsche Straßenbenutzung, nicht angepasste Geschwindigkeit und Fehler beim Abbiegen die häufigsten Fehlverhalten der Radfahrer*innen bei Radunfällen mit Personenschaden (2020). Klassische Beispiele sind, dass Radfahrende die Vorfahrt missachten, Radwege in falscher Richtung nutzen oder bei Rot fahren. Autofahrende hingegen sind nicht aufmerksam beim Abbiegen und übersehen Radler. Typisch ist ebenfalls das plötzliche Öffnen von Autotüren.

Die Hauptursachen für tödliche Fahrradunfälle liegen laut „Ghostbike Frankfurt“ im Verhalten der Autofahrer. Das Nichteinhalten des vorgeschriebenen Abstandes von mindestens 1,50 Meter beim Überholen, mangelnde Aufmerksamkeit an Kreuzungen sowie Ablenkung durch Handynutzung seien häufige Unfallursachen.

Besonders betroffen seien Hauptverkehrsstraßen und Straßen mit hoher Verkehrsdichte. Zu den häufigsten Unfallursachen zählen nach Angaben der Polizei Vorfahrtsverletzungen, Fehler beim Überholen, falsche Fahrspurwahl und mangelnde Verkehrstüchtigkeit. Auch Fehler beim Abbiegen würden erheblich zum Unfallgeschehen beitragen.

Unfälle mit Pedelecs

Die Zahl der Radunfälle insgesamt ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Dies liegt im Wesentlichen an der wachsenden Beliebtheit an Pedelecs. Im Jahr 2021 waren es 17.285 gemeldete Pedelec-Unfälle mit Personenschaden, verglichen mit 2014 von nur 2.245. Bei nicht-motorisierten Fahrrädern ist die Zahl der Unfälle mit Personenschaden im gleichen Zeitraum von 76.643 auf 67.931 gesunken.

Pedelec-Unfälle enden häufiger tödlich als bei Fahrrädern ohne Hilfsmotor (je 1.000 Unfälle 7,6 Tote vs.

Unfälle bei Senioren

Mit Beginn der Fahrradsaison rechnet die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) wieder mit der Zunahme von Fahrradunfällen - vor allem bei Senioren. Aufgrund ihres Alters sind sie besonders unfall- und verletzungsgefährdet.

2014 gab es laut Statistischem Bundesamt 77.900 Fahrradfahrer, die bei einem Verkehrsunfall verletzt und von der Polizei erfasst wurden. 396 Fahrradfahrer verunglückten tödlich - über die Hälfte von ihnen waren mindestens 65 Jahre alt.

Radfahren erfordert Balance, Koordination und schnelle Reaktionsfähigkeit. Senioren sind in ihrer Wahrnehmung jedoch oftmals eingeschränkt: Sie hören und sehen nicht mehr so gut und ihr Gleichgewichtssinn ist gestört. Hinzu kommt, dass gerade bei der Generation 65 Plus die Nachfrage nach Fahrrädern mit hybridem Antrieb - den sogenannten Pedelecs - steigt. Die höheren Geschwindigkeiten der Elektroräder erhöhen das Unfallrisiko und führen zusammen mit altersbedingten Einschränkungen zu schweren Verletzungsmustern.

Zu den Unfallursachen, nicht nur bei Senioren, zählen: eine Einkaufstasche am Fahrradlenker, ein nicht eingeschaltetes Hörgerät, das Fahren unter Alkoholeinfluss, unsachgemäße Kleidung oder locker sitzendes Schuhwerk, mangelnde Fitness, unangepasste Geschwindigkeit mit Elektrofahrrädern sowie ein nachlassendes Reaktionsvermögen.

Präventionsmaßnahmen

Experten aus Orthopädie und Unfallchirurgie geben Hinweise, wie Zusammenstöße vermieden werden können. Hier sollten rechtsabbiegende Lkw- und Pkw-Fahrer und geradeaus fahrende Fahrradfahrer besser aufeinander achten und möglichst Blickkontakt miteinander aufnehmen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU). So könnten Radler sicher sein, dass sie von Rechtsabbiegern wahrgenommen werden und ihnen die zustehende Vorfahrt auch gewährt wird.

Sie empfiehlt zudem: Helm auf und Warnweste oder Leuchttextilien an. „Eigenverantwortung und gegenseitige Fürsorge sind im Straßenverkehr unerlässlich“, sagt Prof. Joachim Windolf, stellvertretender DGOU-Präsident und Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie der Universitätsklinik Düsseldorf.

Die Organisation betont die Notwendigkeit einer besseren Verkehrsinfrastruktur, wie baulich getrennte Radwege und gut einsehbare Kreuzungsbereiche, sowie konsequente Kontrollen durch die Ordnungsbehörden.

Die Polizei betont zudem, dass die Einhaltung dieser Vorschrift, die Vermeidung von Ablenkung und das Tragen von Sicherheitselementen wie Helmen das Unfallrisiko deutlich senken können.

Damit Senioren auch sicher durch die Fahrradsaison kommen, geben Orthopäden und Unfallchirurgen folgende Tipps:

  • Das Gepäck hinten im Fahrradkorb oder in eine Fahrradtasche am Gepäckträger verstauen.
  • Einen Fahrradhelm tragen: Er senkt das Risiko einer Kopfverletzung.
  • Ein vorhandenes Hörgerät im Straßenverkehr einschalten.

Ein Fahrradhelm schützt den Kopf, indem er die Energie reduziert, die bei einem Aufprall auf den Schädel wirkt - Helmträger erleiden damit weniger schwere Kopfverletzungen. Im Jahr 2017 trugen 19 Prozent der Radler einen Helm. Das ist eine Steigerung von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2010 waren es noch neun Prozent. „Die steigende Akzeptanz für den Helm ist sehr positiv. Insgesamt sind es aber leider immer noch zu wenig Menschen, die einen Helm nutzen“, sagt Juhra.

Bereits beim Auf- oder Absteigen vom Rad kommt es häufig zu Stürzen mit teils erheblichen Verletzungen. Dabei kann jeder etwas tun, um sicherer mit dem Fahrrad oder Pedelec unterwegs zu sein. So bietet beispielsweise die Polizei Forchheim am 12.08.2025 von 10 bis 14 Uhr ein kostenloses Fahrsicherheitstraining an. Neben dem Training werden auch mitgebrachte Fahrräder auf ihre Verkehrssicherheit überprüft. Zudem gibt es Informationen rund um das richtige Verhalten im Straßenverkehr.

§ 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO)

„Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

Beide Organisationen betonen die Bedeutung des § 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO), der die gegenseitige Rücksichtnahme und Vorsicht im Straßenverkehr regelt.

Wegeunfälle mit dem Rad

Wie bei einem Arbeitsunfall während der Arbeitszeit, greift auch bei einem Wegeunfall der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung und es muss daher der Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse gemeldet werden. Ein Wegeunfall liegt vor, wenn dem Mitarbeitendem auf dem Weg von oder zu seiner Arbeitsstätte ein Unfall passiert. Es besteht zudem in bestimmten Fällen auch Versicherungsschutz für Arbeitnehmende, wenn ein Umweg genommen wird (z. B. Kind zur Kita bringen, Fahrtengemeinschaft, Stau).

Laut Daten der Deutsche Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ereigneten sich 128.029 meldepflichtige Wegeunfälle in den Jahren 2016 bis 2020 mit dem Rad, was immerhin knapp ¼ aller Wegeunfälle (PKW, Öffentliche Verkehrsmittel, Motorrad, elektrisch betriebene Kleinfahrzeuge, Rad, zu Fuß) entspricht.

Radfahrende sind im Straßenverkehr relativ „ungeschützt“ unterwegs, wodurch es häufiger zu schweren Radunfällen kommen kann. Die Folgen für den/die unfallbeteiligte/n Mitarbeiter/in reichen von körperlichen Schädigungen über psychische Belastungen bis hin zu finanziellen Einbußen bei langfristiger Arbeitsunfähigkeit.

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