Die Kombination aus Segeln und Radfahren im holländischen Wattenmeer ist ein tolles Erlebnis. Besonders auf den Inseln Texel und Terschelling ist die Natur atemberaubend schön und es gibt so viel zu entdecken.
Radfahren wie Segeln: Texel erkunden
Herr Nach Holland und ich sind auf Texel, der größten Watteninsel der Niederlande und Heimat von unzähligen Schafen. Sie sind zahlenmäßig den Bewohnern selbst überlegen, mehr als ein Schaf kommt auf die rund 14.000 Einwohner der Insel. Die Fähre nach Texel fährt dagegen fahrplanmäßig einmal in der Stunde und schippert mit uns in 20 Minuten über das Wattenmeer. Im Süden der Insel spuckt uns die Fähre, zusammen mit den Autos und Fahrrädern der anderen Urlauber, an Land. Wir radeln nach Norden in Richtung Oudeschild. Rechts von uns der Deich mit dem Wattenmeer dahinter, links und um einiges tiefer liegen Wiesen, Felder und zwischendurch ein Bauernhof.
Kugelige Schafe fressen sich links und rechts von uns durch das saftige Gras. Selbst im liegen lassen sie das Fressen nicht sein. Wir sausen dahin. Was für ein Spaß! Mit dem Wind im Rücken müssen wir nicht einmal in die Pedale treten. Die Versuchung ist groß, einfach so dahin zu radeln, ganz bis ans nördliche Ende von Texel. Treiben lassen im Sonnenschein, duftende Blumen und quakende Enten am Wegesrand. Hübsche kleine Häuschen und ein Hafen, von dem Bootstouren aufs Wattenmeer angeboten werden, empfangen uns in Oudeschild. Das moderne Museum Kaap Skil über Seeleute und Strandgut, entworfen vom Delfter Architekturbüro Mecanoo, zieht mich magisch an. Die Fassade macht neugierig, aber einen Besuch vertage ich dennoch, denn für die Ausstellung im Inneren und die Fischerhäuschen im Außenbereich brauche ich mindestens 2 Stunden Zeit.
Auf einer Bank neben der Kirche von Oosterend setzen wir uns in die Sonne und packen unsere belegten Brote aus. Noch so ein hübsches Dorf mit kleinen, weiß gestrichenen Häusern und Giebeln aus dunklem Holz. De Waal, das nächste Dörfchen, durch das uns unsere Radtour als nächstes führt, ist nicht weniger idyllisch. Auch hier gibt es ein Museum, das wir uns für unseren nächsten Besuch auf Texel aufsparen. Uns zieht es jetzt nach Den Burg, dem größten Dorf der Insel, rund die Hälfte aller Insulaner wohnen hier. Hier gibt es die Infrastruktur, die Touristen anzieht. Kaum sind wir im Zentrum angekommen, schrecken uns die Horden Menschen dann doch eher ab. Wir radeln lieber weiter durch die schöne Natur von Texel. In die Dünen und zum Strand im Westen schaffen wir es heute leider nicht mehr, aber auch die grünen Wiesen im Innern der Insel haben ihren Reiz. Ich genieße die Natur, die Sonne und die Ruhe. Zumindest Verkehrslärm gibt es hier kaum.
Inzwischen ist es auch Zeit, Richtung Fähre einzulenken. Obwohl mich die eine oder andere Windböe beinahe vom Fahrrad fegt, gebe ich nicht auf und trete kräftig in die Pedale. Wir sind nicht die einzigen unserer Truppe im Hafen. Nach und nach tauchen mehr Radler unserer Rad- und Schiffsreise auf. Außer Atem, mit rotem Kopf und komplett zerzauster Frisur. Aufgeregtes Geschnatter setzt ein, jeder will seine Sturm-Story zum Besten geben. Langweilig war es heute nicht. Und nein, unglücklich sieht keiner aus. Alle sind stolz und zufrieden, das schöne Texel bei Windstärke 8 mit dem Fahrrad durchradelt zu haben.
Rad und Schiff: Die Kombination
Die Reise von Boat Bike Tours kombiniert Radfahren und Segeln. Dabei ist das Segelschiff gleichzeitig unsere Unterkunft für die Reise, ein ganz besonderes Erlebnis. Das holländische Festland rund ums IJsselmeer hat viel zu bieten: historische Hafenstädte mit malerischen Grachten, idyllische Landschaft und jede Menge Schafe, von denen man ja sowieso nie genug sehen kann.
Auf der Tour gibt es oft sehr starken Gegenwind beim Radfahren. Es kann natürlich auch sein, dass Sie mehr Glück und weniger Wind haben. Aber so oder so, lassen Sie sich vom Wind nicht abschrecken: entweder Sie sind abends ordentlich ausgepowert und können das Abendessen doppelt genießen, oder Sie mieten einfach ein E-Bike. Die Segelpassagen sind auch sehr schön. Unterwegs können Sie nach Robben und Seevögeln Ausschau halten. Die Aussicht auf die Küste und das Einlaufen in den Häfen sind natürlich auch ein tolles Erlebnis. Es lohnt sich auf jeden Fall sehr, diese schönen Ecken Hollands per Rad und Schiff zu erkunden.
Für eine Woche erkunden wir per Rad und Schiff den faszinierenden Norden von Holland. Unser Zuhause während der Reise: das schöne Segelschiff Leafde fan Fryslân. Hier finden Sie weitere Infos zu Route, Schiff, Verpflegung und Radfahren.
Das Schiff: Leafde fan Fryslân
Die Leafde fan Fryslân ist ein wunderschönes Segelschiff (Drei-Mast-Barkentine) mit 13 Kabinen. Alle Kabinen haben ein eigenes kleines Badezimmer mit Dusche, Waschbecken und WC. Ansonsten muss man sich schon darauf einstellen, auf einem Schiff zu sein. Es schaukelt gern mal etwas und auch klappernde Geräusche vom Wind und den Segeln sind an der Tagesordnung. Aber das gehört natürlich zum besonderen Flair auf einem Schiff zu wohnen dazu. Es gibt auch kostenloses WLAN an Bord, zumindest im Salon und an Deck.
Verpflegung an Bord
An Bord des Segelschiffs gibt es Frühstück und Abendessen. Zum Lunch kann man sich beim Frühstück selbst Brötchen schmieren und auf die Radtour mitnehmen. Auch Obst und Trinkpäckchen kann man sich einpacken, sehr praktisch. Das Leitungswasser ist Trinkwasser, so kann man seine Trinkflaschen jederzeit auffüllen. Ansonsten gibt es an Bord bis 16 Uhr Kaffee und Tee umsonst. Softdrinks, Bier und Wein stehen auch zur Selbstbedienung bereit und werden am Ende der Reise anhand einer Strichliste abgerechnet. Wegen Corona wird aktuell kein Büffet angeboten, sowohl das Frühstück (8 Uhr) als auch das Abendessen (18 Uhr) werden serviert.
Radtouren auf eigene Faust
Du bist während der Reise beim Radfahren auf eigene Faust unterwegs. Vom Anbieter Boat Bike Tours bekommst du eine Karte, auf der für jeden Tag 1 oder 2 Routen eingezeichnet sind. Zusätzlich kannst du dir mit einer App auch die GPS Tracks herunterladen und damit navigieren. Jeden Morgen wird ein Zettel mit der Tagestour verteilt, auf der dann auch die Rad-Knotenpunkte zur Orientierung angegeben sind. Du kannst die vorgegebenen Radtouren also einfach nachradeln. Oder du stellst dir deine Route selbst zusammen und passt sie deinen persönlichen Interessen an. Nur Start- und Zielpunkt sind jeden Tag festgelegt. Wenn nachmittags noch Segeln auf dem Programm steht, bekommst du auch noch die Zeit, wann du zurück am Schiff sein musst.
Fahrräder leihen
Bei den Mietfahrrädern an Bord handelt es sich um Unisex-Räder mit niedrigem Einstieg, auf denen Sie in einer aufrechten und bequemen Sitzposition fahren können. Mit diesen stabilen und zuverlässigen Fahrrädern schaffen Sie es mühelos, viele Kilometer zurückzulegen. Entscheiden Sie sich bei der Buchung, welche Art von Fahrrad Sie mieten möchten. Geben Sie außerdem Ihre Körpergröße an, damit wir für ein passendes Fahrrad sorgen können.
Alle Mietfahrräder von Boat Bike Tours verfügen über eine qualitativ hochwertige Ausrüstung. Die Fahrräder haben einen leichten Rahmen aus Aluminium und sind mit schnell ansprechenden Handbremsen, mindestens sieben Gängen, einem höhenverstellbaren Gel-Sattel, regulären Pedalen (keine Klick-Pedalen) ausgestattet. Die Kombination dieser Eigenschaften sorgt für ein leichtes, stabiles und zuverlässiges Fahrrad, auf dem Sie mühelos längere Strecken zurücklegen können. Auch die E-Bikes verfügen über mindestens sieben Gänge und Handbremsen. Der Motor hat einen 400-WH-Akku und bietet drei Unterstützungsstufen. Auch die E-Bikes sind mit einem bequemen Gelsattel und einem Rahmenschloss ausgestattet.
Alternative Wassersportarten: Foilbiking
Der Wassersport bekommt eine neue Disziplin: das Foilbiking. Statt im Boot oder auf einem Board ist man hier auf einem Fahrrad unterwegs - und zwar bis zu 20 Stundenkilometer schnell. Es fing an mit einer Flaute beim Segelkurs. Warum nicht auf ein Foilbike umsteigen? Mittlerweile sind die kuriosen Geräte, eine Art Fahrrad auf dem Wasser, auf bayerischen Seen immer wieder mal zu sehen. In Neuseeland längst keine Seltenheit mehr, wird die neue Wassersportart nun auch in Deutschland populärer.
Mit einem Rad übers Wasser strampeln - so neu ist die Idee gar nicht. Erste Versuche und Vorläufermodelle des heutigen Foilbikes gibt es schon seit Jahrzehnten. Aus Neuseeland stammt auch das erste Foilbike, das sich Günter Gross aus Icking am Starnberger See zusammen mit ein paar Mitstreitern angeschafft hat. Auf die Idee kam er, nachdem auf dem See beim Segeln kein Wind war und ihm eine Freundin ein Bild von einem Foilbike gezeigt hatte. Seitdem hat ihn das Foilbiking-Fieber gepackt, das er gerne an Interessierte weitergibt. Mit entsprechenden Kursen möchte er den Sport in Deutschland bekannt machen.
Das Gefährt kann bis zu 20 Stundenkilometer schnell werden. Es funktioniert wie ein E-Bike auf dem Wasser und hat Tragflächen. „Es ist kein Tretboot, denn wer nicht tritt, geht unter“, sagte Gross. Aber immerhin ist der Sport kein reines Sommervergnügen. Auch im Winter kann man mit einem Foilbike übers Wasser düsen. Zwar gebe es viele Neugierige, die sich für den Sport interessierten. Aber die Nachfrage halte sich doch in Grenzen. „Ein Massensport wird es definitiv nicht“, sagte Gross.
Routendetails und Reiseverlauf
Die Insel Texel ist für ihre abwechslungsreichen Landschaften und malerischen Dörfer bekannt, die sich perfekt für eine Rad-Rundtour auf der größten niederländischen Nordseeinsel anbieten. Wir empfehlen die gut ausgeschilderte Thijsseroute (40 km), die Sie durch malerische Dörfer, schöne Landschaften und zur Nordsee führt. Ihr Reiseziel ist die weiter östlich gelegene Insel Terschelling. Dabei durchqueren Sie das Wattenmeer mit seinen vielen Sandbänken, wo Sie mit etwas Glück Seehunde sehen können. Während der Segeltour wird heute anstelle des Abendessens ein reichhaltiges Mittagessen serviert.
Terschelling hat viel zu bieten: Natur und Kultur, 70 Kilometer Radwege und vier schöne Dörfer. West-Terschelling ist der größte Ort der Insel mit zahlreichen Geschäften und Kneipen. Das Wahrzeichen der Insel ist schon aus der Ferne zu erkennen: der 400 Jahre alte Leuchtturm Brandaris. Sehenswert ist auch das Naturreservat De Boschplaat, geprägt von Mooren, Salzwiesen, Stränden und Dünen. Mit ein bisschen Glück sehen Sie jede Menge Enten, Stelzenläufer und große Kolonien von Löffelreihern und Mantelmöwen. Über Franeker mit dem berühmten Planetarium von Eise Eisinga geht es mit dem Rad weiter durch die wundervolle, weitläufige, mit kleinen Dörfern übersäte Landschaft Frieslands bis nach Makkum am östlichen Ufer des Ijsselmeers.
Von Makkum aus geht es mit dem Rad weiter nach Stavoren. Die kurze Route führt über das alte Handelsstädtchen Hindeloopen. Die Hindelooper Malerei ist weltberühmt. Hier befindet sich auch das erste friesische Schlittschuhlauf-Museum. Die lange Strecke führt an mehreren Seen der friesischen Seenplatte entlang und offenbart dabei eine ganz andere Landschaft.
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