Die Karriere von Fabio Jakobsen ist geprägt von Höhen und Tiefen, von schweren Stürzen und beeindruckenden Comebacks. Der leidgeprüfte Radsportler hat mehrfach bewiesen, dass er sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lässt.
Der Horror-Sturz in Polen 2020
Am 5. August 2020 stürzte Fabio Jakobsen auf der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt schwer. Der Niederländer wurde bei circa 80 km/h im Zielsprint von seinem Landsmann Dylan Groenewegen abgedrängt und über die Absperrung katapultiert. Jakobsen schwebte damals in Lebensgefahr und wurde in ein künstliches Koma versetzt.
Jakobsen verletzte sich schwer am Kopf, verlor viel Blut und wurde per Helikopter abtransportiert. Im Krankenhaus versetzten ihn die Ärzte ins künstliche Koma. Groenewegen bekam Morddrohungen und wurde unter Polizeischutz gestellt. „Der Sturz auf der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt wird für immer ein schwarzes Kapitel in meiner Karriere bleiben“, erklärte Groenewegen im Nachhinein.
Unter anderem mit 130 Stichen musste er im Gesicht genäht werden. Jakobsen zog sich bei seinem Sturz ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, einen gebrochenen Gaumen sowie eine Quetschung der Luftröhre zu. Nach einer fünfstündigen Operation wurde er in ein künstliches Koma versetzt. Rund ein Dreivierteljahr setzte er aus, dann gab er sein Comeback.
Fast acht Monate fehlte der 24-Jährige auf der Tour. Bereits drei Monate nach seinem Unfall saß Jakobsen wieder auf dem Rad. Doch erst im April kehrte er auf die Tour zurück.
Die Folgen des Sturzes
Sechs Operationen musste er laut niederländischen Medien über sich ergehen lassen. Sein Gesicht wurde mit 130 Stichen genäht. Ober- und Unterkiefer waren derart zerstört, dass die Chirurgen sie neu modellieren mussten. Erst im Sommer soll er die Dentalimplantate bekommen. Auch eines seiner Stimmbänder müsse noch operativ geflickt werden, sagte er.
„Als ich aus Polen wiederkam, wog ich fünf, sechs Kilogramm weniger. Ohne Zähne ist es auch schwer, das schnell wieder zurückzuessen. Ich konnte anfangs nicht einmal selbst duschen. Meine Freundin musste mir da helfen. Sie musste mir bei allem helfen." Jakobsen betonte, dass in dieser Zeit das Band, das ihn mit seiner Freundin verband, noch enger wurde. „Ja, ich habe ihr einen Heiratsantrag gemacht.
Jakobsens Sturz veränderte auch den Radsport. Der Weltradsportverband UCI verbot die Hochgeschwindigkeitsabfahrt von Katowice und verabschiedete neue Regelungen zur Fahrersicherheit, darunter stabilere Barrieren. „Ich denke, die neuen Maßnahmen sind gut“, meinte Jakobsen. „Die neuen Barrieren sind sicherer, aber Bekanntschaft möchte ich mit ihnen nicht machen.“
Groenewegen und Jakobsen
Auch für Sturzverursacher Groenewegen gestaltete sich das vergangene Jahr anders als geplant. Direkt nach dem Sturz in Polen wurde er disqualifiziert und von seinem Team Jumbo-Visma auf unbestimmte Zeit suspendiert. Im November 2020 wurde der Niederländer schließlich vom Weltradsportverband UCI rückwirkend für neun Monate gesperrt.
Sein erstes Rennen nach der Sperre absolvierte Groenewegen im Mai 2021 beim Giro d'Italia. Zuvor traf er sich erstmals mit Jakobsen persönlich. Der 24-Jährige meinte danach aber: "Er hat sich seit dem Sturz in Polen nicht persönlich bei mir entschuldigt." Eine Aussöhnung klingt anders.
Kurz nach dem Horror-Unfall hatte Groenewegen erklärt: "Der Sturz auf der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt wird für immer ein schwarzes Kapitel in meiner Karriere bleiben. […] Es tut mir leid, weil ich ein fairer Sprinter sein möchte. Die Folgen waren sehr schwerwiegend. Ich bin mir dessen bewusst und hoffe, dass dies eine Lektion für jeden Sprinter ist."
Im vergangenen Jahr haben sich die beiden mal in Amsterdam getroffen, mitsamt ihren Anwälten, aber zur Befriedung taugte das nicht. Groenewegen hat danach öffentlich so getan, als hätten sie sich ausgesprochen, Jakobsen war not amused, dass der Unfallverursacher überhaupt über das Date sprach und hielt fest, dieser habe sich nicht bei ihm entschuldigt.
Die beeindruckenden Comebacks
Ein Jahr später sitzt der 24-Jährige wieder im Sattel und gewinnt sogar Etappen. Erst vor wenigen Wochen konnte Jakobsen auf der Tour de Wallonie seinen ersten Etappensieg seit seinem schweren Unfall einfahren. Der Niederländer vom Team Deceuninck - Quick Step siegte am 21. Juli auf der zweiten Etappe, wenige Tage später wiederholte er seinen Erfolg auf dem finalen Teilstück.
Jakobsen meinte hinterher: "Ich denke, das ist das Ende meiner Reha-Phase. Ich kann jetzt wirklich sagen: Ich bin zurück." Bereits bei seinem Debüt auf der Spanien-Rundfahrt 2019 gewann er zwei Etappen. Bei der am Montag gestarteten diesjährigen Polen-Rundfahrt fehlten beide. Für Groenewegen begann am Dienstag dagegen die Dänemark-Rundfahrt.
Im April 2021 kehrte Jakobsen zurück und gewann ein Jahr später die zweite Etappe der Tour de France im dänischen Nyborg.
Tour de France 2022: Ein besonderer Sieg
Fabio Jakobsen, 25, selbst hat es ein "Wunder" und ein "Märchen" genannt, dass er die erste Flachetappe der Tour für sich entschied; und auch wenn der Sport solche Begriffe gemeinhin arg inflationär verwendet, so wirken sie in diesem Fall nicht vermessen. Denn über die Bilder jener packenden Zieleinfahrt von Nyborg am Samstag, da legen sich gedanklich unweigerlich jene Bilder von einer dramatischen Zieleinfahrt in Katowice im August 2020.
Er habe erst wieder lernen müssen, ein Mensch zu werden, dann wieder lernen müssen, ein Fahrradfahrer zu sein, und dann wieder lernen müssen, ein Top-Sprinter zu werden, sagte Jakobsen in Nyborg. Aber durch den Sieg schließe sich ein Kreis.
Man kann sich das ja kaum vorstellen, dass ein Sportler eine solche Nahtod-Erfahrung im Kopf hat - und dann doch wieder in diesen gefährlichen Spurts mitmischt. Wie in kaum einem anderen Sport gehören im Radsport das Sturzrisiko und entsprechend schwere Verletzungen ohnehin dazu. Aber für die Sprinter gilt das alles noch auf besondere Weise, wenn sie auf den letzten Kilometern im horrenden Tempo um die besten Positionen kämpfen, hier noch einen Rivalen überholen wollen, dort noch Schulter an Schulter kämpfen. In jedem Moment kann es da wieder zu einem Sturz kommen, aber wer in so kritischen Momenten bremst, der hat kaum noch eine Chance inmitten der rasenden Meute.
Fabio Jakobsen stellt das Ganze nun so dar, dass er es nicht nur schafft, diesen Moment auszublenden, sondern dass in dem schrecklichen Moment das Fundament für seine weitere Karriere erwuchs. Der Sturz habe ihn als Person verändert. Er sei jetzt demütiger und liebe das Radfahren umso mehr; und die Schmerzen auf den letzten 500 Metern seien nichts im Vergleich zu den Schmerzen, die er auf der Intensivstation erlebt habe. Und so ist Jakobsen jetzt besser, als er es vorher jemals war.
Schon bei der Spanien-Rundfahrt im Herbst entschied er drei Etappen und die Punktewertung für sich, in der ersten Hälfte der aktuellen Saison gelangen ihm sieben Siege. Jakobsen war vor der Tour so stark in Form, dass die Teamleitung um Patrick Lefevere dafür sogar den Rekord-Sprinter Mark Cavendish (34 Etappensiege bei der Tour) ausbootete.
„Ich mag es, unter Druck zu agieren“, sagt Jakobsen: „Unter Druck formt man Diamanten.“
Weitere Rückschläge und Aufgaben
Europameister Fabio Jakobsen ist bei der 110. Tour de France ausgestiegen. Das teilte sein Team QuickStep-Soudal mit. Der Sprinter leide noch immer an den Folgen eines Sturzes auf der vierten Etappe. «An diesem Punkt scheint es für mich unmöglich zu sein, Paris zu erreichen. Ich kann einfach nicht regenerieren. Mein Körper erholt sich nicht von dem Sturz», sagte der 26-Jährige. Jakobsen hatte im Vorjahr eine Etappe bei der Tour gewonnen.
Schon in den Pyrenäen musste Jakobsen kämpfen, um im Rennen zu bleiben. Für den endschnellen Mann war es die letzte Tour für das belgische Team. Jakobsen hatte kürzlich angekündigt, QuickStep-Soudal zu verlassen. Als neuer Arbeitgeber ist das DSM-Team um John Degenkolb im Gespräch.
Bei der Tour de France 2024 muss Fabio Jakobsen aufgeben. Für den Niederländer nicht das erste Mal. Das Sportlerleben meint es nicht immer gut mit dem Sprinter. Kurz zuvor hatte der Niederländer auf der 12. Etappe der diesjährigen Tour de France aufgegeben. Wie schon im vergangenen Jahr, als der Niederländer ebenfalls aufgeben musste.
2023 war der Sprintstar auf der vierten Etappe schwer gestürzt, kämpfte aber weiter bis Etappe elf, doch dann war beim damaligen Fahrer vom Team Soudal Quick-Step Endstation. „Der Hotelservice hat andauernd neue Bettlaken gebracht, mein Bett sah aus wie ein OP-Tisch“, beschrieb der Niederländer damals bei Eurosport die Nächte nach seinem schweren Sturz in Nogaro auf der kurvenreichen Motorsportstrecke Circuit Paul Armagnac zwei Kilometer vor dem Ziel dar.
Stürze und Aufgaben sind eng mit Jakobsen verbunden. In diesem Jahr musste der Niederländer beim Giro d‘Italia ebenfalls aufgeben. Auf der elften Etappe war er im Zielsprint zu Fall gekommen. Tags drauf konnte er nicht weiterfahren. „Ich habe Schmerzen in der Brust und hatte eine schlaflose Nacht“, begründete Jakobsen seine Aufgabe bei der Italien-Rundfahrt.
Gesundheitliche Probleme im Jahr 2025
Der frühere Tour-Etappensieger und Europameister Fabio Jakobsen muss seine Radsport-Karriere auf absehbare Zeit unterbrechen. Seine Mannschaft Picnic-PostNL teilte mit, dass durch die Beckenarterien des Teamkollegen von John Degenkolb nicht genügend Blut fließe und er sich einer Operation unterziehen müsse. Jakobsen klagte schon länger darüber, nicht seine volle Leistung bringen zu können.
„Ich habe im Winter hart trainiert, aber meine Beine haben nicht so gearbeitet, wie sie sollten“, sagte der Tour-Etappensieger von 2022, „immerhin haben wir jetzt den Grund der Probleme gefunden.“
“Da die Diagnose sehr eindeutig ist und ihn derzeit beim Radfahren einschränkt, wird er sich einer Operation unterziehen, um zu versuchen, das Problem zu beheben“, wird Picnics Teamarzt in einer Pressemitteilung zitiert. Entsprechende Probleme können bei Leistungssportlern mitunter karrieregefährdend ausfallen, doch Jakobsen scheint Glück im Unglück zu haben.
Jakobsen selbst spricht sowohl von einem mentalen Rückschlag als auch einer gewissen Erleichterung. "Jetzt, da wir die Ursache des Problems gefunden haben, bin ich zuversichtlich, dass die Operation das Problem lösen kann. Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei vorwärts machen zu können, und ich hoffe, dass ich das jetzt tun werde. Ich habe diesen Winter gut trainiert und bin mit einer gewissen Zuversicht in die Saison gegangen.
„Die Operation bedeutet, dass Fabio zunächst etwa sechs Wochen lang nicht auf dem Rad sitzen wird und keine anderen anstrengenden körperlichen Aktivitäten ausüben darf“, sagte Teamarzt Camiel Aldershof. Gibt es nach dem am Mittwoch geplanten Eingriff keine Auffälligkeiten, kann der Sprinter in gut zwei Monaten wieder langsam ins Training einsteigen.
Damit ist davon auszugehen, dass er frühestens zur zweiten Saisonhälfte nach der Tour de France wieder Rennen fahren kann. Das käme zeitlich ganz gut mit der Polen-Rundfahrt hin, die ohnehin sein Schicksalsrennen ist.
Zusammenfassung von Fabio Jakobsens Karriere
Fabio Jakobsens Karriere ist ein Beweis für seinen Kampfgeist und seine Fähigkeit, sich von schweren Rückschlägen zu erholen. Trotz zahlreicher Stürze, Verletzungen und gesundheitlicher Probleme hat er immer wieder den Weg zurück in den Radsport gefunden und beeindruckende Erfolge gefeiert.
Wichtige Ereignisse in der Karriere von Fabio Jakobsen
| Ereignis | Datum |
|---|---|
| Schwerer Sturz bei der Polen-Rundfahrt | 5. August 2020 |
| Comeback nach Verletzung | April 2021 |
| Etappensieg bei der Tour de France | 2022 |
| Ausstieg bei der Tour de France | 2023, 2024 |
| Operation an den Beckenarterien | 2025 |
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